College Football Playoff 2017/18 – Die furchtlose Halbfinalvorschau

Die Bowl-Season ist seit zwei Wochen im Gange, aber die meisten der 39 Bowls sind bessere Freundschaftsspiele. Das Herzstück der Bowl-Season bekommen wir erst am Montag, dem Neujahrstag, wenn die einzigen beiden Bowls ausgetragen werden, bei denen es sportlich um etwas geht – nämlich um den Einzug ins College Football Finale, das in der Nacht auf Dienstag 9. Jänner ausgetragen wird. Eine Vorschau auf die beiden Halbfinals.

Rose Bowl: #2 Oklahoma Sooners – #3 Georgia Bulldogs

Montag 01.01.2018 um 23h, live SPORT1, SPORT1 US und ESPN-Player

Auftakt macht die Rose Bowl, die traditionell in der großen Schüssel von Pasadena, einem Vorort von Los Angeles, ausgetragen wird. Wenig traditionell für eine Rose Bowl ist allerdings die Ansetzung, denn für gewöhnlich treffen in diesem Stadion am Neujahrstag bei gleißendem Sonnenschein, wunderschön übergehend in die Abenddämmerung, die Sieger der Pac-12 und Big Ten Conferences aufeinander. Bekanntlich wurden just diese beiden Ligen in dieser Saison nicht für das Playoff berücksichtigt – und so trifft heute der Champion der Big 12 Conference, die Oklahoma Sooners (12-1), auf die Champions der SEC, die Georgia Bulldogs (12-1).

Es ist eine Ansetzung, die man in den USA als Offense (Oklahoma) vs Defense (Georgia) hochstilisiert. Der beste Angriff im Lande trifft auf die knüppelharte Defense von Georgia. Es ist ein Duell Physis gegen Speed, der Heisman-Trophy Gewinner, Oklahomas QB #6 Baker Mayfield, trifft auf die extrem schnelle Georgia-Verteidigung. Es ist das Duell zweier aufstrebender Coaches, Oklahomas Lincoln Riley vs Georgias Kirby Smart. Es ist aber auch das Duell von Georgias atemberaubendem Offensive Backfield gegen Oklahomas nicht immer sattelfeste Defense.


Für Georgia ist dieses Spiel die vorläufige Erfüllung einer Sehnsucht: Die Universität ist in Athens zuhause, eine Stunde von Atlanta entfernt, inmitten des Bible-Belts liegend, im tiefsten Süden der USA. Umgeben ist man vom besten Recruiting-Gebiet, man hat eine der größten, treuesten Fanscharen in den Vereinigten Staaten – aber man hat in über 100 Jahren nur ein einziges Mal den Landesmeistertitel gewonnen. Man war oft knapp dran – aber es reichte seit 1980 nie mehr zum Durchbruch.

Das führte über die Jahre zu immer größerer Frustration in der Fan-Base, die mit ansah, wie einige Kilometer weiter westlich der große Kontrahent Alabama unter Nick Saban eine Kristallkugel nach der nächsten abstaubte. Und so zog man vor zwei Jahren den Schlussstrich unter die 15-jährige Ära von Head Coach Mark Richt, einen der „Guten“, einem Mann, der ethisches Verhalten durchaus noch zu schätzen wusste und nicht für den einen Sieg mehr beide Augen zudrückte, wenn mal wieder der halbe Kader Mist gebaut hatte.

Als Richts Nachfolger wurde Kirby Smart bestellt, ein Pragmatiker – ausgerechnet Smart, ein Jünger des „Bösen“, Nick Sabans. Smarts Auftrag: Eine Kopie Alabamas zu schaffen, denn mal wollte auf Teufel komm raus aus dem Schatten der großen Dynastie Alabama treten. Smarts Anstellung war beileibe nicht ohne Risiko: Zu viele von Sabans Schülern hatten, wenn einmal auf sich allein gestellt, versagt. Und überdies ist Smarts Expertise auch Sabans Expertise: Recruiting und Defense – selten ein gutes Vorzeichen.

