AFC Championship 2017/18 Preview – New England Patriots vs Jacksonville Jaguars

Championship-Sonntag in der NFL! Das bedeutet, dass morgen die Meister von AFC und NFC ausgespielt werden – gleichzeitig die beiden Qualifikanten für die Super Bowl, die in zwei Wochen in Minneapolis ausgespielt wird.

Die beiden Conference-Finals in dieser Saison sind morgen ab 21h05 New England Patriots vs Jacksonville Jaguars aus der AFC und ab 0h40 in der Nacht auf Montag Philadelphia Eagles vs Minnesota Vikings aus der NFC.

Heute: Die Vorschau auf das AFC-Finale.

New England Patriots – Jacksonville Jaguars

So 21h05 – live Gamepass, DAZN, ProSieben, PULS4, ran.de

New England PatriotsJacksonville Jaguars ist das typische Duell zwischen einem Etablierten, der vom kleinen Upstart herausgefordert wird. Die Arrivierten sind die Patriots, die in den Championship-Games mittlerweile Stammgast sind – und das ist keine Übertreibung: New England steht zum sage und schreibe siebten Mal in Folge (!) im Conference-Finale und zum insgesamt 12ten Mal in der 17-jährigen Ära von Head Coach Bill Belichick und QB Tom Brady. Da können die gegnerischen Jaguars nur staunen: Sie haben in jenen sieben Jahren insgesamt nur 32 Siege bei 80 Niederlagen eingefahren – eine der längsten und trockensten Durststrecken der jüngeren NFL-Geschichte.

Dass die Jaguars heute in der Position sind, den Giganten New England herauszufordern, haben sie einer Kombination aus mehreren Faktoren zu verdanken: Zum einen draftet Jacksonville seit Jahren in den Top-10 die größten Talente aus dem College-Football. Zum anderen hat man in Shad Khan einen recht geduldigen Owner, der nicht nach der ersten Pleitensaison den halben Stab entlässt, sondern vielmehr ein analytisch orientiertes Front Office zusammengestellt hat – und zum dritten hat die sportliche Leitung vor einem Jahr zwei Glücksgriffe getätigt, die heute synonym stehen für den Umschwung der Jaguars:

  • Interimscoach Doug Marrone wurde zum Head Coach befördert.
  • Tom Coughlin wurde als Art operativer Geschäftsführer der Mannschaft eingestellt.

Marrone gilt in manchen Kreisen als arroganter Sack, mit dem man nur ungern auf einen Kaffee eingeladen würde – aber als Head Coach ist er ein harter Hund, ein Typ mit Eiern, der Probleme angreift, wenn er sie sieht anstelle sie auf die lange Bank zu schieben.

Coughlin ist eine in Jacksonville nahezu eine Legende. Man mag es aufgrund Coughlins Superbowl-Trophäen bei den Giants vergessen haben, aber Coughlin war der erste Head Coach der erst in den 1990ern gegründeten Jaguars, die er rasch zweimal ins AFC-Finale führte. Coughlin wurde von den Giants vor zwei Jahren unter dubiosen Umständen gegangen und gilt als getrieben vom Ehrgeiz, es auf seine alten Tage noch einmal der NFL zu zeigen.

Folge: Unter Coughlin gingen die Jaguars in der letzten Offseason auf Shopping-Tour und kauften sich Superstars wie DL Calais Campbell (aus Arizona), CB A.J. Bouye (aus Houston) oder RB Leonard Fournette (via Draft aus dem College von LSU) ein, um eine talentierte, aber enttäuschende Defense zu komplettieren und die Offense aus dem Würgegriff des gefloppten QB Blake Bortles zu nehmen.

Es funktionierte: Jacksonville, jahrelang durch zu passive Personalentscheidungen und durch laxes Coaching geplagt, fand in dieser Saison zu sich und stellte neben einer historisch guten Pass-Defense (4.6 NY/A wurde zuletzt 2008 unterboten) auch eine brauchbare Offense als Komplementär auf.

