Ergänzende Notizen zur furchtlosen Superbowl-Vorschau

Gestern habe ich die große Superbowl-Vorschau geschrieben. Heute noch einige ergänzende Notizen aus meinem Block zur Vorbereitung auf das große Spiel.

Defensive Backfield

Ich schrieb gestern von einer Patriots-Secondary, die in manchen Snaps bis zu sieben Leute aufstellt. Wie unerhört das ist? New England spielte im Laufe der Saison in über 150 in dieser „Dollar-Coverage“, die meisten in der Liga. Nummer 2? Hat 35 Snaps.

Das bringt zusammen natürlich nicht viele Kilogramm auf die Waage, ist aber schnell und eignet sich exzellent für die diversen Blitz-Packages von DefCoord Matt Patricia. Dafür haben die Patriots damit Probleme, das Laufspiel zu verteidigen. Eine Charakterisierung der einzelnen Defensive Backs:

  • CB #24 Stephon Gilmore (77% der Snaps):. Kam in der Offseason für einen Megavertrag aus Buffalo. Sehr physischer Cornerback, der oft als linker CB aufgestellt wird, aber nicht ausschließlich dort spielt. Am liebsten stellt in Patricia gegen große, kräftige Wide Receiver in Manndeckung auf.
  • CB #21 Malcolm Butler (98% der Snaps). Superbowl-Held 2015. Kam als ungedrafteter Free Agent zu den Patriots und entwickelte sich nach seiner Interception gegen Russell Wilson zum Star – 2016/17 sogar ein 2nd-Team All-Pro. Wird nie gegen physische WR gematcht, weil er zu klein dafür ist. Ist eher vom Schlag „kleiner, beweglicher Verteidiger“ und wird entsprechend auch in den Slot gegen die quicken WRs gestellt – vielleicht auch morgen gegen Agholor.
  • CB #25 Eric Rowe (25% der Snaps): Ex-Eagle. Wird in New England vor allem in Nickel-Defense als 5ter DB eingewechselt und spielt häufig im Slot, obwohl er von der Statur (groß, kräftig) eher als Outside-CB geeignet wäre. Macht sich innen aber recht gut, obwohl etwas hüftsteif. Einige vermuten, dass er morgen nach außen gezogen wird und gegen Smith oder Hollins spielen wird.
  • FS #32 Devin McCourty (97% der Snaps): Vielseitigster Defensive Back in New England. Kam 2010 als Cornerback aus dem Draft, wurde dann aber aus der Not geboren immer weiter Richtung Mitte verschoben. Sehr flexibel einsetzbar, spielt mal als „Single high“-Safety (tiefer Safety in Cover-1 oder Cover-3), mal als „Split-Safety“ (zweiter tiefer Safety in Cover-2) und verteidigt die Tight Ends, wenn Kollege Chung auf Blitzes geschickt wird.
  • FS/SS #23 Patrick Chung (88% der Snaps): Wie Rowe ein ex-Eagle, der in Philadelphia keinen guten Ruf genoss, aber von Belichick jüngst zu „einem der besten Spieler in der NFL“ (!) geadelt wurde“. Gilt als intelligenter Spieler, der extrem viele verschiedene Aufgaben erledigen muss: Oft deckt er den Tight End, in Big-Nickel Defense ist er meistens Run-Defender. Dazu blitzt er am häufigsten von allen Defensive Backs. Im speziellen Matchup morgen gegen den 10cm höher aufgeschossenen TE Ertz hat er allerdings einen Größen-Nachteil.
  • FS #30 Duron Harmon: (66% der Snaps): Wie McCourty ehemaliger Rutgers-Verteidiger am College. Wird vor allem in Dime-Defense als 6ter DB eingewechselt und spielt dann zu 99% als tiefer Safety in Cover-1 oder Split-Safety in Cover-2 Man. Gilt nicht als Super-Athlet, ist aber gewieft und trug so mit einer viel beachteten INT gegen Flacco im Viertelfinale 2014/15 entscheidend zum vierten Superbowl-Titel der Patriots bei.
  • LB/S #37 Jordan Richards (26% der Snaps): Der 7te DB in der „Dollar-Coverage“, der nicht viele Snaps pro Spiel macht, aber doch ein wesentlicher Bestandteil ist. Kein überragender Athlet, aber kräftig und somit in den 10-15 Snaps in denen er im Einsatz ist, auch gleichzeitig ein „halber Linebacker“. Gegen mobile Quarterbacks als Spy eingesetzt.

Wir sehen auch: Die Stammformation um McCourty, Gilmore, Butler und Chung verpasste nur wenig Spielzeit. Das hat auch mit Verletzungsglück zu tun – die schwereren Patriots-Verletzungen passierten auf anderen Positionen, z.B. Linebacker und Wide Receiver.

Bei den Eagles ist FS #27 Malcolm Jenkins (92% der Snaps) der Defensive Back, um den herum die Deckung aufgebaut wird. Jenkins ist ein ehemaliger Cornerback, der in New Orleans zum Safety umgeschult wurde, ehe er zu teuer für eine Vertragsverlängerung wurde. Jenkins verteidigt häufig gegen Tight Ends, kann aber auch Runningbacks tackeln und blitzen – wobei diese Aufgabe vornehmlich dem tiefen Centerfielder #23 Rodney McLeod (82% der Snaps), einem exzellten Blitzer, zuteilwird. In „Big Nickel“ wird #24 Corey Graham (36% der Snaps) als dritter Safety eingewechselt. Graham ist wie Jenkins und McCourty ehemaliger Cornerback. DefCoord Schwartz schätzte ihn sosehr, dass er ihn aus Buffalo mit nach Philadelphia nahm.

