Die erste Umrisse des NFL Drafts 2018

Mitte Jänner ist in der NFL die Zeit kurz vor der Titelvergabe – doch daran sind nur noch ein Bruchteil der Mannschaften beteiligt. Die meisten denken schon an 2018 und darüber hinaus. Trainersessel sind dabei ein Thema. Das zweite ist der NFL Draft, der erst Ende April stattfindet, aber bereits jetzt seine Schatten vorauswirft.

Vor einigen Tagen war Deadline „Declaration-Prozeduren“, wo sich Redshirt-Sophomores und Juniors zum Draft anmelden können. 123 „early entrants“ haben sich diesmal gemeldet – ein neuer Rekord. Doch die meisten der Draft-Anwärter sind die Seniors, die alle vier Jahre Studienzeit hinter sich gebracht haben.

Sie haben heute ihre große Bühne im Scouting-Prozess, wenn sie in der Senior Bowl in Mobile/Alabama gegeneinander spielen – eine Art Allstar-Auswahlspiel zwischen den besten eingeladenen Seniors des Jahrgangs. Übertragung im NFL Network ab 20h30.

Im Februar dann die Combine in Indianapolis.

Hier mal ein Blick auf einige der bekanntesten Prospects des Drafts – wer die Draftsaison näher verfolgt, wird die Namen natürlich schon kennen. Ich muss mich langsam eingrooven.

Die Leuchttürme im Draft 2018

(Ausdrücklich nicht auf die Seniors gebrenzt!)

QB Sam Darnold (USC) – Sunnyboy ohne charakterliche Flauseln, aber etwas blässlich als Werfer. Für viele momentan trotzdem der #1 Pick.

QB Josh Rosen (UCLA) – der elektrisierendste Werfer unter den QBs 2018, aber zu intelligent für die Welt: Rosen scheut sich nicht, seine (oft kontorverse) Meinung zu äußern und hat so u.a. auch angekündigt, keine Lust auf die Browns zu haben. Träfe sich gut, da Rosen, wenn nicht für die Browns, dann an #2 ein Kandidat für die Giants wäre. Rosen ist Jude. Ein Jude in New York! Kannste nicht besser machen, das Skript.

QB Baker Mayfield (Oklahoma – Sr.) – Heisman Trophy-Gewinner und der QB mit den rekordträchtigsten Statistiken. Für einen Top-10 Pick wohl etwas zu klein gewachsen, aber vom Typ der interessanteste Charakter unter den Top-QBs.

QB Josh Allen (Wyoming – Sr.) – perfekte Anlagen, aber eine bestenfalls lauwarme College-Footballkarriere. War das kleine College schuld? Größte Red Flag: Seine Completion-% ist horrend. Die Historie solcher QBs ist voller Busts.

Mayfield und Allen sind die beiden mit Abstand bekanntesten Prospects, die heute in der Senior Bowl auftreten. Sie haben unter der Woche bereits in den Workouts teilgenommen – und dabei hat sich Allen diesen bereits zur Lachnummer verkommenen Lapsus geleistet:

QB Lamar Jackson (Louisville) – der QB, der Michael Vick am nächsten kommt und somit die größte Wildcard im Scouting-Prozess. Heisman-Sieger 2016 und einer der besten College-QBs aller Zeiten. Eignet sich für Punditentum (nicht „Banditentum“): Die einen werden ihn zum Top-Pick hypen, die anderen als 4th-Round WR abklassifizieren. Ergo: Geht in Runde 1 nach New England und wird Belichicks neueste Speerspitze.

RB Saquon Barkley (Penn State) – flutschigster Runningback seit Jahren. Nicht so wuchtig wie zuletzt Gurley oder Forunette, aber kompletter: Fangstark, gut zwischen den Tackles und über die Flanken. Könnte in den Top-10 gehen. Aber krasse Hausnummer: Lamar Jackson hatte am College mehr Rushing-Yards und Rushing-TDs als Barkley!

RB Derrius Guice (LSU) – Kraftvoller Back, aber längst nicht die Receiving-Waffe wie Barkley.

