Recap – New England Patriots vs Atlanta Falcons

Spoiler Zone: Nach dem Klick.

Das Re-Match von Super Bowl 51 endete im strömenden Regen und Nebel von Foxboro mit einem recht klaren Endresultat: New England 23, Atlanta 7.

Es war ein durchaus interessantes Spiel, was auch an der spektakulären Kameraeinstellung von NBC lag, das wegen des dichten Nebels mit der Sky-Cam parallel zur Anspiellinie antrat und für eine ganze Portion „Madden-Feeling“ sorgte. Eine spannende Einstellung, da sie Eindrücke vermittelte, wie Offense und Defense reagieren – ganz was anderes als die gewohnte, parallel zur Seitenlinie laufende Kamera.


Zum Spiel: New England dominierte den Score-Sheet, führte im Schlussviertel 23-0 und hätte um ein Haar einen Shutout gegen eine der vermeintlich besten Offenses der Liga eingefahren. Die Patriots waren natürlich die überlegene Mannschaft in dieser Partie, aber lass mich mal ganz kurz Teufels Advokat spielen:

  • Die Falcons verschossen zwei relativ kurze Fieldgoals.
  • Den Falcons wurde eine Interception in der Endzone zurückgepfiffen wegen einer Roughing-the-Passer Strafe gegen #91 Clayborn. New England nutzte das Geschenk zu einem Touchdown.
  • Atlanta verpasste ein 4th Down in Scoring-Nähe kurz vor der Pause, New England konterte mit einem schnellen Drive zum vorentscheidenden 17-0 kurz vor Halbzeit.
  • Atlanta wurde bei einem weiteren 4th Down & 1 vor der Endzone gestoppt.

In einem alternativen Universum hätte Atlanta eine Minute vor der Pause auch bei 3-3 Spielstand auf Führung spielen können und hätte nach der Pause den Ball bekommen. Taten sie nicht, da sie den 4th Down verpassten und hinterher per Touchdown abgeschossen wurden.

Zu den Problemen der Falcons in dieser Partie: Ich fand den Pass Rush ernüchternd. Oder besser: Erschreckend. Da war kein Lüftchen. Brady mag zwei Sacks kassiert haben, aber insgesamt war der Druck der Front-7 fast nie existent – und das führt auch noch gegen einen 40-jährigen Brady eben zu 21/29 für 241yds und 2 TD – bei 7.8 NY/A gegen den Pass und kaum echte Chancen auf Turnovers.

Atlanta hat darüber hinaus ein ernsthaftes Problem mit seiner Run-Defense, die die Kollegen Lewis (13 Rushes für 76yds), Burkhead (6/31), Gillislee (8/31) und Whote (4/19) nicht annähernd stoppen konnte. Selbst in der Garbage-Time, als klar war, dass New England nur noch laufen würde, kassierte Atlanta in schöner Regelmäßigkeit 8yds im 1st Down, dann das nächste 1st Down im 2nd Down.

Da liegt der Verdacht nahe, dass die letztjährige Performance der Falcons-Rushing Defense in den Playoffs, nicht jene in der Regular Season (#31 der Liga), die Ausnahme war. Wenn sich die Lage nicht bessert, wird Atlanta eine lange Saison erleben.

Die Offense der Falcons war nicht „schlecht“, was angesichts eines Fast-Shutouts gegen die bislang so üble Patriots-Defense bizarr klingen mag. Aber die Kollegen #12 Sanu und vor allem #11 Jones waren häufig weit offen. Die Sky-Cam legte allerdings den Schluss nahe, dass QB Matt Ryan mindestens 1-2 Touchdowns zu völlig offenen Receivern (v.a. Jones) verpasste – und wenn Atlanta dann Fieldgoals verschießt und 4th Downs vermasselt, fehlen dir plötzlich 14 so wertvolle Punkte.

Dazu ein Play-Calling, das weh tut: Die hast 3rd/Goal von der 1, hast den besten Center und das beste Laufspiel der Liga, und versuchst Fade-Routes und einen Jet-Sweep in deinen nächsten beiden Versuchen? Hinterher draufhauen ist oft hindsight bias, aber das waren keine guten Momente für den bereits in der Kritik stehenden OffCoord Sarkisian.


Die Patriots? Eine Offense, die die Schwächen der gegnerischen Defense eiskalt offenlegte. Das ist nichts Neues. Da tun sogar z.B. drei Strafen gegen Gronkowski nicht weh. Vor allem das Laufspiel hat noch die ganze Saison nicht so überlegen ausgesehen wie gestern.

Die Defense? Nicht unspannend. Die letzten drei Spiele nur 14 Punkte von den Buccs, 17 von den Jets und jetzt 7 von den Falcons kassiert. So ganz krasse Blown-Coverages gab es diesmal gegen die Falcons nicht mehr, und der Pass Rush hatte seinen Momente, in denen durchaus Druck gen Ryan ausgeübt wurde.

Aber auf der anderen Seite war da auch Glück im Spiel: Zwei verschossene Fieldgoals der Falcons, nachdem schon vor drei Wochen die Buccs dreimal verkickt hatten. Dazu der 4th Down Stop – zwei dieser Moves „sparten“ schonmal 14 Punkte.