Doch manchmal sind die schlechten Symptome keine Vorboten von Versagen. Manchmal geht ein Plan, ein Wunschtraum, auf. Und so schuft Kirby innerhalb von nur zwei Jahren ein Monster, das den Alabama Crimson Tide aufs Verrecken gleicht: Geschwindig, physisch, eiskalt, staubtrocken. Keine begeisternde Mannschaft im Sinne eines halben Dutzend tiefer Bomben, aber eine fehlerarme, dominante Truppe. Dass die Ausgabe der Bulldogs von 2017 nicht das Ende sein wird, ist auch klar, denn Smart fährt eine rekordträchtige Recruiting-Klasse nach der anderen ein. 2017 ist eher der Anfang. Aber Warten ist nicht „in“ – Georgia will schon heuer aufs Ganze gehen.


Auch Smarts Gegenüber Lincoln Riley ist ein relativer Neuling auf seinem Gebiet. Man mag es kaum glauben, aber Riley ist kein halbes Jahr im Amt als Cheftrainer der Oklahoma Sooners, dieses Juggernauts, der sich mit seiner Geschichte und seinen Erfolgen vor keiner anderen Universität verstecken muss: 7 offiziell anerkannte Landesmeistertitel, 47 Conference-Gewinne, 29 große Bowl-Siege und 6 Heisman-Trophys werden von wenigen bis niemandem übertrumpft. Trotzdem hegen die Oklahomans einen gewissen Minderwertigkeitskomplex, da sie, obwohl erfolgreicher, noch immer von der größeren, schillernden University of Texas überstrahlt werden. Und auch, weil sie in den letzten 15 Jahren drei BCS Title Games verloren. Der letzte Titel liegt mittlerweile 18 Jahre zurück.

Geholt hat ihn Bob Stoops, genannt „Big Game Bob“, der Mann, der in so vielen großen Bowls coachte wie niemand anders. Der Oklahoma in 18 Jahren am Ruder wieder groß machte. Der im Sommer aus freien Stücken zurücktrat, weil er sich um seine kranke Familie kümmern musste. Er übergab ein intaktes Team an seinen Nachfolger, OffCoord Riley, und soll Riley auch in den wenigen schweren Momenten im Laufe des Herbstes beigestanden haben. Davon ab schaffte Stoops jedoch das, was wenigen Legenden gelingt: Sich rauszuhalten. Riley konnte sein eigenes Ding drehen.


Und, Baby: Das machte er. Oklahoma spielt die gewaltigste Offense im gesamten College Football. Riley schaffte es in dieser Saison, eine rekordträchtige Offense noch besser, noch effizienter zu machen. Er trifft heute auf eine gewaltige Defense – eine, die kaum tiefe Plays zulässt:

  • 10+ Yards: #2 im Lande
  • 20+ Yards: #9 im Lande
  • 30+ Yards: #9 im Lande
  • 40+ Yards: #9 im Lande

Und doch muss er keine Angst haben – denn: Oklahomas Offense bei diesen langen Plays?

  • 10+ Yards: #1 im Lande
  • 20+ Yards: #1 im Lande
  • 30+ Yards: #1 im Lande
  • 40+ Yards: #1 im Lande

Unfassbare Werte, aber so läuft der Motor, wenn man eine hünenhafte, physisch dominante Offensive Line mit einem Star-Prospect wie LT Orlando Brown aufstellt um seinen Quarterback zu beschützen, und dieser Quarterback nicht bloß angewiesen wird, stets den KO-Punch zu suchen – sondern es auch noch macht. Und es ihm gelingt. Mayfield ist mit 1,83m kein QB-Prototyp vom Körperbau, aber sein Selbstverständnis und seine Coolness selbst unter Druck machen ihn schwer kontrollierbar.

Mayfield ist der Trigger einer Offense, die unter Rileys Anleitung Elemente der Air-Raid Offense mit sehr physischen Elementen verknüpft. Anders gesagt: Riley ist zwar Schüler der Air-Raid Offense, aber er versucht viel stärker, Balance zu halten. Die Basis-Aufstellung ist als „21 Personell“ erstmal nicht Spread-verdächtig: 2 Runningbacks, 1 Tight End, 2 Wide Receiver. Was die Offense so tödlich macht, ist die Tatsache, dass Fullback wie Tight End sowohl gute Blocker als auch erstklassige Ballfänger sind, dass jeder Tailback Routen laufen kann und jeder Receiver über Routen-Kombinationen frei wird, selbst gegen erfahrene Defense wie Ohio State oder TCU, die im Schlaf wissen wie man eine Spread-Offense stoppt.

