Schlüsselfigur der NFL-Offseason: Kirk Cousins

Ein Blick auf eine der wichtigsten Figuren der NFL-Offseason 2018.

Die halbe Liga schreit nach neuen Quarterbacks. Etliche Mannschaften haben 50 und mehr Millionen Dollar Cap-Space für den Einkauf neuer Spieler zur Verfügung und im Draft sind nach common sense zwischen vier und sechs 1st-Round QBs zu haben. In Drew Brees ist ein künftiger Hall of Famer in der Verlosung – aber die erste wesentliche Figur ist ex-Redskins QB Kirk Cousins.

Denn: Brees wird mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit in New Orleans verlängern, während Cousins nach dem Washington-Trade für QB Alex Smith mehr oder weniger offiziell gemacht hat, was seit gut einem Jahr erwartet worden war: Dass man Cousins ziehen lässt.

Folge: Cousins wird wenige Wochen nach dem Monstervertrag von Jimmy Garroppolo in San Francisco zum neuen bestbezahlten QB der NFL werden. Besser noch: Er kann sich dabei seine künftige Mannschaft aussuchen und zwischen verschiedenen Kriterien entscheiden: Zillionen mit Titelchance oder Zilliarden ohne Titelchance.

Cousins wird aktuell mit nahezu jeder Mannschaft ohne Franchise-QB in Verbindung gebracht – die wahrscheinlichsten Abnehmer:

  • Minnesota Vikings: Die Vikings haben drei QBs mit auslaufenden Verträgen (Bradford, Bridgewater, Keenum). Man erwartet, dass sie alle drei ziehen lassen und sich der Option Cousins zuwenden. Sie können vielleicht nicht den teuersten Vertrag anbieten, aber ein komplettes Team mit realistischer Superbowl-Chance.
  • Denver Broncos: Denvers QB-Situation ist seit Peyton Mannings Leistungseinbruch Ende 2014 neben vielleicht noch Cleveland die schlechteste in der NFL. Zu bieten hätte Denver eine nach wie vor grandiose Defense mit noch 1-2 Jahren Titel-Fenster, aber etwas wenig Stabilität im Offense-Trainerstab nebst ungewisser Headcoach-Situation.
  • New York Jets: Die Jets haben 100 Mio Cap-Space und den #6-Pick im Draft. Auf der anderen Seite sind sie seit Jahren (Jahrzehnten?) auf händeringender QB-Suche. Nicht ausgeschlossen, dass sie auf die Jagd nach Cousins gehen, aber das würde einen gewaltigen „front-geloadeten“ Vertrag bedingen – denn die Jets können Cousins vor allem Geld, aber eher wenig Aussicht auf schnellen Erfolg, bieten.
  • Cleveland Browns: Die Wildcard. Cleveland hält den #1 und #4 Pick im Draft und hätte theoretisch alle Schlüssel in der Hand, sich via Draft die bestmögliche QB-Lösung und weitere Top-Talente zu sichern. Aber es gibt mit weit über 100 Mio Cap-Space noch eine alternative Lösung: Sich mit so viel verfügbarem Geld den bestmöglichen QB auf dem Transfermarkt (eben Cousins) zu sichern und im Draft mit voller Gewalt die anderen Positionen zu attackieren und um Cousins herum den best- und tiefstmöglichen Roster zu bauen. Und: Obwohl man vielleicht das „Ceiling“ deckelt, hätte man einigermaßen Gewissheit ob des QBs, den man bekommt.
  • Arizona Cardinals: Die Außenseiter-Variante. Arizona hat wie Denver oder Minnesota eine relativ weit entwickelte Defense, hat wie Minnesota momentan keinen QB unter Vertrag – aber in Steve Wilks auch einen neuen Headcoach und somit unklare sportliche Ausrichtung.

Cleveland müsste vermutlich eine Loser-Prämie schlucken und Cousins weit über Marktwert verpflichten. Aber man hätte das Geld. Man müsste nicht bedingungslos auf die hoffnungslose Option „jungen QB durch Hue Jackson entwickeln“ bauen, und hätte im Fall eines Cousins-Flops mit Hogan (3rd Rounder 2016) und Kizer (2nd Rounder 2017) noch zwei junge QB-Talente in der Hinterhand, die man ohne Druck aufbauen kann.

Diese „Cousins-nach-Cleveland“ Variante ist nicht die wahrscheinlichste, aber sie hätte was. Die Browns würden in dem Fall einen relativ etablierten Quarterback aufstellen und könnten den Kader gleich mit sechs Top-60 Draftpicks um den QB herum aufbolstern. Diese Option würde nicht nur die Free-Agency entscheidend beeinflussen. Sie wäre auch ein echter Chaos-Treiber für den NFL-Draft.


Jacksonville hat sich mit der Verlängerung von QB Bortles selbst aus dem Rennen genommen, und so ganz verstanden habe ich deren Logik noch nicht.

