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NFL Power Ranking 2017 – Woche 17

Power Ranking zum Abschluss der Regular Season 2017.

Nur noch wenig Bewegung im Ranking in dieser Woche, obwohl viele Mannschaften nur ihren zweiten Anzug spielen ließen und somit ihr letztes Spiel mehr oder weniger abschenkten. Die Top-4 der Saison bleiben auch nach Woche 17 unverändert:

  1. Saints (11-5, 0.732). New Orleans schließt das Jahr mit der effizientesten Passing-Offense ab: 7.5 NY/A für Drew Brees und Co., assistiert von einem Laufspiel um die RBs Ingram/Kamara, das 44% Erfolgsquote hatte und somit nur einen Haarspalt hinter New England abschloss. Star der Saints-Saison ist aber trotzdem die Defense, die auf Platz 11 abschließt: Eine Passverteidigung, die nur 6.0 NY/A aufgab und damit um Welten besser war als alles, was die Saints in den letzten vier Jahren hatten.
  2. Patriots (13-3, 0.731). Nur einen tausendstel Punkt hinter New Orleans beendet New England die Saison auf #2. Die Offense-Stats sind fast identisch mit jenen der Saints. In der Defense verbesserte sich New England nach horrendem Saisonstart letztlich auf Platz 20 – allerdings spielten die Patriots nicht gegen viele gute Gegner. Die Patriots haben die besten Special-Teams der Liga nach den Metriken des Power-Rankings, aber ihr Schedule zieht sie im Vergleich zu den Saints wieder etwas runter: New Orleans hatte den 9t-schwersten. New England nur den 26t-schwersten.
  3. Vikings (13-3, 0.727). Nur fünf tausendstel Punkte hinter den Saints auf Platz 3: Der heimliche Superbowl-Favorit Minnesota. Die Vikings schließen mit der #8 Offense und #1 Defense ab. Sie stellen die kompletteste Defense, aber in der Offense hat man mit dem #27 Laufspiel einen vermeintlichen Schwachpunkt. Wie wird das aussehen, wenn man auf einen massierten Gegner trifft und allein auf die Künste von QB Keenum angewiesen ist?
  4. Eagles (13-3, 0.698). Die Eagles schließen mit der #2 Defense ab – und ohne den Stamm-QB Wentz wird man in den Playoffs auch mit Heimvorteil sehr stark von der Verteidigung leben müssen. In der Offense ist Philly noch immer auf #10 klassiert – u.a. dank 6.3 NY/A im Passspiel. Das ist diese Saison noch immer leicht überdurchschnittlich – aber darunter ist fast die ganze Saison Wentz inkludiert. Backup-QB Foles sah in den letzten Wochen nicht vielversprechend aus.

Insgesamt sind nach den Metriken des Power Rankings 10 der besten 12 Mannschaften für die Playoffs qualifiziert; die Ausnahmen sind die Chargers (#5) und Seahawks (#11).

Acht der besten zehn Offenses stehen in den Playoffs. Die Ausnahmen sind Chargers (#6) und Cowboys (#9).

Dagegen sind nur vier der besten zehn Defenses für die Post Season qualifiziert. Denver (#3), Arizona (#6), Baltimore (#7), Seattle (#8), Washington (Überraschung: #9) und erneut die Chargers (#10) sind nicht im Playoff dabei.

Sechs der sieben besten NFC-Mannschaften stehen im Playoff. Ausnahme ist Seattle auf #11.

In der AFC hingegen haben sich mit Tennessee (#20 in der NFL, #7 der AFC) und Buffalo (#27 in der NFL, #11 der AFC) zwei Mannschaften für die Playoffs qualifiziert, die nach den Metriken des Power-Rankings dort eigentlich gar nicht hingehören. Dafür bleiben die deutlich kompletteren Chargers und Ravens draußen.

Letztlich war der spektakuläre Touchdown von QB Andy Dalton für WR Boyd bei 4th&12 in der letzten Minute in Baltimore neben dem Drops von Steelers-TE James gegen New England der wichtigste Spielzug des Jahres, wenn wir über das AFC-Playoffrennen sprechend. Er war mit 87% WPA-Swing der Spielzug mit dem meisten Einfluss auf den Ausgang einer Partie. Aber nicht nur das – denn er…

  1. …eliminierte die Ravens aus den Playoffs.
  2. …brachte die Bills in die Playoffs.
  3. …rettete Marvin Lewis den Job
  4. …sorgte so nebenher für ein gutes Werk.

Solche Kleinigkeiten entschieden über den Ausgang im Playoffrennen. In der NFC war es vielleicht das Freak-Play von Golden Tate, das die Lions (9-7) im direkten Duell mit den Atlanta Falcons (10-6) die Playoffs kostete. Zwei Zentimeter weiter vorne landen – Touchdown, Sieg und vielleicht Playoffs und dann rettest du den Job von Headcoach Jim Caldwell und stürzt die Falcons ins Tal der Tränen.