Eine der gefinkelten Waffen ist FB #36 Dimitri Flowers, der häufig früh im Down blockt, aber dann eine kurze Route als Ballfänger läuft und so 437yds und 8 TD gescort hat. Der wahre Schlüsselspieler für die Matchups ist aber TE #81 Mark Andrews (906yds, 8 TD) der von keinem klassischen Linebacker zu kontrollieren ist und für den es meistens Safety-Hilfe braucht. Georgia hätte in OLB #7 Lorenzo Carter ein möglicherweise gutes Matchup, aber wir werden gleich sehen, wieso man gegen die Sooners keine OLBs gedankenlos für Coverage opfern sollte. Und dann hast du noch immer das Problem, dass WRs wie #5 Marquise Brown oder #3 Mykel Jones (zusammen 1300yds und 7 TD, 20yds/Catch) in jedem zweiten Snap straight downfield starten und dich im wahrsten Sinne des Wortes tief verletzen.

Mit ihrer profilastigen Aufstellung schaffen die Sooners auch die Grundlage für ihre schwer zu fassende Balance. Du kannst dich nicht auf die eine Stärke einstellen. Du musst alles verteidigen. Jeder Gegner Oklahomas muss sich entscheiden, wie viele Ressourcen er in das Stoppen des Laufspiels (RB #24 Rodney Anderson z.B. 5.9yds/Carry) steckt, denn obwohl durchaus effizient, ist der Lauf in vielen Momenten das kleinere Übel im Vergleich zum tödlichen Downfield-Passing.

Einfach die Schützengräben überladen und darauf vertrauen, mit den besseren eigenen Athleten den Gegner zu „out-exekutieren“ ist gegen Oklahoma keine gute Idee. Dafür ist Mayfield zu ausgefuchst, zu erfahren. Dafür hat Oklahoma aber auch zu gute eigene Athleten. Im Prinzip läuft alles darauf hinaus, einige wenige wuselige kleine Defensive Liner zu bringen, die unter den OL-Hünen hindurchtauchen, schnell Druck erzeugen, während „hinten“ eine Latte an Linebackern und Defensive Backs alles zuzudecken versucht.

Es läuft für Georgia auf eine 2-4-5 Defense hinaus. NT #97 John Atkins und DT #78 Trenton Thompson sind kräftig genug um gegenzuhalten und wendig genug um hie und da Druck zu machen, aber ihr Hauptjob wird sein, dem Superstar-LB #3 Raquon Smith den Rücken freizuhalten. Smith wird vorzüglich über die Mitte operieren, da Georgias Outside Linebacker ihre Positionen halten müssen um nicht über die Flanken komplett überrannt zu werden.

Die SEC rühmt sich für ihre überlegenen Athleten, die die Halblinge aus anderen Regionen der Staaten stets niedermacht, wenn es um die Wurst geht. Diese Athleten, angefangen von LB Smith, werden heute zeigen müssen was sie wert sind, wollen sie diese Offense kontrollieren. Ob „kontrollieren“ ausreicht oder ob Georgias Defense „dominieren“ muss, hängt vom Matchups auf der anderen Seite des Balles ab.


Dort trifft Georgias sehr bodenständige Offense auf eine Oklahoma-Defense, die nicht über jeden Zweifel erhaben ist. Georgia hat diese Saison pro Spiel 46 Läufe vs 19 Pässe ausgespielt. OffCoord Jim Chaney, obwohl eigentlich QB-Entwickler, vertraut so lange wie irgendwie möglich auf seine Runningbacks, #27 Nick Chubb, #1 Sony Michel, #7 D’Andre Swift, #35 Brian Herrien, #13 Elijah Holyfield und wie sie alle heißen, und treibt im Schnitt 39 Runs für 6.5yds/Carry das Feld runter. Chubb und Michel sind die Motoren, aber in den letzten Wochen der Saison lief auch Freshman Swift heiß – er ist der schnellste, wendigste der Backs und sorgt für viele verpasste Tackles.

Missed Tackles ist eines der Schlagwörter, bei denen Oklahoma-DefCoord Mike Stoops (Bobs Bruder) nervös wird. Ins Leere greifende Verteidiger kosteten Oklahoma das Spiel in Iowa State und hätten fast auch die Partie gegen Texas verloren, aber das positive Zeichen: Im November konsolidierte sich die lange Zeit so suspekte Sooners-Defense zu einem Grad, dass sie eindimensionale Rushing-Offenses wie TCU abwürgte. „Eindimensional“ ist bekanntlich auch Georgia, wenn auch auf einem höheren Level.

