Bowl-Season 2017/18 – Stephanstag

Stephanstag und somit Rückkehr in den USA zur Bowl-Season. Heute mit drei Bowls, bei denen unter anderem einer der potenziellen Top-Picks mitspielt – und das gegen eine echte Trainerlegende. Die Antworten auf meine Fragen liefert wieder Christian Schimmel (@Chris5Sh).

  • Di 26.12. um 19h30: West Virginia Mountaineers – Utah Utes (Heart of Dallas Bowl)
  • Di 26.12. um 23h15: Northern Illinois Huskies – Duke Blue Devils (Quick Lane Bowl)
  • Di/Mi 26./27.12. um 3h: UCLA Bruins – Kansas State Wildcats (Cactus Bowl)

Thomas: Die Heart of Dallas Bowl ist ein Spiel der Gegensätze: West Virginia kommt mit angeschlagenem Head Coach Holgorsen daher und muss auf QB Grier verzichten. Utah dagegen ist unter Kyle Wittingham jedes Jahr eines der spektakulärsten Bowl-Teams, weil die Utes immer voll durchziehen. Was ist von der Partie sportlich zu erwarten?

Christian: Ich hatte beide Teams vor der Saison sportlich deutlich höher auf dem Zettel, als die finalen Bilanzen der Utes (6-6) und der Mountaineers (7-5). Beiden ist gemein, dass sie gegen die wirklich guten Gegner verloren haben, aber ihre Hausaufgaben gegen schwächere Mannschaft gemacht haben. Utah hatte USC und Stanford am Rande einer Niederlage, West Virginia forderte Virginia Tech und TCU. Jetzt fällt bei ihnen Quarterback Grier aus, der aber immerhin schon gesagt hat, dass er auch 2018 bei ihnen spielen wird und sich nicht zum Draft anmeldet. Das nimmt den Mountaineers aber ihre große Stärke, denn per Pass sind sie deutlich effektiver als ihr mittelmäßiges Laufspiel. Genau da könnte aber der Schlüssel gegen Utah liegen, denn, und das ist durchaus untypisch für ein Wittingham-Team, dort hatte das Programm aus der PAC12 echte Probleme. Am Ende kommt es darauf an, wer mehr Lust auf das Spiel hat und motivierter ist. Ich denke, wenn Beide das abrufen was sie können, wird es ein enges und unterhaltsames Bowl-Spiel, mit völlig offenem Ausgang.

Thomas: Bei Utah fällt ein Name im Line-Up auf: DT Lowell Lotulelei, Bruder von Carolinas Starlite. Ist davon auszugehen, dass Lotulelei eine NFL-Karriere in Aussicht hat wie sein Bruder?

Christian: Vor der Saison hätte ich die Frage mit einem klaren „Ja!“ beantwortet. Lotulelei ist mir schon als Freshman aufgefallen und hat in den letzten Jahren immer seine Aktionen. Insofern hegte man große Hoffnungen in eine weitere starke Saison in der Mitte der Defensive Line. Seine Statistiken sind jedoch in allen Bereichen kolossal eingebrochen. Für mich ist das schwer zu erklären, wer weiß, ob er eine Verletzung mit durchgeschleppt hat? Seine Maße von 6‘2‘‘ 317 sind jedenfalls vielversprechend und sprechen durchaus für eine Zukunft in der NFL. Er ist in jedem Fall ein Akteur, auf den ich im Dallas Bowl intensiver achten werde.

Thomas: Dann natürlich das Nachtspiel, die Cactus Bowl aus dem Baseballstadion von Phoenix: UCLA gegen Kansas City. UCLA tritt mit Interimscoach an, nachdem Jim Mora entlassen wurde und Chip Kelly erst ab nächster Saison übernimmt. Viele glauben, dass es das Abschiedsspiel von UCLA-QB Josh Rosen sein wird, der als einer der möglichen Top-Picks im NFL-Draft 2018 gehandelt wird.

Was macht Rosen zum Top-Pick und wie würde Rosens Profil im Vergleich zu, sagen wir: Andrew Luck oder Carson Wentz, ausfallen?

Christian: Den Vergleich mit Luck kann ich nicht ziehen, da ich mich 2012 noch nicht intensiv mit dem Draft beschäftigt habe. Das Einzige was sich wohl sicher sagen lässt ist, dass es kaum College Spieler mit der Armstärke von Luck gibt, auch Rosen hat diese nicht. Die Vergleiche mit Carson Wentz sind schwierig, weil Wentz bei einem gut gecoachten, funktionalen FCS Powerhouse mir starker Offensive Line spielte. Bei Rosen kann man fast so weit, das Gegenteil zu behaupten und die erneut unbefriedigenden Ergebnisse haben dann auch Head Coach Jim Mora Jr. den Job gekostet.

