NFL Power Ranking 2017/18 – Wildcard Weekend

Power Ranking nach dem Wildcard-Wochenende.

Wenn wir so wollen, sind die Atlanta Falcons die großen Gewinner des Wildcard-Wochenendes: Nicht nur gewannen sie das Auswärtsspiel bei den Los Angeles Rams; sie „dürfen“ als nächstes am Wochenende auswärts bei den Philadelphia Eagles antreten, die ein großes QB-Fragezeichen durchschleifen.

Die Falcons laufen zumindest nach den Metriken dieses Power-Rankings gerade im rechten Moment zur Hochform auf, haben nun schon die 9t-platzierte Defense im Lande, nachdem diese Defense wochenlang am Liga-Bodensatz klassiert war. Ich schrieb schon letzte Woche über die Falcons-Defense. Damals war sie auf #15. Der eindruc ksvolle Auswärtssieg bei den Rams brachte noch einmal zusätzliche Verbesserung.

Atlanta springt damit im Power-Ranking hoch auf #4 und springt auch vor die Eagles, die auf #5 abfallen. Aber die Eagles-Statistiken sind noch durch Carson Wentz gepusht. Unter Wentz hat die Eagles-Offense in der laufenden Saison 6.7 NY/A zustande gebracht, ein guter, aber nicht herausragender Wert.

Backup Foles? Hat in seinen bisherigen Spielen mit 4.6 NY/A eher Tebow-Level gebracht, und das gegen die suspekten Verteidigungen von Raiders, Giants und Cowboys. Setzen wir für die Eagles die Foles-Effizienz ein, fallen die Eagles im Power-Ranking auf Platz #15 ab und wären mit .500 nur noch ein gerade so mittelmäßiges Team mit der #25 Offense.

In diesem Fall wären die Eagles nach den Metriken des Power-Rankings zuhause ein 5-pts Underdog. Las Vegas hatte die Eagles in der Opening-Line als 2.5-pts Underdog, was bedeutet, dass Las Vegas in Nick Foles einen Quarterback sieht, der 5.1 NY/A an den Mann bringt. Das wäre noch immer der zweitschlechteste Pass-Wert der NFL-Saison (vor Indianapolis).

Die Wettbüros sehen in Foles also wirklich ein ernsthaftes Problem – für Atlanta ist es ein Glücksfall. Sie haben nun eine ernsthafte Chance, als #6 Seed der NFC das Halbfinale zu erreichen.

Offensivspieler des Jahres

Vor einem Monat schrieb ich über Tom Brady, er sei MVP-Kandidat #1, und damit auch Favorit auf den Offensivspieler des Jahres. Lass uns heute mal kurz Teufels Advokat spielen und auf die Runningbacks und Wide Receiver schauen.

Ich habe hier mal die Runningbacks der NFL und ihren prozentuellen Anteil an den Team-Yards und Team-Touchdowns angedruckt. Auf der x-Achse sehen wir den %-Anteil an Total-Team Yards, auf der y-Achse den Anteil an Total-Team TD. Wohlgemerkt: Wir reden von Total-Yards und TD. Nicht bloß von Rushing-Yards und TD. Die Komponente „Bälle fangen“ ist inkludiert.

Todd Gurley steigt in dieser Grafik exzellent aus, obwohl er in Woche 17 komplett ausgesetzt hat. Er hat 36% der Rams-Yardage und 42% der Rams-TD erzielt und führt damit weit vor allen anderen Runningbacks. Das wäre ein Grund, in Gurley einen statistischen Offensivspieler des Jahres zu sehen, auch wenn ich persönlich im Playcalling einen LeVeon Bell in Pittsburgh für wertvoller halte.

Gurley ist der Mann, der für die Rams Explosivität ins Spiel bringt und die Offense auf ein höheres Level hievt. Aber Bell ist der Mann, der die Offense in Pittsburgh in weiten Teilen diktiert.

Runningbacks.png

Oder ist Steelers-WR Antonio Brown der Star der Show bei den Steelers? Lass uns mal das gleiche Spiel mit den Receivern machen und uns anschauen, welchen Anteil sie an den Receiving-Yards ihrer Mannschaften haben.

