Bowl Season – Teil 3: Wie funktioniert die Air Raid Offense?

Bowl-Season 2017/18, Teil 3 mit den Spielen bis zum Heiligabend. Wieder die Antworten von Christian Schimmel (@Chris5Sh) auf meine Fragen.

  • Sa 23.12. um 18h: South Florida Bulls – Texas Tech Red Raiders (Birmingham Bowl)
  • Sa 23.12. um 21h30: Army Knights – San Diego State Aztecs (Armed Forces Bowl)
  • Sa/So 23./24.12. um 1h: Toledo Rockets – Appalachian State Mountaineers (Dollar General Bowl)
  • So/Mo 24./25.12. um 2h30: Houston Cougars – Fresno State Bulldogs (Hawaii Bowl)

Thomas: Die Birmingham Bowl zwischen South Florida und Texas Tech verspricht, ein Shootout zu werden. Texas Tech ist seit Jahren eine Brutzelle der Offensivkunst – kannst du die Funktionsweise der „Air Raid Offense“ kurz umschreiben?

Christian: Die Air Raid Offense entwickelte sich zunächst bei BYU unter dem legendären Coach LaVell Edwards, der bei Cougars in der Misere steckte, weniger Talent als ein Großteil seiner Gegner zu haben. Die klassische Air Raid hat zwei Running Backs in Split Backs Aufstellung (analog zur klassischen West Coast Offense von Bill Walsh) und drei Receiver. In der aktuellen Air Raid sehen wir jedoch in aller Regel vier Wide Receiver und einen Running Back. Der Quarterback ist immer in der Shotgun, sieben Yards hinter seinem Center. Die vier Receiver stehen dabei möglichst breit über den Platz verteilt, um die gegnerische Defensive auseinander zu ziehen.

Das Ziel ist es, den Gegner möglichst viel Raum verteidigen zu lassen, sowohl in der Breite als auch durch tiefe Routen der Receiver. Dem Quarterback soll dies möglichst einfache Entscheidungen ermöglichen. In aller Regel liest er dabei seine Receiver von einer Seite zur anderen, die Routen der Passempfänger sind in jedem Spielzug auf diese Abfolge entsprechend abgestimmt. Die Offense ist normalerweise stark passlastig, aber die Red Raiders sind in diesem Jahr ein recht balanciertes Team. Wenn eine Defense viel Raum verteidigen muss, öffnen sich automatisch Lücken für das Laufspiel. Durch die simple Art der Offense leidet im Übrigen die eigene Defense, weil sie im Training meist die selben Spielzüge, immer und immer wiederholt, sieht Auch das können wir bei Air Raid Teams Jahr für Jahr beobachten

Thomas: Bei den South Florida Bulls ragt QB Quinton Flowers mit 171/320 für 2600yds, 21 TD und 6 INT plus 972 Rush-Yards mit weiteren 10 TD heraus. Hat Flowers trotz der Completion-Rate von nur 53% in der NFL eine Chance?

Christian: Er hat auf jeden Fall einen recht weiten Weg zu gehen. Flowers ist recht klein für die Position, die Completion-Rate wurde bereits in der Frage schon angesprochen und ist sicherlich eher kritisch. Dazu kommt, dass er bei South Florida in einer Offense spielt, in der er selten mehr als zwei Reads machen musste. Oft las er einen Receiver und war dieser nicht offen, dann lief er selbst mit dem Ball. Er ist mir dabei zu oft aus der Pocket rausgerannt und in der NFL werden die Spiele immer noch genau da gewonnen. Der Arm scheint gut genug zu sein und Flowers kann den Ball auch auf bestimmten Spots platzieren, wenn er seine Füße richtig setzt. Ich vermute, dass er aufgrund seiner zweifelsfrei vorhandenen Athletik eine Chance bekommen wird, dennoch sind seine Chancen sich langfristig in der NFL zu halten vermutlich, stand heute, eher gering.

Thomas: Die Armed Forces Bowl verspricht eine lauflastige Angelegenheit zu werden: Army macht rund 370 Rush-Yds/Spiel (#1 im Lande), San Diego State ist mit rund 250 Rush-Yds/Spiel die #12. Bei Army ragt dabei das Spielsystem heraus, bei San Diego State ein einzelner Spieler: RB Rashaad Penny mit über 2000yds. Ist Penny nur ein Produkt sehr vieler Carries oder hat er NFL-Potenzial?

Christian: Ich glaube schon, dass er NFL Potential hat, zumal er durch die erfolgreiche Karriere von Donnel Pumphrey nur 474 Carries (davon 275 diese Saison) in den Beinen hat. Dazu ist er von den Maßen eher für die NFL ausgelegt, als sein Vorgänger bei den Aztecs. Natürlich ist das System bei an Diego State eher Running Back freundlich, denn sie spielen mit sehr vielen 2 Back Sets, er hatte also oft einen direkten Vorblocker. Das gibt es in der NFL nicht mehr so häufig und dennoch ist es nicht nur das System das ihn produktiv macht.  Bei Perry gefällt die Balance, die Geduld und die Fähigkeit seinen Fuß in den Boden zu setzen und einen schnellen Richtungswechsel auszuführen. Die Anlagen sind da, ich denke er muss vor allem in Pass Protection zulegen und generell an seiner Kraft arbeiten. Er sollte seinen Namen im 2018er NFL Draft hören.

