NFL Draftvorschauer 2017 – Offensive Line

Offensive Line ist, wie ich schon vor einigen Tagen angedeutet hatte, eine Position, die in der NFL für immer mehr Sorgenfalten sorgt. Man kann argumentieren, dass nur noch ganz wenige Mannschaften in der Liga eine wirklich gute Offensive Line besitzen – Teams wie die Dallas Cowboys oder Oakland Raiders sind prinzipiell mit ihren starken Lines heute fast schon Teams, die eine Marktineffizienz genutzt haben.


Die vielen schlechten Offensive Lines finde ich hauptverantwortlich für die rapide fallende Qualität der NFL-Spiele: Mannschaften wie Jacksonville, Houston oder Los Angeles beim Angriffsspiel zuzuschauen ist gruselig. Das mag vor allem an schlechten Quarterbacks liegen. Aber für die Unzahl an False Starts und verpassten Blocks kann der QB auch nix für – im Gegenteil: Er ist der Leidtragende.

Die Schuldigen an der Offense-Line Misere haben die Pundits auch schon ausfindig gemacht: Das dominierende College-System namens „Spread-Offense“. In einer Spread-Offense müssen Offensive Liner mobil sein und sowohl in Bewegung als auch im freien Feld Blocks setzen können. Die NFL verlangt von ihren Vorblockern weniger Fokus auf Beweglichkeit, dafür viel mehr auf Power und die Fähigkeit, im 1-vs-1 Kampf mit Defense Linern die Balance zu halten und die Hebelgesetze für sich zu nutzen um die Pocket zu beschützen.

Ob das Thema Offense Line, mindere Qualität und Sündenbock Spread wirklich so schwarz/weiß ist, ist schwer zu beurteilen, aber Fakt ist, dass gerade erst wieder im jüngsten Offseason-Fenster gigantische Summen für teilweise schlechte Offense Liner ausgegeben wurden, weil aus dem College nix gescheiteres nachkommt.

Offense Tackles

Es gibt aber Ausnahmen. Universitäten wie USC, Iowa, Michigan oder Wisconsin spielen keine Spread-Offense und schicken seit Jahren auch bessere Offensive Liner in die NFL. Wisconsin hat auch 2017 den für viele besten Offensive Tackle im Portfolio: Ryan Ramczyk. Aber auch Ramczyk ist nicht mehr der klassische 150kg-Bolzen, den du nicht nach hinten schieben kannst.

Ramczyk wiegt zwar stolze 141 kg bei 1.98m Körpergröße, aber er ist so leichtfüßig, dass du ihm nicht ansiehst, dass er nur ein Jahr Starter-Erfahrung am College hat. Ramczyk gilt nicht als super-geschliffener Pass-Blocker, soll aber hervorragende Qualitäten im Run-Blocking haben und sich mit Stunts und 1-vs-1 Blocking gut auskennen. Er lässt sich nicht verwirren von komplizierteren Blitz-Schemen und ist kräftig genug um die meisten Pass Rusher ohne Unterstützung durch Teamkollegen zu fesseln.

Aber Ramczyk ist Welten entfernt von Kalibern wie früher Walter Jones oder Orlando Pace. Er gewinnt zwar die meisten Duelle dank seiner flinken Füße, aber dass du wie weiland Jones eine komplette Saison keine Sorgen um die linke Flanke der Pocket machen musstest – die Zeiten sind vorbei. Ramczyk ist der klar beste Tackle in einer schwachen Klasse, was ihm einen hohen Draftpick einbringen könnte – aber das liegt mehr daran, dass es keine Alternativen gibt.


Der einzige andere Tackle von Format ist Cam Robinson von Alabama, wo in den letzten Jahren hie und da auch Spread gespielt wurde. Robinson wird seit Jahren als künftiger 1st Rounder gehandelt und ich kann mich erinnern, dass man vor 1-2 Jahren noch von ihm geschwärmt hat, aber er scheint in seiner Entwicklung stehen geblieben zu sein.

Man sagt Robinson nach, dass seine besten Plays All-Pro würdig sind und dass er „potenziell“ ein Superstar werden kann. Aber dann sind wieder viel zu viele schlampige Plays darunter, falsch gesetzte Blocks, Verlust der Balance, False Starts (über 10/Jahr) und Holding-Penaltys, die die gute Laune schnell ruinieren können.

