College Football Preview 2017: Atlantic Coast Conference

Die SEC ist die prägende Conference im College Football unserer Zeit, aber im abgelaufenen Herbst, 2016/17, wurde ihr für ein Jahr der Rang abgelaufen von der kleinen, farblosen Cousine, der Atlantic Coast Conference (ACC) entlang der US-Ostküste.

Diese stellte natürlich zuallererst den Landesmeister in den Clemson Tigers. Aber darüber hinaus holte die ACC auch die meisten Bowl-Siege, stellte den Heisman-Trophy Gewinner in Louisvilles sensationellem QB Lamar Jackson und räumte dank der Florida State Seminoles auch noch die Orange-Bowl Trophäe ab.

Und wir sprechen nicht von einem One Year Wonder: Schon vor dem Titel der Tigers gab es den Titel 2013 der Seminoles sowie eine sehr knappe Endspielpleite von Clemson 2015. Die ACC, einst übersehen als die graue Maus unter den Power-Conferences, hat sich – auch ohne die Aura der SEC ausstrahlend – zur allseits respektierten Topliga hochgearbeitet.


Für eine erste schnelle Einordnung hier eine Aufstellung der Mannschaftsleistungen in den beiden Conferences 2016, sortiert nach dem erzielten Wert im Simple Ranking System (SRS). Zur Erinnerung: Der SRS-Wert setzt sich zusammen aus dem Punktverhältnis und dem Spielplan. Er gibt eine recht akkurate Schätzung ab, wie viele Punkte ein Team im Verhältnis zum durchschnittlichen FBS-Team besser oder schlechter ist. Beispiel Clemson: SRS 20.1 bedeutet „Clemson wäre auf neutralem Feld gegen das durchschnittliche Footballteam mit 20.1 Punkten favorisiert“. Clemson war damit letztes Jahr das zweitbeste Team in der kompletten FBS.

Atlantic Division

  • Clemson Tigers (SRS 20.1 | #2)
  • Florida State Seminoles (SRS 15.0 | #10)
  • Louisville Cardinals (SRS 11.9 | #17)
  • NC State Wolfpack (SRS 7.5 | #36)
  • Wake Forest Demon Deacons (SRS 0.7 | #68)
  • Boston College Eagles (SRS 0.6 | #70)
  • Syracuse Orangemen (SRS -4.5 | #89)

Allseits wird in der Atlantic Division ein enges Rennen zwischen Titelverteidiger Clemson und FSU erwartet. Beiden Teams sagt man dabei eine famose Defense nach. Während sich bei Clemson alle über die großartige Defensive Line sabbern, gilt die FSU-Defense als insgesamt breiter aufgestellt. Der Unterschied zwischen den beiden Mannschaften liegt aber vor allem in der Offense, wo die Tigers ihren Superstart QB Deshaun Watson an die NFL verloren, während bei FSU der QB Deondre Francois in sein zweites Starter-Jahr geht. Aufgrund dieses Vorteils gilt FSU bei den meisten als Divisionsfavorit.

Louisville gilt als gefährlicher Außenseiter, aber es gibt Fragezeichen: QB Lamar Jackson galt Ende letzten Jahres als ausgeguckt von der Konkurrenz. Wird er sein Spiel auf das nächste Level heben können? Dazu gilt die Defense als unzuverlässig.

Ein Auge ist auf NC State zu werfen. Das Wolfpack war letztes Jahr zwar nur 7-6 nach Siegen, hatte aber eine gute Bilanz im SRS. NC State war 2-4 in engen Spielen und verlor u.a. erst in der Overtime gegen Clemson und mit vier Punkten gegen FSU. Die Kadertiefe von Dave Doeren wird nicht reichen um die Division zu gewinnen, aber es ist nicht auszuschließen, dass NC State mit einem Überraschungscoup gegen einen der Big-3 entscheidend im Conference-Rennen eingreift.

Boston College hat unter Steve Addazio eine der besten Verteidigungen im Lande, spielt aber eine der langweiligsten und ineffizientesten Offenses überhaupt. Viele BC-Spiele sind zwar aufgrund der starken Defense auf dem Papier eng, aber wenn es zwei Minuten vor Schluss 3-10 steht, glaubt trotzdem nie jemand daran, dass die Eagles per Touchdown ausgleichen können, und schalten den Fernseher ab.

Coastal Division

  • Miami Hurricanes (SRS 13.4 | #12)
  • Virginia Tech Hokies (SRS 11.0 | #19)
  • North Carolina Tar Heels (SRS 8.3 | #30)
  • Pittsburgh Panthers (SRS 8.1 | #31)
  • Georgia Tech Yellow Jackets (SRS 7.1 | #37)
  • Duke Blue Devils (SRS -1.3 | #77)
  • Virginia Cavaliers (SRS -8.3 | #103)

Die Coastal Division hat kein absolut herausragendes Team im Stile von Clemson oder FSU zu bieten, ist aber in der Spitze sehr ausgeglichen besetzt. Als Favorit gilt diese Mal Miami/FL, das letztes Jahr schon zeitweise dominanten Football spielte, aber mitten in der Saison einen vierwöchigen Einbruch erlebte und vier Spiele en suite verlor – die einzigen vier.

