Die furchtlose NFL-Vorschau 2017/18 | Die Kronprinzen

Teil 3 der großen NFL-Vorschau 2017/18 mit den Mannschaften, die zu den heißeren Playoffanwärtern gehören. Aus dieser Riege sind immer wieder Mannschaften ganz nahe oder bis in den Super Bowl gekommen – aber im Vergleich zu den morgen vorgestellten acht Titelfavoriten haben sie doch den einen oder anderen Schwachpunkt zu viel.

Arizona Cardinals

Playoff-Wahrscheinlichkeit: 33.2%

Die Arizona Cardinals waren die große Enttäuschung der letzten Saison: Gestartet als vielleicht größte NFC-Titelhoffnung, gelandet mit 7-8-1 Record weit außerhalb der Playoffs. Ich schrieb schon vor einem Jahr über die Dinge, die schief gehen können bei noch so perfekt klingenden Teams – und viele der Befürchtungen sind eingetroffen.

Trotzdem: Arizona hat unter Head Coach Bruce Arians das, was man in den USA einen starken „Track Record“ nennt: 2013 in einer Monster-Division mit 10-6 Siegen und extrem guten Effizienz-Stats nur knapp die Playoffs verpasst. 2014 im „Ryan-Lindley-Jahr“ trotz dürftiger Pass-Effizienz die Playoffs erreicht. 2015 das Megajahr des Carson Palmer mit Qualifikation des NFC-Finals.

Dann kam der Downer: 2016. Es sollte das Jahr sein, aber es zündete nie so recht. Arizona blieb von Anfang an hinter den zugegeben extrem hohen Erwartungen zurück. Aber ein schwaches Jahr reicht nicht aus um das Vertrauen in Arians und seinen Stab in ihren Grundfesten zu erschüttern.

Hauptverantwortlich für den Glaube an positive Regression ist die exzellente Defense von Coordiantor Bettcher, die letztes Jahr nur 5.7 NY/A im Passspiel kassierte und bei mir insgesamt als #3 abschloss. In der Offseason musste man einige wesentliche Abgänge wie DL Calais Campbell oder FS Tony Jefferson verkraften, aber prinzipiell wären sie nicht die ersten Abgänge aus der Cardinals-Defense, die in den letzten Jahren ohne großen Qualitätsverlust verkraften werden.

Campbells angedachter Nachfolger ist DT Robert Nkemediche, vor einem Jahr ein heiß diskutiertes Draft-Prospect. Nkemediche soll sich in seinen ersten NFL-Snaps ganz ordentlich gemacht haben. Regelrecht euphorisch ist man bei Nkemediches vermeintlichem Nebenmann, DT Gunter, der als Rookie 2016 sensationell gespielt haben soll.

Für den Passrush hat man sich DE/OLB Haason Reddick in Runde 1 gedraftet, für das Defensive Backfield den Safety Budda Baker. Bei Baker stellt sich die Frage, ob er als direkter Ersatz für Jefferson gedacht ist oder eher langfristig als Nachfolger von Superstar DB Tyrann Mathieu aufgebaut werden soll. Da man auch FS Bethea als Notnagel verpflichtet hat, spricht zumindest vieles für eine tiefe Rotation. Im Backfield ist somit die größte Frage jene nach dem #2-Corner hinter der Abrissbirne CB Patrick Peterson.

Einen Absturz der Defense wird es somit nicht geben. Vielleicht werden es nicht mehr 48 Sacks, vielleicht wird man nicht mehr 64% der Laufspielzüge für negative EPA abwürgen – aber eine Top-10 Unit kann man trotzdem mit gutem Gewissen erwarten.

Die Frage ist eher: Wird die Offense wieder auf die Beine kommen? Sogar soweit, dass sie leichte Effizienzverluste der Defense auffangen kann?

Die Vorzeichen stehen gut: QB Carson Palmer, 2015 mit über 8 NY/A ein gefeierter Comebacker, brachte letztes Jahr nur banale 5.7 NY/A an den Mann. Regression ist wahrscheinlich, denn: Palmer allein war nicht das Problem. Vieles schob man der unterirdischen Offense Line zu, die 127 QB-Hits zuließ – das sind Werte, da sehen die Indianapolis Colts gut dagegen aus. Das sind aber auch Werte, die sich in der Extreme kaum wiederholen werden.

Die Offense Line wird etwas umgebaut: Der junge OT Humphries wird auf links geschoben, weil rechts RT Veldheer (2016 verletzt) wieder zurückkommt. Bei OG Iupati muss man abwarten, ob sein schwaches Jahr 2016 ein einmaliger Ausrutscher oder Bote des Laufs der Zeit ist. Arizonas Offense funktionierte schon ohne superbe Protection. Einfach „okay“ reichte oft schon aus. Es darf nicht nicht „grottenschlecht“ sein.

Den Rest werden RB David Johnson (2016: über 2000 Yards und 20 TD), Slot-WR Larry Fitzgerald und der auf breiten Beinen stehenden Flitzer-Corp Brown/Brown/Nelson machen. Auch wenn es nicht nochmal die Höhenflüge von 2015 werden und auch wenn Palmer du Fitzgerald den Zahn der Zeit bereits spüren: Dafür, dass Arizona erneut auf nur 5.7 NY/A Passspiel kommt, gibt es genau ein realistisches Szenario – Palmer verletzt sich früh in der Saison und Backup Blaine Gabbert übernimmt.

