Samstagsvorschauer – Spieltag 7: Redneck-Derby in Dallas

Siebter Spieltag der College-Footballsaison. Es gibt heute kein einziges Duell zwischen zwei gerankten Teams.

  • 18h: Kansas State – #6 TCU
  • 18h: Indiana – #17 Michigan
  • 18h: Pitt – #20 NC State
  • 18h: West Virginia – #20 Texas Tech
  • 21h30: LSU – #10 Auburn (CBS Stream)
  • 21h30: #11 Miami/FL – Georgia Tech
  • 21h30: Texas – #12 Oklahoma
  • 1h15: #1 Alabama – Arkansas
  • 1h30: #4 Georgia – Mizzou
  • 2h: #13 USC – Utah
  • 4h45: Arizona State – #5 Washington

Das nominelle Topspiel heute Abend ist ab 21h30 die „Red River Rivalry“ zwischen den #12 Oklahoma Sooners und den Texas Longhorns, die auf neutralem Boden in der altehrwürdigen Cotton Bowl, einer Schüssel für über 92.000 Zuschauer, in Dallas ausgetragen wird. Der Austragungsort ist nicht zufällig: Dallas liegt ziemlich genau auf halbem Weg zwischen dem Campus der University of Oklahoma aus dem Kleinstädtchen Norman und dem Campus der University of Texas aus der texanischen Hauptstadt Austin.

Die Stadionatmosphäre bei diesem Spiel ist immer was besonderes: Vor der Arena tummeln sich Hunderttausende auf der „State Fair“ Messe, die direkt vor dem Stadion in Dallas im Fair-Park abgehalten wird. Die beiden Fanlager werden im Stadion exakt 50/50 aufgeteilt. Hinter der einen Endzone sitzen die Longhorns-Fans, hinter der anderen die Sooners-Fans. Geteilt werden die Lager an der Mittellinie.

Cotton_Bowl

Cotton Bowl während der Red River Rivalry – Bild: Französische Wikipedia.

Die Red River Rivalry ist die größte College-Football Rivalität der Rednecks. „OU“ und „UT“ sind die beiden Flagship-Universitäten von Oklahoma und Texas, und verbunden durch eine über 100-jährige intensive Rivalität. Die Wurzeln gehen zurück in Zeiten, in denen es noch keine Conferences im College Football gab. Seit Ende der 1920er Jahre wird jährlich gespielt. Texas und Oklahoma sind erst seit 1996 in der Big 12 Conference vereint, waren zuvor jahrzehntelang die Aushängeschilder der Big 8 (Sooners) sowie SWC (Texas).

Die Rivalität ist nicht nur sportlich begründet. Texas und Oklahoma eint zwar der Südstaatenslang, aber während dir der arrogante Texaner mit einem Selbstbewusstsein entgegentritt, der ein Cheese-Steak zu einer genießbaren Angelegenheit verdreht, leidet der gemeine Oklahoman unter dem Vorurteil des einfältigen Hinterwäldlers.

Bloß: Sportlich ist Oklahoma den Texas Longhorns seit vielen Jahrzehnten trotz geringerer Ressourcen überlegen. Das heißt nicht, dass Oklahoma eine arme Kirchenmaus ist – bloß: Texas ist die reichste Uni im College Football. Doch während die Longhorns nur vier unumstrittene Landesmeistertitel und zwei Heisman-Trophys holten, staubte Oklahoma im Lauf der letzten 70 Jahre sieben Meisterschaften und fünf Heisman-Trophys ab. Was die Texaner nicht daran hindert, regelmäßig ihre Überlegenheit gegenüber OU in die Welt hinauszuposaunen.

Sportlich ist man sich nicht mehr ganz so einig, dass diesmal Oklahoma zu favorisieren ist. Favoritenstatus ja, daran ändert auch die sensationelle Pleite der Sooners letzte Woche gegen Iowa State nichts. Nur: Dass Texas in der Underdog-Rolle ist, dürfte dem neuen Longhorns-Headcoach Tom Herman exzellent ins Konzept passen. Denn Herman gilt als Coach, der es hervorragend versteht, einen Underdog auf die Stärken des vermeintlichen Favoriten einzustellen.

Oklahomas Stärken liegen dieses Jahr ganz klar in der Offense, wo QB Baker Mayfield trotz Abgangs fast aller bekannten Skill-Player um ihn herum eine famose Saison spielt. Mayfield ist kein klassischer Pocket-Passer im NFL-Style, aber er versteht das College-Spiel brillant und verteilt in fast jeder Partie Bälle für 400yds.

