College Football Playoffs 2017/18 – Nachklapp zum Halbfinale

Nachklapp zu einem Playoff-Halbfinale, das Geschichte geschrieben hat – und das Feld bereitet hat für ein Endspiel, das den Süden der Vereinigten Staaten zum Erliegen bringen wird.

Rose Bowl 2018: Georgia Bulldogs 54, Oklahoma Sooners 48 (2OT)

Wir brauchen nicht lange um den heißen Brei herum diskutieren: Ein atemberaubendes Rose-Bowl Spiel, und in den USA wird trotz Vince Young schon diskutiert, ob Georgia vs Oklahoma 2018 die beste Rose Bowl ever war. Um sich in solcherlei Diskussionen einzumischen, fehlen mir einige Jahrzehnte Footballerfahrung, aber es bleibt feszuhalten: Eine grandiose Show. Zwei echte Blaublüter, stilistisch und konzeptionell völlig unterschiedlich gestrickt – eine Latte an echten Plays und ein knappes Finish in der zweiten Overtime. Mehr kannst du nicht bieten. Instant classic.

Oklahoma dominierte in der ersten Halbzeit und führte schon 31-14 und sah über weite Strecken wie die dominierende Mannschaft in dieser Partie aus, aber dann passierte das, was man Georgia-Headcoach Kirby Smart zugute schreiben muss und dieser Partie die entscheidende Wendung gab: Smart stellte seine Defense in der Halbzeit um. Anstelle der tiefen Cover-2 Defense, die von QB Baker Mayfield und Konsorten ein ums andere Mal verbrannt wurde, ließ Kirby nach der Pause Cover-1 spielen, mit aggressiven, auf den Mann gehenden Cornerbacks an den Seitenlinien. Damit stellte Georgia die Oklahoma-Offense mehr als das dritte Viertel lang komplett kalt und ermöglichte der eigenen Offense, die Partie zu neutralisieren und im Prinzip zu drehen.

Und so war letztlich Georgias Offense der große Star der Partie: RB Sony Michel (11 für 181yds, 3 TD) und RB Nick Chubb (14 für 145yds, 2 TD) überrannte die Sooners-Defense und sorgten im Prinzip im Alleingang für die Punkte. Angesichts dieser Zahlen kann man es eigentlich gar nicht fassen, dass Georgia auch 29x warf – im Prinzip hätte QB Jake Fromm die ganze Partie über nur den Ball übergeben können und Georgia hätte mindestens genauso viele Yards und Punkte gemacht.

Das 12-Personell Package von Georgia war schlicht zu viel für Oklahoma, dessen Defensive Coordiantor Mark Stoops nun mächtig auf die Fresse bekommt. Die Kritik ist verständlich: Oklahoma war nicht gut im Tackling, aber das kannst du als Coordinator nicht völlig verhindern. Aber Georgia hatte in so vielen Run-Plays die Überhand – und so viele Male waren die Defense Liner und Linebacker nicht im Bilde bzw. wurden von einfachen Täuschungen verarscht, dass es auf den Coach zurückfällt. Gap Control ist das, wonach jeder Defense-Coach schreit. Oklahoma hatte sie nicht. Zu einem recht späten Zeitpunkt im Spiel hatten die Georgia-Backs fast 20yds/Carry. Zu einem sehr späten Zeitpunkt noch immer 15yds/Carry. Am Ende des Spiels waren es 11yds/Carry.

Am Ende entschied Georgia das Spiel mit einem Lauf über #1 Sony Michel aus der Wildcat-Formation – Kirby Smart hatte schon lange keinen Grund mehr, irgendwas vorzutäuschen. Er musste noch nichtmal mehr seinen Quarterback aufs Feld beordern. Er musste nur noch seine Stammformation aufs Feld bringen. Sie würde alles und jeden überlaufen.

Georgia dominierte nach der Pause auch in anderen Belangen: Die Starting-Feldposition ab Q3 zum Beispiel war Georgia an der UGA 42, Oklahoma an der OU 17. Das sind 25 Yards an Feldpositionsunterschied pro Drive! Mitschuldig waren dabei auch die Sooners-Special Teams, die relativ schlechte punteten und letztlich in der Overtime mit einem verschossenen/geblockten Fieldgoal auch zum Match-Loser wurden.

Trotzdem: Es waren Nuancen, die entschieden. Anders würdest du eine Partie, die in die zweite Overtime ging, schreibend verdrehen. Georgia zum Beispiel traf ein Fieldgoal aus 55 Yards. Oklahoma dagegen verschoss nicht nur das Fieldgoal in der zweiten Overtime. Oklahoma sorgte auch völlig ohne Not wenige Sekunden vor der Pause für einen Squib-Kick, der Georgia so gute Feldposition gab, dass die Sooners ohne sich die Finger schmutzig zu machen 3 Punkte – besagten 55-Yarder – mit auslaufender Uhr abstauben konnten und anstelle von 31-14 mit 31-17 in die Halbzeit gingen. Squib-Kicks sind die zweit-desaströseste Football-Idee nach reiner Prevent-Defense.

