Divisional Playoffs Preview 2017/18 – Der Sonntag

Heute Teil zwei der Divisional-Playoffs 2017/18 mit den Spielen in Pittsburgh und Minnesota. Eine spoilerfreie Vorschau.

Pittsburgh Steelers – Jacksonville Jaguars

19h05 – live im NFL Gamepass, DAZN, ProSieben Maxx und ran.de

Vielleicht bin ich der einzige, aber ein Duell Pittsburgh Steelers gegen Jacksonville Jaguars wird mich immer nostalgisch werden lassen. Nicht nur war dieses Aufeinandertreffen in meinen ersten Jahren in der NFL Mitte der 2000er stets ein Festival der knackigen Hits, sondern vor allem bot es im Jänner 2008 eines der spektakulärsten Footballspiele, die ich bis dahin gesehen hatte: Den 31-29 Sieg der Jaguars im Heinz Field, angetrieben durch einen fantastischen QB-Scrambler David Garrard, dem neben Tony Romo größten Spaß-QB seiner Zeit.

Heute sind die Vorzeichen nicht mehr die gleichen wie damals. Heute ist Pittsburgh (13-3 Siege, Gewinner der AFC North) gegen Jacksonville (12-5, Gewinner der AFC South) ein Duell einer exzellenten Steelers-Offense gegen eine monströse Jaguars-Defense. Heute verspricht es kein optischer Leckerbissen für den Gelegenheitszuschauer zu werden, sondern eine zähe, grind it out Partie, in der die heimischen Steelers versuchen werden, Jacksonvilles Monster-Defense zu knacken, während die Jaguars auf Fehlerminimierung und gelegentliche Big Plays aus sein werden.

Der Star in dieser Partie ist Jacksonvilles epische Pass-Defense, die über die Saison nur 4.6 NY/A zuließ und letzte Woche die zugegebenermaßen labile Bills-Offense in Grund und Boden spielte. Die Jaguars sind der beste Beweis dafür, dass man auch in der NFL manchmal vor allem das braucht, was dir im College Football die Meisterschaften bringt: Überlegenes spielerisches Talent. Sie spielen kein besonders gefinkeltes System, aber sie haben die höchsten Draftpicks und die teuersten Transfereinkäufe.

Das führte schon im „Hinspiel“ zwischen den beiden Mannschaften in der Regular Season dazu, dass Jacksonville in Pittsburgh einen 30-9 Sieg inklusive gleich 5 Interceptions (!) gegen QB Ben Roethlisberger und zwei Pick-Sixes einfuhr, der heute als „Coming Out“ dieser Defense angesehen wird – zum ersten Mal so richtig gegen einen bekannten Gegner in Erscheinung getreten.

Was von jener Partie hängen blieb, war die furchtlose Herangehensweise von DefCoord Todd Wash, der trotz eines gegnerischen Superstar-Wide Receivers wie #84 Antonio Brown schier nichts an seiner Cover-3 Defense in 1st und 2nd Down änderte, und in 3rd Downs noch weiter ging, Quarters Coverage spielte – eigentlich eine verhasste Form der Prevent-Defense, aber Wash hat in CB #20 Jalen Ramsey und CB #21 A.J. Bouye zwei Weltklasse-Deckungsspieler, die als einige der wenigen imstande sind, eine Zone mit Brown ohne Safety-Hilfe zu decken.

Viel wird sich heute am Approach nicht ändern. Man geht davon aus, dass die Jaguars hie und da verstärkt Cover-1 Manndeckung implementieren werden, um problemloser Safetys auf den fangstarken Steelers-RB #26 LeVeon Bell abstellen zu können. Aber im Prinzip wird Jacksonvilles Defense das machen, was sie immer tut: Mit ihren wieselflinken Athleten die Zonen dichtmachen und somit „vorne“ dem Pass Rush Zeit zu geben, Dampf gen QB Roethlisberger zu machen.

Wie wird Pittsburghs OffCoord Todd Haley reagieren?

