Clemson Tigers 2017/18 Preview

„Clemsoning“ war jahrelang das amerikanische Synonym für Vizekusen – das Versagen in den wirklich wichtigen Momenten. Der Term kam von der Footballmannschaft der Clemson Tigers, die in den Vereinigten Staaten über viele Jahrzehnte den Ruf „genossen“, trotz potenter Ausgangslage immer wieder unerwartet kurz vor dem Ziel zu stolpern.

Spätestens seit dem phänomenalen Finalsieg über die Dynastie Alabama im Jänner und dem daraus resultierenden zweiten Landesmeistertitel dürfte das Clemsoning erstmal aus dem Sportjargon fliegen. Daraus resultiert: Die Clemson Tigers gehen als Titelverteidiger in die neue Saison.

Rückschau

Zu behaupten, dass man Clemsons Titel nicht erwarten konnte, wäre falsch.  Nach dem atemberaubenden Final-Shootout der Tigers gegen Alabama im Jänner 2016 musste man die Jungs von Headcoach Dabo Swinney natürlich zum erweiterten Favoritenkreis zählen, aber ehrlicherweise kam der Sieg im Revanche-Spiel ein Jahr später doch überraschend.

Das Vize-Clemson von 2015/16 war vermutlich die noch stärkere Mannschaft als das gekrönte Clemson 2016/17, wurde aber knapp geschlagen. Clemson 2016/17 hingegen stolperte wochenlang durch die Saison, hätte mehrmals auf die Fresse fliegen können, ehe man sich in den letzten Wochen der Saison berappelte und schließlich fassungslose Playoffs spielte.

Letztlich siegte Clemson mit dem einzigen chancenreichen Rezept, das gegen die Alabama-Maschine funktioniert: Gewaltige Defensive Line plus double-threat Quarterback. Clemson hatte beides.

Wenn du an College-Football denkst, darfst du im NFL-Draftprozess nicht zu genau hinhören. Draft-Freaks werden dir erzählen, dass der Spieler gar nicht so gut ist, weil er den Ball zu steif hält und die Schweinehaut nicht so rattenscharf rauskommen wie beim Megaprospect aus der Big Sky, und dass Mobilität nicht so wichtig ist und die einmeterachtzig nicht für die NFL reichen und, und, und.

Mag alles sein.

Es stimmt sogar, dass ein Lamar Jackson im Vergleich der viel feurigere Quarterback ist. Aber insgesamt ist QB Deshaun Watson der beste, kompletteste College-Football-Quarterback gewesen, den ich bislang gesehen habe. Watsons Final-Performance im Jänner gegen Alabama konnte nur von einem, von ihm selbst, so kommen. Und sie war nach dem Stern-leuchte-so-hell-du-kannst Endspiel 2015/16 vermutlich nur seine zweitbeste Finalperformance ever.

Keine Frage: Clemson stellte ein komplettes Team, gerade im Vergleich zu allen anderen Gegnern, die sich in den letzten Jahren den Alabama Crimson Tide gestellt haben. Aber ohne einen Quarterback wie Watson hätte Clemson keine Chance gehabt, den National Title 2016/17 zu holen.

Jetzt kommt für Clemson der harte Teil: Es ohne den Superstar, der zu den Houston Texans in die NFL gegangen ist, zu richten.

Vorschau

Watson ist nicht der einzige Abgang, den Dabo Swinneys Mannschaft verkraften muss. Auch RB Gallman, WR Mike Williams, TE Leggett, DT Watkins, der feurige LB Boulware oder CB Tankersley sind weg. Sie alle bildeten das Rückgrat der Siegermannschaft. Sie hinterlassen aber auch eine der tiefsten Mannschaften im College Football, weswegen trotz des Aderlasses nicht davon auszugehen ist, dass die Tigers komplett einbrechen werden – denn vor allem in der Defense ist hinter dem genannten Trio kein weiterer wesentlicher Abgang zu betrauern.

Offensive und Defensive Lines gehören weiterhin zu den besten im Lande, und solange du die Schützengräben kontrollieren kannst, wirst du im Football immer eine Chance haben. In den beiden WRs Deon Cain und Hunter Renfrow gibt es noch immer gute Anspielstationen mit vielen Dutzenden Catches auf dem Buckel, und die RBs Fuller und Choice waren schon in der jüngeren Vergangenheit verlässliche Ballträger.

Aber die Offense wird letzten Endes so weit kommen wie sie vom Quarterback getragen wird. Und auf Quarterback ist nicht ganz klar, wer den Depth Chart anführen wird: Ist es der langjährige und etwas blasse Backup-QB Kelly Bryant oder der mobile Milchbubi Hunter Johnson, ein Freshman, dem man eine große Karriere vorhersagt, der aber erstmal beweisen muss, dass er mit 19 schon soweit ist, das Team zu führen?


Die Defense ist wie schon angedeutet weniger das Problem. Das Pass Rush um den monströsen DL Dexter Lawrence und DT Wilkins dürfte zu den besten im Lande gehören und ist auch deswegen immer nett anzuschauen, weil DefCoord Brent Venables seine Mannen recht lasch an der Leine lässt. Sprich: Sie gehen aggressiv zu Werke, werden nicht in ein zu enges Korsett gesteckt.

Schon allein wegen des Passrushes, aber auch wegen der insgesamt sehr erfahrenen Secondary sollte Clemson wieder eine Top-10 Pass-Defense auf Feld führen, was gegen den ACC-Schedule ein immenser Vorteil sein sollte.


Interessant wird der Schedule: Clemson sieht in Woche 2 die Auburn Tigers (Heimspiel), eine Woche später muss man auswärts gegen Louisville antreten. Kommt man hier ungeschlagen durch, ist bis zum November sowas wie Ruhe im Haus, und dann trifft man am 11.11. zuhause auf Florida State – im Idealfall ist das für Clemson der Showdown um den Gewinn der ACC Atlantic Division.

Allein… wenn man sich vor Augen führt, wie wesentlich das Quarterbacking von Watson trotz aller weiteren Stärken bei Clemson war, tue ich mir etwas schwer, noch einmal einen solchen Husarenritt wie in den letzten beiden Jahren zu erwarten. Auszuschließen ist bei Clemson nichts, auch nicht ein erneuter Conference-Gewinn, aber dazu kommt es nur, wenn zuzüglich zu allen weiteren Pluspunkten auch die Quarterback-Situation nahe am Optimum gelöst wird.

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