Aber Sport ist nicht fair. Football ist nicht fair. Wäre es fair, würde immer der Beste gewinnen – und das wäre nicht spannend. So schade es aus sportlicher Sicht ist, dass mit Tennessee und Buffalo zwei mutmaßlich chancenlose Mannschaften im AFC-Playoffrennen eingreifen, so sehr sind Titans und Bills Beweis dafür, dass du in der NFL auch durch die Kombination aus einfachem Schedule (Bills: #20, Titans: #31), vielen Siegen in knappen Spielen (Bills: 5, Titans: 6) und etwas Glück (Dalton-TD bei 4th&2, schwache AFC-Konkurrenz) die Qualifikation für das beste Ausscheidungsturnier der Welt (nach der Fußball-WM) schaffen kannst.

Wer ist der Schlechteste im ganzen Land?

Gar nix springen tun die Cleveland Browns, die es nun tatsächlich zustande gebracht haben, dem 0-16 Club beizutreten. Bisher einziges Mitglied waren die Detroit Lions von 2008. Im Quervergleich sind Browns 2017 und Lions 2008 aber zwei Welten:

Statistik           DET 2008   CLE 2017
NY/A Pass Offense   5.3        5.2
NY/A Pass Defense   7.9        6.7
Punktverhältnis     268-517    234-410
Pythagorean         2.5        3.3
Close Game          0-3        0-6
Power Ranking       0.120      0.258

Die Lions hatten ein Pass-Differenzial von -2.6 NY/A. Cleveland hat -1.5 NY/A, was sogar in dieser Saison von Colts und Packers unterboten wird. Detroit hatte ein Punktverhältnis von -249 Punkten, während die Browns diese Saison „nur“ bei -176 Punkten liegen. Cleveland hat diese Saison sechs knappe Spiele verloren, davon zwei erst in der Overtime; die Lions konnten 2008 nur drei Spiele knapp halten.

Im Power-Ranking schloss Detroit 2008 mit einem schier undenkbaren Wert von nur 12% Siegchance auf neutralem Feld gegen einen durchschnittlichen Gegner ab. Von Cleveland 2017 hätte man immerhin in 25.8% der Fälle einen Sieg erwartet – ein Wert, der sogar in dieser Saison von einer Mannschaft noch unterboten wurde (Indianapolis).

Cleveland ist damit zwar historisch schlecht nach Sieg/Niederlagen Bilanz, aber in den meisten Statistiken abseits davon ist das Team nur „grottenschlecht“. Als Beispiel: Die Browns hatten letztes Jahr und dieses Jahr jeweils einen Pythagorean von 3.3 Siegen. Sie hätten gemessen an diesem Maßstab also 6.6 Siege in den beiden Jahren einfahren müssen. Sie fuhren aber nur exakt einen einzigen ein. Trotzdem durfte der 1-31 Coach Hue Jackson bleiben, weil er sich früh genug auf Owners Schoß über die bösen Mathleten ausgeweint hatte.

Die Pass-Statistiken der Browns sind verheerend, aber im Laufspiel war man #10 der Offense und gar #4 in der Defense. Es ist also Qualität vorhanden. Richtig desaströs war allerdings die Turnover-Bilanz: Wie schon 2016 eroberte die Browns-Defense nur 13 Turnovers. Aber die eigene Offense gab in diesem Jahr sensationelle 41 Bälle her. Einundvierzig! Das ist schlechter als letztes Jahr (damals waren es 25) und sorgt für eine Turnover-Ratio von -28.

Zuletzt waren die San Diego Chargers der Saison 2000 so schlecht bei Turnovers. Und in der gesamten US-Profifootballhistorie wurde dieser Wert nur von zwei Mannschaften unterboten: Den Pittsburgh Steelers 1965 und den Chicago Rockets von 1948. Letztere spielten übrigens nie in der NFL, sondern nur in der AAFC – jener Liga, der die Cleveland Browns entschlüpften – jene Browns, die die AAFC so brutal an die Wand spielten, dass die Liga 1949 in Konkurs ging. Es ist also lange her!

Lohn der Mühen für das geglückte Tanking der Browns: Draftmunition in einer Konzentration, wie es die NFL zuletzt Anfang der 1990er in Dallas gesehen hat:

Power Ranking

NFL Power Ranking 2017 - Week 17

NFL Power Ranking 2017 – Week 17

Und so liest sich das ganze: Die erste Sektion (WP | E16) beschreibt die Stärke der jeweiligen Mannschaft. WP entspricht der Siegchance der jeweiligen Franchise gegen eine standardisierte, durchschnittliche NFL-Franchise, E16 ist WP hochgerechnet auf 16 Spiele (WP*16 = E16). Die zweite Sektion (SOS | Rs) beschreibt die Stärke des Schedules und die Platzierung des Schedules. OFF ist die Platzierung der Offense, DEF die Platzierung der Defense. LW ist die Platzierung der entsprechenden Mannschaften in der letzten Woche. Bereits für die Playoffs qualifizierte Teams sind fettgedruckt.

