Den NFL Playoffs würdig: Der Sonntag

Der Sonntag produzierte dann doch zwei furiose Playoffspiele.

Dallas Cowboys 31, Green Bay Packers 34

Rating: 10/10 – instant classic

Krasse Partie. Das erste, was mir aufgefallen ist, mag banal sein: Die Kameraführung im Cowboys-Stadion ist angenehm „hoch“ und gibt einen hervorragenden Überblick über das Geschehen am Feld. Der Kontrast zum Spätspiel in Kansas City war extrem. Die gute Sicht aufs Spielfeld war aber natürlich nicht das einzig Positive an dieser fulminanten Partie.

Green Bay stürmte aus der Kabine als gäbe es kein Morgen: Drei Drives, drei Touchdowns, 21-3 Führung und ein Aaron Rodgers on fire wie selbst in besten Zeiten nicht alltäglich. Dallas konterte mit einem grandiosen 4-Play Drive nebst atemberaubendem 40yds-TD Catch für WR #88 Dez Bryant.

Kurz vor der Pause stellt Dallas auf 13-21, aber im ersten Drive nach Wiederanpfiff jagt Rodgers die nächste Serie das Feld runter, 28-13. Dallas braucht ein halbes Viertel um sich zu erfangen. Aber dann kommt die Offense zu sich. Das Laufspiel groovt sich in einen sensationellen Tag für RB #21 Elliott, der über 5yds/Carry gegen die hervorragende Packers-Laufverteidigung macht. Dallas stellt auf 20-28.

Dann auf 26-28, wieder Bryant zum TD nach einem methodischen, 11 Plays langen Drive. Two Point Conversion, und QB #4 Dak Prescott mit einem QB-Draw zum Ausgleich 4:08 vor Schluss. Aber noch bleibt Zeit.

Packers an die DAL 38. 93 Sekunden vor Schluss das 31-28 durch Crosby.

Cowboys mit ihrem letzten Drive. Prescott das Feld runter, Bailey 35 Sekunden vor Schluss mit dem Ausgleich aus 52 Yards. Zwei lange Fieldgoals. Aber Dallas vergibt mit einem QB-Spike die Chance auf ein weiteres 1st Down.

Packers mit 35 Sekunden zum letzten Kick. Rodgers findet tief TE #89 Jared Cook und Cook mit dem Catch des Jahres an der Seitenlinie, irgendwie die Zehen ins Feld bringend und in einer Kombination aus Fallen und Liegen mit dem Catch an der DAL 32.

Crosby versenkt in der Schlusssekunde aus 50 Yards. Green Bay steht im Halbfinale.

Es war mit weitem Abstand das beste NFL-Spiel der Saison. Es war eine Partie, die alles hatte was die NFL-Playoffs zu der besten Ausscheidungsrunde macht die es im Weltsport gibt – vielleicht mit Ausnahme der Fußballweltmeisterschaft. Zwei gut geölte Mannschaften ohne große Bolzen. Punch, Gegenpunch und eine dramatische Schlussphase, in der das Team die Partie gewinnt, das den einen Big Play mehr macht.

Zufall rules.

Aber Zufall ist nie allein. Ich muss über Aaron Rodgers nicht mehr viel schreiben. Jeder, der dieses Blog verfolgt, weiß für wie einzigartig ich Rodgers halte. Brady und Brees sind famose Quarterbacks. Peyton Manning war in seiner Blüte seine eigene Liga. Aber Rodgers gibt mir noch mehr. Manning war so methodisch, dass er das Quarterbackspiel in der NFL revolutionierte. Rodgers revolutioniert nichts – denn Rodgers ist so einzigartig, dass es ihm keiner gleichtun kann.

Es mögen auch am Sonntag tiefe Würfe ins Nichts dabei gewesen sein. Aber es waren auch wieder diese ästhetischen Bomben, die kein anderer Quarterback jemals aus seinem Arm schütteln kann.

Dallas tut mir etwas leid. Ich war nie Cowboys-Fan und werde es nie sein. Aber ich habe hohe Achtung vor der Saison, die Dallas 2016/17 gespielt hat. Ich hatte ihnen nichts zugetraut. Sie haben mich Lügen gestraft. Sie haben mit ihrer konsequenten Strategie, auf Offensive Line zu setzen, vielleicht einen NFL-Maßstab reanimiert, der längst vergessen galt. Sie haben mit zwei grandiosen Rookies eine Offense komplettiert, die sich gewaschen hat.

Ezekiel Elliott mag von seinen Blockern profitieren. Er ist gleichzeitig ein Back, der ebenso explosiv wie intelligent auch Raum auf seine Art kreiert. Prescott ist für mich der Rookie des Jahres. Die Gegebenheiten der Cowboys-Offense sind gewiss ein Traum für jeden Quarterback, aber auf der anderen Seite hatten wir diese Bedingungen auch 2015 – und dort schmierte Dallas komplett ab. Prescott hat Grandioses geschaffen, und er hat in einer schwierigen Viertelfinalpartie geliefert. Ob Prescott allein Produkt der Offense ist, wird sich zeigen. Aber heuer war Prescott ein Phänomen, das man nicht unterschätzen sollte.