Wide Receivers.png

Zuallererst sehen wir einen längst vergessenen, heimlichen König: Nuk Hopkins von den Texans, der am Erfolg den relativ höchsten Anteil hat und 46% der TD sowie 42% der Yards der Texans-Pass Offense erzielt.

Brown steigt dagegen in dieser Statistik „nur“ exzellent, nicht herausstechend, aus. Brown hat aber auch nur 13 volle Spiele plus ein Viertel gegen New England gemacht. Wie viel herausragender wäre er, wenn wir nur diese 13 Wochen anschauen? Ergebnis: Nicht weltbewegend herausragender. Und nicht vergessen: Auch Hopkins hat ein Spiel seiner Texans verpasst.

Brady hat viel von seinem scheinbar klaren Vorteil Anfang Dezember verloren. Er ist nach ANY/A nur noch die #5 der Liga:

  1. Goff (7.72 ANY/A)
  2. Brees (7.71)
  3. Alex Smith (7.65)
  4. Rivers (7.60)
  5. Brady (7.56)

Er hat die meisten Yards (4544), aber auch die meisten Pass-Versuche (581) der Liga. Nach NY/A ist er mit 7.1 NY/A die #5. Er hat die drittmeisten Touchdowns mit 32 geworfen und seine INT-Quote von 1.4% ist die drittbeste der Liga hinter den notorischen Verweigerern Alex Smith und Tyrod Taylor. Seine Statistiken sind durch die Bank eine Nummer schwächer als letztes Jahr.

Aber auch der Habenseite: Brady hat sich 2017 mal wieder neu erfunden. Die Pass-Offense der Patriots ist nun deutlich zentrierter auf ihn zugeschnitten. Das charakteristische Mitteldistanz-Spiel ist ohne WR Julian Edelman (seit Preseason auf IR) quasi verschwunden, wohingegen Brady so oft tief geht wie lange nicht. Dafür kassiert Brady mehr Hits und Sacks. Aber im Prinzip hat Brady mehr Einfluss auf das Play-Calling und das Design seiner Offense als ein Todd Gurley.

Gurley ist unter seinen Positionskollegen aber herausstechender. Ist das ausreichend um die relative Irrelevanz der Runningback-Position gutzumachen? Oder ist Brady als insgesamt bester Quarterback des Jahres ein veritabler Kandidat auf den Titel des Offensivspieler des Jahres?

Sie entscheiden.

Damit zum Power-Ranking.

NFL Power Ranking 2017 - Wildcard.png

Und so liest sich das ganze: Die erste Sektion (WP | E16) beschreibt die Stärke der jeweiligen Mannschaft. WP entspricht der Siegchance der jeweiligen Franchise gegen eine standardisierte, durchschnittliche NFL-Franchise, E16 ist WP hochgerechnet auf 16 Spiele (WP*16 = E16). Die zweite Sektion (SOS | Rs) beschreibt die Stärke des Schedules und die Platzierung des Schedules. OFF ist die Platzierung der Offense, DEF die Platzierung der Defense. LW ist die Platzierung der entsprechenden Mannschaften in der letzten Woche. Noch in den Playoffs aktive Teams sind fettgedruckt.

Nachfolgend noch die weiteren Effizienz-Tabellen. Eine detailliertere Einführung „wie lese ich diese ganzen Tabellen“ hab ich letztes Jahr gegeben.

Wahrscheinlichkeiten Divisional-Playoffs

Letzte Woche 2-2 bei Siegertipps und Spread. Für diese Woche sieht das Power-Ranking folgende Wahrscheinlichkeiten – und ja, die Eagles werden natürlich „voll“ gerechnet, nicht wie eingangs diskutiert nur mit Nick-Foles Statistiken. Und mit „vollen“ Statistiken reicht der Heimvorteil für Philadelphia, in der Partie gegen Atlanta als Favorit nach Metriken des Power-Rankings angesehen zu werden.

