NFL Draftvorschauer 2017 – Linebacker

Teil 3 der Draftvorschau mit den Linebackern – einer Position, die in der gegenwärtigen NFL etwas an Bedeutung verloren hat bzw. deren Klassifizierung etwas schwierig geworden ist. Den klassischen „Run-Stopper“ gibt es nicht mehr – häufig werden diese Art Linebacker in 3rd Downs ausgewechselt und durch einen zusätzlichen Defensive Back ersetzt. Dieser „zusätzliche“ DB war früher stets der Nickelback, der fünfte Defensive Back. Heute ist es sogar manchmal der „Dime Back“, der sechste DB.

Die Linebacker, die allen Ernstes drei Downs am Feld bleiben wollen, müssen heute extrem schnell sein. Sie gelten bereits als „halbe Safetys“. Die Trennung zum „richtigen Safety“ ist fließend. Genannt werden sie die „Hybrids“. Beispiele sind Deone Bucannon von den Cardinals, der als „echter“ Safety gedraftet wurde oder Deion Jones von den Falcons, der als „echter Linebacker“ gedraftet wurde. Sie sind die Prototypen der neuen Linebacker-Generation.

Reuben Foster

Über den besten Linebacker im Draft 2017 gibt es Konsens: Reuben Foster aus Alabama. Foster wird geradezu über den grünen Klee gelobt als fast perfektes Prospect. Mehr als einmal liest man über ihn als „neuen Patrick Willis“ – größere Vorschusslorbeeren kannst du nicht bekommen.

„Ich heiße nicht Ruben oder Rueben sondern Reuben“ Foster könnte mit 1.83m und 111kg durchaus in beschriebene „Hybrid-Kategorie“ gesteckt werden, aber weil er am College so derart dominierte und weil er die meisten Linebacker-Stereotypen so exakt erfüllt, glaubt man, seine Position bereits gefunden zu haben. Dabei könnte er mit seinen Qualitäten durchaus auch Aufgaben übernehmen, die über die klassischen Linebacker-Pflichten hinausgehen.

Er ist schnell genug um auf Blitzes geschickt werden zu können und flink genug um gegen Lauf und Pass kurzfristig die Richtung zu wechseln. Foster gilt als extrem aggressiver Spieler mit ausgeprägten Fähigkeiten, Spielzüge zu lesen. Kritisiert werden an Foster einzig und allein hie und da verpasste Tackles wegen zu übereifriger Spielweise und ein manchmal zu zögerlicher Approach im Spielzug. Es gibt in den Tapes einige Situationen, in denen es aus aussieht, als würde Foster den Spielzug richtig lesen, einen ersten Schritt machen, aber dann aus unerfindlichen Gründen zurückschrecken. Man glaubt, dass das mit zunehmender Erfahrung recht leicht behoben werden kann.

Linebacker ist in der heutigen NFL keine Premium-Position mehr, aber weil Foster mehrere Linebacker-Positionen spielen kann und weil er als Blitzer auch in 3rd Downs am Feld bleibt, geht man davon aus, dass Foster in den Top-15 gedraftet werden wird.

Die zweite Kategorie

Haason Reddick von Temple hatten wir schon gestern bei den Edgerushern. Manche sehen ihn durchaus als gutes Linebacker-Prospect, wenn es mit seiner Karriere als Passrusher nichts wird. Das kann für Reddick Fluch sein („nicht gut genug für einen reinen Pass Rusher“), aber auch Segen („kann als Schachfigur von Bill Belichick zu großem Ruhm kommen“).


Jarrad Davis von Florida ist dagegen ein recht klar definiertes Inside-Linebacker Prospect. Davis ist in etwa so groß wie Foster, aber etwas schwerer. Er gilt als extrem beweglich auf engstem Raum und als antrittsschnell genug um für sich auch kleinste sich öffnende Lücken zu nutzen.

Davis gilt als exzellenter Blitzer und kann damit drei Downs spielen. Er bleibt geduldig in seinem Gap hängen und wird sich als Tackle-Maschine profilieren. Probleme hat er manchmal mit zu hoch gesetzten Tackles, was zu Strafen führen wird. Zudem sagt man ihm eine gewisse Verletzungshistorie nach.


Während Davis als recht solider Prospect gilt, weiß man bei Vanderbilts Zach Cunningham nicht so recht, was man erwarten soll. Cunningham ist ein heiß/kalt Spieler. Er ist fast 1,90m und wiegt 114kg. Er ist schnell und gilt in lichten Momenten als richtiges Monster. Er kann auch schnelle Tight Ends abdecken, hat aber eine unausgegorene Tackling-Technik.

Cunningham soll tendenziell eher als Outside Linebacker eingesetzt werden, weil ihm noch die Spielintelligenz für einen echten Mike abgeht. Wenn er seine Aussetzer abstellen kann, dürfte Cunningham langfristig eine gute Chance haben, sich dank seines Speeds und seiner Deckungsqualitäten als „three Down Linebacker“ zu etablieren.


Ein sehr bekannter Name ist Raekwon McMillan von Ohio State. Fast 1,90m groß, 118kg schwer. McMillan war einer der Superstars im grandiosen Defense-Clash zwischen Ohio State und Michigan an Thanksgiving.

Draft-Scouts lieben ihn anscheinend nicht so innig. Er gilt als zu wenig explosiv für einen 1st Rounder. Seine Deckungsqualitäten auf höchstem Level sind vorsichtig gesagt umstritten und wenn du als zu langsam giltst um „Sideline to Sideline“ zu verteidigen, wirst du in der NFL im Jahre 2017 Schwierigkeiten haben, alle drei Downs am Feld zu bleiben.

Ich bin mit der Stellenausschreibung gespannt, wo McMillan gehen wird. Ist er einer dieser berühmten College-Stars, die sich im Draft-Prozess schwer tun, Anerkennung zu finden? Geht er wirklich erst in den mittleren Runden? Kann er sich mit seiner Spielintelligenz und mit seinem feurigen Charakter trotzdem seinen Platz in der NFL erobern?


Das Gegenteil ist ein Duke Riley von LSU. Er ist eher klein gewachsen, hat am College kaum gespielt und gilt deshalb als Unbekannte, aber sein Speed wird einige Teams mit entsprechendem „Scheme“ interessieren. Riley ist auch einer der Spieler, die zwar nach dem zweiten, dritten Schritt in Fahrt kommen, aber deren Antritt nicht wirklich überragend ist. Damit wird man in der NFL versuchen, ihn eher nicht genau dort aufzustellen, wo gerade die Musik spielt, sondern etwas abseits, vielleicht auf der Weakside.

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2 Kommentare zu “NFL Draftvorschauer 2017 – Linebacker

  1. Fosters Kurs ist ja gerade sehr am Sinken wegen dem ganzen Off-field-Zeug(Drug-test, Verhalten bei Combine). Bekommt wohl einer am Ende der ersten Runde nen Stud, wenn er das in den Griff bekommt

  2. Pingback: Vor dem NFL Draft 2017 | Sideline Reporter - Eier, wir brauchen Eier!

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