Arizona hatte Pythagorean von 9.5 Siegen, das viertbeste Punktverhältnis der NFC. Die Cardinals waren mit 2-5-1 in engen Spielen eine unglückliche Mannschaft, die mit einigen Ballbounces Differenz in den Playoffs gestanden wären. Und sie dürfen diesmal den 2t-einfachsten Schedule der Liga bestreiten. Die Fragezeichen in Defense und bei Palmer und Konsorten sind mir zu groß um Arizona an Seattle vorbei in die Spitze zu schreiben, aber die Cards sollten zumindest bis zum Schluss wieder um die Post Season mitfighten können.

Cincinnati Bengals

Playoff-Wahrscheinlichkeit: 39.0%

Die Cincinnati Bengals sind das AFC-Pendant zu den Cardinals: Ein über Jahre stabiles, sehr gutes Team, das 2016 von Abgängen und Verletzungen nach unten gerissen wurde. Auch sie wurden mit 6-9-1 Record unter Wert geschlagen. Cincinnati hatte die Performance eines Teams mit 8.3 Siegen nach Pythagorean, hat also 1.8 Siege underperformed. Die halbe Defense fiel verletzt aus. Und man war 1-5-1 in engen Spielen. Es ist also bei den Bengals wie bei den Cardinals wahrscheinlich, dass die Richtung nun wieder nach oben zeigt.

Ein Problempunkt vom letzten Jahr könnte sich allerdings verstärken: Offense Line. LT Withworth zog nach Los Angeles ab, RG Zeitler nach Cleveland. Die Offense Line hat damit in den letzten Jahren einigen Aderlass verkraften müssen, auch wenn RT Smith heuer zurückkehrt. Cincinnati hat vor zwei Jahren in 1st und 2nd Round zwei Offense Liner gedraftet: Ogbuehi und Fisher – man scheint also vorbereitet gewesen zu sein. Bloß: Die beiden Jungspunde waren bislang sportliche Enttäuschungen.

Und wenn man bei QB Andy Dalton eines weiß, dann ist es die Notwendigkeit von guter Pass Protection. Daltons Stern glänzte 2016 nicht mehr ganz so hell wie in den Jahren zuvor – was man neben dem vielen Druck auch daran festmachte, dass er abseits von WR A.J. Green wenig anzuspielen hatte. WR #2 und #3 waren gegangen, TE Eifert ständig verletzt. Jetzt hofft man, dass Abhilfe geschaffen ist und der grandiose Green entlastet werden kann:

  • TE Eifert ist wieder gesund
  • WR John Ross als deep burner kommt aus der 1ten Runde Draft. Er wird in homöopathischen Dosen als Ablenkungsmanöver eingesetzt werden
  • In RB Joe Mixon aus der 2ten Runde kommt der für viele kompletteste und fangstärkste Back des Drafts dazu

Gut möglich, dass Mixon schon jetzt den zuletzt enttäuschenden RB Hill ersetzt und sich ab sofort mit RB Bernard als Tandem abwechselt.

In der Defense geht es vor allem darum, gesünder zu bleiben als letztes Jahr. Was stark war: Man kassierte trotz vieler Ausfälle nur 6.1 NY/A gegen den Pass. Die Unit ist sowieso erstaunlich: Obwohl DB Guenther noch immer Zonenverteidigung spielt und die Bengals kaum starke Passrusher abseits von DT Geno Atkins haben, obwohl sie kaum Highlight-Plays fabrizieren, ist die Defense immer produktiv.

In Atkins, LB Burfict (6 Spiele Sperre) und Safety Iloka gibt es eine verlässliche Achse, um die herum sich eine Abwehr sammelt, die sich oft wie Mehltau über die Offense legt und diese langsam einschläfert. Auf Cornerback draftet man seit Jahren 1st Rounder, lässt sie zwei Jahre im Training reifen und hat dann exzellente Deckungsspieler auf Jahre zur Verfügung. CB Kirkpatrick, CB Dennard sollten jetzt die Einser sein. Ob CB Williams Jackson III, geholt 2016, schon heuer zum Einsatz kommt, weiß nur Headcoach Marvin Lewis allein.

Die Bengals sind damit ein recht sicherer Tipp im AFC-Playoffkampf. Wenn sich die Offense Line stabilisiert und Dalton ausreichend Zeit bekommt, kann es wieder ganz schnell Anschluss an die Steelers geben. Aber zumindest ein Verbleib im Rennen um die Wildcards bis spät in den Dezember hinein ist die Minimalerwartung.

Dallas Cowboys

Playoff-Wahrscheinlichkeit: 63.2%

Eingeständnis: Die Dallas Cowboys sind die Black-Box der „furchtlosen Vorschau“. Sie machen nie das, was man von ihnen erwartet – obwohl sie eigentlich sehr erwartbar spielen. Vor zwei Jahren sah ich sie unter den Titelkandidaten, ehe sich Tony Romo verletzte und sie angeführt von Backups auf 4-12 krepierten. Letztes Jahr verletzte sich Romo bereits in der Preseason und ich schrieb die Cowboys als Rohrkepierer ab – nur damit die phantastische Rookie-Kombo QB Dak Prescott / RB Ezekiel Elliott diesen Moloch zu einer 13-3 Saison und mich schon wieder ad absurdum führt.

Damit ist Dallas für viele einer der Topfavoriten auf den Super Bowl – aber es gibt durchaus Anhaltspunkte für Regression zur Mitte bei den Cowboys.

Der eine: Ein Pythagorean von 11.0 Siegen ist zwar super, aber immer noch zwei Spiele unterhalb der tatsächlich erreichten 13 Siege. Man war 7-2 in engen Spielen, nachdem Dallas zuvor jahrelang in engen Situationen komplett versagt hatte. Und Rookie-QB Prescott kam mit 1.2% INT-Quote durch, was auch für Rodgers oder Brady ein starkes Jahr wäre.