Nachfolgend noch die weiteren Effizienz-Tabellen. Eine detailliertere Einführung „wie lese ich diese ganzen Tabellen“ hab ich schon letztes Jahr gegeben.

 

Divisionen und Conferences

Krass ist die Verteilung der Stärken zwischen AFC und NFC in dieser Saison: NFC-Teams sind im Durchschnitt fast 10% besser als AFC-Teams! Die letzten sechs Plätze im Ranking werden von AFC-Mannschaften belegt. Die AFC East und AFC South waren lächerlich schwache Divisionen – und es grenzt an blanken Hohn, dass just diese beiden Staffeln je zwei Mannschaften in die Playoffs bringen konnten.

Extrem stark dagegen die NFC South, die gleich drei Playoffteams stellt: New Orleans ist im Ranking die #1, Atlanta die #6, Carolina die #12 und selbst das so vermaledeite Tampa Bay ist im Ranking dank der Stärke des Schedules noch auf #17 rausgelaufen. Tampa mag eine enttäuschende 5-11 Bilanz eingefahren haben. Aber die Advanced-Stats dahinter sehen ein besseres Team, wie auch der 3-7 Record in engen Spielen. Die Buccs müssen allerdings ihre absurde Pass-Defense in den Griff bekommen, wollen sie nächstes Jahr angreifen.

Wahrscheinlichkeiten für das Wildcard Wochenende

Woche 17 mag das Ranking nicht mehr komplett durcheinandergewürfelt haben, aber wie so oft erwies sich der letzte Spieltag nicht als günstig für die Tipp-Bilanz des Power-Rankings: Nur eine 7-9 Bilanz. Damit fällt die Saisonbilanz auf 106-44 oder 70.7%.

Gegen den Spread war es noch verheerender: 5-10-1 Bilanz am letzten Spieltag. Damit beenden wir die Regular Season mit 86-58-6 Bilanz gegen den Las-Vegas Spread. Macht 59.3% Korrektheit gegen den Spread über die Saison – genug um Geld zu gewinnen, aber nur noch knapp genug. Aber nur so mal als Beispiel: In Vegas waren letzte Woche die Cowboys in Philly und die 49ers gegen die Rams favorisiert – da kommst du mit den Methoden dieses Rankings nicht an. Denn: Dieses pfeift bekanntlich auf Verletzungen oder Benching von Startern.

Die Wahrscheinlichkeiten für das Wildcard-Wochenende sind in der folgenden Grafik gelistet. Als knappstes Spiel wird das Nachtspiel Rams vs Falcons erwartet. Atlanta schloss das Power-Ranking vor Los Angeles ab, aber der Heimvorteil reicht den Rams für die knappe Favoritenstellung.

Übrigens bewegte mich das finale Defense-Ranking von Atlanta tatsächlich noch einmal kurz, das Ranking ob eines Bugs zu untersuchen. Aber nada. Die Falcons schließen tatsächlich auf #16 in der Defense ab. Schon letztes Jahr war die Hochform der Defense gegen Saisonende der wesentliche Faktor für den fulminanten Superbowl-Run der Falcons – Unterschied zu heuer ist allerdings, das für Atlanta 2016/17 der Weg über den heimischen Dome führte, während man heuer als #6 nicht mehr zuhause wird antreten können.

Wahrscheinlichkeiten 2017 - Wildcard Weekend

6 Kommentare zu “NFL Power Ranking 2017 – Woche 17

  1. Und wieder zeigt sich das man mit Statistiken viel zeigen kann, aber im Endeffekt ist die einzig relevante Statistik die W-L.

  2. Ein überflüssiger Kommentar.
    Alles was diese ganzen Auswertungen machen ist uns zu helfen das Spiel besser zu verstehen, ich habe nie eine Argumentation gehört, dass sich die Playoffs nach WP zusammenstellen sollen, im Gegenteil.
    Und viel Spaß damit, die Spiele nach W-L Record zu tippen.

  3. ich tippe immer nach dem Bauchgefühl, zum Beispiel werde ich auf die bills setzen weil der QB der Jaguars bortles schlechter ist als bills QB Taylors.

  4. Wäre es möglich den Saisonverlauf der Punktwolke in einer Grafik zu visualisieren oder wird das ganze dann zu unübersichtlich? Ich fänd es interessant zu sehen wie sich die Bewertung der Teams entwickelt, die Auswirkungen von zB Verletzungen dürften so sehr gut sichtbar werden

  5. @cashman: ist schon gemacht, zumindest für die Playoffteams und kommt morgen als erste Playoff-Preview: 1) Power-Ranking Overall, 2) Offense, 3) Defense.
    was man dort sehen wird: Kelvin-Benjamin Trade.

  6. Pingback: Divisional Playoffs live: New England Patriots – Tennessee Titans | Sideline Reporter - Eier, wir brauchen Eier!

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