Die Oklahoma-Offense hatte spät im vierten Viertel und in der Overtime darüber hinaus dreimal ein kurzes 3rd Down. Alle drei Male scheiterte man. Die letzten vier Drives endeten in 2x Punt, Fieldgoal, verschossenes Fieldgoal. Vielleicht war die Offense einen Tick zu gut gedacht unterwegs. Das sah in lichten Momenten super aus, wenn ein Baker Mayfield einen Touchdown-Catch fabriziert. Aber dann wieder Mayfield diese flachen Pässe in die Flat-Zonen, als man versuchte, Georgias Linebacker auf dem falschen Fuß zu erwischen. Sie ließen sich nicht verarschen. #3 Smith und #7 Carter machten in der zweiten Halbzeit ein famoses Spiel.

Und dennoch: Oklahomas Offense scorte 41 Punkte gegen die mutmaßlich zweitbeste SEC-Defense. Das ist kein Zuckerschlecken. Mayfield war nicht überragend, aber gut. RB Anderson machte ein starkes Spiel, 26 Carries für 201yds gegen die Georgia-Defense sind aller Ehren wert, vor allem, nachdem der Gegner die Pass-Offense relativ gut kontrollieren konnte. Bis zu den beschriebenen Adjustments von Kirby Smart dominierte Oklahoma. Erst ab Q3 knickte man langsam ein – was passieren kann, wenn der Gegner alles riskiert und gewinnt.

Nochmal und nicht zu vergessen: Die so belächelte Air-Raid Offense scorte 41 Punkte gegen Georgia. Aber: Georgia war letztlich den einen Tick glücklicher, besser. Ausgeglichene Matchups werden von einzelnen Plays, von kurzen Episoden, entschieden – und hier hatte Georgia die besseren Momente auf seiner Seite. Kirby Smart hat in Athens eine Dampfwalze nach Vorbild seines Lehrmeisters Nick Saban erschaffen, die nun um ihren ersten College-Football Meistertitel seit 37 Jahren spielt.

Der Gegner ist das Original.

Sugar Bowl 2018: Alabama Crimson Tide 24, Clemson Tigers 6

Die Sugar Bowl war bis in das dritte Viertel hinein eine knappe Partie auf dem Scoreboard – es stand noch nach 35 Spielminuten nur 10-6 für Alabama, und doch fühlte sich das Spiel nicht wirklich eng an. Zu dominant war Alabamas diese Saison manchmal kritisierte Defense. Reminder: Es ist die nach wie vor beste Defense im Lande.

Alabama erlaubte Clemson erst im vierten Drive das erste 1st Down. Zu dem Zeitpunkt hatte Bama bereits 10 Punkte aus herausragender Feldposition erzielt: Stets an der Mittellinie startend, über die eigenen Runningback-Monster laufend, Clemsons Defense mit kurzen Nadelstichen zu Leuten wie WR Ridley pieksend.

Clemsons QB Kelly Bryant, im Vorfeld u.a. von mir als möglicher Match-Winner für Clemson ausgemacht, fand in Clemsons Defense seinen Meister: 18/36 für nur 124yds. 2 Interceptions. 5 Sacks. NY/A: 2.2, in Worten: zweikommazwei. Zugegeben, WR #8 Deon Cain hatte zwei brutale Drops in kritischen 3rd Downs, als das Spiel noch eng war. Aber solche Zahlen sind letztlich gegen Alabama zu wenig. Denn sie bedeuten, dass du über Laufspiel Erfolg haben musst – und dabei wünsch ich dir viel Spaß.

Gegenüber QB Hurts war nicht viel besser, aber er musste nicht besser sein. Er musste nur die Fehler vermeiden – und das tat Hurts: Nur ein Fumble bei einem gescheiterten Option-Read. Der auch noch fehlerlos blieb, weil ein Defensive Liner #94 Da’Ron Payne eine Interceptions warf und wenige Plays später einen Touchdown fing.

Ich war nie ein Fan der These, dass die beiden Alabama-vs-Clemson Spiele schlechte Defense von Seiten der Alabama Crimson Tide boten. Sie waren vielmehr Testament für die Größe des QBs Deshaun Watson, dessen Performances durch die Sugar Bowl 2018 weiter an Wert gewinnen. Wie Watson im Vergleich zu Kelly diese Defense in ihre Einzelteile zerlegte, war immer schon speziell. Aber wenn du siehst, wie sich ein Quarterback Bryant – der keine schlechte Saison gespielt hat! – völlig hoffnungslos gegen die Bama-Defense aussieht, dann kriegt man in etwa einen Eindruck, wie einzigartig die Performances von Clemson in den letzten beiden Jahren waren.