Oklahomas Front Seven wird gefragt sein. Der vermeintlich wichtigste Ankermann, DE #31 Okoronkwo, Sohn nigerianischer Einwanderer, ist zuallererst ein Pass Rusher und mit 245 Pfund etwas leichtgewichtig, aber er wird heute vor allem in Run-D gegen zwei Blocker stehen. Es gibt nur wenige Momente, in denen er heute gen QB rasen darf.

Georgias Offense zeichnet sich dadurch aus, dass sie meistens wie die Feuerwehr aus der Kabine kommt und gleich in den ersten Drives ihre Statements abgibt, Touchdown um Touchdown scort, ehe sie im weiteren Spielverlauf abkühlt. Das mag nicht intuitiv klingen für eine Rushing-Offense, die für gewöhnlich ihre Gegner mit zunehmendem Spielverlauf immer weiter abwürgt, aber die Zahlen sprechen eine eindeutige Sprache.

Schafft Oklahoma 2-3 frühe Stops oder limitiert den Schaden, in dem es nur Fieldgoals zulässt, steigen die Chancen, dass man schnell mit Führung spielt und somit Georgia zwingt, verstärkt auf QB #11 Jake Fromm zu setzen. Der Freshman Fromm ist kein Schlechter und er ist im Laufe der Saison an seinen Aufgaben gewachsen, aber es wäre vermessen zu glauben, dass er die Partie in einer prominenten Rolle zu gewinnen imstande ist.

Ein insgesamt exzellentes Matchup, in dem häufig Stärke auf Stärke trifft. Nicht ausgeschlossen, dass die typischen Kleinigkeiten wie Turnovers oder Special Teams mit guten Feldpositionen das Spiel entscheidend beeinflussen oder gar entscheiden. Aber auch nicht ausgeschlossen, dass die Stärke des einen Teams jene des anderen dermaßen überrollt, dass die Partie schnell außer Kontrolle gerät. Zum Beispiel, wenn sich Mayfield in einen Rausch spielt.

So famos Mayfield drauf ist: Es ist unwahrscheinlich, dass Oklahoma 40 Punkte über Georgia legt, daher muss die Sooners-Defense eine Handvoll Bulldogs-Drives ohne Punkte oder maximal mit Fieldgoals abwürgen. Ob das gelingt, wird ein wesentlicher Faktor für den Ausgang dieser Partie.

Sugar Bowl: #1 Clemson Tigers – #4 Alabama Crimson Tide

Mo/Di 01./02.01. um 02h30, live SPORT1, SPORT1 US und ESPN-Player

Das zweite Halbfinale wird erst spätnachts in der Nacht auf Dienstag, 2. Jänner ausgespielt – und zwar im Louisiana Superdome von New Orleans unter dem Deckmantel der Sugar Bowl. Es ist das Duell, das bei vielen noch mehr das Wasser im Mund zusammenlaufen lässt als die Rose Bowl: #1 Clemson Tigers (ACC-Champions, 12-1) vs #4 Alabama Crimson Tide (11-1), die Neuauflage der beiden letzten National Championship Games. Bisherige Ergebnisse: Je ein Sieg (und Titel) für beide. Heute: Clemson vs Alabama III.

Es muss nicht weiter betont werden, wie fantastisch die beiden Finals zwischen diesen beiden Mannschaften waren. Das Mantra „Endspiele sind keine großen Spiele“ hätte ferner nicht sein können. Die erste Partie vor zwei Jahren artete aus in einer Orgie an tiefen Bomben, die beide der hervorragenden Defenses in ihre Einzelteile zerriss. Das Revanche-Spiel ein Jahr später wurde sprichwörtlich in der allerletzten Sekunde entschieden.

