College Football Preview 2017: Big Ten Conference

Die Big Ten Conference erlebt in den letzten Jahren einen ziemlichen Aufschwung, vor allem, seit in Ohio State (Urban Meyer), Michigan (John Harbaugh) und Penn State (James Franklin) neue Headcoaches am Werk sind, die der vor Jahren so banalen „Großen Conference“ wieder Leben und nationale Relevant eingehaucht haben.

Eastern Division

  • Ohio State Buckeyes (SRS 18.8 | #4)
  • Michigan Wolverines (SRS 17.6 | #5)
  • Penn State Nittany Lions (SRS 15.7 | #8)
  • Indiana Hoosiers (SRS 1.4 | #64)
  • Maryland Terrapins (SRS 0.0 | #71)
  • Michigan State Spartans (SRS -1.8 | #78)
  • Rutgers Scarlet Knights (SRS -7.0 | #101)

Die Eastern Division gilt typischerweise als die stärkere der beiden Big-Ten Divisionen, aber im Prinzip ist sie eine Zweiklassengesellschaft: Dort oben die Großen mit Ohio State, Michigan und Penn State, dahinter nur Kanonenfutter (Ausnahme: Michigan State, das 2016 einen Kollaps erlebte).

2016 gewann überraschend Penn State durch eine günstige Tie-Breaker Situation die Division und qualifizierte sich damit für die Rose Bowl, während das eigentlich nur Zweitplatzierte Ohio State dank der eindrucksvolleren Out-Of-Conference Ergebnisse für die Playoffs nominiert wurde – um dort von Clemson abgeschlachtet zu werden.

Ohio State gilt in diesem Jahr als der ganz klare Favorit, was nicht allein an eigener Stärke, sondern auch an Problemen bei den Gegnern liegt: Michigan verliert fast die komplette Stamm-Mannschaft und steht vor einem Umbruchjahr, Penn State kam zuletzt zu weit aus dem Nichts geschossen als dass man hier schon von einem stabilen Contender sprechen kann. Und Michigan State ist erstmal mehr damit beschäftigt, den Kader von notgeilen Vergewaltigern zu säubern.


Ohio State gilt neben FSU und Alabama als komplettestes Paket unter den 130 FBS-Mannschaften. Vor allem der Passrush um Hubbard, Lewis und Nick Bosa sowie der unglaubliche Linebacker-Corp um Jerome Baker und Chris Worley gelten als grenzgeniale Stärken, und im Defensive Backfield haben die Buckeyes in den letzten Jahren so viele Superstars hervorgebracht, dass der erneute Aderlass (CB Conley, CB Lattimore und FS Hooker waren 2017 hohe 1st Rounder) als kaum schwerwiegend betrachtet wird – Ohio State wird in Fachkreisen nicht umsonst mittlerweile schon „DBU“ (Defensive Backs University) genannt.

Die Fragen konzentrieren sich bei Ohio State auf die Offense: RB Weber gilt zwar als grundsolider Ballträger, aber QB J.T. Barrett spielte eine schlechte Saison 2016 und muss zwingend zu alter Stärke zurückfinden, will man gegen Alabama mehr als null Punkte erzielen. Problemzone: Der vielseitige Playmaker Chris Samuels ist weg und kann nicht 1:1 ersetzt werden.

Jener Samuels war der Matchwinner im „Spiel des Jahres“ gegen den Erzfeind Michigan. In Michigan beißt man sich heute noch in den Arsch, dass man dieses eigentlich überlegen geführte Spiel gegen Ohio State und somit die Playoffqualifikation in der Overtime weggeschmissen hat. Es tut umso mehr weg, weil es heuer nach vielen Abgängen schwierig wird.

Michigan 2017 geht fast durch die Bank mit neuen Startern in die Saison (z.B. 10 (!) neue Starter in der Defense), weswegen ein erneuter Ansturm auf den National Title als unwahrscheinlich gilt – und zudem bekommt man mit @Wisconsin das schwerste Inter-Divisional Matchup aller East-Anwärter.

