Just sin, Baby

Die NFL-Owner haben gestern in der Abstimmung das Erwartete gemacht und den Oakland Raiders mit 31:1 Stimmen den Umzug nach Las Vegas erlaubt. Der Deal kommt lange erwartet, nachdem der für NFL-Verhältnisse finanzschwache Raiders-Besitzer Mark Davis der Stadt von Oakland nicht das notwendige Kleingeld aus den Rippen leiern konnte, das Las Vegas bot.

750 Millionen Dollar an öffentlichen Gelder plus die Verpflichtung, in den nächsten Jahrzehnten mindestens weitere 200 Mio. in die Wartung zu stecken, bot Vegas den Raiders – ein Deal, den Oakland vernünftigerweise nicht mitging.

Die treibende Kraft hinter dem Wechsel der Raiders soll aber weniger Davis selbst sein, sondern vielmehr Jerry Jones, Cowboys-Besitzer und mittlerweile so etwas wie der heimliche Commissioner der NFL. Jones war nun die Schlüsselfigur in den drei großen Umzügen der NFL in den letzten 14 Monaten: Rams, Chargers, jetzt Raiders.

Der Clou: Jones ist Mehrheitseigner an „Legends“, einer Vermarktungsfirma, die im neuen Stadion der Raiders in Nevada die Lizenzen für die VIP-Loungen vertreiben wird. Eine Firma, die schon ihre Finger im Spiel hatte beim Bau des neuen monströs teuren 49ers-Stadions (der Stadiondirektor dort ist ehemaliger Legends-Manager) und die sich dumm verdienen wird beim Vertrieb der Lizenzen im neuen Rams-Stadion.

Nicht wenige gehen davon aus, dass Legends in Kürze wertvoller sein wird als so manche NFL-Franchise. Und Jones noch reicher.

Der Move der Raiders nach Las Vegas markiert auch das Ende einer Periode, in der die NFL den Sportwettenmarkt mied wie die Pest. Es ist die zweite große Liga nach der NHL, die nach Vegas gehen wird: Zwei Jahre noch sollen die Raiders in Oakland spielen, dann könnte der Move durchgezogen werden, wenn der Stadionbau fortschreitet wie erträumt. Eventuell passiert der Umzug ins neue Stadion auch erst 2020.

Anyhow. Raiders in Oakland sind lame duck – in einer Zeit, in der die Franchise erstmals nach langen Seuchenjahren wieder ein konkurrenzfähiges Produkt aufs Feld geschickt habt.

Das ist eine geschäftliche Seite des Moves. Die andere ist die emotionale.

Die Rams und Chargers sind – sorry – Allerweltsfranchises, deren Umzügen keine Sau eine Träne nachweint, weil sie austauschbar sind wie ein paar Schuhe.

Die Raiders aber sind eine Marke. Sie sind vielleicht die Marke der NFL – in einem Echolon mit den ganz großen historischen Franchises der NFL-Geschichte. Pittsburgh Steelers, Green Bay Packers, Chicago Bears, Dallas Cowboys, Oakland Raiders – das sind die großen Franchises, die niemand antasten darf.

Oder durfte. Die letzte vergleichbare Relocation war jene der Cleveland Browns, die 1996 nach Baltimore abzogen und zu den Ravens wurden – bis heute gilt dieser Move selbst in den USA als so große Sünde, dass der neuen Franchise damals die Rechte am alten Teamnamen verwehrt wurden und umgehend eine „neue“ Browns-Franchise in Cleveland aus der Taufe gehoben wurde.

Oakland wird keine neuen Raiders bekommen, denn die Marke Raiders verfügt in den USA über eine unvergleichliche Strahlkraft – so groß, dass sie niemals losgelassen werden wird. Just win, Baby und Committment to Excellence sind die beiden Schlagwörter, die der langjhährige Raiders-Pate Al Davis prägte. Die Raiders gewannen in ihrer nunmehr fast 70-jährigen Geschichte drei Superbowls, prägten die 70er wie sonst nur die Steelers, stritten sich mit der NFL um Relocations, gingen nach Los Angeles und kehrten nach Oakland zurück und besitzen (besaßen?) mit dem „Black Hole“ die markanteste Fanbase der NFL.

