College Football Preview 2017: Big 12 Conference

Die Big 12 Conference ist die große Liga der US-Rednecks entlang des Mississippi. Sie gilt seit Jahren als die offensivgewaltigste Liga. 2016 war ein schwaches Jahr für die Big 12 – jetzt gilt es, sich wieder in der Spitzenklasse des College Footballs zu etablieren.


Eine der wichtigsten Mannschaften dabei sind die Texas Longhorns, die seit dem verlorenen BCS-Finale 2009/10 im sportlichen Mittelmaß versunken sind und zuletzt zwei Coaches hintereinander verschlissen. Seit Dezember ist mit Tom Herman ein neuer Cheftrainer am Werk, dem alle zutrauen, in Austin wieder an glorreiche alte Zeiten anzuschließen.

Texas ist deshalb so wichtig, weil die gesamte Big 12 im Prinzip vom Duell Texas vs Oklahoma (Red River Rivalry) lebt. Seit dieses Derby an Bedeutung verloren hat, fehlt der Conference der große Buzz, denn: Nichts gegen die sympathischen Kleinen K-State, TCU oder Oklahoma State, aber sie können nicht das Flair reproduzieren, das Oklahoma vs Texas ausstrahlt.

2016 wie gesagt: Sportlich ein schlechtes Jahr für die Big 12. Nicht nur das Verpassen der Playoff-Qualifikation war ein Problem, sondern auch und vor allem das Fehlen einer echten Spitzenmannschaft:

  • Oklahoma (SRS 15.0 | #11)
  • Oklahoma State (SRS 11.2 | #18)
  • West Virginia (SRS 9.6 | #22)
  • Kansas State (SRS 8.1 | #32)
  • Baylor (SRS 3.0 | #54)
  • TCU (SRS 2.6 | #56)
  • Texas (SRS 1.8 | #61)
  • Texas Tech (SRS 1.3 | #66)
  • Iowa State (SRS -4.4 | #88)
  • Kansas (SRS -10.7 |#115)

Die Oklahoma Sooners waren damit noch am ehesten das, was man im College Football „Elite“ nennt. Sie verschwanden letztes Jahr allerdings schon nach drei Wochen von der Bildfläche, nachdem gegen Houston und Ohio State zwei der ersten drei Spiele verloren wurden. Dass es danach keine einzige Niederlage mehr gab, interessierte kaum mehr jemanden, schließlich waren Siege gegen Big-12 Teams 2016 keine „Qualitätssiege“.

2017 wird nun vieles neu. Das Auffälligste: Der Head Coach. Bob Stoops, lange Jahre im Guten wie im Schlechten als „Big Game Bob“ bekannt, trat im Juni überraschend nach fast 18 Jahren am Cheftrainersessel in Norman zurück und übergab an seinen Nachfolger, den bisherigen OffCoord Lincoln Riley. Stoops war eine der markantesten Figuren im College Football. Er coachte Oklahoma zu einem Landesmeistertitel, etlichen BCS-Bowls und mehreren Finals. Er übergibt nun ein Team in gutem, aber vielleicht nicht herausragendem Zustand.

Sportlich am wichtigsten: Der ewige QB Baker Mayfield hängt ein weiteres Jahr dran. Mayfield sorgte die letzten zwei Jahre für Monster-Zahlen (über 7500yds und 76 TD) und gilt als Heisman-Anwärter. Er wird einen Angriff führen, der in WR Westbrook und den RBs Perine und Mixon wichtige Skill-Player verloren hat. Die wesentlichen Ersatzleute seien hier schonmal namentlich eingeführt: RB Rod Anderson und RB Abdul Adams sowie die WRs Mead und Brown werden für die großen Zahlen sorgen.

Die Frage bei Oklahoma ist: Hält die Defense? Letztes Jahr kassierte man fast 30 Punkte/Spiel, redete sich diesen Einbruch aber mit den zahlreichen Verletzungsausfällen schön. DefCoord Mark Stoops (Bobs Bruder) hat diesmal keine Ausflüchte – er muss liefern.

Im Rennen um den Landesmeistertitel kann Oklahoma mit dem großen Out-of-Conference Spiel bei Ohio State Anfang September punkten (aber auch schon vieles verlieren). Ein Sieg dort, und plötzlich ist die Tür zu den Playoffs weit aufgestoßen. Aber eine Niederlage dort – und schon wird es eng. Dann kannst du an Oklahomas Stelle nur noch hoffen, dass du ohne weiteren Stolperer durch die Big-12 Saison kommst und dass die Conference-Gegner einen besseren Eindruck als 2016 hinterlassen, Stichwort eben „Qualitätssiege“.