  1. Wird er seinen Runningback Bell wie so häufig in dieser Saison in Grund und Boden laufen und hoffen, dass Jacksonvilles nicht immer sattelfeste Rushing-Defense auch heute Risse zeigt?
  2. Oder wird er Passspiel und seine geliebten tiefen Bomben einstreuen – Bomben, die Yards und Chancen auf schnelle Punkte bringen, aber bei Misslingen kritische lange 3rd Downs bedeuten?

Vorteil von Variante 1: Er geht wenig Risiko ein, kann Jacksonville im schlimmsten Fall mit Punts hinten reinnageln und Jaguars-QB Blake Bortles zum Antreibern langer Drives zwingen. Vorteil von Variante 2: Schnelle Punkte und schnelle Führung sind gegen die wandelnde Turnover-Maschine Blake Bortles die halbe Miete für einen potenziell einfachen Sieg.

Denn die Steelers wissen wie jeder andere: Jacksonville ist nur dann in „Comfort Zone“, wenn es in der Offense laufen kann und Passspiel höchstens als Zeitvertreib zwischendurch einstreut. Die Jaguars laufen noch nichtmal beständig gut. Die Offense Line ist nur Durchschnitt und weil es zusätzliche Blocker braucht, stellt Headcoach Doug Marrone fast immer 12, 21 oder gar 22 Personell (erste Ziffer = Anzahl der Running Back, zweite Ziffer = Anzahl an Tight Ends) aufs Feld, so viele schwere Spieler wie möglich, um Rookie-RB #27 Leonard Fournette so freie Bahnen wie möglich zu schaffen.

Ein Grabenkampf also. Im Oktober lief Fournette satte 27x für maue 91 Yards, ehe er im Schlussviertel mit einem 90-yds TD die Partie entschied. Auch heute gilt es als unwahrscheinlich, dass Marrone vom Laufspiel abgeht, sofern der Spielstand knapp bleibt oder man eine Führung hält.

Doch liegen die Jaguars erst einmal zurück, pressiert irgendwann die Notwendigkeit, verstärkt den Weg via Luft zu suchen. Und dort haben die Jaguars immense Schwächen. QB Bortles mag ein guter Scrambler sein, aber seine Pässe sind accident waiting to happen. Bortles in einer nicht gegen Jacksonville entschiedenen Partie ernsthaft 30x werfen zu lassen gilt als Selbstmordkommando – und sich selbst abzuschießen, daran kann Debütant Marrone nach einer überraschend starken Saison noch kein Interesse haben.


Umso wesentlicher wird der oben angerissene Gameplan, mit dem Mike Tomlin in diese Partie geht – noch einmal: Wollen wir schnelle Punkte im Risiko, dass wir schnell punten oder einen Turnover aufgeben? Oder wollen wir einen Grabenkampf, in dem sich über 60 Minuten unsere insgesamt bessere Offense am Ende durchsetzt?

Entscheidet sich Tomlin für den Grabenkampf, wird die D-Line der Steelers mit #97 Cameron Hayward, #91 Stephon Tuitt und #79 Javon Hargreave zum essenziellen Rückgrat, da sie nach LB Shaziers Verletzung als letzter Tackle-Mohikaner in der Steeler-Front Seven verweilen.

Sucht Tomlin eine schnelle Führung, wird Browns Fitnesszustand ein Faktor, wird der Rookie-WR #19 Ju-Ju Smith Schuster ein Faktor, wird WR #10 Martavius Bryant auf tiefen Routen ein Player, wird TE McDonald ein Faktor. Dann werden die Steelers die Defense mit verschiedenen Konzepten angreifen müssen – WR Screens, Kurzpässe zum Runningback, Crossing Routen über die Zonen. Jacksonville wird sich nicht aufoktroyieren lassen, was zu tun ist. Diese Defense wird immer ihren Stiefel spielen. Also wird Roethlisbergers Arm die Partie entscheiden.