Die beiden auffälligsten Protagonisten der beiden Spiele, Alabama-TE Howard und vor allem Clemson-QB Deshaun Watson, sind mittlerweile NFL-Profis. Aber: Alabamas Staatsfeind Nummer 1 ist noch da. Er trägt die #13: WR Hunter Renfrow. Und die Kernphilosophien der beiden Teams sind noch immer die gleichen – hier unterscheiden sich Alabama und Clemson bekanntlich nur in Nuancen. Alabamas Head Coach Nick Saban und Clemsons Dabo Swinney stehen für massiertes Recruiting, für druckvolle Defenses und für den Fokus, ihre hoch gehypten Talente über die Jahre zu angehenden NFL-Profis zu entwickeln. Beide haben sich zudem als detailverliebt und erstaunlich wandlungsfähig gezeigt – ein wesentlicher Grund dafür, dass beide Mannschaften seit Jahren vorne mitspielen und ihren Level halten konnten, obwohl es reichere Universitäten und noch bessere Recruiting-Gebiete als Alabama und Süd-Carolina gibt.


Clemsons Offense ist ohne Watson etwas weniger passgewaltig geworden: Watsons Nachfolger QB #2 Kelly Bryant stach im Preseason-Kampf den gehypten Freshman Hunter Johnson aus und erwies sich im Lauf der Saison als verlässlicher, wenn auch nicht ultra-spektakulärer Offense-Führer. Die Unterschiede zu Watson sind aber doch offensichtlich – Quervergleich der Stats pro Spiel:

  • Watson 2016: 39 Att. für 306yds, 7.8 NY/A, 2.7 TD, 1.1 INT + 10 Rushes für 48yds und 0.6 TD
  • Kelly 2017: 28 Att. für 206yds, 7.5 NY/A, 1 TD, 0.5 INT + 12 Rushes für 62yds und 0.85 TD

Clemson läuft nur 2x öfter pro Spiel als letztes Jahr, was im Umkehrschluss bedeutet: Die Offense spielt langsamer und hat weniger Snaps. Die OffCoords Elliot/Scott haben den Angriff von einer reinen Spread-Offense umgemodelt zu einer Spread-Option Attacke, die vom Quarterback weniger Würfe, aber mehr Reads verlangt. Bryant ist in dieser Hinsicht im Lauf der Saison gewachsen. Sein Spielverständnis gilt mittlerweile als exzellent, er weiß in welchen Option-Plays die Bälle an den Back übergeben werden müssen, wann er selbst laufen kann und wann es gescheit ist, einen quicken Screenpass für die wuseligen Receiver zu werden. So ist Bryant heuer sogar Leading-Rusher der Tigers, trotz exzellenter wendiger Backs wie #28 Feaster oder #9 Etienne (zusammen 1400yds, 20 TD bei fast 7yds/Carry).

Alabama hat dieses Jahr zwar Schwächen auf Linebacker, die Run-Defense gilt als nicht mehr so dominant und Clemsons Offensive Line ist im Vergleich zu 2016 deutlich massiger geworden, aber dennoch gilt als wahrscheinlich, dass die Tigers für Montag einen Gameplan zimmern, der ähnlich angelegt ist wie letztes Jahr: Damals ermüdete man den furchterregenden Pass Rush Alabamas durch Zillionen Passversuche. Es ist wahrscheinlich, dass man zu dieser Strategie zurückkehren wird, denn obwohl Alabamas Verteidigung nicht mehr so historisch dominant ist wie vor einem Jahr, ist Laufspiel noch immer schwierig.

Es riecht danach, dass Bryant viele flache Querpässe auf Leute wie den wendigen Renfrow spielt und Clemson anschließend mit Routen über die Spielfeldmitte die verwundbaren Zonen auf Inside Linebacker attackiert um Alabama mit kleinen Nadelstichen weh zu tun und langsam im Verlauf des Spiels den Saft auspresst. Geht die Strategie auf, bekommt Bryant vermutlich viele machbare 3rd Downs – ob er sie verwerten kann oder nicht, wird mitentscheidend sein für den Ausgang der Partie.


Auch auf der anderen Seite des Matchups steht der Quarterback im Fokus: #2 Jalen Hurts, ein erstklassiger Scrambler, aber kein überragender Werfer. Hurts ist der Schlüsselspieler, dessen Leistung vermutlich den größten Einfluss auf den Ausgang dieser Partie hat. Let me explain.