Wer der größte Konkurrent von Oklahoma sein wird, darüber herrscht keine Einigkeit. Einige sagen, es wird Oklahoma State. Die Cowboys leben von ihrer gewaltigen Offense, wo QB Mason Rudolph zu den MVP-Kandidaten gezählt wird und WR James Washington sensationelle 20yds/Catch macht. Vorteil für Oklahoma State: Man bekommt die Sooners am letzten Spieltag (Edit: dieses Jahr schon am 04.11. wegen des wieder eingeführten Conference-Finals am letzten Spieltag – siehe Kommentare) zuhause serviert.

Einige erwarten von Kansas State ein großes Jahr. Dort ist übrigens noch immer der bald 78-jährige Bill Snyder Head Coach. Snyder hat seine erfahrenste Mannschaft seit Jahren beisammen: Eine knochentrockene Defense und auf Quarterback in Jesse Ertz den besten Runner seit Collin Klein.

Ebenso am Eck hängend: Die TCU Horned Frogs, die letztes Jahr mit 6-7 Siegen so schlecht abschnitten wie schon länger nicht. TCU kämpft aktuell mit schlechter Presse, weil man sich mehrere disziplinarische Grenzfälle im Kader geleistet hat. So gibt es immer mehr Zweifel an der moralischen Integrität von Head Coach Gary Patterson. Was unbestritten ist: Pattersons Coaching-Fähigkeiten.

TCU lebt seit einigen Jahren mehr von seiner Offense denn von seiner markanten 4-2-5 Defense. Seit Trevone Boykins Abgang hat man jedoch keinen richtig starken Quarterback mehr gehabt. Kenny Hill, der letztes Jahr kam, gilt trotz einiger brillanter Spiele als nicht konstant genug um TCU in die Playoff-Diskussion zu hieven.

Wenig Vertrauen genießen im Vorfeld der Saison die Baylor Bears und West Virginia Mountaineers. In Baylor muss der neue Head Coach Matt Rhule noch den Scheißhaufen aufräumen, den Vorgänger Art Briles hinterließ (Tolerierung von Vergewaltigungen). West Virginia hat mehr das Problem, dass es fast die komplette Stamm-Mannschaft von letztem Jahr (als man 10-3 Siege holte) ersetzt werden muss.


Bleiben die Texas Longhorns aus der texanischen Hauptstadt Austin. Sie geben immer ein gutes Gesprächsthema ab. Texas ist die reichste Uni im College Football und liegt inmitten des Gebiets, das so viele Supertalente wie sonst nur noch Florida fabriziert. Noch besser: Wo sich in Florida die Unis auf den Füßen treten, will jeder junge Texas-Schüler, der sportlich was draufhat, zu den Longhorns.

Trotzdem bleiben seit Jahren die Ergebnisse aus. Wo unter dem heiß geliebten Head Coach Mack Brown, der mit Texas in zwei BCS-Finals einen Landesmeistertitel holte, zuletzt arge Disziplinprobleme herraschten, räumte Browns Nachfolger Charlie Strong zuletzt so radikal mit den Puffkeilern auf, dass alsbald keine vernünftigen Spieler mehr übrig blieben. Strong sorgte zwar für Ruhe im Kader, holte aber zu wenige Siege – und so wurde er gefeuert.

Der Neue ist wie eingangs erwähnt Tom Herman, der zuletzt in Houston eine physisch imposante Mannschaft aufbaute, die vom Standing her locker mit den Power-Five Teams mithalten kann. Weil jenem Houston aber der Zugang zu den Power-Five Conferences verwehrt blieb, wechselte Herman eben das Team und geht nun zu der prototypischen Power-Five Uni – eben Texas.

Herman ist das Rampenlicht gewohnt. Er coachte früher unter Urban Meyer und gewann als OffCoord einen Landesmeistertitel 2014/15. Dann Houston. Jetzt Austin – dort, wo er bereits einige Lehrjahre verbrachte. Das gilt als wertvolles Plus, denn kaum eine Uni erfordert so viel diplomatisches Geschick wie Texas mit seinen vielen Interessensverbänden.

Herman gilt als QB-Flüsterer, der mit einem third stringer die Landesmeisterschaft holte und in Houston aus dem Receiver Greg Ward einen der effizientesten QBs im Lande formte. Wird er es auch mit dem oft banalen Shane Buechele hinkriegen? Wenn nein: Kann RB Warren III die Offense tragen wie einst Ezekiel Elliott in Ohio State?