Safety war schon 2016 eine Stärke in Philadelphia. Probleme gab es damals auf Cornerback. Das wurde 2017 mit den Einkäufen von CB #41 Ronald Darby (37% der Snaps, verpasste aber einen Teil der Saison verletzt) aus Buffalo und der Einberufung von CB #32 Douglas (41% der Snaps) via Draft behoben. Auch CB Robinson macht fast 70% der Snaps. Darby ist ein guter Manndecker. Ihm geht vielleicht die letzte Beweglichkeit gegen extrem gute WRs ab, aber seit er da ist, haben sich auch Nebenleute wie der 2016 als Rookie horrende CB #31 Jalen Mills (90% der Snaps) stark verbessert. Cornerback ist noch immer keine Paradedisziplin in Philadelphia, aber die Weichen sind gestellt.

Passspiel über die Spielfeldmitte

Die Vorteile der Eagles in der Superbowl habe ich schon gestern herausgearbeitet: Offensive und Defensive Line, TE Ertz, Laufspiel aus 3-WR Sets. Es gibt auch noch im Passspiel einen potenziellen Faktor, der für Philadelphia spricht: Die Spielfeldmitte. New England ist in der Passverteidigung dort horrend – QB Rating und SR% im Passspiel:

  • Linke Sideline, Flat: 109, 69%
  • Linke Sideline, tief: 38, 29%
  • Spielfeldmitte, Flat: 147, 77%
  • Spielfeldmitte, tief: 104, 60%
  • Rechte Sideline, Flat: 87, 54%
  • Rechte Sideline, tief: 92, 25%

Schauen wir uns dagegen mal die Eagles-SR% unter Nick Foles bei Passspiel in diesen Zonen an:

  • Linke Sideline, Flat: 71%
  • Linke Sideline, tief: 20%
  • Spielfeldmitte, Flat: 100%
  • Spielfeldmitte, tief: 0%
  • Rechte Sideline, Flat: 72%
  • Rechte Sideline, tief: 20%

Die Spielfeldmitte in der kurzen Zone, also underneath, sieht aus wie ein gigantisches Mis-Match. New England kassiert dort in drei von vier Spielzügen negative EPA, während Philadelphia unter Foles dort in jedem Play eine positive Situation heraufbeschwört. Bloß: Sie nutzen es selten – Anteil der Passversuche in den jeweiligen Zonen:

  • Linke Sideline, Flat: 29%
  • Linke Sideline, tief: 10%
  • Spielfeldmitte, Flat: 8%
  • Spielfeldmitte, tief: 4%
  • Rechte Sideline, Flat: 38%
  • Rechte Sideline, tief: 10%

Passspiel bei den Eagles geht fast immer über die Seitenlinie – auch unter Wentz attackierte man nur in 11% der Pässe die kurze Spielfeldmitte. Doch genau dort liegt ein großer Schwachpunkt der Patriots – und genau dort sind die Eagles hervorragend. Wenn sie über die Wideouts und gegen die Outside-CBs gehen, befinden sie sich in ihrem „gewohnten“ Rhythmus. Aber dann wetten sie auf sich und gegen die Stärke der Patriots-Defense. Man darf gespannt sein, ob Doug Pederson sein Spiel an den Gegner anpasst und dorthin geht, wo es dem Gegner wehtut.

Halbzeit-Adjustments

Tipp von Kommentator Klappflügel vor einigen Tagen auf diesem Blog zum Eagles-Gameplan: Besser, du hast einen Gameplan für die erste Halbzeit und einen für die zweite, wenn du Doug Pederson bist. Five-Thirty-Eight sieht das ähnlich, denn New Englands Defense hat in dieser Saison einen krassen Split zwischen der Performance vor und nach der Pause:

  1. Halbzeit: 5.9yds/Play (#30), 10.1 Punkte kassiert (#11)
  2. Halbzeit: 5.4yds/Play (#22), 8.3 Punkte kassiert (#2)

Solche Zahlen sprechen dafür, dass New Englands Trainerstab um Belichick und Patricia exzellente Arbeit in der Halbzeit machen und ihre Defense an den vom Gegner gezeigten Plan anpassen. Oder anders: Zwei Viertel lang wird der Gegner ausgeguckt. Dann wird umgestellt und der Sack zugemacht.

Zuletzt gegen Tennessee waren die Adjustments das Herausnehmen vom 8-Mann Boxes, weil die Titans-WRs darin zu schnell frei wurden. Also stellte Patricia mehr Defensive Backs auf, deckte alles zu und machte acht Coverage-Sacks gegen Mariota und eine mausetote Titans-Offense. Im Semifinale gegen Jacksonville drehte Patricia dann den Spieß um: Weil Bortles vor der Pause gegen eine passive Defense zu viel Zeit zum Lesen bekam, wurde er nach der Pause aggressiver, schickte Blitzes, mauerte die Anspiellinie mit mehr Personal zu und gab Bortles keine Zeit mehr, auf offene Receiver zu warten. Folge: Anstatt 6.8yds/Play und 14 Punkten nur noch 4.3yd/Play und zwei Fieldgoals für Jacksonville.

Für morgen also wichtig: Wenn Pedersons Eagles zur Pause mit zwei Touchdowns führen, sollte man den Champagner noch im Kühlhaus lassen. Denn vor der Pause ist nur Vorgeplänkel. Der Titel wird ab dem dritten Viertel ausgespielt.

2 Kommentare zu “Ergänzende Notizen zur furchtlosen Superbowl-Vorschau

  1. Pingback: Superbowl-Sonntag 2018 | Sideline Reporter - Eier, wir brauchen Eier!

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