Mayfields beste Qualität gegen gute Gegner ist das Vermeiden von Sacks im Angesicht von Druck. Texas hat in DefCoord Todd Orlando aber einen Blitz-Fetischisten, der z.B. mit LB Malik Jefferson auch einen Spieler hätte, mit dem man ganz gut Druck gen Quarterback schicken könnte. Im Prinzip wäre damit schon eine Underdog-Strategie gegen die Sooners gegeben: Quarterback verwirren, Spiel eindimensional machen, den einen oder anderen Turnover erzwingen.

Die Texas-Defense startete horrend in die Saison, fand aber spätestens mit dem USC-Spiel zu ihrem Groove, als man die Trojans-Offense um den gehypten NFL-Prospect QB Darnold lange Zeit komplett abwürgte.

Jenes USC-Spiel war auch für die Texas-Offense der Wendepunkt in der Saison: Dort nämlich verletzte sich der etatmäßige Stamm-QB Buechele und wurde durch den jungen Freshman-QB Sam Ehlinger ersetzt. Der mobile Ehlinger fügte sich sofort bestens in die Offense ein und hauchte ihr Leben ein. Obwohl Buechele wieder fit ist, hat Ehlinger seinen Job behalten. Mit ihm spielt Herman eine Spread-Offense vom Feinsten, mit stets 4 WR am Set. Ehlinger verteilt nicht nur die Bälle schön, er kann auch laufen.

Das schmeckt den Oklahoma Sooners 2017 überhaupt nicht. Die Sooner-Defense war gut genug um das eindimensionale Angriffssystem von Ohio State (viel Laufspiel, wenig gescheites Passspiel) einzubremsen, aber sie hat gegen die Spread-Offenses der Big 12 erhebliche Schwierigkeiten: Schon vermeintliche Graupenteams wie Baylor oder Iowa State legten über 400 Pass-Yards über die Sooners drüber.

Für Texas ist diese Red River Rivalry eine große Chance, sich in der Riege der landesweit anerkannten Teams zurückzumelden. Wenn Herman einen Weg findet, Oklahomas Offense zu sich herunter zu ziehen, wenn Ehlinger unter dem Druck der Neunzigtausend in der gleißenden Nachmittagssonne von Dallas nicht zusammenbricht und wenn Oklahomas Defense nicht endlich zu sich findet, gibt es hier durchaus Upset-Potenzial.


Ebenso eine gute Ansetzung: #11 Miami Hurricanes gegen Georgia Tech Yellow Jackets. Miami jagte letzte Woche mit einem knappen Auswärtssieg bei Erzfeind FSU die Affen vom Buckel, verlor aber RB Walton mit season ending injury. Gegen Georgia Tech sollte die Offense dennoch punkten. Schwieriger ist gegen Georgia Tech meistens die Verteidigungsarbeit gegen die eher untypische Triple-Option Offense.

Zwei große Namen auch im SEC-Spiel der Woche: LSU vs #10 Auburn. LSU leckt nach bitterbösen Pleiten gegen Mississippi State und Troy noch seine Wunden und wundert sich, warum in der Defense der vermeintliche Superstar DE Key noch keinen Stich macht. Auburn ist besser aus den Startlöchern gekommen und hat in der Offense um QB Stidham mittlerweile zu sich gefunden. Die Tigers müssen heute ihren Status als #3 in der SEC hinter Alabama und Georgia zementieren.

9 Kommentare zu “Samstagsvorschauer – Spieltag 7: Redneck-Derby in Dallas

  1. Ging heute Nacht ja schon mal interessant los. Kein Duell zwischen zwei gerankten Teams bedeutet ja nicht selten, dass unerklärliches im College Football passiert. 🙂

  2. Für Clemson besonders bitter. Der restliche Schedule hat nicht mehr viel zu bieten um sich für die Playoffs zu präsentieren.

  3. Clemson muss sich als regierender Landesmeister, der zuletzt zweimal en suite im Finale stand, und der diese Saison bereits u.a. Auburn, Louisville und Virginia Tech überzeugend geschlagen hat, nicht mehr „präsentieren“.

    ACC mit maximal einer Niederlage gewinnen – und sie sind drin. (und man hätte nebenbei mit FSU und dem Coastal-Champ noch zwei namhafte Brocken)

    Problem der Pleite heute Nacht: Sie dürfen sich nun wohl keinen Stolperer mehr erlauben.

  4. Sport1
    18:00 Indiana – Michigan
    Sport1US
    18:00 Tennessee – South Carolina
    01:45 Alabama – Arkansas
    04:45 ASU – Washington

    Schade, hätte mir gerne die Red River Rivalry angetan…

  5. Björn Werner als Co Kommentator auf Sport 1. Ganz interessant ma den ein oder anderen Schwank aus Seiner aktiven Zeit zu hören.
    Das Spiel ist, zurzeit, eher so mittelmäßig.

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