WR Calvin Ridley (Alabama) – voraussichtlich #1-WR im Draft: Alabamas einzige Receiving-Waffe 2017 und ein Starter über 4 Jahre am College.

WR Courtland Sutton (SMU) – ein sensationeller Jump-Ball Receiver. Ist größer gewachsen als Ridley und ein völlig anderer Spielertyp.

OT Connor Williams (Texas)
OT Orlando Brown (Oklahoma)
OG Quenton Nelson (Notre Dame)
– Die besten Offensive Liner im Draft, von denen man Stand heute davon ausgeht, dass sie gute Chancen auf einen 1st-Round Pick haben. Vor allem bei Nelson wird bereits fleißig vom besten Guard-Prospect ever gesabbelt. Erinner dich an 2013, als Jon Cooper und Chance Warmack als beste Guard-Prospects ever gehypt wurden.


DE Bradley Chubb (NC State) – Passrusher mit exzellenter College-Karriere, aber optisch nicht so explosiv wie z.B. ein Clowney oder ein Garrett, die an #1 gingen. Trotzdem möglicher 1st Rounder.

DE Arden Key (LSU) – Wird seit Jahren als angehender Superstar gehypt, aber zuletzt viele Verletzungsprobleme. Werden diese Sorgen ausgeräumt, ist Key vermutlich der höchst gedraftete Passrusher 2018.

DT Da’Ron Payne (Alabama) – Komplettester Defensive Tackle in einer Klasse ohne herausragende DT-Prospects.

LB Roquan Smith (Georgia) – Dominantester Linebacker der Saison, und Smith nutzte die Playoffs um weiter Punkte für sich zu sammeln. Höchstwahrscheinlich ein Top-10 Pick.

LB Malik Jefferson (Texas) – viele sagen, er kann auch Safety spielen.

DB Mincah Fitzpatrick (Alabama)– Alabamas komplettester Defensive Back. Fitzpatrick ist ein „Honey Badger“-Spielertyp: Hauptsächlich Free Safety, kann aber auch Cornerback oder Nickelback spielen.

CB Denzel Ward (Ohio State) – nur ein Jahr Starter am College. Übersprang die Bowl-Saison, was aber nicht mehr als Negative gilt.

CB Josh Jackson (Iowa) – Interceptionmaschine.

FS Derwin James (FSU) – alle sagten: James ist der neue Jalen Ramsey. Dann verletzte er sich früh in der Saison 2017 und ist für jetzt eine Unbekannte im Draft-Prozess.

12 Kommentare zu “Die erste Umrisse des NFL Drafts 2018

  1. Wieso soll Lamar Jackson der beste College QB aller Zeiten sein,nach welchem Maßstab wird da gemessen. Hat in den 3 Jahren mit Louisville doch nichts gewonnen außer die Heisman trophy.
    Trotzdem halte ich ihn für ein 1 Pick obwohl er bei irgend einem loser Team wohl untergehen wird.

  2. @camnewton

    Da steht „einer der besten“, nicht „der beste“. Einer der besten war er halt statistisch und auch von dem her, was er am Feld gezeigt hat im College. Die Heisman Trophy ist die größte Auszeichnung im College Football – was soll er schon sonst groß gewinnen mit Louisville? Da hast du maximal die Chance auf die eine oder andere Bowl, aber in Richtung Playoffs brauchst du auch mit einem großartigen QB nicht schielen. Auch die Manning, Luck, Brady, etc. haben außerhalb von ein paar Bowls nix gewonnen.

    Für die College Playoffs brauchst du keinen großartigen QB, sondern eine insgesamt starke Mannschaft.

  3. Ich wollte nicht abwertend die Leistung von lamar jackson beurteilen, nur ein tim tebow hatte auch die heisman tropfy gewonnen, hatte mehrere Rekorde aufgestellt,nur um dann in der NFL in der Versenkung zu verschwinden.

  4. Keine Frage; Lamar Jackson ist ja auch nicht von ungefähr „nur“ so im Bereich von fünftbestem QB-prospect dieses Drafts (plus/minus). Tolle College-Zahlen sind grade bei QBs oft trügerisch.