Es ist also Stärke gegen Stärke. Ein faszinierendes Duell. Ein möglicher kritischer Punkt ist die lange Pause der Pittsburgh-Triplets seit dem letzten Spiel: Ben und Bell wurden in Woche 16 zuletzt gesehen, Brown hat mit seiner Verletzung sogar fast fünf Wochen nicht mehr ernsthaft gespielt und wird heute alles andere als in 100%-iger Verfassung auflaufen. Sind die Superstars eingerostet? Oder haben sie in der Zwischenzeit schon einmal an der Revanche getüftelt?

Der Spread in den Wettbüros spricht mit 7.5 Punkten Favoritenstellung für Pittsburgh eine eindeutige Sprache – und spricht nicht für viel Vertrauen in Bortles’sche Wurfkünste. Ist das die Motivationsspritze, die Jacksonville – allen voran der personifizierte Favoritenkiller, Sportdirektor Tom Coughlin – braucht? Im Hinspiel auswärts mit 21 Punkten gewonnen, die beste Pass-Defense seit Äonen und nun schon wieder von niemandem ernst genommen?

Ich sehe es so: Es wäre nicht ohne Beispiel, dass eine superbe Defense einen Gegner soweit zu sich herunterzieht, dass einige wenige Plays der Offense ausreichen um den Favoriten zu stürzen. Es ist auch heute möglich – ohne Frage. Aber insgesamt wäre es doch fahrlässig zu glauben, dass die Steelers erneut fünfmal den Ball herschenken und Bortles so wild über den Platz laufen lassen wie Buffalo und Fournette erneut einen 90-yds TD scort. Es wird das Spiel, in dem „Sacksonville“ nach Monaten gegen Kizer, Mariota, Brissett und Savage seinen Meister findet.

Minnesota Vikings – New Orleans Saints

22h40 – live im NFL Gamepass, DAZN, ProSieben, ran.de und PULS 4

Auch das andere Spiel von heute gab es bereits in der Regular Season zu sehen: Die Minnesota Vikings (13-3) von Headcoach Mike Zimmer und New Orleans Saints (12-5) von Head Coach Sean Payton trafen in Woche 1 aufeinander – doch anders als bei Jacksonville und Pittsburgh fühlt sich dieses Hinspiel an als ob es in einer anderen Epoche stattgefunden hätte. Zu viel ist seither passiert, als dass man noch ernsthaft Schlüsse aus jener Partie ziehen möchte, die Minnesota locker 29-19 gewann.

Minnesotas Starting-QB hieß damals Sam Bradford. Der Runningback war Dalvin Cook. Beide haben den September nicht überlebt und das Zepter an QB #7 Case Keenum sowie das RB-Duo #25 Latavius Murray und #21 Jerrod McKinney übergeben.

New Orleans zeigte schon in Woche 1 Ansätze seiner balancierten Offense, aber die so gehypte Defense fand erst im Oktober zu ihrem Groove. Namen wie Lattimore oder Crawley kannte im September noch keine Sau.

Trotzdem ist Saints vs Vikings nun in den Playoffs vielleicht das Matchup des Jahres: Die Saints-Offense, #2 der Liga, gegen die Vikings-Defense, #1 der Liga trotz weniger großer Namen. Und umgekehrt die nicht zu unterschätzende, sehr effiziente Vikings-Offense, #8 der Liga, gegen die Überraschung der Saison – die Saints-Defense, #12 der Liga. Zimmer vs Payton. Interessante Systeme, interessante Spieler, interessante Coaches.

Wenn QB #9 Drew Brees (der morgen 39 wird!) mit seiner Armada auf die Vikings-Defense stößt, erlebt der Football die Kulmination des 2017 Machbaren. Viel wurde diese Saison über die Balance geschrieben, das Laufspiel der Saints, das Brees angeblich entlastete – doch letzte Woche ging Laufspiel den Bach runter. Brees war wieder gefragt, und er lieferte ein epochales Spiel gegen die Carolina Panthers.