Einer der „wunden“ Punkte also: Es lief annähernd perfekt für die Cowboys 2016. So gut Prescott spielte, seine Bedingungen waren nahezu ideal: Eine superbe Offense Line, die auch noch gesund blieb, ein großartig funktionierendes Laufspiel über RB Elliott, der zuzüglich zu den großen Löchern noch selbst viele Yards after Hit generierte und ein Receiving-Corp, der intakt blieb.

Dieses Jahr kannst du schonmal nicht auf 16 Spiele von Elliott bauen, denn Elliott ist sechs Spiele wegen Frauengrapschens gesperrt. Seine Backups um RB Morris werden von der guten Line profitieren, aber können sie Elliott 1:1 ersetzen?

Kleineres Fragezeichen: Die Offense Line tritt erstmals seit Menschengedenken ohne RT Doug Free an. Er wird wohl durch RT La’el Collins ersetzt. Kann der junge Collins ihn bereits vollwertig ersetzen? Können die Aushängeschilder LT Tyron Smith, C Travis Frederick und RG Zack Martin ihre „Peak Saison“ 2016 wiederholen? Wo man von Stabilität ausgehen kann: Receiving-Corp. WR Bryant ist eine echte #1. TE Witten bringt seit Jahren Leistung und ergänzt sich im Slot mit dem wuseligen WR Beasley exzellent.

Das größte Fragezeichen ist in der Tat der Quarterback: Prescott hat mir auch spät in der letzten Saison gut gefallen. Das ist ungewöhnlich für Rookies, die früher oder später alle in den „Rookie-Wall“ laufen. Aber Prescott ist noch Unbekannte genug als dass ich ihn schon wie einen alten Hasen über alle Zweifel erhaben sehe.

Inwieweit haben ihn Defensive Coordinators in der Offseason studieren können? Inwiefern ist Prescott in der Lage, eine Offense ohne überragende Entlastung durch Laufspiel und ständiges Spielen mit Führung im Rücken die Offense zu tragen? Wie geht Prescott mit den ersten Schwierigkeiten, die 2016 ausblieben, um?

Zur Defense: Reich von DefCoord Rod Marinelli, der seit langer Zeit aus suboptimalem Spielermaterial viel herausholt. Dallas kassierte z.B. auch letztes Jahr nur 6.2 NY/A trotz fehlender Passrusher. Jetzt rüstet man personell etwas auf: DE Taco Charlton kommt als 1st Rounder, LB Jaylon Smith, 2016 als verletzter Superstar in spe gedraftet, wird erstmals zum Einsatz kommen, und im Backfield hat man sich in den CBs Awuzie und Jourdan Lewis zwei Mid-Rounder angelacht.

Sie werden in Summe keine Bäume ausreißen, aber wenn du solche Jungspunde bekommst und gleichzeitig nur CB Claiborne und SS Church als nennenswerte Abgänge zu beklagen hast, bist du nicht schlecht dran.

Auf einem weißen Blatt Papier sieht das ganze also sehr vernünftig aus für die Dallas Cowboys, wenn man nur von 2016 auf 2017 projiziert. Auch FPI sieht mit 63.2% Playoff-Wahrscheinlichkeit sehr rosige Aussichten für Dallas. Es mag an meiner Hype-Resistenz liegen oder am noch vorhandenen Misstrauen dem jungen Prescott gegenüber, aber ich wage nicht, nur wegen einer starken Saison ein Team nebst Trainerstab in den Himmel zu schreiben, das es über lange Jahre verpasst hat, den durchaus hohen Ansprüchen annähernd gerecht zu werden. Playoffs ja, aber Superbowl nein.

Houston Texans

Playoff-Wahrscheinlichkeit: 32.2%

Außerordentlich schwer zu prognostizieren sind die Houston Texans, die letztes Jahr bis ins Viertelfinale vordrangen. Auf der einen Seite ist es nicht zu verachten, wenn eine Mannschaft ohne ihren besten Spieler J.J. Watt und mit der #6 Defense auf 9-7 Siege kommt, aber auf der anderen Seite sind die Texans mit ihren Advanced-Stats ein eindeutiger Kandidat für Regression. Ein Pythagorean von nur 6.5 Siegen und eine 8-2 Bilanz in engen Spielen sprechen ganz klar dafür, dass Houston meilenweit über seinen Verhältnissen gespielt hat. Warum trotzdem die Klassierung unter den Playoff-Kandidaten?

Erster und wichtigster Grund: Houston spielt in der machbaren AFC South, wo mit Jacksonville und Indianapolis zwei gigantische Fragezeichen unterwegs sind: Die Texans haben nur den 24t-schwersten Schedule vor der Brust.

Zweiter wichtiger Grund: Die Defense. Diese wird theoretisch nun vom ehemaligen Patriots-Verteidiger Mike Vrabel übernommen, aber in der Praxis dürfte noch immer Romeo Crennel seine Finger im Spiel haben. Bereits letztes Jahr waren die Texans mit 5.8 NY/A gegen den Pass die #4 und gegen den Lauf mit über 60% Erfolgsquote die #8. Und das ohne Watt.