Wentz war ein Spieler der durch eine Verletzung in seiner Highschool Zeit keine einziges Scholarship aus der FBS hatte. Rosen dagegen weiß vermutlich schon seit seiner Grundschulzeit, dass er ein toller Quarterback werden würde. Wentz gilt als der bescheidene Junge aus dem mittleren Westen, während Rosen als selbstbewusster Athlet aus guten Verhältnissen daherkommt, der keine Angst vor Mikrofonen hat.

Rosen als Spieler unterscheidet sich stark von Wentz. Bei Letzterem hat man nur ganz selten eine schlechte, oder unüberlegte Wurfentscheidung gesehen. Wentz konnte zwar auch tief Werfen, nahm aber auch gerne den Checkdown, wenn dieser sicherer erschien. Rosen ist einer jener Spielmacher, die nicht glauben, dass sie jedes enge Fenster treffen können, sie wissen es. Genauso spielt der UCLA Quarterback auch und erinnert in dieser Hinsicht ein wenig an Jameis Winston in seiner College Zeit bei Florida State.

Rosen macht meiner Meinung nach einige Sachen besser als Wentz. Beispielsweise wirf er seine Receiver offen, spielt die Bälle regelmäßig an Spots, die nur für seine Receiver erreichbar sind. Rosen wirft mit Antizipation und mit unglaublichem Selbstvertrauen. Dazu gefallen mir seine Präzision, insbesondere auf die mittleren Routen deutlich besser als die von Wentz, der sich da in der NFL aber zweifellos stark verbessert hat. Seine vielleicht beste Eigenschaft ist seine Bewegung in er Pocket. Er schafft sich, Rivers-esque, sehr oft ein Fenster zum Werfen und das habe ich in der Form im College so noch nicht gesehen. Zum Zeitpunkt dieser Antwort, ist leider noch nicht 100% klar ob Rosen mit seiner angeschlagenen Schulter spielen kann. Es lohnt sich aber in jedem Fall, sich mit ihm als NFL Prospect zu beschäftigen.

Thomas: Ein ebenso möglicher Abschied ist bei Kansas State zu befürchten: Trainerlegende Bill Snyder könnte 78-jährig seinen Rücktritt erklären. Snyder gilt in manchen Kreisen aufgrund seiner Arbeit bei Kansas State als „Trainer des Jahrhunderts“. Ein gerechtfertigtes Lob oder übertriebene Liebe für Snyder?

Christian: Snyder ist für mich eine absolute Legende, auch wenn ich ihn logischerweise nur in seiner Trainer-Endphase erlebt habe. Ich glaube, es gibt nur ganz wenige Head Coaches, die aus wenig Talent, so viel herausholen können. Snyder ist Teil einer Trainergeneration, einer alten Garde, die sich so langsam zur Ruhe setzt und die bis zum Schluss konstant gewonnen hat.

Kansas State ist in den Recruiting Rankings nie weit oben. Das Talent im mittleren Westen ist nie überragend stark und der letzte 4 Star Recruit aus dem Jahr 2014, Terrell Clinkscales spielt mittlerweile bei Texas A&M–Commercein der Division. In der Big12 ist man regelmäßig das Schlusslicht. Snyder hat das nie interessiert.

Seine Teams kommen zwar nicht mehr an die absolute Glanzzeit zwischen 1998 und 2000 heran, als KSU drei Jahre in Serie 11 Spiele gewann und in den finalen Rankings jeweils in den Top-10 abschloss, aber auch in den letzten Jahren gab es regelmäßig acht Siege und mehr und 2012 sogar den Einzug in den Fiesta Bowl. Snyders Leistung ist schwer mit Zahlen zu würdigen. Ich glaube, dass er mit seinem System, seiner Anpassungsfähigkeit und der Fähigkeit aus wenig Talent viel herauszuholen weit oben in der Riege der Coaches steht. Nach allem was man hört, versucht er wohl gerade seinen Sohn als seinen Nachfolger bei den Wildcats zu installieren, weswegen es zum Saisonende ungewohnte Misstöne in Manhatten gab. Das alles sollte sein Coaching Werk jedoch nicht beschädigen, er ist und bleibt einer der prägenden Trainer seiner Generation.

8 Kommentare zu “Bowl-Season 2017/18 – Stephanstag

  1. danke für die Einschätzungen aus NFL Sicht zu Rosen. Leider hat Rosen schon verkündet, dass er nicht für die Browns spielen möchte:

    Finde das ein Unding. Prospects sollten sich nicht herausnehmen, für wen sie spielen wollen, es gibt ein Draft System an das man sich halten sollte anstatt selfish auf sich zu denken.

