Samstagsvorschauer – Woche 10: Es ist November!

November ist die beste Zeit für College Football. Ich schaue das Zeug jetzt zehn Jahre, und die Wochenenden, an denen im November nichts Denkwürdiges passiert ist, kannst du an weniger maximal zwei Händen abzählen. Das liegt natürlich am Faktor „entscheidende Saisonphase“. Aber es liegt auch an den Ansetzungen selbst: Die Rivalries häufen sich, und es wird fast nur noch „in Conference“ gespielt.

  • 17h: Indiana – #9 Wisconsin
  • 17h: #24 Michigan State – #7 Penn State
  • 17h: Texas A&M – #14 Auburn
  • 20h30: #1 Georgia – South Carolina (cbsstream)
  • 20h30: #20 NC State – #4 Clemson
  • 20h30: West Virginia – #15 Iowa State
  • 20h30 #25 Washington State – #21 Stanford (nur FOX)
  • 21h: #11 Oklahoma State – #5 Oklahoma (nur FS1)
  • 24h: Nevada – Boise State
  • 0h15: #8 TCU – Texas
  • 0h15: SMU – #18 UCF
  • 1h: #2 Alabama – #19 LSU (cbsstream)
  • 1h: #10 Miami/FL – #13 Virginia Tech
  • 3h: #12 Washington – Oregon
  • 3h45: #17 USC – #22 Arizona

Zwei Spitzenspiele mit direkten Implikationen auf das Playoff-Geschehen heute – aber nur eines ist bei uns auf konventionellem Weg zu sehen: #10 Miami Hurricanes vs #13 Virginia Tech Hokies, wohl bereits das Duell um den Gewinn der ACC-Coastal Division und somit den Einzug in das ACC-Finale. Es ist ein aufregendes Matchup zweier sehr solider Mannschaften, die sich beide noch nicht wie auf dem „Zenit“ anfühlen.

Miami ist im zweiten Jahr von Headcoach Mark Richt und hat erstmals seit vielen Jahren mal wieder den Oktober unbeschadet überstanden. Die Canes gewinnen ihre Partien zwar nicht haushoch (sind z.B. nur #18 im SRS), aber sie haben einen durchaus schwierigen Schedule gespielt und laufen im SOR, der für gewöhnlich am Saisonende ein guter Indikator für die Playoff-Selektion ist, aktuell an #2 raus.

Virginia Tech versteht sich nach vielen Jahren unter dem prägenden Head Coach Frank Beamer, der am liebsten ohne Offense, dafür mit viel Defense und Special Teams seine Spiele gewann, gerade im Umbruch. Vor zwei Jahren installierte man mit Headcoach Justin Fuente einen Coach mit offensivem Hintergrund – und Fuente transformierte die Hokies sofort zu einer attraktiv anzuschauenden Mannschaft. Dabei vergaß er aber auch nicht die Wurzeln in Blacksburg: Er behielt den heiß geliebten DefCoord Bud Foster im Trainerstab – und so sind die Hokies heute eine der wenigen Mannschaften, die die Balance zwischen effizienter Offense und effizienter Defense hingekriegt haben. Freilich nicht auf dem allerhöchsten Niveau; dafür ist das Team noch zu jung. Aber es gilt als bereits gut genug um mit etwas Glück die ACC zu gewinnen. Virginia Tech ist also sozusagen nicht nur von der Sexyness „1B“, sondern auch vom Leistungsvermögen.

Virginia Tech zeichnet sich in der Defense durch zügiges, aggressives Spiel aus. Die Defense Line ist körperlich wuchtig, die Linebacker sind exzellente Tackler, die Secondary hat hervorragenden Speed. Für Miamis Offense wird das kein dünnes Brett, zumal die Canes auf ihren schwer verletzten, besten RB Mark Walton verzichten müssen. Virginia Tech hat eine erstklassige Run-Defense und wird den Fokus darauf legen, Miami eindimensional zu machen. Das heißt auch: QB Malik Rozier wird in dieser Partie den Alleinunterhalter geben müssen. Mit präzisem Passspiel ist für Miami durchaus was zu gewinnen: Die Defensive Backs sind zwar flink, aber noch unerfahren. Und sie gehen auf Täuschungen wie Play-Action zu aggressiv ein.