Doch eine Saison in der AFC ist nicht komplett, wenn nicht der eine Gegner bezwungen wird, von dem alle sagen, dass er zu den größten Dynastien der NFL-Geschichte zählt: New England. Die Patriots haben unter Belichick nicht bloß bald ein Dutzend Conference-Finals gespielt, sondern auch sieben Super Bowls – und fünf davon gewonnen.

Die beiden Niederlagen? Kamen gegen Coughlins Giants. Und so gilt das heutige Aufeinandertreffen in den USA auch als Belichicks Chance, seinen ehemaligen Assistenten Coughlin als seine einzige wahre Nemesis heute dann doch einmal zu besiegen – wohingegen Coughlin heiß ist, es den Patriots noch einmal zu zeigen und entsprechend als Quasi-Coach Marrone in sämtlichen Motivationsansprachen unter der Woche unterstützt haben dürfte.

Wenn New England den Ball hat

Soviel zu den Rahmenbedingungen. Stilistisch gilt die heutige Auseinandersetzung als Duell Offense (New England) gegen Defense (Jacksonville) bzw. als Ausgangslage „Jacksonville hat alle Ingredienzien um die Patriots zu fordern“:

  • Front Four, die ohne Blitzing Druck ausüben kann – Check.
  • Aggressive Manndeckung gegen Bradys Receiver – Check.

Diese beiden Faktoren wurden vor mittlerweile zehn Jahren von Coughlins Giants in Super Bowl 42 ausgepackt, als die Giants die „perfect season“ der Patriots im letzten Spiel der Saison zerstörten und es als erstes Team schafften, QB Brady an die Wand zu spielen. Und diese beiden Mittel hat Jacksonville wie keine andere Defense in dieser Saison als Trumpfkarte gegen Brady.

Jacksonville spielte in dieser Saison jedoch nicht immer Manndeckung – das Standardsystem ist eigentlich Cover-3 und manchmal Cover-4 mit eingestreuten, aggressiven Blitzes aus der zweiten Reihe (33.3% QB-Pressure Rate bei nur 18% Blitzes). DefCoord Todd Wash gilt als Coordinator, der üblicherweise keine komplexen systematischen Anpassungen vornimmt, sondern auf perfekte Ausführung des Gameplans seiner hyper-talentierten Athleten vertraut. Klarer: Wash versucht erst gar nicht, den Gegner zu verwirren. Zu hoch das Risiko, auchseine superioren eigenen Spieler zu verwirren.

Das ging diese Saison fast immer gut. Doch heute wird er Adjustments vornehmen müssen. Zum einen sprachen wir bereits von Bradys Aversion gegen Manndeckung. Zum anderen gilt Brady als QB, der Defenses wie kein anderer auseinandernehmen kann, wenn er die Coverage schon mit dem Snap erkennt. Und: Cover-3 ist kein ideales Run-Stopping System – New England wird heute relativ viel laufen.

Ob bzw. wie stark Wash seine mit Pro Bowlern gespickte Defense schematisch umbauen wird, bleibt natürlich abzuwarten, aber als sicher gilt, dass auf der anderen Seite Belichick und OffCoord Josh McDaniels für jede Eventualität Antworten haben werden.

So gilt zum Beispiel als wahrscheinlich, dass Belichick seinen überraschenden Gameplan von letzter Woche wieder einpackt – also keine quicke Kurzpassorgie mehr, denn gegen die extrem schnellen Linebacker wie #44 Myles Jack und vor allem #50 Telvin Smith ist mit Hänflingen wie #80 Amendola oder #15 Hogan kein Blumentopf zu gewinnen.

Auch gilt als denkbar, dass Belichick das Passspiel nicht über seinen Top-Receiver #14 Brandin Cooks aufzieht (Cooks wird je nach Aufstellung von CB #20 Ramsey oder CB #21 Bouye bewacht). Sondern, dass Belichick seinen zweiten, oft noch besser sitzenden Anzug, in Szene setzt: TE #87 Gronkowski, RB #33 Dion Lewis und RB #28 James White.

In anderen Worten: Dass Belichick nicht die Cornerbacks attackiert, sondern mit Gronkowski die Safetys, und dass er die Linebacker zwingt, auf Mis-Direction Plays auf seine Runningbacks einzugehen.