  5. Mir kommt sowieso vor, dass in den letzten Jahren die QBs aus dem College gut vorbereitet in die NFL kommen. Wo das früher noch selbst bei sehr hoch eingeschätzten Prospects noch 2-3 Jahre gedauert hat, bis man wirklich in Richtung Playoffs schielen konnte, haben Goff, Wentz, Prescott, Watson da viel schneller eingeschlagen.

    Ist aber auch schwer zu sagen, ob das halt ein, zwei überraschend gute Jahrgänge sind, die dann auch noch zu Teams kamen, die nicht voll am Boden waren was den restlichen Kader betrifft und nicht Cleveland sind.

    Bin schon gespannt wie das heuer wird. QBs gibt es in Free Agency ja schon so viele gute wie kaum jemals zuvor. Cousins, Keenum, Bridgewater, Bradford, vl Bortles. Irgendwie könnten da weniger Teams als sonst überbleiben, die wirklich allerdringenst einen QB brauchen. Und zusätzlich hat man dieses Jahr gesehen, dass es nicht unbedingt einen Superstar QB braucht, um Richtung SB zu schielen.

  6. Wobei abzuwarten bleibt, ob 2017/18 der Beginn eines Trends oder ein krasser Ausreißer auch bedingt durch schwere Verletzungen von Star-QBs wie Rodgers und Luck darstellt. Die Wetten stehen eher auf „Ausreißer“.

    Ich glaube nicht, dass das Verlangen nach Star-QBs abreißen wird. Zu viele mussten heuer einen Graupen-QB durchschleifen – und dazu geht mit der Generation Brady/Brees/Rivers/Roethlisberger schön langsam eine Goldene Generation in Rente. Da tun sich etliche neue Jobs in den nächsten Jahren auf, die bessere Mitläufer wie Bradford nicht zu voller Zufriedenheit ausfüllen können.

  7. Jo, wird sicher spannend. Ich glaube auch nicht, dass die Nachfrage jetzt per se abreißen wird. Ohne kompetenten QB wird man auch in näherer Zukunft nichts gewinnen in der NFL, da müsste es schon grobe Regeländerungen geben, die sich aber nirgends auch nur in irgendeiner Form abzeichnen.

    Aber was man heuer gesehen hat, waren eine Case Studies wie man aus QBs aus dem mittleren Tier richtig viel rausholen kann. Da könnte z.B. mehr Fokus auf entsprechend hochwertiges Coaching gelegt werden. Letztlich sucht ja jedes Team nach Wegen, das Salary Cap so gut es geht auszunutzen. Und bei keiner anderen Position kann ich so viel sparen wie beim QB. Da kostet das Top Tier inzwischen 20 Millionen+/Jahr; ein Tier darunter kann ich mir locker 5-10 Millionen sparen und hab damit mehr Spielraum für andere Mannschaftsteile. Und man hat grade heuer gesehen, dass das funktionieren kann und man damit auch Teams mit Top QBs in die Schranken weisen kann. Wir sind schließlich auch nur ein paar Plays von einer Foles vs. Bortles Super Bowl entfernt.

    Für Teams die ihren Franchise-QB haben wird das auch in der nächsten Zeit nicht relevant. Aber für jene grob Hälfte der Liga, die nicht mit einer klaren Nummer 1 gesettled ist, sind solche Überlegungen glaube ich nicht unattraktiv.

    Und zusätzlich Würze kommt in den heurigen QB-Markt ja auch noch durch die durchaus kompetenten QBs, die auf dem Markt sein dürften, vornehmlich Alex Smith, Tyrod Taylor, eventuell Blake Bortles. Und in der obigen Aufzählung noch komplett vergessen habe ich Drew Brees, der ja auch FA ist (auch wenn ich mir kaum vorstellen kann, dass er mit 39 nochmal das Team wechseln möchte – aber andererseits hat er mit den Saints schon bei der letzten Verlängerung sehr lange gepokert, „a gmahte Wies’n“ ist das insofern nicht).

  8. Gibt aber immerhin Gewissheit, dass Cousins die #1 am Markt sein wird. Jacksonville und Denver sollten schon mit den Hufen scharren (wobei Jacksonville offenbar mit Bortles weitergehen will).

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