Cam Robinson gilt nicht als völlig ungeschliffener Rohdiamant wie Namenskollege Greg Robinson, der 2014 aus Auburn kam und schwer floppte. Er ist technisch besser und näher am NFL-System als einst Greg. Die Schwierigkeit bei ihm wird sein, ihn konstanter zu machen. Keine einfache Aufgabe. Die Anlagen sind da, aber die Anlagen waren in der Vergangenheit bei vielen Spielern da. Sie dazu zu bringen, sich in jedem Snap nicht nur auf Talent und Intuition zu verlassen, sondern sauber den Block von Anfang bis Ende durchzuziehen, kann eine Herkulesaufgabe sein, an der auch gute Line-Coaches scheitern.

Offensive Guard

Es gibt auch Stimmen (wie Mike Mayock), die Cam Robinson eher als Guard sehen. Bei Mayock ist Robinson die #2 unter den Guards. Als besten Guard hat Mayock Forrest Lamp von der kleinen Western Kentucky University gerankt. Lamp gilt wie Robinson nicht als festgeschweißt auf eine Position. Viele sehen in ihm durchaus Starterpotenzial auf Tackle oder Center – die Vielseitigkeit ist in der heutigen NFL glaube ich mehr Fluch als Segen, zumindest wenn wir von Offense Line sprechen.

Lamp hat vor allem drei Probleme: Zu schwere Füße, zu wenig Konkurrenz am College und zu kurze Arme. Am College spielte er vor allem Tackle, aber eben jene zu kurzen Arme machen es unwahrscheinlich, dass Forrest Lamp in der NFL auf Tackle aufgestellt wird, wo die meisten Kraken aufgestellt werden. Auf Guard sind eher die kompakten Typen gefragt, die auf engstem Raum dafür sorgen müssen, dass die Defensive Tackles nicht durchbrechen.

Center

Center gilt in diesem Draft als verheerend besetzte Position. Auf kaum einem Big Board sind überhaupt Center geführt.

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5 Kommentare zu “NFL Draftvorschauer 2017 – Offensive Line

  1. Macht Green Bays Entscheidungen in der Off-Season noch unnachvollziehbarer. Sehe die Line bei denen als ganz großen Knackpunkt der kommenden Season. Das wird denen wehtun

  2. Ich denke, dass die College Spread-Offenses zwar durchaus großen Anteil am Nachlassen der OL Leistungen in der NFL hat, aber eine komplette Entschuldigung ist das auch nicht. Vielmehr zeigt sich, welche OL Coaches gute Arbeit leisten. Wenn ich z.B. bei den Steelers schaue, wir hatte jahrelang eine furchtbare OL, eine der miesesten der Liga. Seit aber Mike Munchak unser OL Coach ist, hat er eine Top-5 OL daraus geformt und plötzlich performen auch einstige Sorgenkinder wie Marcus Gilbert auf sehr hohem Niveau. Munchak hat es sogar geschafft, aus Villanueva, der die Position erst seit zwei Jahren spielt und vorher DL war (!), einen vernünftigen Starter auf LT zu machen.
    Wenn Munchak mal weg geht, bin ich überzeugt, dass auch unsere OL wieder einen recht ordentlichen Leistungseinbruch haben wird.
    Lange Rede kurzer Sinn: O-Liner kommen heutzutage deutlich „roher“ und unfertiger aus dem College, man kann aber trotzdem was aus ihnen machen. Nur sind nicht alle OL Coaches in der Lage, vernünftige O-Liner zu entwickeln.

  3. Gibt es denn im Nachwuchs so wenig Offenseliner? Sonst könnten sich Spieler mit größeren Träumen einfach gezielt Universitäten aussuchen, die sie auch besser auf die NFL vorbereiten.

  4. Für die These dass es evtl. an guten O-Line coaches mangelt, könnte auch die Tatsache sprechen, dass Bill B. vor 2,3 Jaren auch seinen alten, eigentlich bereits pansionierten OL-Coach nach NE zurückgeholt hat

  5. Pingback: Vor dem NFL Draft 2017 | Sideline Reporter - Eier, wir brauchen Eier!

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