Der Championship-Samstagsvorschauer

Heute letzter Spieltag der Regular Season der College-Footballsaison, die mit den Conference-Finalspielen zu Ende geht. Darüber hinaus finden einige weitere kleinere Spiele und Nachholspiele statt, ehe nächsten Samstag mit dem Klassiker Army vs Navy die letzte Partie vor Bowl Season zu Ende geht.

Etliche der heutigen Finalspiele sind Re-Matches aus der Regular Season: Auburn, Oklahoma, UCF und Fresno State treffen auf Mannschaften, die sie in diesem Herbst auf eigenem Platz bereits deutlich geschlagen haben. Jetzt hat keiner aus diesem Quartett mehr den Heimvorteil. Jetzt geht es wirklich ums Eingemachte.

  • 18h: FSU Seminoles – ULM Warhawks
  • 18h: #14 UCF Knights – #20 Memphis Tigers (ESPN)
  • 18h30: #3 Oklahoma Sooners – #11 TCU Horned Frogs (Big 12 Finale / FOX)
  • 22h: #6 Georgia Bulldogs – #2 Auburn Tigers (SEC-finale, cbsstream)
  • 1h45: Boise State Broncos – #25 Fresno State Bulldogs (MWC Finale / ESPN)
  • 02h: #1 Clemson Tigers – #7 Miami Hurricanes (ACC-finale / ESPN)
  • 02h: #8 Ohio State Buckeyes – #4 Wisconsin Badgers (Big Ten Finale / FOX)

Kein Conference-Finale, aber dennoch viel beachtet wird um 18h das Spiel FSU Seminoles (5-6) vs ULM Warhawks sein – Nachholspiel aus der Hurrikansaison, in dem FSU versucht, doch noch „Bowl-eligible“ zu werden. Das interessiert jedoch heute keine Sau: Alles spricht nur über den Abgang von FSU-Headcoach Jimbo Fisher, der gestern die Monster-Offerte von Texas A&M annahm und somit nach acht Jahren, vier Conference-Titeln und einem National Title in Tallahassee Fahnenflucht begeht.

Der Wechsel klingt nicht mehr so sensationell, weil seit einer Woche über ihn spekuliert wurde. Aber er ist sensationell. Ich kann mich nicht erinnern, dass ein derart prominenter Coach von einem derart prominenten College aus freien Stücken zu einer anderen Mannschaft abzieht. Lane Kiffins Abgang in Tennessee vor nunmehr fast zehn Jahren kommt dem noch am nächsten – aber Kiffin hatte nicht ansatzweise den Arbeitsnachweis eines Fisher. Insofern ein interessantes Beispiel hinsichtlich „Stimmungsbarometer“ im Doak Campell Stadium.

#14 UCF Knights – #20 Memphis Tigers

18h (SPORT1, SPORT1 US, ESPN Player)

Die sportlich wichtigere Partien finden allerdings andernorts statt – Zum Beispiel in Orland, wo die Mid Majors mit dem Endspiel der American Athletic Conference den Auftakt des Finalreigen machen: #14 Central Florida Knights (11-0) vs #20 Memphis Tigers (11-1). UCF hat spätestens nach dem #14-Ranking vom Dienstag vom CFP-Komitee eine Absage hinsichtlich Playoff-Ambitionen bekommen, spielt aber heute noch um die Neujahrs-Bowls. Memphis… ebenso. Denn der höchst gerankte Conference-Champ aus den „Other 5“ wird eingeladen.

Es ist auch das Schaulaufen zweier momentan auf dem Trainermarkt heiß begehrter Namen: UCFs Scott Frost, ein Schüler Chip Kellys, soll angeblich an seiner Stamm-Uni Nebraska der Coaching-Favorit sein. Memphis‘ Mike Norwell hat sich ebenso einen exzellenten Namen gemacht als Coach, der ein aufstrebendes Mid-Major Programm wie Memphis noch einmal um eine Stufe höher gehoben hat. Allerdings: Beide haben erst zwei Jahren auf dem Cheftrainersessel auf dem Buckel.