Kurzum: Das Sugar-Bowl Alabama war jenes Alabama, das alle fürchten. Nun trifft es im Endspiel auf die Kopie. Nick Saban gegen seinen Lieblingsschüler.


Es entbehrt nicht einer gewissen Ironie, dass just in einem Jahr, in dem die SEC nicht mehr die Breite vergangener Jahre hatte und als beste Conference im Lande abgelöst wurde, gleich beide Endspiel-Teams aus dieser Conference kommen. Das spricht nicht per se für die SEC. Es spricht aber für Georgia und Alabama, die ihre Aufgaben auf unterschiedliche und letztlich doch so ähnliche Weise im Halbfinale gelöst haben.

Das Finale am Montag wird nun kein Clash der Kulturen. Es wird eher die Antwort auf die Frage, ob ein Team mehr Alabama sein kann als Alabama selbst.

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11 Kommentare zu “College Football Playoffs 2017/18 – Nachklapp zum Halbfinale

  1. Oklahomas absurde Lauf-Defense hat mich aufgeregt. Das war zum Teil nicht nur schlechtes Tackling wie du schon schriebst. Im dritten Viertel hatte Georgia ein 3&7 in der gegnerischen 42 und die Sooners Defense stellt soviele DB`s auf, dass es nur so geschrien hat: „Lauf doch!“ Daraus resultierte direkt ein Touchdown und ich finde, dass das Spiel aufgrund solcher Fehler oder dem squibe Kick einen verdienten Ausgang genommen hat.

  2. Schade, nun ist es das SEC Finale geworden das keiner sehen wollte.

    Bama ist für mich keine Überraschung, Clemson hat ohne Watson nicht die Offense Power um gegen Bama anzukämpfen, und ja ich teile die ungezügelte Liebe für Deshaun Watson auf diesem Blog.

    Der Rose Bowl war so ein Spiel für das man den Collegefootball so liebt. Die Run D von Oklahoma war natürlich absurd, aber OU ist nicht das erste Team das von Georgia vernascht wird und insgesamt war es trotz dieses Nachteils ein enges Spiel das OU gewinnen kann wenn die Offense in den letzten Drives einmal öfter durchkommt. Ein tolles Spiel, bin noch immer begeistert und hoffe nun auf ein ähnlich enges Endspiel. Bloß wird der CFP Final kein spielerischer Leckerbissen mit Style Kontrasten.

  3. also gut, dann halt kein CFB finale für mich. wer will schon das rotzlangweilige Alabama und die etwas langweiligere kopie davon sehen.
    Alabama ist für mich wie der FCB Ende der 90er. überlegene athleten und die völlige abwesenheit jeglicher finesse.

  4. Hätte auch lieber wenigtens ein non SEC Team im Finale gesehen, aber es hat auch was die zwei perfektesten Mannschaften zu sehen auf dem Gebiet auf dem sie sich bewegen.
    Dazu die Storylines Lehrer gegen Schüler, Georgia der ewige Underperformer und Bama auf Revenge Tour.

    Ich freue mich trotzdem auf den Montag 🙂

  5. @jogi: also ein „Derby“ ist Alabama gegen Georgia sicher nicht. Alabama hat in der East Division nur einen historischen Rivalen und der ist Tennessee. Florida hätte man in der Urban Meyer / Saban Zeit noch nennen können, aber zwischen den beiden Unis besteht keine historische Derbyatmosphäre.
    Ganz im Gegensatz zu Auburn und Georgia, der Deep Souths Oldest Rivalry.

  6. Naja ich meinte in erster Linie die Entfernungen der Unis. Geschichtlich wohl kein Derby, aber geografisch nur ein paar Stunden Auto fahrt entfernt.

  7. Ich denke ich verstehe, was mit fehlender Finesse gemeint ist, aber vom Sheriffs her sind Smart und Saban ganz oben… viel taktischer kann es nicht werden. Klar ist es nicht so sexy, wie eine flott durchgeführte air raid (die aber in vielerlei Hinsicht recht simpel ist) aber auch run plays erfordern viel Feinheit.

  8. Pingback: College Football Championship Game 2017/18 Preview: Alabama Crimson Tide – Georgia Bulldogs | Sideline Reporter - Eier, wir brauchen Eier!

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  10. Pingback: Clemson Tigers 2018 Preview: Defensive Line Porno | Sideline Reporter - Eier, wir brauchen Eier!

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