Watt ist nun wieder zurück, womit der Mannschaft eine Front-Seven aus Watt, DE Jadeveon Clowney und DE/OLB Whitney Mercilus zur Verfügung steht – in Spitze wie Breite die besten Flankenmänner ligaweit. Bei Watt und Clowney kannst du zudem ein Argument bringen, dass sie zuzüglich zu den besten „interior“-Rushern gehören. Alle drei gelten als schwer kontrollierbar im 1-vs-1, und schon unabhängig davon gelten Crennel und Vrabel als Leute, die ihren Passrushern oft klare Lanes Richtung QB geben.

Zwar hat NT Vince Wilfork seine Karriere beendet, aber der junge DT Reader soll sich als Rookie zuletzt gut gemacht haben und gilt als bereit für die Stammrolle. Hinter Reader zieht LB Cushing gewohnt seine Kreise – und in Passrush-Situationen dürfte Houston häufig Clowney oder Watt nach innen ziehen.

Eine weitere Stärke der Defense ist die exzellent besetzte Secondary. Dort verliert man zwar CB Bouye an Jacksonville, aber in Kevin Johnson und Kareem Jackson hat man hervorragende Einzelkönner, die den älter werdenden Jonathan Joseph ersetzen können. Einzig die Safety-Position gilt nicht mehr als unzweifelhaft stark.

Die Schwierigkeit in Houston liegt in der Offense. Diese fabrizierte letztes Jahr unter QB Osweiler nur 5.2 NY/A im Passspiel. Osweiler ist nun weg, aber die Nachfolger sind (noch?) Fragezeichen: Der angedachte Starter QB Tom Savage hat zwar den Arm, aber nicht die nötige geistige Frische um die komplizierten Option-Routes von Head Coach Bill O’Brien makellos da Feld runterzujagen. Und Rookie QB Deshaun Watson (1st Rounder) dürfte sich mit dem komplexen Playbook der Texans noch etwas schwer tun.

Das Problem ist nicht nur die QB-Position. Es liegt auch daran, dass Houston keine gescheite Offense Line mehr auf das Feld stellt. Anzi: In LT Duane Brown ist der beste Mann noch immer in Spielerstreik. Brown traut man noch, auch zu ohne echte Vorbereitung groß aufzuspielen. Aber spätestens bei RT Clark hört der Spaß auf. Folge: Houston spielt oft mit Fullback und zwei Tight Ends um das exklatante Blocking-Problem zu lösen.

Es ist auch eine der letzten standardmäßigen I-Formation Laufspiele in der NFL, wo RB Miller oder RB Foreman hinter FB Prosch anlaufen. Angesichts der unbeweglichen O-Line gelten die Effizienz-Zahlen von Miller sogar noch als hervorragend, und weil Foreman den schwachen Alfred Blue ersetzt, sollte sich das Laufspiel im Vergleich zu letzter Saison verbessern.

Frage bleibt also das Passspiel. WR Nuk Hopkins, frisch gesegnet mit Multimillionendeal, gilt als einer der härtesten Brocken, der in engster Deckung fast immer mit dem Ball runterkommt. Aber Hopkins ist kein deep threat. Dafür wäre WR Will Fuller (1st Rounder 2016) gedacht gewesen, aber der fällt mit Schlüsselbeinbruch erstmal wochenlang aus. Wird WR Jaelen Strong daher häufiger tief geschickt? Oder ziehen sich Hopkins aus dem Slot ab und stellen ihn nach außen?

Es wird auf alle Fälle eine interessantere Offense als in der letzten Saison. Die Defense wird sowieso ein Hingucker – gut möglich, dass die Texans lange im Playoffrennen bleiben, obwohl es besagte eindeutige Hinweise auf Regression gibt. Prognose: Wenn in Houston alle Unwetterschäden beseitigt sind und man sich wieder auf Football konzentrieren kann, wird man sich noch immer im Kampf um den Gewinn der AFC South befinden.

Oakland Raiders

Playoff-Wahrscheinlichkeit: 56.3%

Die Oakland Raiders – Lieblinge der Nation nach ihrer 12-4 Saison letztes Jahr! Die Freude der NFL-Welt war groß, als immer klarer wurde, was alle gehofft hatten: Die Raiders würden in die Playoffs zurückkehren. Ihre 12-4 Bilanz sorgte für große Euphorie – aber dann verletzte sich kurz vor den Playoffs der Stamm-QB Derek Carr, Oakland verlor Division und Wildcard-Spiel sang- und klanglos und bekam mehr Mitleid als eine dreibeinige Hündin mit Haarausfall.

Jetzt ist 2017, und alle Welt erwartet einen erneuten Ansturm der Raiders. Carr ist wieder fit, und der in der Spitze eh schon exzellente Receiving-Corp (WR Crabtree, WR Cooper machten zusammen 172 Catches für 2256yds und 13 TD – über die Hälfter der Passing-Yards) wird um den fangstarken TE Jared Cook aus Green Bay ergänzt.

Im Laufspiel sabbert man sich nach der Reaktivierung vom ikonischen RB Marshawn Lynch (der aus Oakland stammt) schon die Finger, weil man sich bereits in feuchten Träumen ausmalt, wie Lynch hinter der massiven Interior-OL um G Osemele die Bude rocken wird. Jedoch: Wird Lynch noch einmal die tragende Rolle wie in besten Seattle-Zeiten spielen können?

Und die viel größeren Fragen: Wird Oakland heuer eine Defense aufs Feld stellen? Und wie wollen die Raiders die natürliche Regression zur Mitte aufhalten?

