Sonntagsvorschauer – Spieltag 11

Vorschau auf den 11ten Spieltag am heutigen Sonntag.

Abseits des Spielfeldes bleibt Dallas-Cowboys Owner Jerry Jones eine dominierende Figur. Jones versuchte monatelang, die zweifelhafte Sperre gegen den Frauengrapscher Ezekiel Elliott – zufällig der Runningback seiner Cowboys – abzuwenden. Erfolglos. Nun scheint sich Jones an NFL-Commissioner Roger Goodell rächen zu wollen. Goodell steht seit Jahren im Ruf, willkürlich Sperren und Geldstrafen zu verhängen, ohne rechtliche Grundlage. Goodell hat in Kürze auch auslaufenden Vertrag als NFL-Boss, und Jones scheint nun eine Verlängerung des mit rund 42 Mio Jahresgehalt (!) dotierten Commissioner-Postens zu verhindern.

Merkwürdiges Verhalten von Jerry Jones, der als einer der lautstärksten Befürworter Goodells galt, als jener den Patriots-QB Brady wider allen physikalischen Grundlagen sperrte. Jones versucht sich vom Vorwurf der Doppelmoral freizusprechen, indem er zuletzt andeutete, dass Brady „schuldiger“ war als sein Ziehsohn Elliott.

Mehr dazu bei ESPN: Roger Goodell has a Jerry Jones problem and nobody knows how it will end.

Frühschicht um 19h

  • Detroit Lions – Chicago Bears
  • Cleveland Browns – Jacksonville Jaguars
  • Green Bay Packers – Baltimore Ravens
  • Miami Dolphins – Tampa Bay Buccaneers
  • Minnesota Vikings – Los Angeles Rams
  • New Orleans Saints – Washington Redskins
  • New York Giants – Kansas City Chiefs
  • Houston Texans – Arizona Cardinals

Eine Frühschicht mit einem klaren Topspiel: Minnesota Vikings vs Los Angeles Rams ist definitiv was aus dem obersten Regal. Hier trifft die famose Vikes-Defense auf die weithin hymnisch besungene Rams-Offense, die deises Jahr 7.7 NY/A durch Passspiel erzielt und damit die #1 der Liga ist. Aber: Die Vikings-Defense lässt nur 5.5 NY/A zu, #8 der Liga.

Stilistisch ist die Rams-Offense von Headcoach Sean McVay so designt worden, dass sie die Schnittstellen von Zonen-Defenses exzellent zu attackieren weiß. Die Crossing-Routen von Wide Receivern wie Woods oder Austin sind ebenso patentiert wie die gelegentlichen tiefen Bomben für den explosiven WR #12 Sammy Watkins. So sieht QB Jared Goff, noch vor einem Jahr als kompletter Flop abgestempelt, heuer wie ein völlig neuer QB aus – und er hat seinen Spaß mit der neuen Offense:

Goff hat aber eine Schwachstelle: Er kommt nicht wirklich gut mit Druck über die Mitte zurecht. Und just hier haben die Vikings sowohl das Spielermaterial als auch das Playbook (Mike Zimmer Blitzes über die A-Gaps sind seit Jahren berüchtigt) um für Konfusion zu sorgen. Minnesota kann dank Passrushern wie Barr, Griffen oder Robinson auch im 1-vs-1 ohne besonderes Scheming Druck über die Flanken machen – und aufgepasst: Alle drei sind so athletisch, dass sie Zimmer immer wieder als „Zone-Blitzer“ nach hinten schickt – dorthin, wo die Nahtstellen der Crossing-Routen der Rams-Offense geplant sind. Goff muss in dieser Partie extrem aufpassen.

In der Vikes-Offense wird erneut QB Case Keenum starten, nachdem Bridgewater noch nicht fit genug ist. Keenum ist kein Super-QB, aber er hat sich dieses Jahr ganz gut gemacht (6.8 NY/A im Passspiel). Keenum hat den Vorteil, dass Minnesota mittlerweile eine ganz ordentliche Offensive Line hat und vor allem, dass Minnesota im WR Thielen und WR Diggs zwei sensationelle Receiver besitzt, die imstande sind, exakt die antrainierten Routen zu laufen. Thielen und Diggs sind beide keine athletischen Wunder, und beide haben kein Standing durch eine hohe Draftposition oder monströse Receiving-Zahlen, aber als Paar sind sie ein Top-3 Duo und somit ein Traum für jeden Quarterback.

Dumm für die Vikings: Los Angeles hat die Waffen in der Defense, um dieser Offense einzuheizen. DT #99 Donald ist der aggressivste DT-Passrusher in der NFL. Du bist nicht imstande, ihn in Einzeldeckung zu blocken, weswegen Gefahr für Keenum früh im Down droht. Dahinter haben die Rams in CB Johnson zumindest einen Cornerback, der Thielen oder Diggs im Alleingang einzubremsen vermag – ein großer schematischer Vorteil für DefCoord Wade Phillips, der sich nie scheut, vorne mit sechs, sieben Mann die Pocket auseinanderzunehmen.

Mit Verlaub: Ein geiles Matchup – playoffreif, nach alldem, was man von beiden Teams dieses Saison gesehen hat. Die Rams sind mit den vielen Verletzungen beim Konkurrenten Seattle mittlerweile der Favorit in der NFC West – und Minnesota ist dank der Rodgers-Verletzung der Favorit in der NFC North. Mehr noch: Würde in lila auf Quarterback ein fitter Bradford oder Bridgewater starten, wäre Minnesota für mich auch gegen Rodgers der Divisionsfavorit – vielleicht sogar der NFC-Superbowlanwärter #1.