Credit auch die beiden Coaches. McCarthy und Garrett sind auf diesem Blog oft Objekte des Spotts. Sie haben beide ein großes Spiel gecoacht. Aggressiv, auf Sieg spielend.

Am Ende haben Kleinigkeiten entschieden. Cooks Catch. Die langen Fieldgoals. Knappe Calls. Einer der unterschätzten Plays in dieser Partie war der QB-Spike der Cowboys in ihrem letzten Drive zum Ausgleich: 38yds-Line, knappe Minute zu gehen. Prescott verschwendete das 1st Down per Spike. Seit langem bin ich gegen den QB-Spike, der nicht bloß Zeit kostet, sondern vor allem ein Down. Ein Down, dessen Wert du erst erkennst sobald du es gebraucht hättest.

Dallas hat nicht nur deswegen verloren. Aber: NFL ist Kleinigkeiten. Und diese gehörte dazu.

Kansas City Chiefs 16, Pittsburgh Steelers 18

Rating: 9/10

Jedes Spiel hätte wie ein Absacker gewirkt nach der großartigen Auftaktpartie, aber schließlich und endlich fand auch das letzte AFC-Viertelfinale zu sich und fabrizierte in unwirtlichen Bedingungen klammheimlich seine eigene anmutige Storyline.

Die Steelers gewinnen letztlich ohne Touchdown und mit sechs Fieldgoals bei den Chiefs, die einen ebenso starken Gameplan mitbrachten wie sie sich im letzten Viertel um den Lohn ihrer Arbeit brachten. Typisch Andy Reid, mag man meinen. Die Chiefs mit 10-18 Rückstand im letzten Viertel. Ein sieben Minuten langer Drive. Ein Timeout bereits im dritten Viertel verbrannt.

Ein weiteres in der Vorbereitung des 4th Downs, das letztlich das 16-18 bringt. Dann Two Point Conversion – erfolgreich. Aber Holding. Wiederholung. Misslungen. Kickoff tief. 3rd Down, und WR #84 Antonio Brown macht den Catch zum Sieg für Pittsburgh. Bill Barnwell könnte nicht präziser das Problem an Andy Reid Strategie erklären:

Acht Punkte Rückstand ist nur theoretisch „ein Score“. Acht Punkte ist Touchdown plus Two Point Conversion. Two Point Conversion ist erfolgreich in knapp 50% der Zeit. Und bringt ganz nebenbei selbst im Erfolgsfall nur den Ausgleich.

Die Chiefs haben eine starke Saison gespielt. Ihr Playoff-Heimspiel im Arrowhead Stadium ist eine Erfahrung, nach der ich jetzt mittlerweile seit dem puntlosen Klassiker gegen die Colts ein Dutzend Jahren lechze. Sie haben vieles richtig gemacht. Aber sie haben leider wie schon im letzten Jahr die falsche Comeback-Strategie gewählt.


Next Up: Das Semifinale als Prügel gegen das Mantra von Defense wins Championship. Brady, Rodgers, Roethlisberger, Ryan – mehr Quarterbackpower im Semifinale geht nicht. Over/Under: 120 Punkte.

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12 Kommentare zu “Den NFL Playoffs würdig: Der Sonntag

  1. Spielzug des spiels für mich war (neben des letzten catches von cook) vorallem, wie rodgers den ball (mit einer Hand!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!) festhält, nach dem er blindsiide von hinten gesackt wird…
    verliert er hier den ball, is das spiel gelaufen und Dallas würde in Atlanta spielen…
    selbst nach mehrmaliger Zeitlupe ist mir nicht klar, wie man diesen ball festhalten kann

  2. Zu GB – DAL: Echt ein Hammer Spiel. Auch wenn ich die Cowboys nicht leiden kann, haben die echt eine grandiose Saison abgeliefert. Als Bailey das FG zum Ausgleich schießt und noch Zeit auf der Uhr war, hatte ich schon so ein komisches Gefühl, dass das Ding jetzt vielleicht doch nicht in OT geht. Meine Güte waren da auch paar Hits dabei, gerade gegen Cole Beasley. Der hat mich ein wenig an Edelman im SB49 erinnert, der da von Chancellor in den Boden gerammt wurde… 😀 Ganz großes Playoff Kino auf jeden Fall!