Aber Vorteil Michigan: Man bestreitet das Derby gegen Ohio State zuhause. Vor allem, wenn Ohio State sein Topspiel gegen Oklahoma (Anfang September) nicht gewinnen sollte, könnte Michigan damit den Spielverderber für die Playoffhoffnungen der Buckeyes geben (gewinnt Ohio State gegen Oklahoma, dürfte auch mit 1 Niederlage das Playoff drin sein).

Oder ist Penn State erneut die Spaßbremse? Die Nittany Lions begeisterten letztes Jahr mit einer unglaublichen Offense rund um QB Trace McSorley und RB Saquon Barkley und holten sich überraschend die Big-Ten Meisterschaft. Skepsis ist aufgrund des Regressions-Faktors sowie einer ersatzgeschwächten Defense angebracht – aber wenn Penn State so spielt wie in der zweiten Saisonhälfte, hast du auch nichts dagegen, so einen Wirbelwind in den Playoffs zu sehen.

Western Division

  • Wisconsin Badgers (SRS 15.3 | #9)
  • Minnesota Golden Gophers (SRS 8.7 | #28)
  • Nebraska Cornhuskers (SRS 7.6 | #35)
  • Iowa Hawkeyes (SRS 6.8 | #39)
  • Northwestern Wildcats (SRS 5.5 | #42)
  • Illinois Fighting Illini (SRS -7.8 | #102)
  • Purdue Boilermakers (SRS -9.0 | #104)

Die Western Division ist deutlich ausgeglichener besetzt als der Osten. Allein: Es fehlt der große Sexappeal. Wisconsin gilt als Favorit, spielt aber eher die langweilige Sorte von Football: Laufspiel bis zum Vergasen in der Offense, Würgegriff gegen den Lauf in der Defense. Resultat sind sehr oft unspektakuläre Siege in der 24-14 Kategorie.

Wisconsin hat Schedule-Vorteil gegenüber seinen Konkurrenten im Westen, da man sowohl Ohio State als auch Penn State vermeidet und Michigan zuhause begrüßt. Wenn Wisconsin sich für das Conference-Finale qualifiziert, möchte ich erstmal sehen, wie etwa Ohio State mit einem Wackel-QB wie Barrett gegen die sehr solide Badgers-Defense anrollen will.

Potenzial, Wisconsin die Party zu vermiesen, haben mehrere Mannschaften. Iowa, das fast so wisconsig spielt wie Wisconsin. Minnesota, das schon letztes Jahr nicht schlecht aussah, tritt mit dem neuen, hoch gelobten Head Coach P.J. Fleck an, der zuletzt aus Western Michigan eine Mid-Major Macht formte.

Nebraska, das ewige 9-4 Nebraska, das Wisconsin als Heimspiel bestreiten darf. Aber Nebraska muss QB Tommy Armstrong ersetzen und switcht in der Defense unter DefCoord Diaco auf 3-4 um.

Schließlich und endlich könnte Northwestern eine der Überraschungen des Jahres werden. Schon letztes Jahr bot man Ohio State und Wisconsin die Stirn und verlor zweimal nur unglücklich. Headcoach Fitzgerald, der nie in Bedrängnis zu kommen scheint, hat überdies in QB Clayton Thorson einen Ballverteiler gefunden, der zu den besten in der Conference gehören dürfte.

4 Kommentare zu “College Football Preview 2017: Big Ten Conference

  1. Kann mir jemand das Mysterium der Wisconsin Badgers erklären? Ich interessiere mich jetzt schon 3-4 Jahre für Football.

    Die Drafts sind auch immer interessant, am interessantesten ist jedes Jahr aber die generelle Aussage das die O-Line Spieler wenn sie gedraftet werden am „fertigsten“ aus Wisconsin kommen(1-3 O-Line Teams generell im Collage, wie ich mitbekam).