Wenn nochmals nein: Wird die von Todd Orlando gecoachte Defense ihren Aufwärtstrend von Ende letztem Jahr soweit fortsetzen, dass Texas schon heuer wieder eine Größe in der Big 12 wird?

Viele offene Fragen. Als relativ wahrscheinlich gilt, dass Herman aus dem Talentpool mehr machen wird als der etwas unglückliche Vorgänger Strong, der nie so richtig in Austin angekommen zu sein schien. Für Herman ist eigentlich eher 2018 und 2019 die Zeit, aber es würde niemanden überraschen, wenn die Longhorns schon heuer den einen oder anderen Nadelstich setzen können.

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6 Kommentare zu “College Football Preview 2017: Big 12 Conference

  1. Finde den BigXII Football faszinierend mit seinen extremen Offenses. Ich frage mich: Woran liegt es, dass die kulturellen Unterschiede zu einer SEC oder B1G so groß sind? Warum gibt es in der BigXII oder MAC solche Shoot Out’s während andere Conferences viel mehr auf Defense bedacht sind.
    An den Spielern und Coaches allein wird es nicht liegen ( zuviel Wechsel bei den Coaches z.B. MAC nach B10) und wenn man sich die Drafts anschaut, kommen aus der BigXII auch hinreichend viele Defence Prospects.

  2. Zu der Frage passt ein Artikel bei SB Nation, der sich fragt, ob die Defenses in der Big-12 gemeinhin für zu schlecht befunden werden: https://www.footballstudyhall.com/2017/2/10/14570536/are-big-12-defenses-underrated

    Quintessenz: Die Spread-Offense mit den vielen vertikalen Pässen wurde ursprünglich in der Big-12 eingeführt und von Coaches wie Art Briles in Baylor auf die Spitze getrieben. Das Spread-Konzept hat sich als effizientere Offense erwiesen als die früheren Offenses. Also mussten die Defenses sich umstellen. Sie haben nun nicht mehr das Ziel, „shutdown“ zu spielen, sondern versuchen schlicht nur noch, nicht abgeschossen zu werden um der eigenen, ebenso Spread spielenden Offense, eine Chance zu geben um ausreichend Punkte für den Sieg zu holen.

    Noch hat sich das Big-12 Football nicht landesweit durchgesetzt, weil solche extremen Offense-Teams (zu denen ich auch z.B. Oregon zählen würde) bislang in den BCS-Games/Playoffs nie den ganz großen Wurf geschafft haben. Aber du brauchst nur 1-2 Mal den großen Wurf, dann könnte sich die Revolution auch auf andere Ligen übertragen (Alabama oder Clemson spielen z.B. auch schon einiges an Spread-Offense, aber nicht ganz so radikal).

  3. Gibt es eigentlich einen Grund für das Abschmieren von TCUs Defense? Spielermaterial ist noch immer vom selben Schlag wie früher… ist die neue Generation der Air Raid Defense zu gut für die 4-2-5?

  4. @Brown Bomber:
    Gute Frage. Hab Habe letztes Jahr im Herbst mit einem US-Highschool Coach darüber gesprochen. Seiner Meinung nach können Gründe sein:

    – DL Coach ist zurückgetreten und Gary Patterson hat seither zu wenig Vertrauen in dessen Nachfolger, macht die ganze Arbeit selbst
    – Pech durch Verletzungsprobleme auf der essenziellen LB-Position bzw. das Shiften von talentierten LB auf DE (Spread Angriffe verlangen das)

    Ein ganz interessanter Punkt, den er noch nannte:

    – Air Raid Offense im Training: Durch verstärkten Fokus auf Air Raid Offense im Training wird es immer schwieriger, im Training disziplinierte Defense zu spielen und der Fokus auf die Basics im Tackling geht komplett verloren.

    Seiner Meinung nach ist dieser letzte Punkt der wesentlichste, weil er auch bei vielen anderen Air-Raid/Spread Teams zu sehen ist: Die Mannschaften mit dieser Offense geben ihrer eigenen Defense schlicht keine Gelegenheit mehr, sinnvoll Defense zu trainieren.

  5. „Vorteil für Oklahoma State: Man bekommt die Sooners am letzten Spieltag zuhause serviert.“
    Da es dieses Jahr wieder ein Big 12 Championsship-Spiel geben wird, findet Bedlam nicht am letzten Spieltag, sondern bereits am 4. November statt. So wird vermieden, dass OU und OSU möglicherweise an zwei aufeinanderfolgenden Wochenenden gegeneinander spielen.

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