Oakland war 12-4, aber mit Pythagorean von 8.8 Siegen. Das heißt, die Raiders haben sich 3.2 Siege über ihrem aktuellen Performance-Level bewegt! Sie waren 8-1 in engen Spielen und kassierten 7.3 NY/A gegen den Pass (schlechtester Wert der Liga) – und das, obwohl sie in Edge-Rusher Khalil Mack den Defensive-MVP der Saison stellten. Ich habe nicht oft gesehen, dass ein Team mit einem Pass-Differential von -0.7 NY/A zwölf Saisonsiege holt.

Die Defense ist in der Tat ein Knackpunkt: Sie kassierte viele Yards und machte wenige Sacks – nur deren 25. Fast die Hälfte davon kam von Mack, der eigentlich nicht besser spielen kann als er es 2015 und 2016 gemacht hat. Jetzt ist DE Edwards wieder fit, was helfen sollte. Viel mehr versucht man sich aber zu helfen, in dem man Ressourcen in die Secondary steckt: CB Conley in Runde 1, FS Melifonwu in Runde 2 des Draft. Melifonwu wird ein Nebenmann des Hard-Hitters Karl Joseph, von dessen Vorstellungen man zuletzt fast so abhängig war wie von jenen Macks.

Dazu kommt der drittschwerste Schedule der Liga und das Auflaufen in der engen AFC West. So sieht der FPI auch „nur“ eine 56%ige Playoffchance für Oakland. Fazit: Die Raiders scheinen prädestiniert für eine Enttäuschung zu sein. Vielleicht wird es nicht Enttäuschung genug um aus dem Playoff-Rennen zu fallen. Wahrscheinlich hat man ausreichend Power um sich die Chargers in der Division vom Leib zu halten, aber reicht das am Ende um die Division diesmal zu gewinnen und sich zumindest ein Heimspiel in der Post Season zu verschaffen? Ich fürchte nein.

Minnesota Vikings

Playoff-Wahrscheinlichkeit: 42.9%

Die Minnesota Vikings starteten letztes Jahr wie aus der Pistole geschossen und galten nach einem Monat als heißester Scheiß der Liga, ehe „dank“ einer fürchterlichen Offense Line der Angriff kollabierte und die Saison mit einer letztlich enttäuschenden 8-8 Saison abgeschlossen wurde. Damit wurde eine eigentlich aussichtsreiche Position einfach weggeschmissen. Jetzt der erneute Anlauf.

Minnesota war im Vergleich zu Houston oder Oakland kein Team, das über seinen Verhältnissen spielte: Die Vikes hatten einen Pythagorean von 8.6 Siegen und waren 2-4 in engen Partien. Ein, zwei günstiger fallende Bälle und es hätten auch die Playoffs sein können.

Sportlich ist vor allem die Defense von Headcoach/DefCoord Mike Zimmer die große Stärke: 5.6 NY/A gegen den Pass war z.B. der zweitbeste Wert der Liga, und gegen den Lauf war man mit 61% Success-Rate die #9.

Stilistisch verlässt man sich auf eine Latte von Individualkönnern in der Front Seven um den Lauf abzuwürgen, und die Kombination aus superben Cornerbacks und dem sensationellen Safety Harrison Smith gegen das Passspiel. Smith ist wohl die Schlüsselfigur: Großartiger Tackler, starker Blitzer. Er ist einfach überall.

Auf Cornerback ist man dank CB Xavier Rhoades, CB Mackensie Alexander, CB Trae Waynes und dem ewigen CB Terrance Newman exzellent aufgestellt. Nur CB Munnerlyn ging verloren, aber die Tiefe bleibt fantastisch.

„Vorne“ ist man nicht abhängig von einem einzigen Edge Rusher. Leute wie DE Griffen, DE Robinson, DE Hunter sind in Rotation alle für 7-10 Sacks gut, und dann hast du über innen auch nach dem Ausfall von DT Sharrif Flord noch einen DT Linval Joseph. Linebacker ist mit Barr und Kendricks ligaweit mit am besten besetzt.

Die Schwierigkeiten lagen zuletzt in der Offense – namentlich „Offense Line“. Dort gab man LT Kalil ab und kaufte sich mit LT Riley Reiff aus Detroit und RT Mike Remmers aus Carolina zwei neue Starting-Tackles ein. Beide – aber vor allem Remmers – gelten als Upgrades. RT Clemmings war letztes Jahr ein tiefschwarzes Loch.

Damit soll zuallererst das unterirdische Laufspiel (32% Success-Rate, #32 der Liga) belebt werden. RB Peterson wurde zwar aus Vertragsgründen gefeuert und auch Backup Asiata wurde ziehen gelassen. Dafür holte man sich mit Free Agent Murray aus Oakland und vor allem dem explosiven RB Dalvin Cook im Draft zwei neue Starter, die sich aufgrund ihres unterschiedlichen Stils durchaus gut ergänzen sollten. Vor allem auf Big-Play Maschine Cook sind alle gespannt: Wird er, einmal aus dem Backfield gekommen, solche Mega-Rushes wie am College fabrizieren?

Passspiel wird weiter vom unspektakulären QB Sam Bradford (nur 6.1 NY/A, aber auch nur 0.9% INT-Quote) angeführt. Bradford wird dir nie ein besseres Tief- und Mitteldistanzspiel aufziehen, aber mit einer Fehlervermeidung und Kurzpassorgie kannst du in einer Mannschaft vom Profil der Vikings durchaus leben. Man geht mittlerweile auch davon aus, dass Bradford seinen Stammplatz behalten wird selbst wenn Teddy Bridgewater wieder fit ist.