UCF ist noch ungeschlagen; Memphis hat heuer erst einmal verloren – im Oktober mit 13:40 gegen UCF. Jenes Spiel war ein „Whipping“, wie die Amerikaner zu sagen pflegen. UCF dominierte nach Strich und Faden – so sehr, dass es heute durch eine ähnliche Performance keine weiteren Pluspunkte mehr sammeln kann. Eher: Durch einen nicht so überzeugenden Sieg eher Style-Punkte verlieren wird.

So oder so: Beide Teams sind ästhetischer Genuss zum Zuschauen. Allein UCF-QB Milton McKenzie ist es schon wert, einzuschalten – ein gleichermaßen starker Läufer wie Werfer. McKenzie ließ letzte Woche gegen USF sogar noch Plays auf dem Feld und machte dennoch über 600 Yards Offense!

#2 Auburn Tigers – #7 Georgia Bulldogs

22h, live cbsstream

Das größte Spiel des Abends ist das erste SEC-Finale im neuen Falcons-Dome von Atlanta: #2 Auburn (10-2) vs #7 Georgia (11-1). Auburn hat das vor einem Monat noch schier Undenkbare geschafft und sich gegen alle Wetten für das Conference-Finale qualifiziert – und dabei unter anderem bereits einmal Georgia mit 40-17 geschlagen.

Dass das nicht unbedingt viel bedeuten muss, zeigen mehrere Indizien. Zum einen spielt Auburn heute Nacht nicht mehr zuhause, zum anderen ist Georgia nach Advanced-Metrics noch immer das etwas bessere Team – und zum dritten ist bei den Tigers heute der eminent wichtige RB Kerryon Johnson fraglich. Es bleibt abzuwarten, ob Auburn ohne (oder mit einem angeschlagenen) Johnson die Entlastung über die Mitte bekommt, die die Offense braucht, damit QB Jarret Stidham sein patentiertes, tödliches Kurzpassspiel über die Bubble-Screens mit YAC aufziehen kann.

Auf der anderen Seite muss Georgia seine Offense auch erstmal durchbringen: Im „Hinspiel“ versagte über weite Strecken die 1st-Down Offense, was immer wieder lange 2nd und 3rd Downs hervorrief – sicheres Signal für Scheitern. Die Frage ist, ob die Bulldogs hinter ihrer wuchtigen Offense Line diesmal ausreichend Laufspiel über die brandgefährlichen RBs Chubb/Michel durchbringen um dem noch immer unerfahrenen QB Jake Fromm ausreichend Luft zum Atmen zu geben.

Auburn ist auf Mission. Aber: Das sagten wir von Georgia bis zu jenem einzigen Stolperer Anfang November in Auburn ebenso. Natürlich traut man Auburn-HC Gus Malzahn zu, auch diesmal wieder das richtige Offense-Rezept hervorzuzaubern um Georgia massierte Defense zu knacken. Aber auf der anderen Seite: Georgia kennt nun viele Rezepte der Tigers und kann sich darauf einstellen. Ich würde nicht per se von einem weiteren Durchmarsch der Tigers ausgehen.

#1 Clemson Tigers – #7 Miami Hurricanes

02h (SPORT1 US, ESPN-Player)

Dass ACC-Finale wird mit hoher Wahrscheinlichkeit ebenso wie das ACC-Finale einen Playoff-Halbfinalisten hervorbringen. Dabei ist #1 Clemson im direkten Duell mit #7 Miami relativ klarer Favorit – zumindest wenn wir nach Rankings wie die ESPN FPI gehen. Denn: Dort wird Miami mit seinen vielen knappen Siegen als einigermaßen überschätztes Team angesehen.

Miami verlor letzte Woche in Pittsburgh seine Unschuld und ging gegen einen dürftigen Gegner 14-24 baden. Dabei wurden die Schwächen der Hurricanes-Offense brutal offen gelegt: Mach mit aggressiver, zügig gen Ballträger spurtenden Run-Defense das gegnerische Laufspiel kaputt und zwinge QB Malik Rosier, dich per Passspiel zu schlagen. Rosier versagte bei Pitt komplett – er war nicht in der Lage, die giftigen Clemson-Defensive Backs zu schlagen.

