Sonntagsvorschauer – Woche 7

NFL-Sonntag #7 der Saison – und geht es nur mir so, oder tut man sich diese Saison richtig schwer, auch nur ein verlässliches Team zu finden? Ich meine, Parität hin oder her – diese ist man in der NFL gewohnt. Aber wenn wir auf die heutigen Ansetzungen schauen: In welchem Spiel könntest du einen klaren Favoriten benennen?

Okay, außer vielleicht bei Titans @ Browns, was aber an der absurden Saison von Cleveland liegt, wo sich Headcoach Jackson nicht mehr lange wird halten können, wenn sich nicht bald die ersten Siege einstellen (Jackson ist 1-21). Nächstes Zeichen: Jetzt wird wieder der erst letzte Woche enteierte QB Kizer eingewechselt.

  • 19h: Buffalo Bills – Tampa Bay Buccaneers
  • 19h: Chicago Bears – Carolina Panthers
  • 19h: Cleveland Browns – Tennessee Titans
  • 19h: Green Bay Packers – New Orleans Saints
  • 19h: Indianapolis Colts – Jacksonville Jaguars
  • 19h: Los Angeles Rams – Arizona Cardinals (aus London)
  • 19h: Miami Dolphins – New York Jets
  • 19h: Minnesota Vikings – Baltimore Ravens
  • 22h05: San Francisco 49ers – Dallas Cowboys
  • 22h25: New York Giants – Seattle Seahawks
  • 22h25: Pittsburgh Steelers – Cincinnati Bengals
  • 22h25: StubHub Chargers – Denver Broncos
  • 02h30: New England Patriots – Atlanta Falcons

Bills – Buccs ist eine komplette Wundertüte. Bears – Panthers? Trubisky letzte Woche mit dem ersten Siege, und die Panthers, so stark sie in lichten Momenten aussehen, wurden in der Offense von den Eagles zuletzt komplett abgewürgt.

Packers – Saints? Green Bay mit Brett Hundley und Saints mit zuletzt verbesserter Defense, aber auswärts. Jaguars – Colts? Bortles gegen Brissett? Jacksonville war letzte Woche gegen die Rams ein eigentlich dominantes Team, aber krasse Fehler von Offense und Special Teams kosteten letztlich einen eigentlich verdienten Sieg. Colts schenkten einen möglichen Sieg gegen Tennessee her und müssen erstmals die Nachricht verkraften, dass Andrew Luck (nicht unerwartet) wohl doch für die ganze Saison ausfällt.

Das Twickenham-Spiel Rams – Cardinals (beide NFC West) könnte interessant werden. Die Rams sind ein erfrischend anzusehendes, aber in allen Phasen des Spiels nicht immer verlässliches Team. Die Cards wurstelten sich durch die ersten Wochen, ehe mit der Verpflichtung von RB Adrian Peterson letzte Woche wieder Leben in die Offense gekommen sein schien. Los Angeles hat keine wirklich gute Rushing-Defense und QB Palmer ist im Angesicht von Passrush noch immer ein knochentrockener QB – können die Cards hier also für eine Überraschung sorgen?

Bei Dolphins – Jets kannst du null prognostizieren. Miami macht in der einen Woche null Punkte gegen die Saints und putzt in der anderen Woche die Atlanta Falcons nach großem Comeback. Die Jets sind 3-3 und waren sogar letzte Woche an den Patriots dran. Vikings gegen Ravens ist das Duell zweier guter Defenses mit Offenses ohne tiefem Passspiel. Völlig offenes Duell.


Dann die Spätschicht. 49ers vs Cowboys. Müssen wir die 0-6 49ers gegen die Trump-Spezis bereits abschreiben? Dallas wird wohl RB Elliott nach Fortsetzung des Affentheaters um seine Grapscher-Sperre einsetzen dürfen – aber San Francisco hat eine exzellente Rushing-Defense.

Giants – Seahawks? New York mit gutem Pass Rush, was gegen Seattle immer ein guter Startpunkt ist. Und letzte Woche mit Lebenszeichen: Souverän jene Broncos geschlagen, die manche schon fix in die Playoffs schreiben wollten.

Jene Broncos müssen nun zu den Chargers, die in den letzten beiden Wochen jeweils One-Score Spiele gewonnen haben. Kervehrte NFL-Welt. Für beide dürfte das Ergebnis der bisherigen „Spiels des Jahres“ am Donnerstag ein Segen gewesen sein: Die AFC West ist wieder völlig offen, und jeder kann im Playoffrennen ein gewichtiges Wörtchen mitreden!