  2. hatte aber damals ein eli manning doch auch getan, statt von San Diego gedraftet zu werden wollte er lieber nach New York

  3. @KJ: Das sehe ich etwas anders. Rosen hat das Recht zu sagen und tun was er möchte. Wenn er sich gegen den Draft entscheidet wegen Angst vor Browns: Okay. Wenn er sich weigert, in Cleveland zu unterschreiben: Auch okay. Die USA sind noch immer ein freies Land.

    Die Frage ist mehr, ob es sinnvoll ist, so zu denken. Was eine gute oder schlechte Situation heute ist, kann schon morgen völlig anders aussehen.

    Ich habe mir erst heute früh einen Podcast aus dem Februar 2017 angehört, bei dem kompetente Jungs die Trainer-Neubesetzungen vom Jänner 2017 bewertet haben. Die meisten Meinungen mögen mit Blick auf die damals bekannte Situation plausibel gewesen sein. Aber heute würde eine Bewertung völlig anders aussehen.

    Eli Manning mag mit seiner Aktion 2004 Glück gehabt haben, weil er in zwei Freak-Runs zwei Superbowls mit den Giants gewann. Aber im Prinzip hätte er im Rückspiegel betrachtet in San Diego ein insgesamt längeres Fenster mit Chancen auf mehr Superbowls gehabt. Auch wenn San Diego im April 2004 wie ein Totalschaden ausgesehen haben mag: Schon acht Monate später waren sie in den Playoffs und 2006 waren die Chargers mit einem QB-Grünschnabel Rivers 14-2.

  4. @Korsakoff: Kann ich verstehen, aber Cleveland ist schlimmer als es San Diego und andere Beispiele jemals waren. So schlecht geführt ist kein Franchise nirgendwo sonst. Leider.

  5. @Christian:

    Auch Cincinnati war an dem Tag, an dem ich angefangen habe mich für Football zu interessieren, ein komplettes Desaster mit 15 Jahren Misswirtschaft, verschrien als Totengräber der NFL. Sie holten Marvin Lewis und Carson Palmer und zwei Jahre später war man ein Contender.

    Oakland war nach der Superbowl 2003 über zehn Jahre lang ein Trümmerhaufen. Drei Jahre später waren sie Playoff-Anwärter. Detroit war nach sieben Jahren Matt Millen toxisch hoch drei und wurde innerhalb von zwei Jahren zu einem NFC-Mitläufer. Die Rams waren zehn Jahre lang eine Lachnummer und sind heuer plötzlich Superbowl-Kandidat.

    Manchmal braucht es nur den Wechsel auf einen kompetenten GM oder einen Glücksgriff auf Head Coach oder einfach etwas Glück in 1-2 aufeinanderfolgenden Drafts um aus dem Nichts ein konkurrenzfähiges bis sehr gutes Team zu formen.

  6. Alles schön und recht. Aber alle genannten Organisationen hatten und haben bessere Owner-Situationen als Cleveland mit dem Chaoten J. Haslam. Rosen weiß sehr genau, warum er sich nicht traut zu den Browns zu gehen um die Franchise zu overturnen. Denn Haslam wird Erfolg verhindern.

  7. na ja die Teams haben das recht auf den first pick,und wer sich beim draft anmeldet muss damit rechnen vom schlechtestem Team gewählt zu werden. ich mein in einem loser Team wie den browns zu spielen,ist immer noch besser als bei burger king zu arbeiten sarkastisch gemeint. ich finde es entscheidet immer noch das Talent des Spielers und nicht des Teams von dem man gewählt wird. cam newton Kamm damals auch zum schlechtestem Team und hat innerhalb kürzester zeit einen record nach dem anderen aufgestellt.
    Josh Rosen ist eben kein newton deswegen will er nicht nach cleveland weil er weis das er dort mit seinem Talent nicht bestehen wird.

  8. @Christian:

    Mike Brown in Cincinnati ist auch kein weltbewegender Owner. Er mag geduldig sein, aber er knausert jeden Cent, wenn es um Bezahlung von Coaches geht und verpflichtet fast nie einen guten Free Agent.

    Oakland hatte lange Jahre einen greisen Al Davis als Vorstand, mit unzähligen überholten Dogmen aus den 1970ern, die das Team unterwanderten. Sein Sohn Mark Davis wollte Reggie McKenzie wegen eines Fehleinkaufs auf Offensive Guard feuern.

    In Detroit regiert eine 90-jährige Martha Ford, die nur noch die Hälfte vom Tagesgeschäft mitbekommt. Vorgänger Bill (Marthas Ehemann) interessierte sich kein Jota für das Team.

    Die Rams wurden in den zehn Jahren zweimal verkauft.

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