Timeout-Management

Superbowl 2018, knapp über zwei Minuten zu gehen. Die Philadelphia Eagles haben gerade per erzwungenem Fumble den Ball von den Patriots in Fieldgoal-Reichweite übernommen und einen Laufspielzug im 1st Down für 2 Yards hinter sich gebracht. Bill Belichick zieht mit 2:03 Minuten to go sein letztes Timeout.

Auf Twitter schreibt Warren Sharp in real time dazu folgendes:

Ein im ersten Moment verwirrender Gedanke. Denn: Belichick verhindert mit dem Timeout, dass die Uhr auf die 2min-Warning herunterläuft und rettet seinem Team 3 weitere Sekunden – er hätte das Timeout schließlich nach dem nächsten Run-Play sowieso ziehen müssen um seinem Team noch eine letzte Comeback-Chance zu ermöglichen.

Also: 3 Sekunden gespart.

Doch Sharps Argumentation geht über die Einsparung der 3 Spielsekunden hinaus. Er denkt einen Schritt weiter: Eine gestoppte Uhr mit 2:03 Minuten to go ermöglicht es den Eagles, im nächsten Spielzug Lauf oder Pass im Playbook auszupacken, da die Uhr unabhängig vom Ausgang an der Two Minute Warning stehenbleiben wird.

Also hat die Defense in dieser Situation nicht zweimal Laufspiel zu erwarten, sondern muss sich im 2nd Down und 8 mit der Gewissheit um ein automatisches Timeout nach dem nächsten Spielzug auf Laufspiel und Passspiel einstellen. Ein gewaltiger Nachteil in der Crunch-Time, in der jeder Fehler das Spiel beendet.

Die Eagles verpassten in dieser Situation die goldene Chance, per Passspiel auf den KO-Punch zu gehen und schickten RB Legarrette Blount über die Mitte für 3 weitere Yards. New England rettete somit wie geplant 3 Sekunden – doch nichtsdestotrotz ein Fehler im in-Game Coaching von Belichick, der den Eagles die so schillernde Option „Passspiel gegen die kaputte Pats-Secondary“ überhaupt ermöglichte.

In diesem Fall Glück für Belichick, dass der Gegner auf sein Freilos verzichtete. Glück auf für die Eagles, dass sie trotz des Verzichts nicht bestraft wurden und die Super Bowl dennoch gewannen. Aber es bleibt als Lektion im Clock-Management übrig: Ziehe in solchen Momenten kein Timeout. Die drei Sekunden sind weniger wertvoll als das Risiko, dass der Gegner mit einer Completion in einem Gratis-Passspielzug gegen dich das Spiel vorzeitig beendet.

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2 Kommentare zu “Timeout-Management

  1. Ich traue Belichick fast zu, dass er den Pass und damit eine Interception erzwingen wollte. Selbst ich habe am Fernseher sofort auf dem Schirm gehabt, dass er den Eagles damit den Pass als Option gibt. War das wirklich unabsichtlich? Passiert einem Bill Belichick solch ein Fehler? Hm.

    Da Du das Time Management in den letzten Zügen der Super Bowl erwähnst… Da haben die Eagles für mich völlig unfassbare Fehler gemacht. Ich meine, es war Agholor, der bei ca. 2:15 out of bounds läuft, um ein 1st Down zu bekommen. Statt in bounds zu bleiben und 2nd&1 zu haben. Das war unglaublich dumm.

    Auch Zach Ertz muss gar nicht zum Hecht ansetzen und den TD machen. Sollte sich doch viel eher tacklen lassen, um das First Down mitzunehmen. Dann 3x aufs Knie und das Chip Shot FG mit auslaufender Uhr nehmen.

  2. Ich denke, dass 1st Down mit stehender Uhr einem 2nd Down mit laufender Uhr vorzuziehen ist – auch einem 2nd und 1 gegen eine überforderte Rushing-Defense.

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