Brees brilliert durch Timing. Kommt er einmal in Rhythmus, ist er schwer zu stoppen. Seine größte Stärke ist die Manipulation der Safetys mit seinen schnellen Augen – doch hier trifft Brees auf die absolute Stärke der Vikings-Defense, deren Safety-Pärchen #22 Harrison Smith und #34 Andrew Sendejo als ligaweit bestes gilt.

Smith und Sendejo sind so ähnliche Spielertypen, dass sie beide Free Safety gleich gut wie Stron Safety spielen können. Damit sind sie für Zimmer die Schlüsselspieler in der Defense, denn Zimmer baut um sie herum seine komplizierten, oft wechselnde Coverages auf. Sie zu knacken ist in dieser Saison nur wenigen gelungen – aber Brees ist kein dahergelaufener QB, sondern ein sicherer Hall of Famer. Brees wird sich nicht verarschen lassen durch die Deckungen – aber die Safetys werden auch nicht schwach werden, wenn Brees ihnen schöne Augen macht. Also viel Spaß mit dieser Auseinandersetzung.

So kommt es letztlich darauf an, ob New Orleans als Komplex seine Idee durchbringen wird. Ob der famose WR #13 Michael Thomas sich isoliert draußen als X-WR gegen denn All-Pro CB #29 Xavier Rhodes durchsetzen kann. Ob der downfield-WR #19 Ted Ginn dem jungen CB #23 Trae Waynes hie und da davonlaufen kann. Ob #16 Coleman gegen CB-Routinier Newman oder CB-Grünschnabel Alexander den einen oder anderen Catch macht.

Oder auch: Ob die zuletzt ineffizienten Runningbacks ausgerechnet gegen das flotte LB-Duo #55 Barr / #54 Kendricks zurück zu ihrer Form finden. RB #22 Ingram und RB #41 Kamara überrollten drei Viertel der Saison jeden Gegner, aber Ingram (letzte 3 Spiele: 2.9yds/Carry in 35 Versuchen) und speziell Kamara (über die Saison 7.7yds/Ballberührung, letzte 4 Spiele seit Gehirnerschütterung: nur noch 3.5) bauten danach stark ab.

Es wird ihre Vorstellungen brauchen, denn Minnesotas Defense ist so komplett, dass sie eine eventuell eindimensional auf Brees zugeschnittene Pass-Offense im Griff haben wird. Zumal es in der Offense Line Sorgen gibt: LG Peat wird durch Backup Kelemente ersetzt, LT #72 Armstead hat Verletzungsprobleme und wird gegen DE #97 Everson Griffen einen schweren Stand haben.


Wenn Saints-Offense gegen Vikings-Defense das beste Matchup der NFL ist, so ist Vikings-Offense gegen Saints-Defense der Zweikampf um den Titel Überraschung des Jahres. Wirklich niemand hätte geglaubt, dass die Formel Saints + Defense Katastrophe ergibt, und niemand hatte QB Case Keenum eine Saison mit 6.8 NY/A, 22 TD und nur 5 INT zugetraut.

Keenum war am College ein rekordträchtiger Air-Raid QB an der University of Houston, aber in der NFL mutierte er mangelns Ruhepuls und weil für zu klein befunden zum Wandervogel, der in Houston, St Louis und Los Angeles als ewiger third stringer abgestempelt wurde. Doch wie es scheint, brauchte Keenum nach Jahren im Würgegriff der Jeff-Fisher Offense nur endlich einen OffCoord, der ihm System und Vertrauen gibt.

Jener OffCoord ist Pat Shurmur, der selbst bereits als Gescheiterter galt, nachdem er in Cleveland als Chefcoach abgeschmiert war. Heute wissen wir: In Cleveland schmiert jeder ab. Und Shurmur machte sich in Minnesota als Nachfolger des weithin bekannten Norv Turner brillant.

Er baute Pre-Snap Motions ein, die Keenum beim Lesen der Deckung (Mannverteidigung oder Zone Coverage?) helfen. Und er kombiniert eine Latte an verschiedensten Routen und lässt seine präzisesten Routenläufer, WR #19 Adam Thielen und WR #14 Stefon Diggs, in unterschiedlichen Aufstellungen übers Feld flitzen, sodass Keenum im Prinzip nur noch das Skript in seiner Hinterkammer durchgehen und den Ball im richtigen Moment auslassen muss.