Thomas: Zur Dollar General Bowl, die ein Re-Match aus der letztjährigen Bowl-Season bringt: Toledo (mit Jason Candle) und Appalachian State (Scott Satterfield) haben beide ambitionierte Head Coaches. Wie hoch ist die Chance, dass einer (oder beide) in den nächsten Jahren Anstellungen bei großen Power-5 Programmen bekommen werden?

Christian: Jason Candle hat gerade eine Vertragsverlängerung über sechs Jahre unterschrieben und dennoch wird er als einer der heißesten Kandidaten bei freien Trainerjobs gelten. Er agierte als Spieler bei Mount Union in der Division III und hat sich von da hochgearbeitet. Dennoch bin ich bei ihm noch ein wenig zur Vorsicht geneigt. Er hat bei den Rockets erst sein zweites Jahr hinter sich, gleichwohl seine Bilanz von 21-6 sehr eindrucksvoll ist. Gewinnt er weiter in der MAC wird er automatisch die Karriereleiter hochfallen, wenn er es möchte.

Die Leistung von Scott Satterfield ist vielleicht sogar noch höher zu bewerten, denn er ging mit Appalachian State den Weg von der FCS in die FBS und war bereits im ersten vollen Jahr in der höchsten Spielklasse 7-5. Es folgten je 11 und 10 Siege und diesem Jahr eine 8-4 Bilanz und dem erneuten Gewinn der Sun Belt Conference. Programme die den Weg von der zweiten in die erste Liga angehen brauchen Zeit, doch Appalachian State mischte direkt mit den guten Teams in der Sun Belt mit. Satterfield wird Angebote bekommen, allerdings sind die Mountaineers auch seine Alma Mater und er wird den Head Coaching Job wohl nur dann verlassen, wenn ein enorm renommiertes Programm anrufen würden.

Thomas: Zur Hawaii Bowl – Fresno State scheint unter Head Coach Jeff Tedford den Turnaround geschafft zu haben. Tedford genoss in meiner Anfangszeit im American Football einen toxischen Ruf, weil eine Reihe seiner sehr produktiven College-QBs in der NFL abschmierten: Boller, Joey Harrington, Akili Smith, Carr, Dilfer. Dann kam Aaron Rodgers, aber selbst Rodgers‘ Erfolg konnte nie mehr ganz das Sternchen hinter dem QB-Entwickler Tedford entfernen. Du hast ihn bei Cal erlebt, und jetzt in Fresno: Wie gut ist Jeff Tedford, der Offensiv-Guru?

Christian: Ich halte Tedford tatsächlich eher für einen guten Schemer, als jemanden der Quarterbacks entwickeln kann. Sicher ist es immer schwer zu beantworten, welchen Anteil ein Trainer am jeweiligen Erfolg oder Misserfolg eines Spielers hat. Als Coach hatte Cal unter ihm zweifellos eine seiner erfolgreichsten Jahre. Tedford gilt als Mann mit einer überragenden Arbeitsehtik und zudem als gute Recruiter. Unter seiner Ägide haben viele Spieler (Marvin Jones, Marshawn Lynch, DeSean Jackson ect.) den Weg in die NFL geschafft.

In der Hinsicht glaube ich auch, dass er genau der richtige Mann für Fresno State ist. In Kalifornien ist auch für die Mid Majors genug Talent da und Tedford hat gezeigt, dass er über Jahre erfolgreiche Angriffsreihen auf den Platz stellen kann. Es gibt da auch in Zukunft noch einiges an Arbeit, denn die 2017er Version von Fresno State definiert sich eher über eine gute Defense.

Thomas: Und die Houston Cougars? Hätten sie nicht deutlich mehr Potenzial, als jedes Jahr um Weihnachten in kleinen übersehenen Bowls zu spielen – mit solchen Granaten wie dem künftigen NFL-Profi DT Ed Oliver?

Christian: Es wie alles immer eine Frage der Erwartungshaltung und die letzte dauerhaft erfolgreiche Zeit der Cougars war Ende der 70er Jahre. In den 2000er waren sie ein gutes Conference USA Team, mehr aber auch nicht. Tom Herman hat sie dann 2015 in den Peach Bowl geführt, wo sie Florida State schlugen und das Jahr an #8 gerankt beendeten. Das Recruiting hat nach dem Abgang von Herman zu den Texas Longhorns einen erneuten Einbruch erlebt.

Die Klasse um Ed Oliver von 2016 wird vermutlich einzigartig bleiben. Doch sollte es reichen, in der American Conference dauerhaft oben mitspielen zu können. In den letzten fünf Jahren gab es immer mindestens acht Siege und das ist ein Erfolg für die Cougars. Ich denke aber, der einzige Weg sich nach oben zu spielen, wäre der Wechsel in eine der Power 5 Ligen. Die BIG12 wollte Houston nicht, ich denke aber, dass der Fernsehmarkt um Houston für die ACC sehr interessant wäre und ich würde mich nicht wundern, wenn die Texaner irgendwann dort landen würden.

Ein Kommentar zu “Bowl Season – Teil 3: Wie funktioniert die Air Raid Offense?

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