Wahrscheinlichkeiten - Divisionals.PNG

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9 Kommentare zu “NFL Power Ranking 2017/18 – Wildcard Weekend

  1. Wie kommt es, dass Minnesota trotz #1 Defense und #8 Offense hinter NE und auch New Orleans liegt?
    Ist da das Playoffspiel der Saints so ausschlaggebend?

  2. Nope, die Defenses liegen enger beisammen als Offenses, die breiter streuen. ist der Unterschied zwischen einer Top-Defense und einer durchschnittlichen Defense geringer als bei den Offenses.

    Hier die detaillierte Aufstellung:

    Ich messe Offenses und Defense wie den gesamten Power-Ranking Wert in WP = Win Probability. Den Wert muss man so lesen: 0.72 WP Offense ist die Siegchance einer Offense mit exakt durchschnittlicher Defense gegen einen exakt durchschnittlichen Gegner auf neutralem Feld, also 72%.

    Die Offenses liegen zwischen 0.72 WP (Saints / Patriots) und 0.29 WP (Browns), die Defenses nur zwischen 0.64 WP (Vikings) und 0.28 (Colts) – wobei die Colts ein extrem krasser negativer Ausreißer sind, die #31 Buccs liegt bei 0.40 WP.

    Patriots haben 0.10 WP Vorsprung in der Offense auf Minnesota, aber „nur“ 7 Plätze.
    Vikings haben 21 Plätze Vorsprung in der Defense, aber „nur“ 0.17 WP.

    New England gleicht mit Special Teams und Penaltys den Rückstand aus und liegt im Gesamt-Ranking hauchdünn vor Minnesota.

  3. Ich freu mich auf die divisional games, deine Wahrscheinlichkeiten zeigen ja schon, wie spannend es in 2-3 Spielen werden kann.

    Berücksichtigst du eigentlich in deinen Siegertipps einen Heimvorteil? (oder Auswärtsnachteil, bei den London games wäre es vermutlich ein Nachteil für beide und somit ausgeglichen)
    Wenn ja, wie rechnest du den ein?

  4. Heimvorteil ist ein eigener Parameter in der Berechnung der Sieg-Wahrscheinlichkeiten. Er macht ca. 2.3 Punkte aus, bei zwei gleich starken Teams entspricht das etwa 6-7% Vorteil für das Heim-Team. Daher haben Vikings und Eagles Favoritenstatus, obwohl sie im neutralen Power-Ranking jeweils hinter ihren Gegner klassiert sind.

    Je größer der Unterschied zwischen beiden Mannschaften schon im neutralen Power-Ranking ist, desto geringer wird natürlich auch der Einfluss des Heimvorteils, z.B. bei einem 95%-Favoritenstatus *kann* es gar keine 7% mehr ausmachen.

    London-Spiele und Mexico-Spiele werden ohne den Faktor Heimvorteil gerechnet, als „neutrales Feld“.

  5. Vielen Dank für deine Antwort. Wie kamst du denn auf den Wert dieses Parameters? Hast du dir das woanders abgeschaut oder getestet bei welchem Wert, die Tippergebnisse am besten passen? Ich kann mir vorstellen, dass es schwierig ist, sich da festzulegen. Zumal du ja bereits beschrieben hast, dass dieser Wert flexibel sein soll.

  6. Der Wert ist Resultat aus der multivariaten, logistischen Regression, auf Basis der die Koeffizienten für das Power-Ranking gerechnet wurden.

    Er macht umgerechnet ca. 2.3 Punkte aus – das ähnelt den 2.5 bis 3 Punkten, die die Wettbüros für den Heimvorteil vergeben – und man kann auch empirisch nachprüfen, dass Heimteams über die letzten 10-15 Jahre tatsächlich ca. 2.3 bis 2.5 Punkte pro Spiel mehr macht (siehe hier Link von Football Perspective) und 56.6% der Spiele gewinnt (145 von 256 im Schnitt).

    Hier führen also mehrere Wege zu einem ähnlichen Ergebnis.
    Heimvorteil ist ein real existierendes Phänomen, für das es keine wissenschaftlich fundierte Erklärung gibt.

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