Keenum gilt als gerade aggressiv genug um auch mal schwierige Pässe in kritischen Situationen loszulassen. Er gilt als vorsichtig genug um sein Team nicht mit 3 INTs für 2 Pick-Sixes in die Scheiße zu reiten. Und er gilt auch als in der Lage, aus einem Broken-Play doch noch 8 Yards zum neuen 1st Down zu machen. Er ist kein Brees, aber für die Art Mannschaft wie sie Minnesota dieses Jahr war, könnte sich Keenum tatsächlich vorbei an Bradford und Bridgewater als langfristige Lösung für Minnesota angeboten haben.

Vor allem Thielen wurde zum Schlüsselspieler. Thielen ist so schmächtig, dass ich ganz gerne den Begriff „Irrwisch“ verwenden möchte, aber nichts wäre unpassender für diesen rattenscharfen Routenläufer als eine Assoziation mit einem Irrlicht.

Thielen spielt fast 50% seiner Zeit im Slot, was für die Saints die spannende Frage aufmacht, wer ihn denn bewachen wird: CB #23 Lattimore, CB #20 Crawley oder der designierte Slot-CB #26 P.J. Williams? Lattimore und Crawley, beide sensationelle Aufsteiger der Saison, spielen fast nie im Slot – aber willst du als DefCoord Dennis Allen riskieren, den unsichersten deiner Defensive Back auf des Gegners Superwaffe anzusetzen?

Andererseits: Lattimore und Crawley gaben aus Outside-CBs bei allen Lobeshymnen immer mal wieder einen Slant oder tiefe inside-Routen auf – Shurmur wird es notiert haben und Diggs/Thielen in homöopathischen Dosen auch über solche Routen einsetzen um den Nutzen zu maximieren.

Aber Vorsicht: Die Saints-Defense ist nicht mehr so einfach auszuspielen wir in der Vergangenheit. Dass Pass Rush um den Defense-MVP Kandidaten DL #94 Cameron Jordan (14 Sacks) ist so lebendig wie nie, und die Secondary lebt nicht von den Cornerbacks allein: Die Safetys #48 Vonn Bell, #25 Rafael Bush und Rookie #43 Marcus Williams mögen alle jung sein, aber sie sind flink, alle gut in Coverage und haben wie Lattimore und Crawley stets ihre Hände im Spiel für etwaige Interceptions. Ein Zufall sind die 6.1 NY/A, die New Orleans dieses Jahr aufgegeben hat (14t-bester Wert der NFL) jedenfalls nicht.

Minnesota wird nicht allein werfen können – und im Laufspiel hat man potenziell die klareren Vorteile, denn abseits von Jordan gibt es in der Front-Seven kaum brauchbare Run-Defender und speziell Bell ist ein richtig schwacher Lauf-Verteidiger. In solchen Fällen bietet sich für eine Offense an, unbalanced formations von Jordan wegwärts zu designen um Mismatches zu kreieren – Shurmur darf bloß nicht den Fehler begehen, in 1st Downs zu ausrechenbar zu werden (z.B. in dem er nur läuft).


Spektakuläre Partie. Die Vikings haben mit den Saints noch ein Hühnchen zu rupfen, Stichwort „NFC-Finale 2009/10“, Brett-Favre Interception in der Schlussminute und nachfolgende Bountygate-Ermittlungen gegen New Orleans inklusive Einjahres-Sperre gegen Head Coach Payton. Viele der damals Beteiligten sind natürlich nicht mehr anwesend, aber dieser Thriller wird heute garantiert das eine oder andere Mal erwähnt. Doch: Paytons Groll wird vergangen sein – und Zimmer war damals noch ein 54-jähriger lange erprobter Coordinator, dem niemand jemals eine Headcoach-Karriere zutraute.

