Die besten Defense-Prospects im NFL-Draft 2018

Heute ein Blick auf die Defense im NFL-Draft 2018. 

Defensive Interior

Die Auguren sind sich einig: Sehr gute Klasse. Sowohl bei den traditionell gebauten, schweren Tackles als auch bei den seit Aaron Donald in Mode gekommenen, kleineren, quickeren Passrush-Tackles, gibt es hervorragende Auswahl.

Recht umstritten ist der körperlich beste Prospect der Runde, Washingtons immens gebauter DT Vita Vea. Vea punktet mit erstaunlicher Beweglichkeit für einen Brocken seines Formats. Er ist allein durch sein Gewicht kaum von der Stelle zu schieben und war am College auch ohne ausgefeilte Technik imstande, gegnerische Offense Liner zu dominieren.

Doch hier ist das Problem: Vea am College war „Mann unter Bubis“. Er war ihnen schlicht körperlich derart überlegen, dass er gar nicht anders konnte als sie alle plattzumachen. Dieser Gap ist in der NFL viel kleiner als bei den Hänflingen am College – und hier wird der fehlende letzte Zacken Antrittsschnelligkeit zu einem ernst zu nehmenden Problem.

Veas Technik und sein Durchhaltevermögen stehen durchaus zur Diskussion und geben Anlass zur Sorge. Vea möchte sein Spiel nach dem vom einstigen Bengals/49ers Defensive End Justin Smith modellieren – aber das Problem ist offensichtlich: Smith war mit 285 Pfund rund 60 Pfunde leichter und somit beweglicher als der 345 Pfund-Brocken (157 kg) Vea. Und das andere Problem: Defensive Tackles wie Suh oder der relativ gute Vea-Vergleich Dontari Poe bekamen zuletzt in der Free Agency, die Geld rauswarf wie lange nicht, nur Einjahresverträge für unterwältigende Kohle. Anders ausgedrückt: Defensive Interior steht nicht mehr so hoch im Kurs, wenn der Prospect nicht den monströsen ersten Schritt im Antritt hat.

Veas Gegenstück ist Da’Ron Payne von Alabama: Ein Kraftlackel um es mit zwei Viechern zugleich aufzunehmen und ein toller Techniker obendrein. Dafür ist Payne im Körperbau nicht ganz so extrem veranlagt wie Kollege Vea, ist etwas leichter, auch einfacher durch die Gegend zu schieben. Rotes Tuch bei Payne: Er konnte sein Potenzial erst im College-Finale gänzlich ausschöpfen. Werden ihm das die Scouts als Fragezeichen ankreiden oder lassen sie sich beeindrucken vom phänomenalen National Championship Game gegen Georgia?

Wie man es drehen und wenden will: Payne und Vea sind die einzigen wirklich „kompletten“ Prospects im Sinne von „3-Down Tackles“. Alle anderen ambitionierten Anwärter sind eher die dünnen, quicken Passrusher-Spezialisten.

Die Riege dieser wuseligen 280-Pfund Tackles wird von Michigans extrem antrittsschnellen, aber gegen den Lauf etwas punchlosen Maurice Hurst angeführt. Hurst explodiert förmlich an der Anspiellinie und wird für schwerfüßigere Guards eine Herausforderung – aber auf der anderen Seite ist nicht klar, ob er jemals ein 3-Down Tackle sein kann, der auch in klareren Laufsituationen eingesetzt werden kann.

Wie Hurst sind auch Jungs wie Floridas Taven Bryan, Andrew Brown von den Virginia Cavs oder Rasheem Green von USC klein gewachsen, eindimensional wie eine Scheibe Toastbrot, aber so quick, dass sie jeden Offense Liner vor knifflige Aufgaben stellen und somit im Idealfall für das eine oder andere Team einen 1st Rounder wert sind.

Edge Rusher

Nach wie vor die Elite-Position in der Defense: Edge Rusher. Sie sind neben Cornerbacks die bestbezahlten Verteidigungsspieler der NFL, aber je schneller das Kurzpassspiel in der NFL mit den „quick releases“ wird, desto extremer wird auch die Voraussetzung für Pass Rusher: Da es egal ist, ob du 0.3 oder 1 Sekunde zu spät kommst, wird immer mehr auf Explosivität im Antritt ankommen.