So wirklich gut war die Coverage diesmal auch nicht, wie die Sky-Cam offenlegte. Natürlich wird bei so klarer Führung mehr bend but don’t break gespielt, womit Räume auf Mitteldistanzen entstehen. Aber der Eindruck kann auch getäuscht haben. Atlanta bewegte den Ball nicht schlecht, trotz der geringen Punktzahl.


Ich bin gespannt, wie es für beide weitergeht. Die Falcons sind 3-3 und mit den Detroit- und Chicago-Spielen ehrlicherweise keine Lichtjahre von einem Katastrophenstart à la 1-5 entfernt. Aber sie haben die Feuerpower in der Offense um in einer momentan völlig verwirrenden und nicht überzeugenden NFC South vorne dabei zu bleiben.

Die Patriots sind jetzt mit all ihren Problemen 5-2, haben einen relativ einfachen Schedule vor der Brust und scheinen zumindest die schlimmsten Abwehrbolzen abstellen zu können. Das kann schon wieder zu 11-5 aufwärts reichen und macht New England damit zum ziemlich sicheren Playofftipp.

Advertisements

6 Kommentare zu “Recap – New England Patriots vs Atlanta Falcons

  1. Die beiden letzten Spiele waren mit Gilmore und Rowe noch zwei CBs draußen. Mit Bademosi hat da ein Specialteamer gespielt. Und wie man es von BB erwartet war der sogar ganz passabel 😉

    Bleibt die Frage, ob die Fuckups in der Coverage zurückkommen wenn Gilmore und Rowe wieder da sind.

  2. In den amerikanischen Medien wird OC Sarkasian absolut zerrissen. Was ich nicht verstehe: Er hat doch eine Bombenoffense übernommen. Wieso hat er nicht einfach im Großen und Ganzen alles so gelassen, wie es war? Darauf aufbauend: wo er jetzt sieht, dass es schlechter läuft, warum stellt er nicht wieder auf das System von letzter Saison um? Tape dürfte er davon ohne Ende haben und die Coaches und Spieler kriegen die Basics definitiv noch zusammen. Will der seinen Job nicht behalten?

  3. Es war immer unwahrscheinlich, dass die Falcons ihren Level von 2016 würden halten können. Ich habe schon darüber geschrieben: Es ist fast unausweichlich, dass Regression zur Mitte einsetzt, wenn man solche Höhenflüge erlebt wie die Falcons-Offense 2016.

    Wenn Sarkisian (oder in einer fiktiven Welt meinentwegen: Shanahan) 2017 nichts ändern, werden sie eben deswegen kritisiert („Offense ist jetzt zu vorhersehbar, weil sich DefCoords in einer geilen Liga wie der NFL schneller als zu denkst einstellen…“).

    Was ich an den Falcons definitiv bedenklicher finde: Die Defense. Pass Rush ist ein laues Lüftchen und die Rushing-Defense nahe einer Katastrophe. Wenn es tatsächlich so schlecht ist wie angedeutet, dann haben wir uns alle von den exzellenten Playoffs dieser Defense täuschen lassen… die Defense ist aktuell nur leicht über dem Level der Regular Season 2016 – und diese war nicht gut.

  4. @Dizzy: OCs haben ihre eigenen Ideen, Philosophien. So wie Fußballtrainer halt in der Regel auch nicht einfach das System ihres Vorgängers übernehmen, ist das auch bei Koordinatoren selten der Fall. Am ehesten noch, wenn der neue vorher schon im gleichen System war und nur befördert wird. Dann wird das ganze recht kontinuierlich von Statten gehen. Aber wenn – wie Sarkisian – jemand von außerhalb kommt, dann bringt der auch eigene Ideen und Vorstellungen mit und möchte diese umsetzen. OC ist ja keine kompetenzlose Ja-Sager-Position, auf der man jemanden will, der einfach nur das macht, was man eh schon immer gemacht hat.

    Und wie korsakoff richtig geschrieben hat, das Problem ist nicht nur Sarkisian. Matt Ryan hat in dem Spiel einige Pässe ganz simpel und einfach nicht getroffen, die man von einem QB in der NFL erwarten muss. Sowohl bei 3rd-Down als auch die angesprochenen Chancen auf TDs. Bei diesen Plays kann man sich auch nicht auf den OC rausreden und die können das Spiel auch ganz massiv drehen.

  5. Danke für die Infos. Ich hoffe, die Falcons fangen sich wieder. Sie waren letzte Saison einfach toll anzusehen und das Talent wäre ja nach wie vor da. Ich würde es Matty Ice und Co gönnen.

  6. Mal schauen was es wird. Erinnert mich aber irgendwie grade stark an die Ravens vor ein paar Jahren, wo auch gar nix ging in der Offense, keiner so genau sagen konnte wieso und sie mitten im Jahr den OC gewechselt haben. Resultat: Super Bowl (und ein rückblickend ziemlich Franchise-krüppelnder Vertrag für Joe Flacco).

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s