  2. Ich verstehe halt nicht ganz warum sich immer die Finger nach Badgers O-Liners geleckt wird.

    Oder muss ich da wirklich so dumm denken und sagen daß jeder dicke Junge mit etwas Hirn bewusst die großen Colleges meidet weil man sich mit einer Ausbildung in Wisconsin ein besseres Leben(NFL) erhofft und dadurch zB die Long Horn nur gute Skull Player bekommen aber keine dicken Jungs

  3. Vieles hat mit der Philosophie des Athletic Departments zu tun. Dort hat Barry Alvarez das Sagen. Alvarez ist eine lebende Legende in Wisconsin, er war jahrelang Cheftrainer, später Athletic Director. Sein Credo waren stets hünenhafte, extrem physische Offense Liner.

    Wisconsin zieht diese Philosophie seit vielen Jahren durch. Es mag daran liegen, dass du in Wisconsins Highschools nicht die Supersprinter wie in Florida oder Texas bekommst, es mag daran liegen, dass generell der Fokus weniger auf Spread-Offenses liegt und man sich lieber auf alte Werte wie traditionelle Running Offense konzentiert. Fakt ist: Wisconsin legt seit Jahr und Tag enormen Wert auf das Recruiting und die Ausbildung seiner Offense Liner.

    Und sie suchen die größten, physischsten Blocker. Ich kann mich an ein Spiel erinnern, da brachte ESPN eine Grafik, dass Wisconsins Offense Line körperlich massiver gebaut ist als die Green Bay Packers in der NFL.

    Vor ein paar Jahren hat der damalige Headcoach Gary Andersen versucht, die Offense etwas umzustellen, weg von reinem Laufspiel hin zu etwas balancierterer Offense im Stile der Pac-12 Teams. Resultat: Er stellte auch das Recruiting um, holte etwas kleinere, flinkere, aber auch variablere Offense Liner nach Wisconsin. Das kam bei den Fans nicht gut an und nach den ersten suboptimalen Resultaten und der 0-59 Pleite gegen Ohio State im Big Ten Finale war Anderson schnell Geschichte.

    Unter Nachfolger Chryst sieht man die Rückkehr zu alten Wurzeln. Recruiting wieder von größeren Offense Linern, vor allem aus „der Region“ kommend. Sie recruiten nicht landesweit. Sie holen sich die schwersten Jungs aus der Gegend und bilden sie aus.

    Wisconsin hat eine etwas eigene Herangehensweise an Offense Line. Sie stellen ihre Neuen erstmal eineinhalb Jahre in den Kraftraum ehe sie überhaupt das Spielfeld sehen. Ein Joe Thomas, vielleicht bester Offense Liner des Jahrzehnts, wurde z.B. als Freshman fast nicht eingesetzt. Dafür legte er enorm an Masse zu.

    Weitere Erfolgsfaktoren: Wisconsin spielt eine vergleichsweise NFL-nahe Offense, zumindest wenn man es mit Offenses wie Auburn oder Oregon vergleicht. Die Spieler kennen zumindest die Basics von NFL-Offense, sie operieren viel weniger „in Space“ als Auburn oder Oregon und Co. Sie spielen auf engstem Raum – wie auch die NFL an der Line of Scrimmage vergleichweise mit wenig Platz spielt.

    Was ich weniger gut beurteilen kann: Wie gut sind diese Prospects im Pass Blocking? Wisconsin spielt kaum vernünftige Pass-Offense. Aber die Pass-Techniken scheinen immerhin noch NFL-näher zu sein als an den ganz krassen Spread-Unis, wo vor allem Speed, Space und viele tiefe Touchdowns (also: Skill Player) zählen, weniger die „unsexy“ Offense Liner.

  4. Erst einmal ein dickes WOOOW.!!

    Ich hatte ja mit gar keiner oder zumindest einer oberflächlichen Antwort gerechnet aber diese zog mir doch glatt die Socken aus.

    Danke dafür, ich fühle mich jetzt sehr informierter und habe noch Anhaltspunkte für Recherche erhalten! Wirklich Klasse:)

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