Akademische Viertelstunde nach dem Rivalry-Wochenende

Rückschau auf das RivalryWeekend, allerdings ohne Blick auf die Coaches, die hoffentlich in einem separaten Eintrag behandelt werden.

Vorneweg: Ohne dass der Black-Friday und Rivalry-Saturday besonders spektakuläre Spiele geboten hätte, war es doch ein Wochenende mit faustdicken Ergebnissen. So sind unter anderem die #1 und #2 der CFP-Rankings gestolpert.

Das begann am Freitag mit der Auswärtspleite der #2 Miami Hurricanes bei den Pittsburgh Panthers, die 10 Jahre nach dem senastionellen Upset von #1 #2 West Virginia im fernen 2007 nun den nächsten Titelanwärter geputzt haben. Miami kam in dieser merkwürdigen Partie im Heinz Field nie in die Gänge und wurde mit zunehmendem Spielverlauf derart panisch, dass Headcoach Mark Richt letztlich sogar QB Rosier auswechselte in der Hoffnung, etwas Leben in die verwaiste Offense zu bringen. Scheiterte: Pitt 24, Miami 14.


Am Samstag folgte #1 Alabama, das die Iron Bowl mit 26-14 bei den #6 Auburn Tigers verlor. Ich gebe zu: Das hatte ich nicht kommen sehen. Auburn glänzte in der Offense mit einem nahezu fehlerfreien QB Jarrett Stidham (21/28 für 237yds und 2 TD & 12 für 51 yds nebst TD im Laufspiel) sowie einem wuchtigen Laufspiel über RB Kerryon Johnson (30 für 104 yds und 1 TD) sowie effizientes Laufen nach dem Catch für WR Ryan Davis (11 Catches, 139yds).

Auburn hatte die Partie im Prinzip immer unter Kontrolle, auch wenn Alabama im dritten Viertel zwischenzeitlich die Führung übernahm. Auburn kontrollierte die Partie mit seiner starken Offensive Line und seinen Linebackers, die zwar über 200 Rushing-Yards von Alabama zuließen, aber QB Hurts weitgehend als Werfer neutralisierten und als Goodie einen Fumble erzwangen.

Auburn qualifiziert sich damit als 10-2 Team für das SEC-Finale nächsten Samstag gegen #7 Georgia (38-7 gegen Georgia Tech). Ein Sieg bringt Auburn damit nicht nur den Conference-Gewinn, sondern auch die Playoff-Qualifikation. Für ein Team, das vor nur zwei Monaten gegen das unterklassige Mercer nur mit einer 7-Punkte Führung ins Schlussviertel ging, keine schlechte Entwicklung.

Der große Erzfeind Alabama ist mit 11-1 Bilanz zwar noch nicht ganz erledigt, denn obwohl Alabama jedwedes Flair und auch die Qualitätssiege abgehen, bleibt Nick Saban doch ein Name, der immer verlockend sein wird, wenn es um Playoffs geht.


Die meisten anderen Favoriten hielten sich schadlos:

  • #3 Clemson mit einem klaren 34-10 im Palmetto Bowl gegen #24 South Carolina.
  • #4 Oklahoma überfährt West Virginia 59-31.
  • #5 Wisconsin gewinnt 31-0 gegen Minnesota.
  • #9 Ohio State gewinnt trotz zwischenzeitlichem 14-Punkte Rückstand letztlich locker 31-20 gegen Michigan
  • #10 Penn State mit einem 66-3 über Maryland.
  • #12 TCU gewinnt 45-22 gegen Baylor und qualifiziert sich damit für das Big-12 Finale.
  • #15 UCF gewinnt ein wildes Spiel gegen South Florida mit 49-42 und holt sich damit das Finalticket in der AAC.

Die Topmannschaften, die verloren, sind: #8 Notre Dame (20-38 bei #21 Stanford) und #13 Washington State (14-41 bei #17 Washington, was Stanford ins Pac-12 Finale hievte).