Miami geht nun mit neuem Headcoach in die Saison: Mark Richt, früher Georgia Bulldogs. Die Canes-Defense von DefCoord Manny Diaz gilt als herausragend, aber beim Quarterback ist man sich nach Brad Kaayas Abgang noch nicht so sicher. Wer auch immer Kaayas Nachfolger wird, er hat mit RB Walton und WR Richards zwei großartige Playmaker zu „füttern“. Das könnte reichen um erstmals die Division zu gewinnen.

Virginia Tech hat unter DefCoord Bud Foster auch immer eine starke Defense, bringt aber einige Offense-Fragezeichen mit sich, nachdem Starting-QB und RB ihre Karriere beendet und sich bislang keine Nachfolger aufgedrängt haben.

Pitt gilt bei vielen als dark horse. Das liegt zum einen am neuen Quarterback Max Browne, der von USC kommt. Das liegt aber auch am Schedule: Pitt bekommt weder Clemson, noch FSU oder Louisville aus der Paralleldivision zum Gegner.

Georgia Tech spielt unter Paul Johnson noch immer die „triple option Offense“ mit viel Flexbone, hat sich aber spielerisch etwas diversifiziert. QB Justin Thomas muss ersetzt werden. Die Georgia-Tech Defense gilt als zu schwach um wirklich ins Conference-Rennen einzugreifen, aber mit seinem speziellen Spielstil sind die Yellow Jackets für jeden Gegner eine Bedrohung.

Große Fragezeichen hinter North Carolina, das QB Trubisky an die NFL verlor. Der Nachfolger ist der bei LSU mit viel Tamtam gescheiterte Brandon Harris, der sich in der Spread-Offense von Headcoach Fedora erst beweisen muss. Zudem ist DefCoord Chizik zurückgetreten – ein Eingreifen von UNC ins Divisionsrennen wäre eine Überraschung.

Am Bodensatz wird es nicht uninteressant sein, ob sich Virginia im zweiten Jahr unter Bronco Mendenhall konsolidieren kann. Die Cavs gurken seit Jahren etwas abgehängt durch die Liga, waren letztes Jahr 2-10. Eine Bowl-Qualifikation wäre eine positive Überraschung.

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4 Kommentare zu “College Football Preview 2017: Atlantic Coast Conference

  1. Schön, dass es die College-Previews auch dieses Jahr gibt. Allerdings ist anzumerken, dass Mark Richt bereits im zweiten Jahr der Canes-HC ist und damit nicht mehr ganz so „neu“. 😉

  2. Ich glaube nicht, dass Clemson die Power hat den Coup zu wiederholen. Watsons Abgang überstrahlt alles, aber auch Williams und Gallman waren wesentliche Faktoren und natürlich auch Tankersley und Boulware nicht zu vergessen. Aber vor allem Watson.

    FSU ist kompletter, da hilft auch das Auswärtsspiel in Clemson nichts. Gespannt bin ich ob Miami endlich seinen Vorschusslorbeeren gerecht wird, die Canes sind ja jedes Jahr ein Hoffnungsträger der dann alle enttäuscht aber unter Richt stimmt die Richtung (harhar) und ohne den Sloppy Monat letztes Jahr wäre das ACC Finale schon dann drin gewesen.

    Im Übrigen halte ich mindestens SEC und PAC12 für besser besetzt als die ACC, wenn dann war 2016 nur eine Ausnahme aber eine PAC12 hat keine solchen Stinker wie Virginia oder Duke.

    Anyway, danke dass wir hier wieder College Previews lesen dürfen! Freue mich schon auf die anderen Conferences.

  3. Grüß Gott Hr Korasakoff,
    Hast du Duke wegen augenscheinlichem Unvermögen aussortiert und nicht behandelt, oder gibts da was zB drittrundiges zu schauen?

  4. Ich kann nicht mehr alle 130 Mannschaften durchleuchten, also werden die „Rosinen“ herausgepickt – Teams mit einer Chance und Teams, über die es was zu erzählen gibt.

    Duke? Hab das Kurzpassgewichse von QB Dan Jones in Erinnerung. Ob Jones NFL-Material sein kann, ist schwer zu beurteilen, weil in zwei Duke Spielen kein einziger Ball über 15yds downfield ging, aber zumindest der Bewegungsablauf sieht einem NFL QB recht ähnlich.

    Ansonsten wirkt Duke eben wie Duke: Fokus nicht auf Football gelegt, wo man nur schaut, dass man nicht völlig abstinkt und alle paar Jahre eine Bowl-Qualifikation mitnimmt.

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