Gegen das Mega-Matchup Minnesota vs Los Angeles verblassen alle weiteren 19h-Partien. Ich möchte an der Stelle nur noch auf einen Artikel von Sports-Illustrateds Connor Orr verweisen, der sich dem Mann an die Fersen geheftet hat, der bei den New York Giants für den aktuellen Kollaps verantwortlich gemacht wird: Ben McAdoo, Cheftrainer der Giants, dessen Pornoschnäuzer seine Wunderkräfte verloren hat.

Spätschicht ab 22h

  • Los Angeles Chargers – Buffalo Bills (22h05)
  • Denver Broncos – Cincinnati Bengals (22h25)
  • Oakland Raiders – New England Patriots (22h25)

Chargers vs Bills ist nicht bloß das Wiedersehen von Bolts-HC Anthony Lynn, letztes Jahr Interimscoach in Buffalo. Es ist auch das Debüt von QB Nathan Petermann für die Bills, der unter der Woche zum neuen Starting-QB bestellt wurde, während der solide, aber nicht weltbewegende Tyrod Taylor auf die Bank geschickt wurde. Petermann ist wie einst Taylor ein 5th-Round Draftpick. Taylor, der nie das volle Vertrauen des Bills-Front Office zu genießen schien, wird ausgewechselt, obwohl die Bills mit 5-4 Record zumindest theoretisch auf Playoffkurs gewesen wären. Aber in den letzten Wochen ging der Bills-Stern mit klaren Niederlagen gegen Jets und Saints doch deutlich unter. Im Prinzip läuft der Wechsel darauf hinaus, dass Petermann ein besserer Run-Defender ist als Taylor, der die von Marcell Dareus hinterlassene Lücke nicht schließen konnte.

Broncos vs Bengals war vor nicht einmal zwei Jahren das Play-in für den AFC-Top Seed. Heute spielt dabei Not gegen Elend. Denver verschwendet seine großartige Defense mit einer furchterregend schwachen Offense. Bei den Bengals ist der Notstand mittlerweile so eklatant, dass unter der Woche der sonst so besonnene Chefcoach Marv Lewis seinen Rookie-WR John Ross öffentlich verbal in den Senkel stellte („Ross ist eine krasse Enttäuschung und hat das ganze Team im Stich gelassen“). Ungehört von Lewis.

Nachtschicht ab 2h30

  • Dallas Cowboys – Philadelphia Eagles

Letzte Chance für die Dallas Cowboys (5-4), in der NFC East Schritt zu halten mit den Philadelphia Eagles (8-1), die seit Wochen von Sieg zu Sieg eilen. Die Partie hat einen ganz großen Knackpunkt, wenn wir uns an die letzte Woche erinnern: Left Tackle Position der Cowboys gegen den Pass Rush der Eagles. Auf Left Tackle spielt in Dallas seit vielen Jahren Tyron Smith auf höchstem Niveau, doch just jener Smith fiel letzte Woche aus – und fällt auch heute aus. Letzte Woche wurde Smith von Chaz Green ersetzt, der sich prompt als brutale Sollbruchstelle erwies und sechs Sacks gegen den fußlahmen DE Clayborn aus Atlanta kassierte.

Heute soll es LT Byron Bell versuchen. Man darf gespannt sein, wie der Cowboys-Staff versucht, Bell zu helfen. Das war letzte Woche ein Offenbarungseid, wie man Chaz ein ums andere Mal ins offene Messer laufen ließ ohne in irgendeiner Form zu reagieren. Und, Erhöhung des Schwierigkeitsgrades: Kollege Bell sieht heute den im Vergleich zu Atlanta vielfach besseren Pass Rush der Eagles.

Dallas kann dieser Tage auch keine ernsthafte Entlastung durch Laufspiel anbieten, weil RB Ezekiel Elliott nun fix bestätigt auch die nächsten fünf Spieltage ausfallen wird und die Backups McFadden/Morris nicht explosiv genug sind um die Lücke zu schließen. Wenn die Eagles heute früh in Führung gehen, hat die Partie also Katastrophenpotenzial für Dallas, denn „Catch-Up“ Modus möchtest du mit diesen Voraussetzungen gegen Philly nicht spielen.

8 Kommentare zu “Sonntagsvorschauer – Spieltag 11

  1. > Im Prinzip läuft der Wechsel darauf hinaus, dass Petermann ein besserer Run-Defender ist als Taylor, der die von Marcell Dareus hinterlassene Lücke nicht schließen konnte.

    Das verstehe ich nicht, Petermann und Taylor sind doch QBs?

  2. Bei Roger Goodell vs Jerry Jones weiß man gar nicht wen man am liebsten wünscht das Nachsehen zu haben.

    Ansonsten hoffe ich, dass Rams vs Vikes hält was es verspricht.

  3. ich hoffe das tyrod trotzdem ins Spiel kommt,wenn peterman plattgewalzt wird könnte es wieder eine wende geben in diesem unsäglichen Trauerspiel.

  4. viva la mexico wird ein geiles Spiel, soll den nfl Zuschauer record gebrochen werden hab ich gehört.

  5. Pingback: Sonntag Live: Minnesota Vikings vs Los Angeles Rams | Sideline Reporter - Eier, wir brauchen Eier!

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