Und: Einen richtigen Weltklasse-Passrusher vom Schlage eines Khalil Mack oder Myles Garrett gibt es in diesem Draft nicht – dafür eine gute, tief besetzte Klasse mit vielen Optionen für verschiedene Teams. Ein recht sicherer Top-10 Pick, 1-2 weitere recht sichere 1st Rounder, 3-4 weitere mögliche: So sieht diese recht typische 2018er-Klasse aus.

Bradley Chubb von NC State gilt als bestes Talent. Chubb fabrizierte in der abgelaufenen Saison 10 Sacks und 26 Tackles für Raumverlust. Er ist nicht so explosiv und wird nicht jedes Scouts Unterhöschen nässen, aber er gilt als einer jener Spieler, die es hervorragend verstehen, ihre Balance so einzusetzen, dass sie stets einen guten Hebel gegen die Blocker haben – und entsprechend selten ihre 1-vs-1 Duelle verlieren.

10 Sacks mögen sich für einen Defensive End nicht nach überragend viel anhören, aber 26 Tackles für Raumverlust sind definitiv Anzeichen dafür, dass Chubb ein kompletter Spieler ist, der nicht in jedem Snap auf den Killer-Shot geht, sondern häufig die Ecken zudeckt und auch gegen Laufspiel wesentliche Plays macht.

Das macht Chubb zu einem potenziell unterschätzten Talent. Optisch springen dir im ersten Moment andere Typen ins Auge – aber Typen wie Chubb spielen jedes Down diszipliniert zu Ende und brechen nicht in dem Moment ab, in dem die Chance auf den Highlight-Sack zu Ende ist. Chubb ist damit in Summe keiner dieser Mega-Passrusher, die immer mehr gesucht werden – aber er punktet mit Vielseitigkeit. Und auch das ist ein Wert: Nicht eindimensional zu sein und dem Gegner damit keine offensichtliche Angriffsstelle zu bieten. So gilt Chubb Stand heute als recht sicherer Top-10 Pick.

Chubbs Gegenstück ist Arden Key von LSU: Seit Jahren als Megatalent gehypt und sensationell antrittsstark, ist Key kein richtig kompletter Prospect. Es gibt gewiss Scouts, die Key in den siebten Himmel schreiben, aber dafür müssen sie darüber hinwegsehen, dass Key seit Jahren Probleme mit seinem Kampfgewicht hat, dass er letzte Saison monatelang abtauchte (nicht nur mitten im Spiel; er blieb komplett dem Training fern!), und dass seine lädierte Schulter schon einiges mitgemacht hat.

An Key kann man zum Beispiel das Trügerische am Körpergewicht aufzeigen: Coaches meinen, idealerweise spielt er mit 255 Pfund. In der letzten Saison war Key jedoch zu undiszipliniert und lief häufig mit 280 Pfund auf, was seiner Explosivität weh tat. Zur Combine trainierte er sich extra auf 238 Pfund um starke athletische Werte einzufahren. Das birgt Gefahren.

Von der kleinen University of Texas-San Antonio könnte der krakenartige Marcus Davenport (6’6 Größe) in der 1ten Runde gehen, wenn Teams glauben, an seinen technischen Schwachstellen feilen zu können. Davenport hat bislang nur gegen zweitklassige Konkurrenz gespielt, aber seine athletischen Tests waren phänomenal, vergleichbar mit jenen von Jadeveon Clowney. Das macht Davenport in Summe zu einem boom or bust Spieler.

Viel kompletter, dafür in keinem Bereich wirklich herausstechend, ist einer der großen Namen aus dem College Football: Sam Hubbard von Ohio State, der für viele maximal ein 2nd Round Prospect ist.

Eher Typen für einen 3-4 Outside Linebacker sind Harold Landry von Boston College, Lorenzo Carter von Georgia, USCs Uchenna Nwosu oder Oklahomas Ogbonnia Okoronkwo.