Conference-Finals

Die Conference-Finals stehen damit fest. In SEC und ACC fungiert das Endspiel wohl als Play-in für die Playoffs, während in Big 12 und Big Ten mit entsprechenden Resultaten sich Oklahoma und Wisconsin qualifizieren können. Das ist der einfache Weg. Sollten aber entweder Oklahoma oder Wisconsin (oder beide) ihre Finals verlieren, ist Chaos.

  • SEC: Auburn (10-2) vs Georgia (10-2 11-1). Der Gewinner steht im Playoff. Der Verlierer ist draußen. Auburn kanterte Anfang November die Bulldogs nieder, aber jetzt sind neu gemischte Karten.
  • ACC: Miami (10-1) vs Clemson (11-1). Der Gewinner steht im Playoff. Der Verlierer hat zwei Niederlagen und dürfte einen ganz schweren Stand haben. Clemson ist laut SRS klar favorisiert: 6.5 Punkte. Das SRS sieht Miami als #13 auch nicht wirklich als Spitzenteam.
  • Big 12: Oklahoma (11-1) vs TCU (10-2). Oklahoma qualifiziert sich mit einem Sieg für die Playoffs. TCU hat wohl selbst mit einem Kantersieg nicht mehr große Chancen.
  • Big Ten: Wisconsin (12-0) vs Ohio State (10-2). Wisconsin ist mit einem Sieg in den Playoffs. Gewinnt allerdings Ohio State, bricht blankes Chaos aus.
  • Pac-12: USC (10-2) vs Stanford (9-3). USC hat noch eine klitzekleine Außenseiterchance für die Playoffs – aber durch die krasse Niederlage gegen Notre Dame wohl ein schwaches Argument. USC hat Stanford schon Anfang September klar geschlagen.
  • The American: USC (12-0) vs Memphis (11-1). Central Florida ist spektakulär, aber wohl auch als ungeschlagenes Team relative hoffnungslos mit Blick auf die Playoffs.
  • Mountain West: Boise State (9-3) vs Fresno State (9-3). Fresno gewann am Samstag bereits gegen Boise.
  • C-USA: FAU vs North Texas.
  • MAC: Toledo vs Akron.

Und wer qualifiziert sich nun für die Playoffs?

Im Strength of Record hat es durch die Stolperer von #1 Alabama und #2 Miami natürlich ein großes Durchschütteln gegeben. Clemson ist die neue #1, Oklahoma die #2, Georgia die #3, Wisconsin die #4 und Auburn die #5.

 

Wie oben schon angedeutet: Zwei Plätze im Playoff halte ich für relativ sicher. Der Gewinner des ACC-Finals und des SEC-Finals steht im Playoff. Wisconsin und Oklahoma können das Feld mit Siegen in den anderen beiden Conference-Finals komplettieren.

Sollte aber einer der beiden verlieren, wird es muddy: Dann hätten wir Alabama (11-1), Clemson/Miami (jeweils 2-Loss), evtl. Georgia (11-2), evtl. Ohio State oder TCU (11-2) und möglicherweise USC (11-2) als potenzielle Anwärter, die alle laut schreien werden. Vielleicht auch laut schreien würde UCF mit ungeschlagenem Record – bloß würde sie niemand hören.

Aber ehrlich: Wen nimmst du dann? Clemson, das Auburn, Virginia Tech und NC State geschlagen hat und als Titelverteidiger antritt? Miami, das Notre Dame überfahren hat? USC, das von Notre Dame überfahren wurde? Alabama, ohne Qualitätssieg? Ohio State, das von Iowa mit 31 Punkten geschlagen wurde? Georgia, das (in dem Szenario) zweimal gegen Auburn verlor? Glaubst du es dann noch immer nicht?

Der Weg ist also vorgezeichnet. Die Frage ist nun, ob die Teams die Linien nachzeichnen können. Oder ob mal wieder alles durcheinandergewürfelt wird.

