NFL Power Ranking 2016 – Week 16

Noch immer viel Bewegung in den Power Rankings für diese Jahreszeit.


Die New England Patriots bleiben nach dem Kantersieg über die Jets erwartungsgemäß ganz vorn und werden die Regular Season auch als #1 des Power Rankings abschließen, sofern nicht noch ein kompletter Meltdown gegen das vom Power Ranking nicht ganz so hoch eingeschätzte Miami passiert.

Die Mannschaft hinter den Patriots ist uns schon seit einigen Wochen bekannt: Die Atlanta Falcons werden nun auch in den USA langsam hochgejazzt, weil sie in den letzten Wochen damit aufgehört haben, knappe Spiele wegzuwerfen und mittlerweile mit 10-5 Record in exzellenter Position auf den #2 Seed in der sehr engen NFC zu erringen.

Wir kennen die Falcons schon seit etlichen Wochen als Stammgäste in den Top-5, und zwar dank der phänomenalen Pass-Offense. Ich schrieb schon zwei Monaten davon, wie herausragend Atlantas Pass-Offense funktioniert. Die Falcons haben ihren Level annähernd halten können, stellen mit exzellenten 8.2 NY/A im Passspiel die mit Abstand beste Luftwaffe der NFL.

Um diese 8.2 NY/A mal in Relation zu setzen: Die Rekord-Offenses der Broncos 2013 und der Patriots 2007, die sogar als beste Offense aller Zeiten angepriesen wird, schafften nur jeweils 7.8 NY/A im Passspiel über eine ganze Saison. Aaron Rodgers hatte vor zwei Jahren als unumstrittener NFL MVP auf dem Höhepunkt seiner Karriere 7.5 NY/A über die Saison.

Es gibt Passangriffe, die noch effizienter waren als Atlanta 2016. Aaron Rodgers schaffte 2011 sogar mal 8.3 NY/A über die Saison oder Peyton Manning, der in seiner auch über eine Dekade später noch immer schwer zu fassenden 2004er Saison unglaubliche 8.5 NY/A auf das Parkett zauberte. Die „Greatest Show on Turf“ der Rams erzielte im Jahr 2000 auch mal 8.3 NY/A und vielleicht für immer unerreicht ist Dan Marino mit seiner Saison 1984, als er vor allem Regeländerungen und Entwicklungen pro Offense atemberaubende 8.6 NY/A erzielte.

Aber Atlanta hat zwei heimliche Trümpfe: Die Falcons haben ihre Werte gegen den viertschwersten Schedule an Defenses erzielt. Die Falcons haben unter anderem gegen Seattle, Denver, Philadelphia, Arizona und Kansas City gespielt – viele hervorragende Passverteidigungen! Und Atlanta hat noch ein Spiel übrig, gegen die New Orleans Saints, die mit 7.1 NY/A die drittmeisten Yards pro Passspielzug abgegeben.

Er wird selten genannt und die Wetten für seine Wahl stehen schlecht, aber Matt Ryan ist für mich der unumstrittene Favorit auf den NFL MVP 2016. Langweilige Wahl oder nicht: Ryan führt diesen fulminanten Angriff an. Er hat auch schon über 500 Pässe geworfen und nur 7 Interceptions fabriziert, die fünftbeste Quote der Liga.

Atlanta wird in der öffentlichen Wahrnehmung gern durch seine zu schwache Defense runtergezogen, und Atlanta ist nach meinem Ranking auch nur die #26 Defense, aber: Gegen den Pass rangieren die Falcons nach meinen Metriken mit 6.2 NY/A auf Rang 11 – kein absurd schlechter Wert. Wenn Atlanta in den Playoffs in klimatisch günstigen Bedingungen – zum Beispiel zuhause oder im Hallenstadion von Dallas – spielen darf und gewohnt schnell Punkte aufs Tablett legt, könnte das durchaus ein Superbowl-fähiges Matchup für die Falcons geben.

Playoff-Felder

Die Playoffbilder in AFC und NFC habe ich bereits gezeichnet, aber lass uns mal kurz auf die Effizienzen der Kandidaten eingehen:

In der AFC haben wir:

  • #1 New England mit .744
  • #3 Pittsburgh mit .661
  • #7 Kansas City mit .595
  • #13 Oakland mit .556
  • #24 Miami mit .434
  • #26 Houston mit .407

Ein recht krasses Leistungsgefälle. Houston hatten wir in den letzten Wochen bereits oft als Augenauswischerei verspottet. Die Texans profitieren nicht nur von ihrer absurd schwachen Division (die AFC South hat ihre Mannschaften wie folgt klassiert: #20, #22, #26, #27), sondern überdies von einem 8-1 Record in engen Spielen. Houston hat ein Punkteverhältnis von -42 Punkten, was einer Pythagoreischen Erwartung von 6.6 Siegen über eine ganze Saison entspricht. Houston hat eine starke Defense, aber mit 5.2 NY/A auch das zweitschlechteste Passspiel der Liga. Immerhin brachte der frisch eingewechselte Backup-QB Savage in den eineinhalb Spielen als Einser-QB 6.0 NY/A an den Mann – allerdings ein sehr kleines Sample.

Miami ist eine andere Geschichte. Die Dolphins haben prinzipiell kein schlechtes Passspiel, wo auch QB Moore nicht krass abfällt. Die Offense ist unter den besseren der Liga klassiert, aber Miamis große Schwäche nach meinen Metriken ist die Run-Defense mit nur 55% Success-Rate als #28. Miami ist wie Houston relatives Glückskind in engen Spielen: 8-3 Bilanz.