    Zu PIT – KC: Auch wenn die Kommentatoren Le’Veon Bell in den Himmel loben und es bei jedem Running Play hervorheben: ich muss ihnen zustimmen. Gefühlt trabt Bell nach jeder Ballübergabe bei Inside Rushes an den Arsch seines Centers oder seiner Guards und wartet mal, was die Jungs so machen – bei der nächstbesten Öffnung 2-3 schnelle Schritte durchs Loch und tada: 4yds rush, 6yds rush oder 8 yds. rush… Kann mich im ganzen Spiel an vllt 3-4 Plays erinnern, die mal für 0yds bis -2yds gestoppt wurden, aber bei der Menge an Carries ist das mMn fast zu vernachlässigen. 30 Carries für 170yds sind 5,6 yds/carry -> Überragend!
    Einfach einzigartiger Stil, und dann auch noch erfolgreich… das könnte eine ganze schön heftige Aufgabe für die Patriots werden gegen diese O-Line und Bell in dieser Verfassung.

  3. Cowboys-Packers war wirklich großartig und ich bin auch überhaupt nicht traurig, dass die Cowboys raus sind. Ich denke, sie waren noch nicht reif für den großen Coup, aber sie werden gestärkt wieder kommen. Das Gerüst in der Offense steht. Wenn man für die Defense noch ein paar vernünftige Entscheidungen trifft, steuert man auf ein komplettes Team zu. Dazu: Jedes weitere Spiel von Rodgers fühlt sich wie ein Geschenk an. Unfassbar, der Mann.
    Die Chiefs haben es selbst weggeworfen. Die 2-3 Drops kamen zum jeweils ungünstigsten Zeitpunkt und das Clock-Management war wieder ohne Worte: Wie kann man in der 2.HZ seine tmeouts so wegwerfen?

  4. Ein tolles spiel das ist football wie man es liebt. Hoffe die halbfinals werden genauso spannend sein.

  5. Wenn beim Pass etwas schief geht ist die Uhr gestoppt.

    Zur Erklärung:
    Ein Spike kostet ein down und ca. 2sec + Zeit zum aufstellen
    Ein quickpass kostet vieleicht vier Sekunden – geht er schief – incompletion habe ich die Uhr gestoppt. Funktioniert er habe ich aber raumgewinn bzw. 1st down

    In diesem Fall hätten die Cowboys die Uhr runterlaufen lassen können….

  6. Das GB-DAL Spiel war der Wahnsinn. Nach diesem grandiosen Spiel ist es fast schade, dass das KC-PIT Spiel dagegen etwas unter geht. Das Ende war dort mMn fast genauso Spannend, mit der geglückten 2Pt.-Conversion, welche dann wegen Holding zurück gepfiffen wurde.

    Ich finde in den letzten Jahren immer mehr gefallen an den Chiefs. Andy Reid hat gezeigt, dass man in Ruhe ein konkurrenzfähiges Team um eine hervorragende Defense zusammenstellen kann auch wenn man auf QB keinen Spieler aus der Liga Rodgers, Brady, Wilson, etc. hat. Für meine Browns wäre dieser Weg nur wünschenswert.
    In den QB-geilen Medien in den USA wird nach dem Spiel wieder darüber diskutiert ob Alex Smith gut genug ist um den Titel zu holen. Aber das Ausscheiden gegen PIT war kein alleiniges Versagen des QB. Ich denke man sollte froh sein so einen Spieler zu haben der das Team führt und im Spiel kaum Fehler macht. Mir fallen sofort mindestens 10 Teams ein die über so einen QB froh sein könnten.

    Bei PIT hatte ich in diesem Spiel extrem das Gefühl, dass die Offense nur aus drei Spielern besteht. Das war vor allem in der Redzone auffällig wo Brown nicht mehr den Platz hat den er sich im Open-Field erarbeiten kann. Es wird nächste Woche gegen NE interessant werden wie deren Defense damit umgeht.

  7. @VM: Green Bay hat als #10 in Run-Defense abgeschlossen, mit 60.3% Success-Rate. Lange Zeit in der Saison eine Top-3 Rushing-Defense nach dieser Metrik.
    Final #14 nach DVOA.

    Ich gebe zu, ich hatte die sehr guten Werte von Saisonmitte präsenter als die finalen. In den letzten Wochen hat die Run-Defense offensichtlich mehr abgebaut als angenommen.

  8. Ich habe bei der Draft ziemlich laut gelacht als Jerry Jones einen Runningback an 4 gepickt hat. Das Lachen ist mir definitiv vergangen. Hut ab vor den Cowboys.
    @Dansk51: Ja, es ist erstaunlich, was für einen Spaß die amerikanischen Journalisten daran haben, QBs zu zerreissen. „Brady is no longer a difference-making quarterback.“ (Ty Schalter, b/r, 2014) Nach dem direkt folgenden SB-Sieg sollte man meinen, sie wären vorsichtiger geworden. Nope.

  9. Pingback: NFL 2016: Championship Games Previews | Sideline Reporter - Eier, wir brauchen Eier!

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