Clemson hat die Waffen in der Defense um Miami auf ähnliche Weise zu schlagen: Zwei monströse Defensive Tackles in Christian Wilkins (136kg) und Dexter Lawrence (154kg!), beide fast nicht zu bewegen, aber beide extrem beweglich. Gepaart mit sehr druckvollen Linebackers wäre das nicht zum ersten Mal, dass Clemson eine Top-Offense geschlagen hätte (Auburn & Louisville heben die Hand).

Miamis Weg zum Sieg führt über einen der Stars dieser Saison: Die „Turnover-Kette“. Miami hat über 20 Turnovers fabriziert mit einer Defense, die phasenweise wirklich Spaß macht. Aber Turnovers sind volatil. Du kannst nicht auf sie bauen. Schafft es Miami nicht, Clemson-QB Kelly Bryant vom schnellen Scrambeln abzuhalten, schafft es Miami nicht, das mittlerweile durchaus passable Laufspiel über das aushaltige RB-Duo Feaster/Etienne einzudämmen, wird Miami nie eine Chance bekommen, Clemson zum Passspiel zu zwingen – dort wo der Grünschnabel Bryant am ehesten verwundbar wäre.

Kurzum: Clemson ist recht deutlicher Favorit. Aber der ACC-Titel ist nicht in Stein gemeißelt. Wenn Miami eine durchwegs konzentrierte Leistung hinlegt und 2-3 Turnovers fabriziert, ist ein Upset drin.

Nur unscharf sichtbar…

…die beiden anderen wesentlichen Endspiele des Abends: Titelvergabe in Big 12 und Big Ten.

In der Big 12 versuchen die #11 TCU Horned Frogs (10-2) einen Monat nach ihrer klaren Pleite beim heutigen Gegner, Revanche an den #3 Oklahoma Sooners (11-1) zu nehmen. TCU hat praktisch keine Playoffhoffnung mehr, aber die Aussicht auf eine Qualifikation zur Sugar Bowl dürfte verlockend sein. Oklahoma wird hingegen alles daran setzen, dass die gigantische Offense rund um QB Baker Mayfield auch dieses Mal wieder über die geschwindige TCU-Verteidigung drüberfährt. Big12 Finale: Nur in grauen Stream, ab 18h30.

Und um 2h nachts – ebenso nicht im ESPN Player: Big Ten Championship. #4 Wisconsin (12-0) vs #8 Ohio State (10-2). Die meisten Wettbüros sehen Ohio State favorisiert – was vor allem daran liegt, dass Wisconsin ähnlich wie z.B. Iowa vor zwei Jahren als „Fraud“ gilt, als Team, das nur dank eines wachsweichen Schedules eine Perfect-Season hingelegt hat. Das soll jedoch nicht darüber hinwegtäuschen, dass Wisconsin ein Top-5 Ranking im SRS hat und damit durchaus legitim ist.

Die Partie ist allerdings auch die Neuauflage des Endspiels von 2014, als Ohio State mit einem 59-0 Kantersieg über Wisconsin in allerletzter Sekunde den Weg in die Playoffs ebnete, wo man sich von #4-Position aus letztlich den Titel holte. Damals verletzter Stamm-QB der Buckeyes: JT Barrett. Barrett wird heute, drei Jahre später, die Chance bekommen, seine eigene Legende zu schreiben. Die halbe Miete dazu kann schon die Ohio-State Defense legen, indem sie die extrem eindimensionale Rushing-Offense der Badgers stoppt.

Mid Majors

Ebenso heute: Zwei weitere Mid-Major Finals. Um 18h das C-USA Endspiel zwischen den Florida Atlantic Owls von Headcoach Lane Kiffin vs North Texas Mean Green. Und um 1h45, überraschenderweise parallel zu den Finals in ACC und Big Ten angesetzt, das Mountain-West Endspiel zwischen Boise State und #25 Fresno State – ebenso ein Rematch: Letzte Woche schlug Fresno die Broncos auf eigenem Boden. Heute das Rückspiel in der Geschmacksrichtung „Finale“ vom „Blue Turf“ in Boise – ein Computer-Ranking entschied über den Austragungsort. Beide Spiele im ESPN-Player.

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