Alabama spielt unter dem neuen OffCoord Brian Daboll diese Saison relativ viel RPO (run/pass option), zum einen um die beiden phänomenalen Runningbacks #34 Harris und #9 Scarborough (Harris macht interessanterweise bei gleich vielen Carries 8.2yds/Carry vs Scarboroughs 5.1yds/Carry) zu füttern, zum anderen um Hurts hervorragende Laufkünste einzubauen und zum dritten um Hurts‘ Limitierungen als Werfer so schadlos wie möglich zu halten. Hurts gilt als durchaus starker Option-QB, der wenige Fehler macht (u.a. nur 1 INT das ganze Jahr) – er nimmt stets das, was am besten läuft.

„Läuft“ ist dabei das Schlüsselwort, denn jeder vernünftige Gegner wird versuchen, Hurts zum Werfen zu zwingen. Inklusive Clemson, dessen DefCoord Brent Venables sich über die Jahre einen Ruf erarbeitet hat, Teams exakt auf den Gegner einzustellen. Clemson mag in den letzten Jahren Dutzende starke Defensive Backs an die NFL verloren haben, aber „vorne“ hat man dieses Jahr eine exzellente Aufstellung um die preisgekrönten DT #90 Dexter Lawrence und DL #42 Christian Wilkins, die zusammen 300kg auf die Waage bringen und sowohl Pass Rush als auch „immovable object“ spielen können, sowie DT #99 Clelin Ferrell. Das Trio hat Durchschlagskraft und Ausdauer und erlaubt den Linebackers, schnell zu Gegners Ballträger zu fliegen.

Venables wird natürlich die Idee verfolgen, Ballübergaben an die Runningbacks zu verhindern und Hurts zu zwingen, Clemson über Scrambling und Luftweg zu attackieren – im Prinzip die Auburn-Strategie in der Iron Bowl. Auburn hatte die Athleten um den Plan erfolgreich in die Tat umzusetzen. Clemson hat diese auch – mutmaßlich sogar die besseren.

So oder so: Große Raumgewinne sind gegen Clemsons Defense nicht zu erwarten, was Hurts zwingt, nicht bloß gut zu entscheiden und exzellent umzusetzen, sondern häufig gut zu entscheiden und exzellent umzusetzen. Viele Snaps können der eigenen Defense natürlich weh tun, aber viele Snaps tun auch Alabamas wenig auf Timing beruhende Offense weh. Es zwingt Alabama aus der Comfort-Zone. Entweder Hurts packt sein präzises Abzugshändchen aus oder Harris/Scarborough machen Unmenschliches aus ihren wenigen Carries…

…oder Alabamas Defense ist gefragt, Clemsons Angriff so eindimensional zu machen, dass die Partie eine low scoring Angelegenheit wird, in der letztlich Turnovers, Returns und Kadertiefe im letzten Viertel entscheiden. Das Spannende an dieser Sugar-Bowl Ansetzung ist, dass Alabama in den Wettbüros trotz Status als #4 gegen die #1 Clemson leicht favorisiert ist. Aber die Matchups sprechen tendenziell eher für Clemson. Der Vorteil ist aber minimal und wenn Alabama in einem der wesentlichen Matchups einen entscheidenden Vorteil findet, ist auch nie das eine auszuschließen: Alabama zerstört den Gegner.

Klar ist auch: Beide haben nicht mehr die Klasse wie 2015 und 2016. Aber beide bleiben mächtige Abwehrstrategen und beide haben sich in der Offense teilweise neu erfunden. Dabo Swinneys Clemson ist eine der wenigen Mannschaften, die Alabama ebenbürtig sind und auch die Eier haben, dem Giganten auf Augenhöhe zu begegnen. Durchaus möglich, dass es im dritten Spiel der „Serie“ den zweiten Sieg für Clemson setzt.

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10 Kommentare zu “College Football Playoff 2017/18 – Die furchtlose Halbfinalvorschau

  1. Erfreulich, dass die Playoffs diesmal ausgeglichen besetzt sind. Michigan State 2015 oder Ohio State 2016 hatten ja nicht wirklich Qualität und mussten mehr wegen ihres guten Records eingeladen werden.

    Diesmal: Alle 4 Teams auf Augenhöhe. Die Matchups werden entschieden.

