NFL Power Ranking 2017 – Woche 14: Wie tief werden die Iggles fallen?

Power Ranking nach einem atemberaubenden NFL-Spieltag

Power Ranking Paradox: Die Philadelphia Eagles (11-2) verlieren in dieser Woche ihre Spitzenplatzierung an die New Orleans Saints (9-4), obwohl sie einen eindrucksvollen Auswärtssieg bei den Rams (9-4) „feierten“ (bitte ab sofort dieses Spiel für die Definition von „Pyrrhussieg“ verwenden), während die Saints knapp, aber doch, bei den Atlanta Falcons (8-5) verloren. Der Grund liegt in den Effizienz-Stats: Obwohl sich der Eagles-Sieg eindrucksvoll „anfühlte“, so waren die Eagles nach Advanced-Stats doch das ineffizientere Team an jenem Tag in Los Angeles:

NY/A Pass: Rams 7.1, Eagles 6.0
Yards per Snap: Rams 6.8, Eagles 5.4

Das Power-Ranking belohnt Effizienz pro Down höher als den Augentest. Besser: Es interessiert sich überhaupt nicht für den Augentest. Die Eagles „fühlten“ sich überlegen an, weil sie trotz zweier Turnovers insgesamt 85 Snaps der Offense hatten, während die Rams nur auf 45 kamen. Die Eagles profitierten gegen Spielende von zwei Rams-Turnovers, die das Spiel noch drehten. Die Eagles spielten allerdings die längeren, solideren Drives aus als die Rams. Und sie verwerteten entschlossen zwei wesentliche 4th Downs. So kannst du das Power-Ranking nämlich schlagen: In dem du mehr Mut hast als der Gegner und deine Varianz in den Plays niedrig hälst. Denn erinnere dich: Das Power Ranking misst dich am Liga-Mittelmaß. Und das hat in 4th-Down Situationen noch immer die Hosen voll.

Das ist zum Beispiel nebenbei bemerkt der wichtigste Grund, wieso die New England Patriots trotz nicht immer überragender Effizienz-Zahlen sehr viele Siege holen, im Schnitt pro Saison zwei mehr als das Power-Ranking von einem Team ihrer Klasse erwarten würde: Bill Belichick ist kaum zu überbieten in „High-Leverage“ Situationen. (Und er hat überragende Special-Teams – ein wesentlicher Grund, weshalb New England trotz schwächerer Offense und viel schwächerer Defense nur knapp hinter den Saints liegt)

Aber das nur nebenbei. Zurück zu den Eagles, die bekanntlich den Rest der Saison auf QB Carson Wentz verzichten müssen. Wie brutal werden die Eagles mit Backup-QB Foles abschmieren?

Vermutlich weniger arg als allgemein befürchtet. Foles ist einer der besseren Backup-QBs der NFL. Viele werden vor allem seine unselige Zeit bei den Rams in Erinnerung haben, aber abseits seiner Rams-Erfahrung unter Jeff Fisher war Foles stets ein brauchbarer NFL-Quarterback:

Eagles-OffCoord Frank Reich war in den 1990ern ein durchaus erfolgreicher Backup-QB bei den Bills (u.a. der Mann, der das größte NFL-Comeback aller Zeiten orchestrierte), und er weiß, dass man eine Offense nicht komplett umstellen muss, wenn man seinen ganzen Kader inklusive der QB-Backups auf Linie getrimmt hat – darauf deuten zumindest Reichs Kommentare hin.

Niemand sollte von Foles die Wiederholung seiner nicht replizierbaren Saison 2013 erwarten (Foles war damals 27 TD vs 2 INT). Aber wenn Foles auch nur eine komplett durchschnittliche Pass-Offense orchestriert, also 6.2 NY/A fabriziert, fallen die Eagles im Power-Ranking sanft: Setzen wir besagte durchschnittliche Pass-Offense für die Eagles ein, rangiert Philadelphia noch immer auf #5 im Power-Ranking. So komplett ist dieses Team aufgestellt! Das war auch mit ein Grund, warum ich vor ein paar Wochen Carson Wentz nicht als ernsthaften MVP-Kandidaten angesehen habe. Wenn Foles übrigens eine Standard-Abweichung unterhalb NFL-Schnitt produziert, also 5.4 NY/A machen sollte, sind die Eagles auf #10 noch immer in den Top-10 klassiert.