Bradfords wichtigste Anspielstationen: TE Rudolph über die Mitte, plus WR Diggs (gilt als star in the making), WR Treadwell (Enttäuschung als 1st Rounder 2016), Jarius Wright und Neuzugang Michael Floyd (vor zwei Jahren ein Star in Arizona, dann bei Cards und Patriots zweimal schnell gefeuert). Hier ist kein echter Einser, aber ein breit aufgestelltes Arsenal. Und man muss nie mehr auf den launischen Cordarelle Patterson zählen.

Reicht das um die Packers vom NFC-North Thron zu stoßen? Eher nein. Aber dank einfachem Schedule (#26 der Liga) und dank zwei vermeintlichen Gurkentruppen in Detroit und Chicago in der eigenen Division fühlen sich die 43% Playoff-Chance des FPI eher zu gering an als zu hoch. Minnesota Vikings 2017: Klarer Playoffanwärter.

New York Giants

Playoff-Wahrscheinlichkeit: 38.4%

Ein solcher sind auch die New York Giants, die im Vergleich mit den Vikings das deutlich schwierigere Programm in der NFC East zu bestreiten haben (#10 Schedule) und demnach auch mit 38% Chance nach FPI auch die etwas geringere Playoff-Wahrscheinlichkeit aufweisen.

Die Giants waren im Vergleich zu den Vikings zuletzt in den Playoffs: 11-5 Record reichte. Nach Pythagorean war man mit 8.8 Siegen aber ein Team, das weit über seinen Möglichkeiten spielte: Ein 8-3 Record in engen Spielen macht’s möglich. Jetzt tritt man das heurige Jahr im Glauben an, eine Monster-Defense zu besitzen und „nur“ ein Jahr ohne lockeres Abzugshändchen bei QB Eli Manning zu brauchen.

Jener Manning schwächelte 2016 mit nur 6.3 NY/A im Pass bei zu vielen Interceptions (2.7% INT-Quote). Manning wird mit der schwachen Offense Line entschuldigt, wo sich vor allem LT Flowers als echtes Problemkind erwies. Nun kaufte man in OT Fluker zwar einen Tackle ein, aber weil man vermutlich Justin Pugh auf Guard behält, dürfte Flowers noch immer im Starting-Lineup bleiben – in einem Lineup, das so steif wie Stelzen ist.

Hält die Line, hat New York theoretisch die Skill-Player um dem alternden Manning zu helfen. WR Brandon Marshall wurde neu eingekauft und dürfte, wenn WR Odell Beckham in 1-2 Wochen fit zurückkommt, erstmals in seiner Karriere den Luxus besitzen, die zweite Geige zu spielen. Zwei solche Top-WR und dahinter mit Slot-WR Sterling Shepard und Rookie-TE Engram so wendige Irrwische aufstellen zu können, gilt als Luxus. Allerdings sind alle eher schlechte Blocker. So wird das Laufspiel vermutlich noch immer nicht viel Entlastung bieten können (2016: 37% Success-Rate, #30).

Dafür, dass New York lange im Playoffrennen bleiben sollte, wird die aufgemotzte Defense sorgen. Dort sorgten nicht nur die vielen Einkäufe der vorigen Offseason für Furore, sondern auch DefCoord Steve Spagnuolo. Der konnte seinen Ruf aufpolieren: New York spielt jetzt viel mehr als 4-Mann Passrush und aus die Maus. Jetzt werden geniale Blitzes eingestreut und die O-Line mit Stunts und Twists verwirrt.

Schlüsselfigur neben dem Passrush-Duo Pierre-Paul, Vernon und Lauf-Monster DT Damon Harrison ist FS Landon Collins, dessen zweites Profijahr als MVP-würdig galt. Collins ist im System Spagnuolo sehr auf Attacke und Krawall gebürstet und hatte eine breit aufgestellte Stat-Line mit mehreren Sacks, Interceptions und Forced-Fumbles. Spagnuolo kann sich das Spielchen leisten, weil er in Apple, Jenkins und Rodgers-Cromartie drei hervorragende Cornerbacks besitzt.

Eine Frage bei den Giants ist immer: Bleiben sie fit? Jahrelang war die Mannschaft unter den letzten zwei Plätzen der Liga klassiert, was Verletzungen anging. 2016: #7. So gesund war man lange nicht. Lag es am magischen Pornoschnäuzer vom neuen Headcoach Ben McAdoo? Unwahrscheinlich, aber wenn die Giants nicht wieder auf #31 oder #32 abfallen, dürfte hier ausreichend Qualität sein um auch in der NFC East lange Zeit zu bestehen.

Tennessee Titans

Playoff-Wahrscheinlichkeit: 41.8%

Abschluss der heutigen Kategorie mit einem der am meisten genannten dark horses vor der anstehenden Saison, den Tennessee Titans. Die erwiesen sich 2016 mit der „langweiligen Lösung“ Mike Mularkey auf Head Coach als durchaus ziemlich erfolgreiches Team. Mularkey zog seinen Stiefel mit der „smashmouth exotic“ Offense eiskalt durch: 476 Rushing Versuche. Nur Buffalo, Dallas und New England hatten mehr, und letztere beiden spielten ständig mit Führung im Rücken.

Als Basis gilt die hervorragende Offense Line, wo beide Tackles, Lewan und Conklin, sich höchstens ab und an ein Personal-Foul zu viel gönnen. Dahinter wuchten sich RB Derrick Henry und DeMarco Murray zu 4.6yds/Carry. Heuer dürfte das Jahr sein, in dem Murray an den jüngeren Henry übergibt.