Auf der Gegenseite ist Virginia Techs Offense bereits nach wenigen Wochen völlig auf den famosen Redshirt-Freshman QB Josh Jackson zugeschnitten. Jackson ist gut bei Fuß und packt gerne die ganz tiefe Bombe aus um die Defense auseinanderzuziehen. Das wird spannend gegen Miami, dessen Defense nicht immer 100%ig überzeugt, aber das es extrem gut versteht, mit seinen Linebackern schnell genug Druck zu erzeugen um die tiefen Routen aus dem Spiel zu nehmen.

Ich liebe solche Matchups. Es ist nicht das ganz große Rampenlicht wie wenn Penn State und Ohio State aufeinander treffen. Aber es ist ein Duell zweier Mannschaften denen vermutlich die Zukunft gehört. Sie werden nicht fehlerlos sein, aber man kann sich zu dieser Partie schön auszumalen versuchen, wie sie vielleicht, wenn alles gut läuft, ein Kaliber wie die Clemson Tigers zu fällen imstande sind. Um dann *möglicherweise* zumindest ein Mezzoforte in den Playoffs zu spielen? Oder müssen wir doch auf 2018 warten?


Das andere Spitzenspiel ist das Bedlam-Derby zwischen den #11 Oklahoma State Cowboys und den #5 Oklahoma Sooners – extra wegen dem wieder eingeführten Conference-Finale um ein paar Wochen nach vorn auf Anfang November verlegt. Da beide Teams 7-1 sind, hat nur der Sieger weiterhin Playoff-Chancen. Bezüglich Qualifikation für das Big-12 Finale hingegen kann sich Oklahoma wohl schlimmstenfalls eine Niederlage erlauben, weil man nächste Woche noch ein Heimspiel gegen TCU vor der Brust hat. Oklahoma State hätte dagegen sein Schicksal bzgl. Conference-Finale mit einer Niederlage nicht mehr in eigener Hand.

Die Partie ist bei uns über konventionelle Wege nicht zu sehen. Schade, denn es wäre nicht nur eine Top-Rivalry, sondern auch eine der letzten Chancen, den spektakulären Sooners-QB Baker Mayfield gegen einen ernsthaften Gegner in Aktion zu sehen.

Keep an Eye on

#17 USC vs #22 Arizona Wildcats klingt nach einer wilden Partie. Arizona machte im Oktober landesweite Schlagzeilen mit außerirdischen Offense-Zahlen. Verantwortlich dafür: QB Khalil Tate, der Ende September durch einen Verletzungsausfall des Stamm-QBs nur zufällig eingewechselt wurde. Tate ist ein Athlet in der Tradition eines Lamar Jackson – vielleicht nicht ganz so elektrisierend, vielleicht nicht ganz der Arm, aber aktuell unfassbar effizient: 41/58 für 743yds, 6 TD vs 2 INT im Passspiel und obendrauf 59 Rushes für 840yds und 8 TD in den vier Spiele als Starter im Oktober. Arizona ist unter Tate 4-0 und erzielt 49 Punkte pro Spiel. Das sind Zahlen, wenn Tate diese im November aufrecht erhalten kann – und noch den einen oder anderen Statement-Sieg holt – könnte er sogar noch eine Chance auf die Heisman-Trophy haben, Backup-Status im September hin oder her.

Tate trifft nun auf eine waidwunde USC-Defense, die pro Woche 1-2 Starter verliert. Das hat bereits dazu geführt, dass USC aus dem Feld der Playoffanwärter gefallen ist. Dass USC aktuell noch bei 7-2 Siegen hält, liegt in erster Linie an der sehr methodischen Offense um NFL-Anwärter QB Sam Darnold. Darnold sollte gegen die desolate Wildcat-Defense erneut viele Yards und Punkte erzielen. Und damit ist der rote Faden für die Partie schon vorgegeben: Alles andere als ein Shootout wäre überraschend.


#20 NC State vs #4 Clemson gilt als potenzielles „Trap Game“ für Clemson. Schließlich ist NC State zwar keine Marke für feuchte Träume, aber in mehreren Mannschaftsteilen durchaus grundsolide besetzt. Allerdings: Letzte Woche wurde der „Sleeper“ NC State von Notre Dame ziemlich brutal entzaubert. Notre Dame fuhr mit fast 350 Rushing-Yards über das Wolfpack drüber.