Jacksonville hat keine immediate Antwort auf Gronkowski. Normalerweise würde FS #39 Gipson auf ihn gematcht, aber Gipson spielt morgen bestenfalls im angeschlagenen Zustand – im schlimmsten Fall fällt er aus. Zieht Wash also die „Denver-Karte“? Einer seiner Super-Corner gegen Gronkowski, z.B. der physische Ramsey? Das wäre dann ein recht klarer Eingriff in den bisherigen Modus operandi dieser Defense.

Fokus auf den „zweiten Anzug“ bedeutet für New England auch „heavy personnel“ mit den schwereren Männern in der Aufstellung: 12, 21 und 22 Personnel um Brady vor all zu schnellem Druck zu bewahren – vor allem früh im Spiel. Dass Belichick gegen seine Tendenzen dieses Jahr eine Spread-Offense auspackt, ist eher unwahrscheinlich – schließlich wurde WR Malcolm Mitchell nicht für das Spiel aktiviert. Und ohne Mitchell haben die Pats schlicht zu wenige Receiver für 5-WR oder 4WR/1TE Sets.

Recht sicher ist in dem Zug auch, dass die Patriots „Hurry-Up“ spielen werden, also ohne Huddle. Ziel des Ganzen: Die Defense so einfach wie möglich halten, viel laufen und dann 25-yds Pässe auf Gronkowski auf der Seam-Route werfen.

Wenn Jacksonville den Ball hat

Wie viele Punkte New England erzielen muss um Jacksonville auszuschalten, bleibt abzuwarten, aber es ist davon auszugehen, dass es keine 45 wie letzte Woche Pittsburgh sein werden. Denn auch wenn die Steelers-Offense optisch wuchtiger, physischer aussieht: Die Patriots-Defense ist meisterhaft darin, sich mit Disziplin und sicherem Tackling wie Mehltau über eine Offense zu legen und ihr somit langsam, fast unbemerkt aber doch sicher, den Zahn zu ziehen.

Ich habe schon letzte Woche ausgeführt, worin die Stärken liegen: Belichick kassiert gerne Yards (man ist #26 nach Yards/Drive), aber kaum Punkte (#6 nach Punkten/Drive). In anderen Worten: Belichick zwingt Offenses mit seiner bend but don’t break Defense, in jedem Drive viele Plays zu spielen und somit häufig den Tick besser zu sein als seine Verteidiger. Dieser Herausforderung sind nicht viele gewachsen.

Jacksonvilles Offense ist nicht wirklich prädestiniert dafür, geduldige Drives zu spielen. Beziehungsweise: QB Blake Bortles ist es nicht. Bortles ist extrem unbeständig und wird von OffCoord Nate Hackett eigentlich aufs Verrecken eingetütet: Ja keine gefährlichen Pässe und somit Turnovers riskieren.

So wird Hackett auch morgen sehr stark auf Laufspiel über den wuchtigen RB #27 Leonard Fournette und gelegentliche Screen-Pässe für RB #34 Yeldon setzen um die Ketten zu bewegen. Ein möglicher Faktor dabei: Die Patriots sind besser darin, die Flanken außerhalb der Offensive Tackles zu verteidigen als Plays über die Mitte – und Fournette geht fast immer über die Mitte. Wird Belichick reagieren und die Mitte zustellen?

Auf jeden Fall wird Belichick versuchen, nicht zu sehr auf Play-Action Pässe hereinzufallen und Bortles mit einem Verwirrspiel an Deckungen dazu zu zwingen, recht lange den Ball zu halten, damit er irgendwann auf dumme Gedanken kommt und Fehler produziert. Und Belichick wird einen Spy auf Bortles abstellen, um ihn wie schon letzte Woche Mariota am Scrambeln hinderte.

Bortles ist eine der Geschichten der Saison: Vom Gebenchten zum Reaktivierten. Von einer Achterbahn an Saison in die Playoffs. Horrend gegen die Bills. Recht brauchbar gegen die Steelers. Aber Bortles ist kein Quarterback, um den herum die Jaguars auch nur in Anflügen Offense spielen möchten.