Zimmer und Payton sind Kumpels. Sie wissen, wie der jeweils andere tickt. Beide haben Eier in kritischen 3rd und 4th Downs. Im Prinzip wissen beide Teams, was sie schematisch und strategisch erwartet. Es wird die klassische Partie, die mit „Execution“, also besserer Umsetzung des Geplanten, entschieden wird. Die Saints haben die Trumpfkarte Brees, aber die Vikings das komplettere Team. Vor allem: Die komplettere Defense. Ich bin versucht, in dieser engen Auseinandersetzung mit dem Heimteam zu gehen.

9 Kommentare zu “Divisional Playoffs Preview 2017/18 – Der Sonntag

  1. Erst einmal ein fettes Danke für die ausführlichen Beiträge, gerade jetzt in den Playoffs.
    Bei den Saints wird Coleman (Nackenverletzung) nicht spielen können. Daher ist es jetzt Zeit für Willie Snead, der 2 Jahre lang ein wichtiger Baustein (insbesondere in 3rd down Situationen) war. Dieses Jahr nach seiner Sperre zu Beginn der Saison (Trunkenheit am Steuer) von Payton aber kaum noch eingesetzt wurde, wenn meist als Blocker.
    Die Saints spielen ja in der Defense oft mit den CB zu Beginn eines Spielzuges Mann um dann ggf. an einen der 3 Safeties zu übergeben und deren Rolle der Raumdeckung zu übernehmen. Vor allem bei Routen der WR die eben nicht die Linie entlang tief gehen, sondern an der Seite beginnen und sich dann in die Mitte oder auf die andere Seite entwickeln.
    Ich hab den Name dieser Art Defense im Laufe der Saison in ein paar Artikeln gelesen, aber dann wieder vergessen. Kann jemand sagen wie man das nennt? bzw. was die Vor- und Nachteile dieser Variante ist? Sie wird ja als recht kompliziert beschrieben, da sie viel Kommunikation während des Plays verlangt. Lattimore wurde in Hinblick auf diese Spielweise ja immer wieder gelobt und 2 seiner 5 Interceptions sind genau durch so ein Scheme zustande gekommen. Würd mich freuen wenn hier jemand mehr wüsste?

  2. Saints spielen ein in Grundzügen mit den Seahakws oder Jaguars vergleichbares Cover 3 Konzept. Das macht die CB für die Verteidigung der Sideline verantowortlich. Zieht einer der WR in die Mitte übernimmt das je nach Tiefe der Route entweder der Box Safety in einer Hole oder CurlFlat Technik oder der tiefe Safety der für die Mitte des Feldes verantwortlich ist. Wobei die Saints stärker zu der Cover 1 Variante ihrer Single High Defense tendieren, in der Manndeckung bzw Doppeldeckung gespielt wird. Je nach Sitation spielen die Saints aber auch mal Cover 2 oder Hybrid Coverages.
    Wie Du siehst ist es recht schwer NFL Defense Konzepte in paar kurze Sätze zu packen 😉

    _______
    „und in 3rd Downs noch weiter ging, Quarters Coverage spielte – eigentlich eine verhasste Form der Prevent-Defense,“

    Vielleicht jetzt nicht so wichtig, aber Quarters Konzepte sind alles andere als „Prevent Defense“. Eher ein aggressives Run Stopping Konzept mit Safeties als boxnahen Contain Spielern.

    Vorteil für die Saints heute ist dass sie weniger zu verlieren haben, so oder so haben sie eine überraschend starke Saison mit einem größtenteils aus Rookies bestehenden Team absolviert welche über ihren Erwartungen gespielt haben. Wenn Payton und Brees einen Weg finden die Vikings Defense für 2 oder 3 Scores zu knacken wird es für die doch etwas limitierte Vikings Offense vermutlich recht anstrengend, Heimspiel hin oder her.

