Akademische Viertelstunde – Glaube niemandem

Upsets!

Woche 6 warf im College-Football dann doch mal wieder ein paar bereits als fix verankterte Vorstellungen über den Haufen und würfelte das Klassement ordentlich durch.

Also klassischer College Football: Fängst du einmal zu glauben an, kommt sofort die Grätsche und reißt dich aus allen Illusionen. Dieser Sport bleibt nicht berechenbar. So eindeutig es die eine Woche aussieht, so schnell wandelt sich das Bild zur nächsten.

Die beiden am schwersten Betroffenen sind die Schwergewichte #3 Oklahoma Sooners und #7 Michigan Wolverines.

Die sensationellste Pleite war jene von Oklahoma, das gegen den Winzling Iowa State 38-31 verlor. Iowa State ist nur dank historischer Gründe überhaupt ein Mitglied einer Power-Conference wie der Big 12. Allein vom Standing her ist diese Uni aus der Prärie der Midlands bestenfalls ein Platz 80-128 Team in der FBS. Iowa State hat seit Jahren nimmer über drei Saisonspiele gewonnen und trat am Samstag ohne Stamm-QB gegen Oklahoma an. Noch krasser: Einer der beiden eingesetzten Backup-QBs ist im „Nebenjob“ Linebacker!

Und trotzdem schlugen die kleinen Cyclones den Giganten Sooners, der sich nach dem hervorragenden Auswärtssieg bei Ohio State im September bereits sicher auf der Playoff-Straße wähnte. Jetzt: Nada. Oklahoma ist plötzlich eine Woche vor der Red-River Rivalry gegen Texas schwer angeknockt und darf sich für den Rest der Saison keine weiteren Patzer leisten.

Einen ähnlich herben Dämpfer steckte Michigan bei der 14-10 Heimpleite gegen den „kleinen Bruder“ Michigan State ein. Bei Sturm und Regen gewannen die Spartans das Turnover-Duell mit 5-0 und würgten die Michigan-Offense um Backup-QB O’Korn komplett ab.

Ich betonte es schon vor der Saison: Michigan hat dieses Jahr eine extrem junge, im Vergleich zum Vorjahr komplett neu formierte Mannschaft. Dank Headcoach Harbaugh ist diese Mannschaft auf jeden Fall auf dem Zettel zu haben – aber dass es mit einem so unerfahrenen Team zum Big-Ten Durchbruch reicht, war immer unwahrscheinlich.

Ähnlich – auf einer niedrigeren Stufe – Michigan State: Auch ein junges Team, auch als unkonstant zu erwarten, aber auch das Potenzial, hie und da mit den Größten mitzuspielen. Glück, wenn es ausgerechnet beim großen Rivalen Michigan die Top-Performance gibt.

Für Spartans-Chefcoach Dantonio muss der Sieg eine riesige Befreiung sein, wurde er doch in den letzten Wochen immer mal wieder angeschossen. Zeitweise galt Dantonio angeblich bereits als lame duck. Nicht zu vergessen: Michigan State war unter Dantonio mehrmals im Big-Ten Rennen vorne dabei, qualifizierte sich für die Playoffs und viele BCS-Bowls und gewinnt unter ihm nun zum achten Mal in zehn Versuchen gegen die Wolverines.


Die anderen Spitzenteams blieben souverän:

#1 Alabama schlug Texas A&M 27-19. Alabama nicht überragend, führte aber trotzdem im dritten Viertel bereits 24-3 und musste nie wirklich zittern.

#2 Clemson putzt Wake Forest 28-14 ohne sich die Fingernägel dreckig zu machen.

#4 Penn State mit einem lockeren 31-7 gegen das nicht zu unterschätzende Northwestern, klettert damit auf #3 in den Rankings hoch. Penn State sieht in diesen ersten Wochen famos aus, aber jetzt kommen die Brocken: Hintereinander Michigan und Ohio State.

#5 Georgia putzt Vanderbilt 45-14. Die Bulldogs sind in dieser frühen Saisonphase einer der Lieblinge der Advanced-Stats. Und sie sind die einzige ernsthafte SEC-Mannschaft neben Alabama und Auburn. Und noch besser für sie: Der vermeintlich einzige nennenswerte SEC-East Kontrahent, #21 Florida, verlor gegen LSU.