Steelers – Bengals als traditionelles AFC-North Duell wäre vielleicht auch ein Kandidat für einen klaren Favoriten, wenn Pittsburgh nicht so oft die Pferde-Neigung zeigen würde: Springt nur so hoch wie es muss. Und das ist manchmal nicht hoch genug. Cincinnati spielt zwar berechenbar, aber nicht immer berechenbar gut. Du weißt zwar, was sie machen werden, aber du weißt nie, wie gut sie es machen werden.

Sunday Night Game

So bleibt das Spiel der Spiele an diesem Tag natürlich das Rematch von Super Bowl 51 aus dem Februar: New England Patriots (4-2) vs Atlanta Falcons (3-2). Beide Teams kränkeln sich durch die ersten Saisonwochen – aber dann haben sich die Falcons letzte Woche mit einer Implosion von 98% Siegchance zu Overtime-Pleite gegen Miami noch rechtzeitig „in Stimmung“ gebracht für die Patriots, inklusive nur zweier Rushing-Plays in der zweiten Halbzeit.

Atlanta habe ich dieses Jahr noch nicht so genau angeschaut, aber auffällig war in den letzten Wochen, wie sehr die Offense WR #12 Sanu zu vermissen scheint. Atlantas Offense macht zwar noch immer 7.2 NY/A im Passspiel und stellt nach DVOA und SR% die beste Rushing-Offense der Liga, aber das führte in den letzten Wochen nicht immer zum gewünschten Ergebnis (z.B. eine punktelose zweite Halbzeit gegen Miami).

Der Ringer hat die Probleme der Falcons schön herausgearbeitet. Quintessenz: Unter OffCoord Sarkisian hat die Offense einen leichten Paradigmenwechsel vollzogen. Die „Two Back Sets“ mit RB Freeman im Backfield und RB Tevin Coleman als Slot-Receiver, die letztes Jahr die NFL aufgemischt haben, werden aktuell komplett vermisst. Ebenso wie eine vernünftige Einbindung von Superstar-WR #11 Julio Jones, der in der laufenden Saison nur 37 Anspiele gesehen hat, davon nur ein einziges (!) in der Red Zone. Folge: Jones hat noch keinen TD.

Einiges macht man daran fest, dass nach Sanus Ausfall zu viel von Atlantas Offense auf Jones zugeschnitten war – aber warum wird er dann nicht angespielt? Zu viel zugedeckt? Und wie macht sich das ab heute, wo Sanu wieder da ist? Dann das Einsatzgebiet von WR Tyler Gabriel: Letztes Jahr hatte Gabriel seinen Durchbruch als tiefer Routenläufer. Heuer wird er vor allem auf kurzen Routen gebracht um mit quicken Cuts Yards nach dem Catch zu machen. Das funktioniert nur bedingt.

Und schließlich auch QB Matt Ryan: Er hat bereits 6 INT geworfen. Einige davon waren abgefälscht und Pech, aber der Ringer sieht Ryan zumindest in Teilen mitschuldig an der Offense-„Misere“ der Falcons. Und da sind wird schon beim Stichwort: „Misere“. Die Offense ist aktuell nur „gut“, nicht mehr „herausragend“ wie 2016. Das hatten wir in Anflügen schon so erwartet. Ist also vielleicht auch keine komplette Schande.

Und nun kommen immerhin die Patriots mit ihrer Defense, die schon die Saison der Texans und Panthers revitalisiert hat. Sie haben auch nach sechs Spieltagen noch nicht wirklich eine Erfolgsformel gefunden. Sie kassieren bislang 7.8 NY/A gegen den Pass, #32 der Liga. Sie haben auch eine der schwächsten Rushing-Defenses in der NFL.

Muss man es darüber hinaus als schlechtes Zeichen werten, wenn Head Coach Belichick auf der Pressekonferenz aus seiner Haut geht und einen 800 Wort langen Vortrag über die Entwicklung einer Footballmannschaft im Lauf einer Saison hält? Oder ist es ganz normales Patriots-Business.

Auf jeden Fall gibt es bei Youtube eine 11-minütige Videoanalyse, die sich mit den Problemen der Patriots-Abwehr auseinandersetzt. Sie sei hier empfohlen:

Als grundsätzliche Problemzonen warden drei Themen identifiziert:

  1. Rushing Defense im 1st Down. New England kassiert im Schnitt 6yds/Carry durch Laufspiel im ersten Down – in manchen Spielen waren es über 10! DT #97 Branch ist nicht kraftvoll genug und seine Buddys, allen voran DT #90 Malcom Brown, sind nicht immer „Gap-integer“ genug. Dazu wird vor allem LB Van Noy als Schwachpunkt ausgemacht. Van Noy wird wie sein Linebacker-Kollege Marsh als guter Backup beschrieben, aber nicht qualifiziert um als Starter in einer NFL-Defense aufzulaufen.
  2. Kommunikationsprobleme. Das Thema hatten wir schon. Das Video zeigt eine Reihe von Plays, bei denen sich die Patriots-Defensive Backs offensichtlich nicht einig sind, welcher Spielzug gerade angesagt ist und wer welche Zonen und Spieler übernimmt. So entstehen immer wieder monströse Lücken, die schon zum Sinnbild für die Pats-Saison 2017 geworden sind.
  3. Individuelle Aussetzer. In jedem Spiel leistet sich ein anderer Defensive Back einen Tag in der Sonne. Einmal war es CB Gilmore, dann war es CB Butler, dann war es FS McCourty. Und wenn in der Kette „NFL-Verteidigung“ auch nur ein Totalausfall ist, hat die Offense ein Leichtes, den wunden Punkt ausfindig zu machen.

Auch hier der Tenor: Die Patriots-Probleme sind vor allem mentaler Natur – also sind sie behebbar. Die Frage ist bloß, bis wann. Heute sollen CB Rowe und CB Gilmore fraglich sein, es bleibt also eine spannende Sache, wie es gegen die potenziell so potent besetzten Falcons weitergeht.

Auf der anderen Seite haben wir das Matchup der Patriots-Offense gegen die Falcons-Defense. Das klingt weit weniger sexy, aber aufgepasst: QB Brady erlebt trotz zahlreicher Sacks und einiger Protection-Probleme erneut eine herausragende Saison, und die Falcons haben trotz ihres wackeligen Rufes gegen den Pass nur 5.3 NY/A zugelassen – viertbester Wert der Liga nach sechs Spieltagen.

Es wird in diesem Duell vor allem zwei entscheidende Kriterien geben: Keine Offense ist besser, die Stars der gegnerischen Defense – im Falcons-Fall: CB Desmond Trufant – zu negieren, in dem sie einfach von ihm weg-schemen, als jene von Belichick und OffCoord Josh McDaniels. Und: FS Keanu Neal gilt als Monster, wenn er gegen Tight Ends aufgestellt wird. Neal gegen Gronkowski – klingt nach einem spektakulären Duell.

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10 Kommentare zu “Sonntagsvorschauer – Woche 7

  1. …dazu kommt noch, dass beide Teams (Atlanta und Boston) nach der Super Bowl und mit dem aktuellen Record schon etwas unter Druck stehen. Beide benötigen den Sieg. Werde mir auf jeden Fall den Wecker stehen und lieber sehr früh aufstehen als in der zweiten Halbzeit von San Franisco – Dalls einzuschlummern.

    Ist eigentlich für diese Saison noch ein Power-Ranking geplant? Ich stelle mir vor, wie alle Teams außer Cleveland ziemlich identisch stark sind…

  2. Ein Artikel der mir aus der Seele spricht. Im Grunde sehe ich gerade eine Liga die nur zwei Qualitätsstufen kennt, schlecht und mittelmäßig. In meiner Wahrnehmung werden allzu oft Partien nicht durch Fähigkeiten sondern durch Unfähigkeiten entschieden. Heute reizt mich im 19 Uhr Slot Rams vs Cards aber im großen und ganzen habe ich dieses Jahr 19 Uhr enorme Schwierigkeiten aus dieser Mittelprächtigkeit interessante Partien zu erkennen.

  3. freue mich schon auf das starting debut von Brett Hundley,war ein großer Bewunderer als er im College für UCLA spielte. ich bin mir sicher das die Packers mit ihm eine guten Ersatz haben. mein Geld ist schon mal auf ein Packers Sieg gesetzt. das Spiel läuft heute auf FOX durch die ustvnow app.

  4. „StubHub Chargers“ ist doch das geflügelte Wort des Jahres! Ein Team, das weder die Fans in San Diego noch die in L.A. haben wollen. Es hängt in der Luft, in einem kleinen Fußball-stadion. Ihr Regierungsbezirk ist also dieses halbleere Stadion inklusive Parkplatz. Die maximale Kommerzialisierung der NFL in kurz: „StubHub Chargers“.
    On Topic: Eine relativ klare Partie – die Trump Cowboys werden die 49ers (leider) vernichten. Ich würde mich riesig freuen, wenn es anders ausgeht, sehe die beiden Teams aber talenttechnisch nicht auf Augenhöhe.

  5. wenn die den StubHub nicht füllen können was soll dann 2019 mit der Riesen Schüssel kommen, dann wird das 70000 Stadion zur Hälfte leer sein.

  6. Pingback: Liveblog am Sonntagabend – Woche 7 | Sideline Reporter - Eier, wir brauchen Eier!

  7. Und was lernen wir:
    Green Bay Packers = Aaron Rodgers
    Bill Belichick > Mike McCarthy
    New England Patriots = Super Bowl Winner 2018

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