In der NFC ist die Spitze etwas enger. Die bislang qualifizierten Teams sind wie folgt klassiert:

  • #2 Atlanta mit .705
  • #4 Dallas mit .621
  • #6 Seattle mit .605
  • #17 NY Giants mit .506

Dazu sind von den weiteren Anwärtern Green Bay (#5 mit .617) und Washington (#12 mit .563) recht hoch klassiert. Etwas abfallend sind die Lions an #25 mit .427 Siegchance auf neutralem Feld gegen ein durchschnittliches NFL-Team. Detroit gegen Green Bay ist am letzten Spieltag das Endspiel um den Gewinn der NFC North. Nach meinen Metriken ist Green Bay auch auswärts mit 4 Punkten favorisiert.

Rex ohne Kleider

Mindestens drei Top-10 Teams in meinem Power-Ranking werden die Playoffs verpassen. An der Front natürlich Buffalo, bei mir vor allem dank seiner exzellenten Rushing-Offense an #8 klassiert, das mit 8-7 Siegen mal wieder draußen bleibt und unter der Woche sogar Headcoach Rex Ryan feuerte.

Ich war mir nie sicher, inwieweit der Lautsprecher Ryan ins Provinzstädtchen Buffalo gepasst hat, aber Ryans kurzer Aufenthalt bei den Bills lief in vielerlei Hinsicht nicht wie erwartet. Anstelle die Super-Defense, die Ryan von Vorgänger Jim Schwartz erntete, weiterzuentwickeln, hatten die Bills unter Ryan trotz fehlender zufriedenstellender QB-Option überraschend sogar etwas Offense, während die Defense schnell abschmierte.

So fragt man sich heute, wo Ryans Defense-Genius aus Ravens- und Jets-Zeiten geblieben ist. Ist Ryan nur Produkt von epochalen Spielertalenten wie FS Ed Reed oder CB Darrelle Revis, die Ryan in deren Blütezeit coachen durfte und mit denen leicht stinken ist? Auf der anderen Seite muss man Ryan zugutehalten, dass er nie einen passablen NFL-Quarterback hatte – bei allem Respekt für Sanchez oder Taylor, die streckenweise nicht unterirdisch waren.

Die Bills treten nun offensichtlich auf der Stelle. GM Doug Whalen darf Ryans Nachfolger auswählen, und glaubt man den Gerüchten, hat sich Whalen bereits auf die „interne Lösung“ OffCoord Lynn festgelegt. Hauptkriterium in der Trainerwahl: Lynn hat auf die Kontrolle über die Zusammenstellung des Spielerkaders verzichtet, die Whalen unbedingt behalten will. Na denn…

Power Ranking

NFL Power Ranking 2016 - Week 16.png

Und so liest sich das ganze: Die erste Sektion (WP | E16) beschreibt die Stärke der jeweiligen Mannschaft. WP entspricht der Siegchance der jeweiligen Franchise gegen eine standardisierte, durchschnittliche NFL-Franchise, E16 ist WP hochgerechnet auf 16 Spiele (WP*16 = E16). Die zweite Sektion (SOS | Rs) beschreibt die Stärke des Schedules und die Platzierung des Schedules. OFF ist die Platzierung der Offense, DEF die Platzierung der Defense. LW ist die Platzierung der entsprechenden Mannschaften in der letzten Woche. Bereits für die Playoffs qualifizierte Teams sind fettgedruckt.

Nachfolgend noch die weiteren Effizienz-Tabellen. Eine detailliertere Einführung „wie lese ich diese ganzen Tabellen“ hab ich letzte Woche gegeben.

Wahrscheinlichkeiten

Woche 16 sah sowohl eine 11-5 Bilanz bei den Siegertipps wie auch gegen den Spread. Über die Saison ist das Power Ranking damit 77-43 bei den Siegertipps (64.2%) und 67-50-2 gegen den Spread (57.3%), was extrem nahe an der Zone ist, an der man Geld gewinnen kann (rund 57%).

Die letzte Woche verspricht überwiegend Spiele ohne direkte Playoff-Implikationen zu bringen. Viele Mannschaften werden ihre Backups spielen lassen um sich nicht zu verletzten bzw. weil die Saison eh abgeschenkt ist. Mein Ranking schert sich nicht um solche Spielchen und tippt, als würden alle voll spielen:

Wahrscheinlichkeiten, Week 17.PNG

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3 Kommentare zu “NFL Power Ranking 2016 – Week 16

  1. Baltimore hat die bessere Offense, bessere Defense, den schwereren Schedule, mehr expected Wins und ist im Ranking hinter den Giants?

  2. @Christian: Gut erkannt. Hab nachgeschaut, Special Teams sind ein Grund.

    Baltimore ist dort leicht hinter New York. Trotz Justin Tucker, denn die beiden Return-Units der Ravens und das Offensive-Punting der Ravens fallen im Vergleich zu den Giants ab.

    Ich bin mir bei den Special Teams ob der Gewichtung noch nicht sicher. Es dürfte noch einiges Optimierungspotenzial geben.

    Auffallend an den Special Teams der beiden Mannschaften ist zudem, dass ihre Special Teams unterschiedlich von Dingen außerhalb ihres Leistungsspektrums beeinflusst werden: Baltimore hat 14.5 Punkte „Gewinn“ durch gegnerische Fehler gemacht, Giants 12.5 Punkte verloren.

  3. Zweiter Grund, nachdem die Special Teams nur einen kleinen Teil der Differenz erklären: Strafen. Baltimore mit 0.39 Penalty-Yards pro Spielzug die #30 der Liga, NY die #8.

    Penaltys sind in Offense und Defense Ranking nicht enthalten.

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