Noch einmal: Rams- und Chargers-Umzug lassen dich kalt. Aber Raiders im seelenlosen Las Vegas? Das ist schwer verdaulich. Auch wenn es seit Monaten ganz klar darauf hinauslief.

Das Business ist lange klar. Aber Las Vegas Raiders ist eine Sünde.

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6 Kommentare zu “Just sin, Baby

  1. Vielen Dank für den ersten Beitrag seit langem! Die Jones Seite war mir noch gar nichg bekannt. Schön zu wissen, warum der Typ auch bei den Rams&Chargers die Treibende Kraft war

  2. Die Rams und Chargers sind für mich auch keine Allerweötsfranchises. Das sind für mich so Teams wie die Texans, die Titans oder die Jaguars. Die Rams hatten in St. Louis die greatest show on turf und hatten davor eine nicht uninteressante Geschichte in LA (weshalb ich diesen Umzug sogar okay finde). Die Chargers hab ich halt mit Rivers nie langweilig oder so gefunden, wobei sie die NFL wahrlich nicht geprägt haben, außer der Air Coryell Offense vielleicht. Der Umzug hat mir wehgetan. Auch wenn ich dir Recht gebe, dass die Raiders ne andere Nummer sind. Wie dem auch sei: Fuck Dean Spanos, Fuck Mark Davis und nicht zuletzt: Fuck Jerry Jones.

  3. Titans würde ich aus der Zählung rausnehmen. Nehme die schon als „bedeutende“ Franchise war. Auch wegen der Vorgeschichte als Oilers. Jags und Texans sind eben noch relativ frisch. Aber ich verstehe schon was Korakoff meint. Die Rams und die Chargers haben kein „Profil“ keinen Charakter. Die Rams hatten das evtl mal zu Zeiten von Warner, Dickerson oder Faulk. Aber auch ein Warner wurde da ja fix vom Hof gejagt. Denke diese „marklosigkeit“ bedingt sich durch den Opportunismus und den allgemeinen Charakter der Eigentümer.

  4. Das auf jeden Fall.

    Aber die Rams sind für mich halt die LA-Vergangenheit und die GSOT. Die Chargers sind für mich mit so Namen wie Coryell, Fouts, Tomlinson, Schottenheimer und Rivers verbunden, geballte Offense im warmen Palmenland an der Grenze zu Mexiko. Die Titans verbinde ich fast nur mit Steve McNair, Jeff Fisher und einem/r verlorenen Super Bowl. Sie sind für mich halt auch nicht die Oilers, wie die Ravens nicht die Browns bis 95 sind.

  5. Ich find die Relocation-Diskussionen immer auch aus sporthistorischer Sicht ziemlich spannend. Für mich, als Anfang der 2000er NFL-sozialisierten Österreicher, ist das erstens was ziemlich Neues (Relocations gab es ja keine in den letzten Jahren) und vor allem beschäftigt man sich dann oft erstmals mit der Geschichte von Franchises. Gerade die Raiders mit deren marodem Stadion waren für mich nie eine besonders relevante Franchise, eben auch weil sportlich schon jahrelang im Loch. Ist dann durchaus spannend festzustellen, dass viele sie eigentlich als eine der absolut ikonischen Franchises bezeichnen würden – da merkt man erst, welche Wissenslöcher man hat, obwohl man die NFL doch schon über ein Jahrzehnt ziemlich intensiv verfolgt.

  6. Verrückt: Warum sind wir überhaupt Fans von Teams? Nach zehn Jahren ist in der NFL von den ursprünglichen Spielern eines Teams sowie Front Office kaum einer übrig. Langfristig bleiben nur Name und Logo. Sind wir Fans von einem Logo und einer Handvoll Legenden?
    Ich mag Teams wegen einzelner (aktiver) Spieler. Würden Edelman und Gronk nach LA wechseln, würde ich ihnen in den Playoffs gegen die Pats die Daumen drücken.

    Das einzige echte Argument, warum ich Teams als Ganzes mag, ist ihre Mentalität. Die Steelers zeigen eine Loyalität zu alten Spielern, die ein krasser Kontrast zu vielen anderen Teams ist. Einem fast 39-jährigen LB einen Zweijahresvertrag geben? Damn…

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