Solange die beiden ins Laufen kommen, hat QB Marcus Mariota ein vergleichsweise gutes Leben in dieser Offense. Mariotas zweites Jahr galt als hervorragend. Er wirft nur wenige Interceptions und hatte auch die gelegentlich eingestreuten No-Huddle Plays gut im Griff. Er hatte bloß keine Wide Receiver.

Dem haben die Titans mit Nachdruck versucht, Abhilfe zu schaffen: 1st Rounder in WR Corey Davis investiert, dazu WR Taywan Taylor und TE Jonnu Smith in Runde 3 – und dann zog rief man bei Eric Deckers Frau, einer Countrysängerin an, und fragte sie, ob sie nicht Lust hätte, in die Country-Hauptstadt Nashville umzuziehen. Samt Mann, natürlich. Und so kommt mit WR Decker noch ein vernünftiger Slot-WR in diese Offense. Richtige deep threats besitzt diese Offense allerdings nach wie vor nicht.

Die Defense wird nach wie vor von Dick LeBeau gecoacht. LeBeau feiert diesen Samstag einen Runden – er wird 80! LeBeau galt immer als Verfechter von vielen Blitzes, hat davon in Tennessee aber etwas Abstand genommen – weil er in Orakpo, Derrick Morgan, Erik Walden und Kevin Dodd nun mehrere vernünftige Edge Rusher und in DT Jurrell Casey einen sensationellen inside-Rusher hat?

Linebacker gilt als Schwäche, und die Secondary ist, obwohl mit CB Adoree Jackson (Draft 1ste Runde) und den Free Agents CB Logan Ryan und FS Jonathan Cyprien aufgemotzt, noch immer eher dünn besetzt. Wenn Tennessee aber ungefähr die 6.4 NY/A gegen den Pass halten kann, sieht es für die Titans gut aus.

Vorteil Tennessee: Der Schedule ist #29 vergleichsweise einfach. Aber Achtung: Es gibt Faktoren, die durchaus die Euphorie bremsen könnten. Zum Beispiel war Tennessee 2016 ein außerordentlich von Verletzungen verschontes Team: Die Offense Line verpasste zusammengezählt nur 4 Starts, QB Mariota war 15x einsatzfähig, RB Murray, ein wandelndes Verletzungsrisiko, alle 16x.

Und dann gibt es da noch diese fassungslos gute Redzone-statistik: Tennessee scorte 5 Punkte pro Redzone-Besuch, der drittbeste Wert der letzten 25 Jahre. Ich habe was von einer 33-vs-0 TD/INT Ratio von QB Mariota in der Redzone gelesen, was ein nicht zu haltender Wert ist. Ein Team wie Tennessee, im mittleren oder oberen Mittelfeld der Liga, das wahrscheinlich viele enge Spiele bestreiten wird, kann schon mit einer leicht abfallenden Redzone-Performance (und sie wird abfallen) 1-2 Spiele mehr verlieren.

Das kann schnell wehtun. Auf der anderen Seite: Das Front Office hat alles unternommen um die offensichtlichsten Schwachstellen auf Wide Receiver und Cornerback zu beseitigen. Tennessee stellt in der einfachsten Division der NFL das kompletteste Team und hat schon letztes Jahr nur wegen Ausrutschern gegen Gurkentruppen die Playoffs verpasst (man feierte 5 Siege gegen Playoffteams!). Und bei Mariota sollte im dritten Profijahr nicht schon das Ende der Fahnenstange in der Entwicklung erreicht sein.

Houston muss dank 1st-Place Schedule gegen New England und Kansas City ran. Tennessee kriegt dagegen Miami und Oakland. Ist es möglich, dass dieser Unterschied das Pendel zugunsten der Titans schwingt und Tennessee erstmals seit 2008 die Playoffs erreicht?

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10 Kommentare zu “Die furchtlose NFL-Vorschau 2017/18 | Die Kronprinzen

  1. Schon auffällig, dass viele Teams mit ihrer Offensive Line nicht sonderlich gut unterwegs sind. Gibt es da Tendenzen, in der Ausbildung am College was zu ändern? Oder ist die Strategie bei den NFL-Teams bewusst so gewählt?

  2. Ich meine mal gelesen zu haben, dass viele College O-Liner wegen der dort oft gespielten Spread-Offense in der NFL Probleme bekommen. Deshalb auch ein rapider Gehaltsanstieg bei den O-Linern in der NFL

  3. @O-Line: Wie Dave schreibt, sind die Spread-Offenses ein Problem für die NFL. Viele Tackles kommen komplett unfertig in die NFL und brauchen dann erst mal ein, zwei Jahre, bis sie überhaupt die Basics so weit drinnen haben, dass man über einen sinnvollen Start nachdenken kann. Zusätzlich müssen sie in dieser Zeit körperlich oft massiv an sich arbeiten.

    So zur Erläuterung: OL gehört was die Präzision der Bewegungen betrifft zu den komplexesten Positionen in der NFL. 3-, 5- oder 7-Step Drops (des QBs), Shotgun, Pistol, Rollout und Play-Action gehören zum Standardrepertoire einer jeden Pass-Offense und jedes dieser Basisschemata erfordert unterschiedliche Bewegungsmuster der O-Liner. Wir sprechen hier von einzelnen Schritten, einzelnen Bewegungen des Oberkörpers. Wenn allerdings eine davon nicht passt, hast du keine Chance mehr gegen einen NFL-Rusher und du killst damit deinen QB, der den Hit frisst.

    Und da haben wir bis jetzt nur von Pass Plays gesprochen. Bei Runs gibt sind die Anforderungen wieder anders, wenngleich oft nicht extrem komplex, da kommt es mehr auf Timing und die Fähigkeit seine Blocks auch zu halten an.