Miami hat nicht das Geld, Buffalo gilt trotz viel Cap-Space, guter Defense und vier Top-56 Picks im Draft als nicht attraktiv genug und ein Team wie die Giants kann sich zwei teure QBs vom Schlage Manning/Cousins nicht leisten und wird daher im Draft fischen gehen.

Quarterback-Alternativen

Die 1-b Optionen in der Free Agency hinter Cousins sind die Vikings-Free Agents Bradford (30, aber lange Verletzungsgeschichte), Bridgewater (25, aber zuletzt zwei Jahre mit Kreuzbandriss verloren) und Keenum (2017 Breakout, aber zuvor erfolgloser Wandervogel). Die weiteren Alternativen umfassen Backup-Material (Gabbert, Geno Smith, Sanchez, Oweiler), Oldie-Varianten (McCown, Fitzpatrick) – und den verstoßenen Sohn, Colin Kaepernick.

Im Draft gibt es einen tiefen Pool mit den weithin als 1st-Rounder angesehenen Darnold, Rosen und Mayfield, den umstrittenen Josh Allen und Lamar Jackson, bei denen die Meinungen zwischen Top-10 und Komplettbust auseinander gehen, sowie die „longshots“ wie Luke Falk oder Mason Rudolph.

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23 Kommentare zu “Schlüsselfigur der NFL-Offseason: Kirk Cousins

  1. Ist das die Saison, wo die Browns endlich den Absprung schaffen? Ich würde es ihnen wünschen.
    Korsakoff: Schön, dass Du Kaepernick nicht vergessen hast. Er wird aktuell häufig außen vor gelassen, dabei ist er kein schlechter QB. Ich hoffe, ein Team gibt ihm die Chance ein paar Defenses zu zerlegen.

  2. Ich weiß nicht: Kaepernick wusste worauf er sich einlässt, bzw. was er los tritt. Besonders viel Mitleid habe ich nicht mit ihm. Sportler sollten Sport machen und Politiker Politik…

  3. Personen des öffentlichen Lebens sollten sich über das öffentliche Leben äußern dürfen. Davon unabhängig: glaubt noch irgendwer daran, dass Colin Kaepernick nochmal ne Chance kriegt?

  4. Nein. und er ist besser als 10 Starting QBs der NFL.
    Was für eine lächerliche OperettenLiga.

  5. Politiker sollen Politik machen, Sportler Sport, Arbeiter Arbeit und Kapitalisten Geld? Oder wie darf ich die Logik verstehen?
    Und ich dachte mit der Teilhabe an einer öffentlichen Debatte wird Politik gemacht….

    Ansonsten entwickelt sich der Hype um allen wie prognostiziert

  6. Er hat sich geäußert und die Konsequenzen daraus bekommen.
    Verstehe immer nicht so recht was Sportler und Schauspieler befähigt, Politik zu machen.

  7. Btw. hat doch niemand was dagegen, wenn er sich privat engagiert, aber auf dem Feld hat er seiner Arbeit nachzugehen. Da gehören politische oder religiöse Botschaften meiner Meinung nach nicht hin.
    Als Teamchef wäre ich da auch alles andere als begeistert.

  8. Und seit wann ist deine Meinung ausschlaggebend? Und es mag dich und Fox Nerws überraschen, aber man muss kein Politiker sein, um sich eine Meinung bzw. Position zu politischen Themen zu bilden…

  9. Ich glaube nicht, dass Kaepernick noch jemals irgendwo spielen wird. Schade ist es schon, aber mit jedem Jahr, das er nicht spielt, wird er ja unattraktiver für die Clubs. Man weiß ja nicht, wie gut er nun wirklich noch ist. Den Trubel tut sich kein Besitzer an. Dazu müsste er wirklich ein absoluter Star-QB sein. Das war er aber meiner Meinung nach am Ende auch in San Franzisco nicht mehr.

  10. @Herb: Ich laufe jedenfalls nicht an meinem Arbeitsplatz rum und gebe meine politische Meinung medienwirksam zum besten. Außerdem habe ich nirgends geschrieben, dass er nicht seine Meinung haben darf, aber verstehendes Lesen ist ja bei solchen Themen oft schwierig…

  11. Schlimm genug, dass in den USA so viele an Patriotismus leiden, dass sie sich einreden lassen, der „Hymnen-Protest“ sei ein Bespucken des Staates. Dass man auch außerhalb der Staaten hört, dass sich das der Herr Football-Spieler bitte schenken soll, finde ich persönlich traurig.

    Und, Teambesitzer sollen aber schon Politik machen?

    Was das Sportliche betrifft bin ich bei dir. Wäre er ein überragender QB, hätte er auch als Protestler einen Job…häusliche Gewalt z. B. ist bei Leistungsträgern ja meist auch kein allzu großes Problem.