#6 Washington fährt über Cal 38-7 drüber und wirkt weiterhin wie das souveränste Team der Pac12. Allerdings: #11 Washington State ebenso überzeugend: 33-10 bei Oregon. Washington State klettert damit in die Top-10 in den Rankings.

#8 TCU schlägt #23 West Virginia 31-24. TCU rückt damit (und mit der Oklahoma-Niederlage) bei vielen Beobachtern in die Big-12 Favoritenrolle, aber Vorsicht: Die Advanced-Metrics im Hintergrund sehen in TCU zwar ein Top-15 Team, aber kein Top-5 Team. Sprich: Nach aktuellen Rechnungen ist TCU im Common-Sense momentan überschätzt.

#9 Wisconsin mit einem lockeren 38-17 über Nebraska, wo Headcoach Riley nicht sicherer im Sattel sitzen wird. Wisconsin ist damit *fast* schon ein sicherer Tipp für das Big-Ten Finale. Und #10 Ohio State bringt sich mit dem 62-14 über Maryland wieder in Stellung in der Big Ten.

#12 Auburn mit einem 44-23 gegen Ole Miss – nach Halbzeitführung von 32 Punkten.

#13 Miami/FL putzt in einem dramatischen Spiel auswärts die FSU Seminoles 24-20. FSU mit später Führung, aber Miami kontert sechs Sekunden vor Schluss mit einem tiefen Touchdown von QB Rozier auf WR #81 Langham. FSU damit endgültig aus allen Träumen gerissen, Miami darf erstmals von großen Trophäen träumen und hat nun eine ernsthafte Chance, in der ACC die Endspielqualifikation zu schaffen.

#14 USC auf Wiedergutmachungstrip: 38-10 vs Oregon State. Gut auch für die Trojans: #20 Utah, der vermeintlich härteste Rivale in der Süd-Division, verliert 23-20 gegen Stanford.

Ein ACC-Contender, der sich fürs erste verabschiedet: #17 Louisville, das schon am Donnerstag von #24 NC State 39-25 zerlegt wurde. Ist NC State nun also tatsächlich einer der dark horses in der ACC, wie manche Advanced-Stats schon in der Preseason vermutet hatten? Die Performance gegen Lamar Jackson war jedenfalls ein fettes Statement eines kompletten Teams.

Und ein Independent, der klammheimlich zu einem Spitzenteam wird: #21 Notre Dame, das UNC 33-10 putzte und in Rankings wie dem SRS mittlerweile als Top-10 Team gelistet wird.


BTW: Ein Spiel mit sieben (!!) Overtimes bei Western Michigan vs Buffalo Bulls. Endstand 71-68. Ein Wahnsinn. Oder ganz normaler MAC-Wahnsinn? Auf alle Fälle gibt es in dieser passgewaltigen, kleinen Liga solche Plays zu sehen:

Dieses Wochenende

Am Samstag zur ungewohnt „späten“ Zeit das Derby Texas vs #12 Oklahoma (21h30 aus Dallas). Nach der Pleite von Oklahoma ist der Sexappeal vielleicht nicht mehr so hoch, aber: Texas hat hier immerhin die Chance, den Sooners endgültig schon früh in der Saison die Playoffträume komplett zu zerstören.

Gutes Spiel aus der ACC: #11 Miami vs Georgia Tech (wegen Sturmwarnung auf Samstag verschoben). Vielleicht auch ein gutes Spiel aus der SEC West: LSU vs #10 Auburn. LSU mag die ganz hohen Erwartungen vielleicht nicht erfüllen, bleibt aber ein böser Stolperstein.

Und K-State vs #6 TCU. Ich hege mehr Misstrauen in TCU als der Mainstream, der schon den neuen Big-12 Topfavoriten gefunden zu haben scheint. Deswegen sehe ich hier durchaus Upset-Potenzial.

5 Kommentare zu “Akademische Viertelstunde – Glaube niemandem

  1. Ich check die College-Football systeme noch nicht ganz 😦 (also das mit den Conferences und so).
    Wo kann ich im Deutschsprachigen Raum College-Football schauen?

  2. Pingback: Akademische Viertelstunde – Roundup zur College Football Saison 2017/18 | Sideline Reporter - Eier, wir brauchen Eier!

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