    Ein weiteres, daraus folgendes, Problem: Pass und Run Blocking stellen einige sehr unterschiedliche Anforderungen an die O-Liner. Vereinfacht gesagt ist bei einem Run der O-Liner der „Angreifer“, weil er aktiv auf den jeweiligen Defender zu geht und ihn mit möglichst viel Raumgewinn blocken soll. Beim Pass ist es umgekehrt, hier agiert der O-Liner in der Regel eher defensiv, weil es ja gilt, die relativ kleine Pocket sauber zu halten (und eine Bewegung zu weit nach vorne würde die Integrität der gewünschten Pocket stören). Nicht umsonst gibt es nur ganz, ganz wenige O-Liner, die in beiden Bereichen sehr stark sind.

    Nun zurück zu den jungen O-Linern: die kommen oft aus College Systemen, in denen es aus Gründen der Einfachheit ein, vielleicht zwei grundsätzliche QB-Drops gibt. Die müssen oft Basics von der Pike auf lernen und wenn du sie einfach reinstellst, killen sie dir deinen 100-Millionen+ QB. Mal ganz abgesehen davon, dass sie jetzt nicht gegen College Rusher spielen, sondern gegen Typen wie Watt, Mack, etc.

    Das war nur mal eine oberflächliche Skizzierung der Herausforderung. Wenn wir tiefer gehen, wird es oft noch viel krasser. Ein Beispiel: AFC Championship Game 2016, NE @DEN. Massiver Druck bei so gut wie jedem Snap der NE-Offense, Brady wird 20mal gehittet, brutale Pats-Niederlage. Ein Faktor dabei: der Pats-Center Bryan Stork hat durch die Bewegung seines Kopfes den Snap-Count der Pats verraten. Die Pass Rusher der Broncos konnten dadurch ihre Starts perfekt timen und hatten einen noch größeren Vorteil, gegenüber der eh schon überforderten Pats O-Line. (genauere Beschreibung -> http://insidethepylon.com/film-study/film-study-nfl/offense-film-study-nfl/2016/02/01/bryan-storks-head-bob-costs-patriots/)

  4. Dazu kommt noch: O-Line ist ein Teamsport. Da zählt der weakest link weil er einfaches Angriffsziel ist, Ein einzelner herausragender Passrusher kann einer DLine viel mehr geben als der beste O-Tackle es umgekehrt jemals könnte.(Einfachtes BSP: Man stellt den Passruher halt auf die andere seite)
    2 Nieten auf DTackle und Linebacker mache nicht so viel kaputt wie zwei Nieten auf Guard.
    Solange du also nicht mindestens 4 gute OLiner zusammen hast die auch gut zusammenspielen bringt das nicht viel.

    zum unterschied von spread-collenge und NFL O-Line hat Geoff Schwartz geschrieben, der hat in Oregon Spread gespielt: https://www.sbnation.com/2017/4/25/15358566/nfl-draft-offensive-line-prospects-evaluation-geoff-schwartz

  5. Ein wichtiger Aspekt, den ich oben noch vergessen habe (ist auch im Link von @blub schön erklärt): die Regeländerung im aktuellen CBA (=Rahmenvertrag der NFL mit den Spielern) sind problematisch für eine raschere Entwicklung von jungen Spielern. Das Training in voller Ausrüstung ist inzwischen stark beschränkt und – wenngleich es für die Körper der Spieler natürlich ein Vorteil ist, weil das Training nicht mehr so hart ist – dadurch kriegen junge Spieler weniger Chancen bei echten Spielbedingungen zu üben.

    Der aktuelle CBA gilt seit 2011 und die doch üblicherweise recht lange „Lebensdauer“ von guten und mittelmäßigen O-Linern in der NFL hat das Problem einfach etwas nach hinten verschoben. Jetzt trifft es die Teams langsam so richtig und es werden mittelmäßige bis eher fragwürdig Linemen mit satten Verträgen ausgestattet, weil man Angst hat, dass alles was danach kommt noch schlechter ist (z.B. Eric Fisher in KC, Charles Leno in DET oder Riley Reiff in MIN).

    Unabhängig vom CBA, dafür verknüpft mit dem was ich oben schrieb: O-Liner galten früher als absolute Bank in der ersten Draft Runde. Das wird sich mit den vielen First Round-Busts auf OT und OG der letzten Jahre auch langsam wandeln, wenngleich die Position natürlich weiterhin „Premium“ bleiben wird.

  6. Eagles und Chiefs im Top Segment, Cowboys und Raiders im Tier II, interessant…
    Nicht dass man es nicht erwarten konnte, nachdem die beiden Teams hier seit geraumer Zeit mit mehr Skepsis als anderswo bedacht werden.

    Bei den Bengals stimme ich mit der Einstufung nicht zu. Sie gehören für mich klar in Tier III eben wegen der besprochenen OL Thematik. Die Bengals sind mit Dalton immer dann stark wenn sie gute OL haben, aber diese OL ist eine der schlechtesten in der Liga. Ogbuehi und Fisher haben so gut wie nichts gezeigt, das NFL Reife betrifft, das wird viel Skill Player Talent negieren. In der Defense sind mit Willis und Lawson zwei Rookies die Hoffnungsträger im Edgerush, das kann eigentlich nicht gutgehen.
    Sehe die Bengals ganz klar in Tier III und würde sie durch die Ravens ersetzen.

  7. Pingback: Sonntagsvorschauer – NFL Saison 2017, Woche 1 | Sideline Reporter - Eier, wir brauchen Eier!

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