Philadelphia verliert ohne Carson Wentz natürlich an Thrill, aber die Mannschaft ist komplett genug dass sie ein NFC-Contender bleibt. Erinnere dich dran: Auch die Konkurrenz ist nicht unfehlbar: Minnesota läuft gar nur mit dem third stringer auf QB, die Seahawks bestellen vor allem aus QB Russell Wilson und haben eine kaputte Secondary, die zuletzt gar Bortles wie einen guten NFL-QB aussehen ließ, die Rams sind in der Laufverteidigung verwundbar, Atlanta hat eine bestenfalls suspekte Defense, die Saints haben Verletzungsprobleme in der Defense und Carolina muss schon einen exzellenten Tag seiner Offense erwischen, will es Phillys Defense knacken.

Klar ist auch: Mit Wentz hätten die Eagles eine bessere Superbowl-Chance in einem Jahr, in dem du in einer dichten NFC jeden Vorteil mit Kusshand nimmst, den du kriegen kannst. Aber mit Foles sollte Philadelphia nicht plötzlich aus den Reihen der Contender fliegen.

NFL Power Ranking 2017 - Woche 14

Und so liest sich das ganze: Die erste Sektion (WP | E16) beschreibt die Stärke der jeweiligen Mannschaft. WP entspricht der Siegchance der jeweiligen Franchise gegen eine standardisierte, durchschnittliche NFL-Franchise, E16 ist WP hochgerechnet auf 16 Spiele (WP*16 = E16). Die zweite Sektion (SOS | Rs) beschreibt die Stärke des Schedules und die Platzierung des Schedules. OFF ist die Platzierung der Offense, DEF die Platzierung der Defense. LW ist die Platzierung der entsprechenden Mannschaften in der letzten Woche. Bereits für die Playoffs qualifizierte Teams sind fettgedruckt.

Effizienz-Tabellen

Nachfolgend noch die weiteren Effizienz-Tabellen. Eine detailliertere Einführung „wie lese ich diese ganzen Tabellen“ hab ich letztes Jahr gegeben.

Sieg-Wahrscheinlichkeiten für Woche 15

Ich hatte es schon letzte Woche angedeutet: Woche 14 ist eine Woche, wo ich wenig Vertrauen in die Picks des Power-Rankings habe. Zwar gelangen angekündigte Upsets wie Cleveland oder Baltimore um Haaresbreite nicht – trotzdem siegten nur 9 von 16 Favoriten, womit die Saison im Power-Ranking nun auf 72.5% richtige Tipps fällt. Gegen den Spread war das Ranking 8-8, was über die Saison 61% Genauigkeit entspricht.

In Woche 15 gibt es wieder einige absolute Schlagerspiele mit massiven Playoff- und Seeding-Implikationen. Das erste megawichtige Spiel findet in der Nacht auf Sonntag in Kansas City statt, wenn die Chiefs gegen die brandheißen Chargers (auf #5 im Ranking hochgeklettert) antreten. Der Heimvorteil ist für die Chiefs nach Aussage des Power-Rankings aber ausreichend, um mit dem minimalsten Vorsprung von 0.1 Punkten (oder 50.19%) favorisiert zu sein.

Bei Steelers vs Patriots (Vorentscheidung um den AFC-Topseed) ist Pittsburgh ebenso trotz schlechterer Platzierung im Power-Ranking dank Heimvorteil knapp mit 1 Punkt favorisiert. Das wird ein Monsterspiel: Patriots nach der überraschenden Auswärtspleite bei den Steelers, die jetzt 7-1 in engen Spielen sind und sich im Prinzip „fällig“ anfühlen, aber bei denen du WR Brown einfach nicht zu greifen bekommst. Eine weitere Mega-Partie von Brown und er wird Brady im MVP-Rennen Konkurrenz machen – allerdings: Jeder kennt Belichicks Lieblingsstrategie, den besten gegnerischen Offensivspieler aus dem Spiel zu nehmen.

New England hat übrigens gestern WR Kenny Britt für billige Kohle vom Transfermarkt gekauft – ein interessanter Deal. Britt war letztes Jahr bei den Rams ein durchaus brauchbarer Receiver – war dann in Cleveland allerdings ein schwerer Flop. Die Patriots wollten Britt schon in der Offseason kaufen, wollten aber nicht gegen die teure Offerte der Browns bieten. Britt scheiterte in Cleveland aseptischer und schlecht gecoachter Offense. Britt unterschrieb nun bis Ende 2018 (!) bei den Patriots. Das ist wieder so ein Einkauf in Foxboro, der durchaus Potenzial hat, mal wieder alle Konkurrenz zu düpieren.

Wahrscheinlichkeiten - Woche 15.PNG

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2 Kommentare zu “NFL Power Ranking 2017 – Woche 14: Wie tief werden die Iggles fallen?

  1. Pingback: NFL Power Ranking 2017 – Conference Finale | Sideline Reporter - Eier, wir brauchen Eier!

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