Bills, Rams, Eagles: Die Watkins/Darby Trades in der Analyse

Der gestrige Freitag brachte die ersten großen Preseason-Trades des Sommers 2017.

Die Beteiligten: Buffalo Bills, Los Angeles Rams, Philadelphia Eagles. Die verschobenen Waren: zwei Wide Receiver, zwei Cornerbacks und ein paar Draftpicks. Hauptakteure waren die Bills.

  • Buffalo/Rams: WR Sammy Watkins plus 6th Rounder nach LA für CB E.J. Gaines und 2nd Rounder
  • Buffalo/Eagles: CB Ronald Darby nach Philadelphia für WR Jordan Matthews und 3rd Rounder

Die Message vom neuen Front-Office in Buffalo ist klar: “Wir haben Scheiße übergeben bekommen, schleifen uns durch dieses eine erste Jahr und bauen danach den Laden von Grund auf neu auf.” Der halbe Bills-Kader hat in Kürze auslaufende Verträge und Watkins war keine Ausnahme: Sein Vertrag läuft 2018 aus und Buffalo hatte bereits auf die 5th Year Option verzichtet. Watkins wäre also höchstwahrscheinlich im Frühjahr weg gewesen.

Watkins ist nur der Poster-Boy für die zahlreichen furchtbaren personellen Entscheidungen der Bills in den letzten Jahren. Er ist 2014 in der 1ten Runde nach Buffalo gedraftet worden. Die Bills hatten seinerzeit zwei 1st-Rounder in die Hand genommen um von #9 auf #4 hochzutraden und Watkins im Wide-Receiver lastigsten Draft seit Menschengedenken in eine Offense zu holen, die keinen Quarterback hatte. Seine Einberufung war eine der Aktionen, in der man auch ohne „Hindsight-Bias“ behaupten kann: Hab immer schon gewusst, dass das schon allein wegen der Opportunity-Costs ein schlechter Move ist.

Als Spieler ist Watkins ein 1B-Star wenn er fit ist. Er hat in drei Jahren fast 2500 Yards und 17 Touchdowns gefangen, obwohl er in keine auf Pass fokussierten Offense gespielt hat und insgesamt 11 Spiele verpasste. In Topzustand ist er eine Waffe, nicht viel schlechter als andere junge Receiver wie Beckham oder Cooper. Aber Watkins ist zu selten „in Topzustand“. Die Zipperlein gehören bei ihm dazu wie der Tee zum Kuchen.

Watkins in Los Angeles hört sich ein bisschen an wie Drama-Queen in Hollywood. Die Rams gehen ebenso mit neuer sportlicher Leitung in die Saison und der blutjunge Headcoach McVay gilt als QB-Flüsterer. Das wird es beim völlig verunsicherten QB Jared Goff nach dessen verheerendem Rookie-Einstand letztes Jahr auch brauchen. Dass die Rams nun die beiden besten Bills-Receiver (Robert Woods kam als Free Agent) als Verstärkung in die Offense holen – ein Move mit viel Entwicklungspotenzial.

Die Kosten aus Rams-Sicht für den Watkins-Move halte ich für vertretbar: 2nd Rounder und den selten überzeugenden CB Gaines für einen potenziellen Star-WR? Nehm ich. Interessant ist einzig, ob es die Rams wagen, Watkins bereits jetzt einen neuen Vertrag zu geben um nicht im Frühjahr die Franchise-Tag oder Abgang zu riskieren.

Die Aussicht für 2017 in Los Angeles ist nicht uninteressant. Einige der Schlüssel-Skillplayer sind sehr jung wie Goff, RB Gurley oder jetzt WR Watkins. Die Defense ist auf manchen Positionen exzellent aufgestellt, hat in Wade Phillips den mutmaßlich besten Defensive Coordinator der Liga, aber mit DT Aaron Donald ein Contract-Fragezeichen und kaum Cap-Space. Dazu eine Reihe an auslaufenden Verträgen. Sind die Rams „Win Now“?


Der zweite Trade, jener mit den Eagles, wirkt eng verknüpft mit dem Rams-Trade. Buffalo verschob Watkins nach Los Angeles und ersetzt ihn dann mit WR Jordan Matthews aus Philly. Die seit Jahren auf Cornerback-Suche befindlichen Eagles bekommen den jungen CB Ronald Darby als neuen Stamm-CB, können den eh unerwünschten Matthews abgeben, und die Bills ersetzen in diesem Zug in Darby einen jungen CB, der nicht wirklich ins System passte, mit einem etwas älteren Cornerback (E.J. Gaines) aus Los Angeles, der besser ins System passt.

Darby hat zwei NFL-Jahre auf dem Buckel und galt 2015 als echte Rookie-Entdeckung. Er soll nicht mehr wirklich ins Spielsystem vom neuen Bills-Headcoach McDermott gepasst haben. Darby ist vermutlich der kompletteste Spieler in diesem kompletten Tauschgeschäft. Er hat das Potenzial, die seit Jahren schwelenden Manndecker-Probleme in Philadelphia zu lösen und macht die Eagles möglicherweise jetzt zum Favoriten in der NFC East.


Macht Summa summarum folgendes Bild:

Die Bills schieben alle ihre Ressourcen in die nächste Offseason. 2017 war ein Bypass-Jahr, aber 2018 geht man mit jeweils zwei Picks in den ersten drei Runden (!) an den Start und hat damit ausreichend Munition um sich für die „Post-Tom-Brady Ära“ in der AFC East aufzustellen. Dabei verlieren sie zwar in Watkins und Darby zwei junge Talente, aber der eine wäre eh bald weg gewesen und der andere wird mit einem „Systemspieler“ kurzfristig ersetzt.

Die Eagles finden eine nicht allzu teure Lösung für ihr Cornerback-Problem (Darby kostet keine 2 Mio/Jahr für die nächsten beiden Jahre, plus 3rd Rounder) und können sich den Matthews-Abgang, den sie wahrscheinlich eh 2018 erlebt hätten, durch die Verpflichtungen von Alshon Jeffery und Torrey Smith leisten.

Die Rams haben sich mit Watkins so genannte „Upside“ eingekauft. Wenn Watkins einschlägt, wird der Trade als genialischer Move angesehen werden. Wenn Watkins floppt, ist der bezahlte Preis mit 2nd Rounder und Gaines auch kein kompletter Beinbruch gewesen.

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3 Kommentare zu “Bills, Rams, Eagles: Die Watkins/Darby Trades in der Analyse

  1. Guter Move von den Bills, für Watkins noch etwas herauszuholen. Ich verstehe den Hype um Watkins sowieso nicht. Was genau hat er in den letzten 3 Jahren besonderes geleistet, was ihn zu einem großen Verlust machen würde?

    Den Darby Move verstehe ich hingegen nicht. Klar ist er Man Corner v. Zone Konzept bei MacDermott, aber dafür den besten CB abgeben im Rookie Deal und mit 23 Jahren, klingt nach gewagt.

    Große Gewinner für mich Philly, die mit Darby und ab 2018 Sidney Jones hoch talentierte und junge Cornerb haben.

  2. Watkins hat großartige Anlagen – er ist in der Lage auch die top CBS aussteigen lassen zu können….
    Vlt. Landet er mal in NEw England …

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