  12. Mir ist die Diskussion zu einseitig. Ich bewerte gar nicht die Aktion an sich, aber als Arbeitgeber hätte ich auch ein Problem damit, wenn mein Arbeitnehmer während der Arbeitszeit eine politisch motivierte Aktion startet. Das funktioniert so nicht, ganz egal, ob der Protest sinnvoll ist oder nicht.

    Und sportlich ist er ohnehin umstritten. Das er nirgends für einen Apfel und ein Ei unterschreibt ist auch klar.

  13. Was man beim Thema Kaepernick nicht vergessen sollte: Seine Kniefälle wurden von „der Politik“ uminterpretiert, zweckentfremdet und somit eindeutig missbraucht.

  14. Plus: nichts für ungut napoleon, aber dir hört eine breitere öffentlichkeit vermutlich genau so wenig zu wie mir. Ich find das schon wichtig dass Personen des öffentlichen lebens über den Tellerrand hinaus schauen und nicht ihren Elfenbeinturm fein säuberlich von innen und außen sauber putzen. Und dazu kommt was korsakoff sagt, auf einen missstand aufmerksam zu machen ist noch nicht politik. Und selbst wenn – eine Demokratie ist darauf aufgebaut dass jede meinung zählt, egal ob sie vom letzten honk kommt oder vom Präsidenten, jede stimme zählt gleich. Um den persönlichen bogen zu spannen: ich diskutier auf Arbeit auch nicht unbedingt jede parlamentarische debatte, wenn ein gespräch auf missstände kommt hab ich dazu aber ne meinung.

  15. Viele vernünftige Leute hier, mitsamt dem Betreiber. Sehr erfreulich. Hier halte ich mich gerne auf.

  16. Die Browns geben auch ganz schön Gas.
    QB Tyrod Taylor für einen 3rd Round Pick aus Buffalo
    WR Jarvis Landry für einen 4th Round Pick 2018 und einen 7th Round Pick 2019 aus Miami
    CB Damarious Randall für QB Kizer und einen Tausch der 4th und 5th Round Picks nach Green Bay

    Find ich keine unvernüftigen Moves der Browns auch wenn ich persönlich Kizer mochte. Was mich etwas stört ist der Preis für Taylor mit 16 Mio Cap Hit und einen 3rd Rounder, aber ich nehme an man wird den Vertrag noch anpassen und keinen der drei alternativen aus Minnesota oder AJ McCarron gäbe es günstiger als Brücken Quaterback für das nächste Jahr. Was auch vernünftig war, sie haben keinen Ihrer 5 Picks in den ersten zwei Runden abgegeben.

  17. so geht man mit seinen Helden um finde ich schade wie die seahawks mit ihrem Spieler der den Klub mit der Legion of Boom
    den superbowl sieg zu verdanken haben einfach ziehen lassen.

  18. @camnewton wenn man es aus der persönlichen Sicht sieht kann man sich aber auch Fragen warum Shermann nicht für weniger Geld bei den Seahawks bleibt? NFL ist nun mal Business und aufgrund seiner Verletzung ist einfach ein gewisses Risiko da. Auch haben die Seahawks mit Coleman einen jüngeren CB auf FA den sie aus meiner Sicht verlängern müssen aufgrund der letzjährigen Leistung.

  19. na ja und dann noch zu den 49ers gegen den Rivalen gegen den er immer leidenschaftliche Abneigung gezeigt hatte.

  20. ich würde das nicht überbewerten. Der ganze Trashtalk gehört für mich zur NFL. Auch von den damals beteiligten Personen aus dem Conference Game ist kaum mehr einer bei den 49ers.Es gibt auch immer wieder wechsel zwischen 49ers und Raiders und die Teams haben noch eine tiefere Rivalität. Im Endeffekt ist der Sport eben ein Geschäft bei dem alle beteiligten versuchen das beste für sich herauszuholen und sportlich finde ich das was die 49ers zuletzt gemacht haben ganz interessant (mit Ausnahme der Geschichte um Kaepernick). Was mich bei Shermann wundert ist dass er so schnell zugeschlagen hat. Interessenten gäbe es ja genug auch wenn noch ein paar gute CB am Markt sind.

  21. Ja, ist auffällig: Sherman hat nur ein einziges Team besucht und sofort gesigned. Als wollte er unbedingt zu den 49ers. Fand ich auch überraschend, ich hätte eher gedacht, er ist ein emotionaler Entscheider. Aber Sherman ist offensichtlich ein Analytiker:
    – Division rival, der gegen Seattle zweimal pro Saison spielt
    – aufstrebender Club mit Franchise-QB und drückender D-Line
    – besseres Gehalt als in Seattle
    – das einzige Team wo Crabtree wohl nicht mehr spielen wird
    Ich denke als Vorbild für jüngere Spieler, Captain der Secondary und Feuer der Defense wird er die 49ers stärker machen. Hoffentlich hält sein Körper noch ein paar Jahre.

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