7 Kommentare zu “Akademische Viertelstunde nach dem Rivalry-Wochenende

  1. Möglich, aber nicht sicher. Denn das Komitee hat schon einmal gezeigt, dass es Quotenbringer Ohio State notfalls mit Gewalt durchpresst – und was passiert mit Alabamas Reputation, sollte Georiga Auburn abschießen? (letzter Eindruck zählt)

  2. Danke für die wie immer tolle Einordnung. Ich habe jetzt schon mehrmals gelesen, dass OSU bei einem Sieg leicht favorisiert wäre gegenüber Alabama, da sie trotz schlechterem Record (allerdings gegen einen schwierigeren Schedule in einer schwierigeren Conference [nach SRS sind die besten 3 CFB-Teams aus der B1G-> http://www.footballperspective.com/week-thirteen2017-college-football-srs-ratings-the-big-10-has-the-best-3-teams/ ]) Conference-Gewinner wären und dann mit Wisconsin das einzige ungeschlagene Power5-Team bezwungen hätten.

    Auch wenn es leider nicht der Fall sein wird, aber ein ungeschlagenes UCF in einem dann eventuellen Chaos mit lauter 11-2 Teams ins Playoff zu hieven wären ein super Signal. 1. Zu den Mid-Majors: „You can do it!“ und 2. Zu den Power5s: „Get your shit together!“

    Und wieso nicht das beste Footballteam Floridas einladen: https://twitter.com/fbgchase/status/934910957154861056

    Aber ja, $$$$ will talk! 😉

  3. Ich glaube, Alabama hätte vor Ohio State die Nase vorne. Trotz schwachem Schedule gewann man bis auf Mississippi State stets souverän und die einzige Niederlage war auswärts gegen den möglichen SEC-Champion Auburn, der Georgia auf dem selben Rasen komplett abgeschossen hat. Dazu halt noch der Name „Alabama“, der Ohio State in Sachen $$$ in nichts nachsteht. Gewinnen, Wisconsin und Oklahoma, denke ich, dass das Kommitee die Crimson Tide an #5 ranken wird. Bei mindestens einer Niederlage dieser beiden, sollte Alabama mit nur einer Niederlage noch vor dem SEC-Verlierer, einem potentiellen Big10-Champ Ohio State, dem ACC Verlierer, einem möglichen Big12-Chamo TCU, einem möglichen Pac12-Champ USC oder Notre Dame drin sein.
    Aber ich lasse mich da gerne eines Besseren belehren. 🙂

    —————————————————————————–
    Ich kann mal wieder das Klugscheißen nicht sein lassen, sorry dafür:

    Georgia steht bei 11-1 und nicht bei 10-2 (in der Auflistung der Conference-Finals ist das falsch)
    Und West Virginia war 2007 vor dem schlimmsten Footballspiel aller Zeiten ( 😦 ) „nur“ #2 im BCS-Ranking, Missouri (!) war #1, verlor aber das Big12-Finale gegen Oklahoma). Hattest du glaube ich in der Vorschau schon „falsch“.

    Wie gesagt, ich hoffe, das ist nicht nur unnötiges Kluggescheiße, ansonsten wie immer eine sehr schöne Übersicht.

  4. Denke auch, dass sich die Playoffs so zusammensetzen werden:

    Winner ACC Finale
    Winner SEC Finale
    Oklahoma
    Winner Big Ten Finale / Alabama

  5. UCF als #14. Wir wissen, dass das CFP-Komitee alles macht um die Mid-Majors zu diskreditieren und dass sie niemals eine Chance haben werden auf die Playoffs. Aber #14 ist ein Witz. UCF #8 im SOR und #11 im SRS. Mid-Majors werden bestraft, weil sie keine Ratings bringen und dafür, dass sie keine schweren Gegner spielen, weil sie niemand in den Schedule aufnimmt und Hurrikan Irma die Südstaaten überfahren hat.

    Chris Petersens Entscheidung, einst von Boise nach Washington zu gehen, wird immer verständlicher.

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