  3. Grundsätzlich kann man hier von Pattern read coverage sprechen. Da gibt es natürlich auch zahlreiche Variationen, Grundgedanke ist eigentlich immer, dass die Receiver entsprechend ihrer Routen Laufwege gedeckt werden. Anders als beim klassischer Zone coverage steht der Defense dabei eben nicht mehr oder minder passiv in seiner Zone, sondern sucht aktiv nach Arbeit und covert (meistens) den Receiver sehr tight.
    Läuft der Receiver eine gerade Go Route sieht das ganze nach man coverage aus; biegt er nach innen ab (Post) dann übergibt er an den safety bzw. Bekommt safety Hilfe.
    Das ganze ist im College recht populär (tcu) und würde stilprägend von nick saban entwickelt/propagiert – in der nfl ist es in den allermeisten Mannschaften Standard- da auf nfl Niveau echte Zone coverage zu einfach zu zerlegen ist (steelers vs pats letztes Jahr…)
    Es gibt aber durchaus stilistische Unterschiede, vor allem, was die Techniken der cbs angeht und wie die lbs das ganze spielen…
    Vorteil ist, dass Receiver nicht so viel Raum bekommen, wie in der konservativen Zone coverage, gleichzeitig aber klassische man beater (crossing Routes) nicht funktionieren und interception gefährdet sind. Auch gibt es eben kaum freie Receiver.
    Es erfordert aber eben auch eine erhöhte Kommunikation in der Defense und sehr disziplinierte safetys. Außerdem müssen je nach Design die lbs in der Lage sein auch tief zu covern- Athletik. Nachteilig ist, dass dann aber meist 1v1 Duelle bestehen- und das ganze System ist eben auch manipulierbar- ich kann ganz bewusst Defender aus bestimmten Bereichen ziehen um dort zu attackieren. Grundsätzlich sind auch run/pass options ein Problem.

    Zu Cover 4
    Klassischerweise ist es eine präventive Defense, die Probleme mit dem run hat- gerade bei 4 er Sets – dann sind nämlich nur 5 defender in der Box.
    Aber im College hat sich eine Variante entwickelt (ich meine tcu war hier stilprägend) bei der die safetys sehr weit vorne stehen und aggressiv den run stoppen. Damit gehen aber auch einige Stärken der von 4 gegen den pass verloren und du kannst von playactions mit Post routes zerlegt werden, wenn deine safetys zu aggressiv nach vorne gehen.

  4. Danke für die guten Erklärungen, jetzt kann ich es deutlich besser einordnen. Der in den Artikel genannte Name dieser Art Defense war zwar nicht dabei, aber das kann ja auch ein Marketingschmäh gewesen sein. Die Patern read coverage klingt sehr stimmig für das was sie machen.
    Was mir im Bezug auf die diesjährige Saints Defense noch aufgefallen ist, dass pick plays gegen diese Art der Verteidigung kaum noch funktionieren, da sie vorher erkannt werden und die CB dann direkt nach dem Snap übergeben, so ist keiner von beiden aus dem Spiel. Das hat Lattimore aber wohl immer in dem Moment angesagt, wo ein pick play drohte, zumindest sah es so aus. Also auch hier eher die Kommunikation als das Scheme vermute ich.

  5. Genau: nicht jede Pattern read Defense wird diesen call nutzen, aber es entspricht genau der Idee hinter dem sheme. Nick Saban (Alabama) hat recht früh angefangen die Techneque der Dbs abhängig zu machen von der Aufstellung der Offense- beispielsweise um auf Stack formations ( mehrere wrs hintereinander) reagieren zu können etc. Abhängig von der Offense werden dann vor playbeginn calls gegeben, die die coverage verändern- beispielsweise top/liz call wenn ein safety die flat hittet, oder Albert calls, bei denen zwei Dbs die Zonen tauschen. Auch ist es beispielsweise Entscheident, wo sich der er positioniert- je nach dem wird sich der cb inside oder Outsider aufstellen (georgia hat das dann im Titel Game genutzt um die coverage zu manipulieren)

  6. Pingback: Divisional Playoffs live: Pittsburgh Steelers – Jacksonville Jaguars | Sideline Reporter - Eier, wir brauchen Eier!

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