So muss es Jacksonvilles Nummer-1 Priorität in dieser Partie sein, den Spielstand knapp zu halten um im Schlussviertel mit letztem Ballbesitz irgendwie einen Sieg herauszuwringen. Dazu müssen die Jaguars jede erdenkliche Chance zum Punkten nutzen – und notfalls zum dritten Mal en suite ein 4th&Goal ausspielen. Denn: Es braucht in New England Touchdowns, keine nicht bloß.

Die Patriots werden anders denken: Sie wollen zügig in Führung gehen – denn Führung ist die halbe Miete. Dann können sie Bortles in den „Catch-Up“ Modus setzen – ein Bortles mit Drang zum Aufholen ist immer ein Bortles, der sich früher oder später ins eigene Knie schießen wird. Liegen die Patriots erst einmal zwei Scores vorne, wird es ein ganz langer Abend für Jacksonville.

Der Ausblick

So haben wir zusammengefasst folgende Schlüssel in dieser Partie:

  • Jaguars: Frühe Hits gegen Brady, Laufspiel und sichere Play-Action Pässe in der Offense. Vermeide Turnovers! Touchdowns anstelle von Field Goals!
  • Patriots: Power-Running und Passspiel über Gronkowski aufziehen, Mitte dicht gegen den Lauf machen, Bortles zum Werfen zwingen.

Es ist ein faszinierendes Matchup, weil mit Jacksonville ein überraschender Gegner mit frischen Ideen und neuen Spielern nach New England kommt. Aber gerade deshalb kann auch schnell vorbei sein – denn die Frischlinge sind Belichicks wie Bradys liebste Mahlzeit.

9 Kommentare zu “AFC Championship 2017/18 Preview – New England Patriots vs Jacksonville Jaguars

  1. Meinst du Bradys Handverletzung ist eher ein Psychospielchen oder da ist wirklich was dran?

    Sollte Brady tatsächlich an der Wurfhand verletzt sein, dürfte sich das erheblich auf die Präzision auswirken und damit auch die Turnover Gefahr erhöhen.

  2. Ich hab diesen interessaten Artikel gefunden, der zeigt das die JAX supergut mit Nickel gegen gegen 3 WR spielen und unterdurchschnittlich mit der Base defense gegen dickere Aufstellungen.
    deswegen sind sie auch von den 49ers zerlegt worden und ich bin mir sicher das NE das tape zu tode analysiert wurde.
    https://www.theringer.com/nfl-playoffs/2018/1/19/16909440/patriots-jaguars-afc-championship-game-breakdown
    Ich kann mir locker vorstellen das NE aus heavy sets wirft und den 3. WR nur bringt um zu laufen.

    und selbst wenn sie werfen müssen: die Pats haben in den vergangenen Jahren die cover3 der Seahawks und der Falcons am ende geschlagen.

  3. Die Pats aber die Seahawks geschlagen, weil Sherman, Thomas und Chancelor vor dem Spiel verletzt waren (alle. Ach der Saison operiert) und Avril sich im 3 Quarter verletzt hat.

    Brady wird morgen desavouiert. Ohne Belichicks System und ohne Protection wird der Tea-Party-Zögling und schwangere Frauen verlassende Arschlochteamkollege morgen eingestampft. Love Football, Hate Brady.

  4. Abgesehen von deinem unkonstruktiven Rumgeflame, wie kommst du auf die Idee dass Brady morgen ohne System und ohne Protection dastehen könnte?

  5. naja- wirklich substantiell ist die Protection dieses Jahr in der Tat nicht….
    Ich gehe aber fest davon aus, dass JAcksonville massiv outcoached wird…
    Und JAcksonvilles O kann nicht erfolgreich sein, wenn sie aus der Comfortzone müssen.

  6. wenn man brady schlagen dann heute,verstauchte Hand und mit der Monster defensive der Jaguars muss es klappen.

  7. Pingback: AFC-Finale 2017/18 live: New England Patriots – Jacksonville Jaguars | Sideline Reporter - Eier, wir brauchen Eier!

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