Clemson hat eine völlig andere Offense als Notre Dame, das fast ausschließlich über Laufspiel kommt. Clemson hat nicht die Wucht wie Notre Dame, dafür aber um QB Kelly Bryant ein durchaus gutes Passspiel. Und Clemson kann die Spread/Option Offense spielen. Damit dürfte DE Bradley Chubb von NC State an Bedeutung gewinnen – sein Passrush könnte ein Faktor sein. Aber andererseits ist das Wolfpack auch sehr abhängig von Chubb. Kommt Chubb nicht durch, oder wird Chubb durch saubere Read-Option aus dem Spiel genommen, riskiert NC State schnell, überrumpelt zu werden. In einem solchen Fall müsste die Offense vom Wolfpack gegenhalten. Ist das gegen die superbe Defensive Line der Clemson Tigers realistisch?

Wie auch immer es laufen wird: Clemson darf sich keine Niederlage mehr erlauben, will es in die Playoffs. Aber „Playoffs“ allein stehen heute nicht auf dem Spiel, denn mit einer Niederlage bei einem unangenehmen Gegner (gegen den Clemson schon letztes Jahr fast gestrauchelt wäre) würde auch bedeuten, dass Clemson für die Qualifikation fürs ACC-Finale fremde Hilfe braucht: Der Sieger dieser Partie hat nach ESPNs FPI eine 95%ige Chance, sich für das ACC-Finale zu qualifizieren.

Lass uns mal in Erinnerungen schwelgen

Um Mitternacht: Nevada Wolfpack – Boise State Broncos. Kein Spitzenspiel mit besonderer landesweiter Bedeutung, aber für mich die Erinnerung an einen der herzzerreißendsten Sportmomente in meinem Leben. Ende November 2010, ich sitze nach schlafloser Nacht wegen Zahnschmerzen halb betört um halb 8 Uhr morgens noch vor dem Fernseher und schaue mir an, wie erst der großartige Nevada-Pistol QB Colin Kaepernick die Boise-Defense auseinandernimmt, wie Kellen Moore Sekunden vor Schluss mit einer tiefen Bombe für den heranfliegenden Titus Young downfield kontert, und wie dann Boise States Kicker Kyle Brotzman mit zwei anschließenden Fehlkicks aus kurzer Distanz die BCS-Titelhoffnungen „meiner“ kleinen Boise State Broncos torpediert. In dem Moment wusste ich, dass College Football in mir Emotionen wecken kann, die eine NFL nicht anzugreifen imstande ist.

Um 1h nachts der alljährliche Kracher #2 Alabama vs #19 LSU Tigers, das Spiel, das in Sachen Speed und Intensität jenem einer NFL-Partie am nächsten kommt. Zeugnis dafür, dass ich langsam College-Routinier werde: Das „Spiel des Jahrhunderts“, das epische 9-6 black’n’blue Festspiel von 2011, ist nun schon sechs Jahre zurück! Ich erinnere mich, als wäre es gestern gewesen.

Insgesamt 45 der Spieler von damals wurden bis heute gedraftet. Einige der Protagonisten von damals sind heute Superstars, wie Odell Beckham jr, Donta Hightower, CJ Mosley oder der „Honey Badger“, Tyrann Mathieu. Andere, wie Dre Kirkpatrick, Courtney Upshaw, Michael Brockers oder Mark Barron, sind solide bis Pro-Bowl Kaliber. Der Star jener Partie, LSU-Safety Eric Reid, mit seiner einhändigen Interception der wahre Vorgänger Beckhams, ist versauert heute in einer abgewirtschafteten 49ers-Franchise.

Andere Kollegen haben sich längst von uns verabschiedet. Alabamas Über-RB von damals, Trent Richardson, ist seit Jahren von der Bildfläche verschwunden. Man möchte nicht wissen, wie viele Kinder Richardson mittlerweile gezeugt hat; als er 21 war, waren es schon drei. Alabamas QB AJ McCarron ist erst vor wenigen Tagen wieder aufgetaucht – als das ganze Land entsetzt war über den Preis (zwei Mid-Round Picks), den die Browns den Bengals für seine Dienste bezahlen wollten.

Die heutige Partie hat weder die Wichtigkeit von damals, noch wird sie 45 NFL-Spieler fabrizieren. Alabama ist klar favorisiert. Für sie geht es darum, sich nicht in der SEC West in Kalamitäten zu bringen. Für LSU dagegen ist die Partie die Chance, eine verlorene Saison zu retten, einen der Erzrivalen zu stürzen und sich das Hintertürchen für eine rechnerisch noch mögliche SEC-Finalqualifikation zu wahren (das direkte Duell gegen das ebenso 1-SEC-Loss Auburn hätte man bereits gewonnen).

Ein Kommentar zu “Samstagsvorschauer – Woche 10: Es ist November!

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