Landry ist einer der typischen Speed-Rusher, die vor allem über Geschwindigkeit ums Eck kommen, aber nicht wirklich über ein komplettes Repertoire an Moves verfügen um Tackles durch die Bank zu überwinden. Landrys Problem ist überdies seine lange Verletzungshistorie.

Carter war am College kein typischer Passrusher. Aber viele Experten sehen in ihm mit seiner schlaksigen Figur durchaus Potenzial auf Entwicklung hin zu einem echten Edge-Rusher. Das würde Carters Wert steigern. Aber für die Umschulung braucht es Zeit und den richtigen Trainerstab.

Okoronkwo war am College bei Oklahoma ein extrem produktiver Spieler, aber seine athletischen Werte sind eher mau und viele Scouts reihen ihn erstaunlich niedrig. Okoronwko gilt eher als „Finesse-Spieler“, dem die Power für einen Star-Passrusher abgeht.

Interessanter Mann auch: Josh Sweat von FSU. Cosell meinte in einem Podcast, er sei am College erstaunlicherweise sehr häufig als „4-down“ Passrusher eingesetzt worden mit zwei Händen am Boden. Das habe ihn limitiert. Auch problematisch: Seine schwere Knieverletzung, die ihn 2017 noch lange behinderte. Aber in lichten Momenten sah Sweat wieder wie jener 1st-Rounder aus, den man in ihm über Jahre gesehen hatte. Ist Sweat gesund, könnte er sich als 5th-Rounder als echtes Schnäppchen erweisen.

Linebacker

Linebacker hat sich in den letzten 15 Jahren gefühlt im Wert nach unten entwickelt. Die Monsterverträge bekommen die besten Defensive Ends und Cornerbacks. Linebacker werden dagegen äußerst selten in den Top-10 gezogen und unterschreiben für 20% weniger Kohle als die 1er-Manndecker. Aber seit 1-2 Jahren wird man das Gefühl nicht los, dass erfolgreiche Truppen wie Carolina oder Seattle mit Leuten wie Kuechly, Davis oder Wagner wieder neue Aufmerksamkeit auf diese verwaiste Position gelegt haben.

„Off-Ball“ Linebacker wie Kuechly gelten nicht bloß als Tackle-Maschinen. Die schnellsten von ihnen sind echte Waffen gegen Lauf und Pass und können gegnerische Gameplans ähnlich limitieren wie sehr gute Passrusher. Der Draft 2018 hat dann auch just einen der speziellsten Prospects zu bieten: Virginia Techs Tremaine Edmunds, ein furchteinflößender Hüne mit 6’5 und 250 Pfund.

Edmunds ist nicht bloß groß und schwer. Er ist auch extrem schnell (4.54 über 40 Yards) und ein sicherer Tackler. Und er ist mit 19 noch Teenager – früher Wachstumsschub oder einzigartiger Prospect? Das ist bei ihm die entscheidende Frage.

Edmunds war seit Monaten der Geheimtipp für die Draftniks. Der viel bekanntere College-Spieler war Georgias Roquan Smith, mit 6’1 bei 225 Pfund deutlich schmächtiger gebaut. Roquan machte sich als Leader der gewaltigen Bulldogs-Defense einen Namen und hätte Darth-Vader nicht seinen Tua ausgepackt, Smith hätte die Saison 2017/18 als National-Champion abgeschlossen. So blieben ihm nur die Vizemeisterschaft und etliche individuelle Auszeichnungen als bester Linebacker des Jahres.

Smith gilt im Vergleich zu Edmunds als besserer Verteidiger in der horizontalen Achse (Fachjargon „sideline-to-sideline“), während Edmunds aggressiver nach vorne in die Gaps prescht, aber noch etliche Assignments verpasst. Die Debatte Smith-vs-Edmunds ist also im Prinzip eine zwischen einzigartiger Athletik (Edmunds) vs. ellenlanger Nachweisliste (Roquan).

Nachdem diese beiden Top-Prospects wohl recht schnell vom Tablett sein werden, gilt Boise States Leighton Vander Esch als dritter Kandidat für die 1te Runde: Esch ist mit 6’4 bei 240 Pfund genau zwischen Edmunds und Smith angesiedelt. Viele halten ihn für einen „Value-Pick“, da er mit deutlich weniger Tamtam antritt und deshalb rund 20 Picks „billiger“ zu haben sein wird als die bereits berühmten Kollegen.

