Dallas Cowboys in der Sezierstunde

Die Dallas Cowboys sind eine Mannschaf, bei der immer was los ist. Dieser Tage liegt das nicht bloß an der unerwarteten sportlichen Renaissance (2016 mit 13-3 Record), sondern auch am umtriebigen Franchise-Owner Jerry Jones, der mittlerweile als einflussreichster Mann der NFL gilt und sich als Hauptakteur im jüngsten Relocations-Wahnsinn profiliert und bereichert hat.


Wenn Jones sich gerade nicht um die Vergrößerung des NFL-Reichtums kümmert, hat er auch lichte Momente für den Fan zu bieten. So zum Beispiel, indem er QB Tony Romos Wunsch nach Entlassung nachkam, was Romo nicht zu einem Teamwechsel innerhalb der NFL nutzte, sondern in einen Vertrag bei CBS. Als Color Commentator und Ersatz von Phil Simms an der Seite von Jim Nantz.

Jubel?

Verhalten, denn so sehr ich den Abgang von „you know, Jim“ Simms begrüße, so zeugt es doch von einer gewissen Einstellung bei CBS, dass Simms durch einen völligen Grünschnabel im #1-Gespann ersetzt werden soll. Stichwort: Großer Name schlägt in der Nachbesetzung Qualität. Meine Befürchtung ist, dass Romo einen simmsig-dümmlichen Kommentarstil adoptieren wird, weil CBS es so will, und in spätestens drei Jahren gleich verhasst wie „talked about“-Phil ist. Was ich schade fände, denn ich mag Romo.

Offense

Ohne Romo liegt nun die ganze Verantwortung endgültig beim jungen QB Dak Prescott. Prescott mag in der Cowboys-Offense nicht das Epizentrum gewesen sein, aber zu sagen, seine Rookiesaison sei „allein“ Produkt der Gegebenheiten, fände ich zu hart. 7.1 NY/A im Passspiel bei nur 1.2% Interception-Quote sind selbst in einer Offense, in der das Passspiel nur die Nebenrolle spielt, eindrucksvoll.

Die Aussichten auf eine Wiederholung des Husarenstücks von 2016 sind aber etwas verhalten. Zum einen verlor die Offense Line in RT Doug Free (Rücktritt) und LG Ronald Leary (nach Denver) zwei prominente Mitglieder; einer wird vom jungen La’el Collins ersetzt, ein Mann, der vor wenigen Jahren als 1st Rounder galt, aber durch falsche Mordanschuldigungen ungedraftet blieb, als UDFA in Dallas unterschrieb und sich seither nicht in die starke Stammformation durchbeißen konnte. Der andere Starter, möglicherweise RT, könnte vermutlich Chad Green sein. Ergo: Insgesamt kleines Risiko, denn die Offense Line war der Erfolgsfaktor schlechthin.

Anderer Gefahrenherd: RB Ezekiel Elliott könnte einige Wochen wegen persönlichem Fehlverhalten gegenüber Frauen gesperrt werden. Runningback ist keine Premiumposition mehr, außer vielleicht in Dallas, wo sehr antizyklische Offense gespielt wird: Vertrauend auf starkes Blocking und großartiges Laufspiel um einen ebenso intelligenten wie wuchtigen Back wie Elliott.

Bricht Elliott weg, fällt mehr Verantwortung auf Prescott – was bei solch jungen QBs immer eine Unbekannte ist. Unabhängig davon, wieviel wir von Prescott halten wollen: Solch überragende Effizienz-Stats wie jene von 2016 sind fast nicht zu wiederholen, Stichwort „Regression zur Mitte“. Und diese Regression will aufgehalten werden.

Defense

Zum Beispiel durch verstärkte Investition in die Defense. DefCoord Rod Marinelli macht dort seit Jahren einen vernünftigen Job, ein kaum NFL-taugliches Spielermaterial zu bloß unterdurchschnittlichen Stats hochzucoachen. Trotzdem wäre die Option „unterdurchschnittliches Spielermaterial zu überdurchschnittlicher Defense“ besser.

Erstmal muss jedoch ein schwerer Aderlass im Defensive Backfield verkraftet werden. Ohne dass diese Kollegen zur NFL-Elite gehört haben, sind CB Carr, CB Claiborne sowie die Safetys Church und Wilcox doch massiver Verlust an Stammkräften. Ob sie durch den neu geholten Nolan Carroll, dem im unterirdischen Backfield der Eagles niemand nachweint sowie durch die aufstrebenden Youngsters FS Byron Jones und CB Brown (2tes Jahr) adäquat ersetzt werden können, steht in den Sternen.

Und selbst wenn: Dann ist immer noch nach der ersten Verletzung schon wieder Harakiri angesagt. Jede Wette, dass Dallas fleißig Defensive Backs draften wird.

Zumal „vorne“ nur wenig ernsthafter Punch verfügbar ist. DT McClain musste ziehen gelassen werden, und die beiden talentiertesten jungen Passrusher, DE Lawrence und DE Gregory, haben beide große Probleme abseits des Spielfelds. Gregory ist, soweit bekannt ist, bereits für das komplette 2017 wegen Drogenproblemen gesperrt. Lawrence saß erst kürzlich seine 4-Spiele Sperre ab. Und „Vierspielesperre“ deutet nur allzu häufig darauf hin, dass die nächste Suspendierung folgt.

Ausblick

Ich bin bekanntlich Cowboys-Skeptiker. 2016 war ich völlig überrascht über den Erfolg, da ich nach Romos Verletzung fest mit einem Kollaps gerechnet hatte. Jetzt bin ich erneut skeptisch. Zu steil gingen die Cowboys ab. Wenn der Draft keine veritablen „Impact Player“ für die Defense bringt, ist Dallas personell schwächer aufgestellt als 2016, wo man mit 7-2 Bilanz in engen Spielen und Pythagorean von 11.0 Siegen eine 13-3 Bilanz einfuhr.

Für die Cowboys müssen viele Steine richtig fallen, wollen sie den Erfolgslauf der letzten Saison aufrecht erhalten: Die zu 2/5 neue Starting-Offense Line muss sich schnell finden. Jones und Kumpel Goodell müssen einen Weg finden um eine Sperre für RB Elliott zu verhindern. QB Prescott muss seinen Level halten. Der Draft muss einen exzellenten Playmaker in der Front Seven sowie mindestens einen exzellenten Cornerback bieten.

Etwas viele Steine auf einmal.

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