    Ergänzend zu dieser Topp Vorschau:
    – Wird Georgia bis zum Kickoff noch Provokationen in Richtung Baker Mayfield schicken? Baker hat eine Belichicksche Einstellung zu solchen Aktionen und pflegt, sie mit 5 TD zu rächen.
    – Ich zweifle mehr als diese preview dass Oklahoma das Running Game stoppen kann. Tackling ist eines, aber auch die Gap Disziplin ist nicht immer da und physisch ist Georgia überlegen.
    – Clemson v Alabama braucht unbedingt einen Spitznamen.
    – Wenn Clemson gewinnt, haben Clemson und Bama je 6 Losses in den letzten 4 Seasons und Dabo vs Saban = 2:1.
    – Würde meine Jetons eher auf Alabama setzen. Clemson hatte seine Chancen vor allem dank DeShaun Watson und Bryant ist bei weitem kein Watson. Auch wenn Hurts kein Superspiel macht so muss auch Clemson erst mal seine Punkte scoren.

    Fazit: Ich fürchte dass Georgia seinen Troll Trieb Richtung Baker unterdrücken kann und somit ein SEC Finale im CFP Finale.

  2. Pingback: Samstagsvorschauer: Großes Coaching-Duell in der Fiesta Bowl | Sideline Reporter - Eier, wir brauchen Eier!

  3. Ja, Zustimmung! Eine solche komplette Vorschau gibt es im US Bereich maximal noch beim Ringer, aber das ist eine perfekte Einstimmung.

    Ich hoffe einfach, dass es kein SEC Finale wird. Traumszenario wäre ein SEC Team gegen eine andere Conference im Finale. Ich tippe auf Oklahoma – Alabama im Endspiel, da ich wie einer der Vor Kommentierer nicht glaube, dass Clemson in der Offence genug power hat um den Verlust von Watson gut zu machen. Und Bama is still Bama…

    Finde Georgia nicht unsympathisch von der Anlage, aber aus taktischen Gründen muss Mayfield die Bulldogs zerstören. Ich will kein SEC Hype für die nächsten 10 Tage und dann für den Rest der ganzen Off Season, so gut ist diese Conference wahrlich nicht mehr auch wenn es jetzt wieder mehr Spitzenteams als allein Bama gibt…

  4. Finde ich zum Tiefen Argument der Conferences ganz aufschlussreich:

    Und trotzdem hat die SEC 2 Playoff Teams und die B1G keine. Deckt sich mit @Brown Bomber. SEC hat keine Tiefe aber mit Bama, Georgia und Auburn drei Spitzen Teams. B1G dagegen sehr breit, aber PSU, Wisconson und OSU nicht gut genug für ganz vorne, dahinter Michigan, MSU, NW, Iowa auch Purdue gute Upper/Middle Class Teams.

  5. Auch das SRS sieht die SEC nicht mehr als die Top-Conference wie vor ein paar Jahren. Durchschnittliches SRS für 2017:

    #1 ACC (9.8)
    #2 Big Ten (9.4)
    #3 Big 12 (8.0)
    #4 Pac-12 (6.5)
    #5 SEC (5.6)
    #6 American (-0.5)
    #7 MWC (-6.3)
    #8 MAC (-6.4)
    #9 C-USA (-11.6)
    #10 Sunbelt (-14.1)

    Die SEC West ist mit 8.7 Punkten über Durchschnitt noch immer schwächer als die gesamte ACC oder Big Ten, die beide auch einige Graupenteams durchschleifen. Die SEC ist mit 2.5 Punkten über Durchschnitt die mit Abstand schwächste der Power-5 Divisionen.

    Die Rankings der SEC-Mannschaften 2017:
    Tier 1: #4 Georgia, #6 Alabama, #10 Auburn
    Tier 2: #26 Mississippi State, #31 LSU, #49 South Carolina, #50 Mizzou
    Tier 3: #59 Texas A&M, #68 Ole Miss, #70 Kentucky, #71 Florida
    Tier 4: #86 Arkansas, #89 Vanderbilt, #92 Tennessee

    So kopflastig war die SEC lange nicht mehr. Dazu ein schwacher Mittelbau und drei richtige Graupenteams.

  6. Bei Baker Mayfield braucht es kein Drama ausgehend vom Gegner, für das Drama sorgt er schon selbst. Kein Auftritt auf der PK, jetzt soll er Training krank sein und kraftlos wirken:

    Der Gegner vermutet schon einen Fake 😉 Wird noch lustig bis zum Montag, wenn auch zu hoffen ist im Sinne eines spannenden Spiels, dass Baker fit sein wird.

  7. Pingback: Neujahrsvorschauer 2018 | Sideline Reporter - Eier, wir brauchen Eier!

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