Dahinter gibt es mit Malik Jefferson von Texas, Rashaan Evans von Alabama und Jerome Baker von Ohio State aus dem College Football gängige Namen von großen Colleges. Bei allen dreien fehlt die ganz große Kombination aus Power und Antrittsschnelligkeit um als 1st Rounder durchzugehen.

Cornerbacks

Linebacker schön und gut – aber in den meisten Defenses bleiben Cornerbacks neben den Edge-Rushern die wichtigsten Defense-Figuren. Die Klasse 2018 gilt als hervorragend bei den Top-Prospects besetzt, aber etwas fragwürdig in der Tiefe. Wer sich die Kante geben will: Das Triple Option Blog hat zirka 100.000 Anschläge Scouting-Notizen zu den besten Prospects verfasst [1][2][3].

Hier nur so viel: Alabamas Mincah Fitzpatrick gilt weithin als Top-CB im Draft. Für einige ist er nahezu der Idealtyp eines Defensive Backs und geht mit seinem Spielverständnis als bester Cornerback und bester Safety der Klasse durch. Es gibt nur ein Problem: Alabamas Cornerbacks in den letzten Jahren waren in der NFL eher unterwältigend: Leute wie Milliner, Kirkpatrick oder Kareem Jackson haben nie oder erst sehr spät ihren Status als 1st Rounder bestätigt.

Wo Fitzpatrick die Aussicht auf flexible Einsetzbarkeit bietet, gilt Ohio States Denzel Ward als mutmaßlich bester Cover-Corner. Ward ist mit 5’10 etwas klein gewachsen um die ranksten Receiver zu decken, aber er bringt die Beweglichkeit mit um auch den besten Receivern auf die Eier zu gehen, dass sie alsbald keine Lust mehr haben, ihre Routen sauber zu laufen.

Mögliche Kandidaten für späte 1te oder 2te Runde sind Louisvilles Jaire Alexander oder FSUs Tarvarus McFadden, wobei ersterer Verletzungsfragezeichen mitbringt und Letzterer recht steife Hüften. Bekannte Figuren aus dem College für Tag 1 oder 2 sind auch Iowas Josh Jackson, vor einem Jahr noch keiner Sau ein Begriff, Mike Hughes (UCF), Carlton Davis (Auburn) oder Isaiah Oliver von Colorado.

Safety

Die Experten sind sich einig: Trotz zweier starker Prospect eine insgesamt schwache Klasse – zumindest solange wir Mincah Fitzpatrick als Cornerback sehen.

Star der Runde ist Derwin James von FSU: Galt zwei Jahre lang als legitimer Nachfolger von Jalen Ramsey, dem mutmaßlich besten Defensive Back der NFL. Aber dann verletzte sich James und wurde hernach von FSU in „die Box“ gestellt um mehr Chance auf Big-Plays zu bekommen, was James nicht gut tat. James gilt als ideal eingesetzt, wenn er tief spielt und mit seiner Patrouille dem Gegner die Spielfeldmitte wegnimmt.

Gut möglich, dass James vor allem durch sein suboptimales Einsatzgebiet am College an Draft-Wert verlor und sich für die richtige Mannschaft als echtes Schnäppchen erweist.

Der andere mögliche 1st Rounder ist Ronnie Harrison von Alabama, ein guter Playmaker, aber auch bei ihm ist man sich nicht sicher, inwiefern seine Schwachstellen wie unsauberes Tackling oder zu wenig Spielverständnis gegen Play-Action von der Alabama-Defense und dem prominenteren Kollegen Fitzpatrick kaschiert wurden.

Die Schwäche der Klasse liegt also nicht bei den Top-Prospects, sondern in der Tiefe. Nur wenige weitere Safety-Kandidaten haben sowohl das Skill-Set zum Box-Safety als auch zum tiefen Taucher: DeShon Elliott von Texas A&M, Jessie Bates von Wake oder Siran Neal von Jacksonville State.

Zusammenfassend

Der „Tier 1“ der Defense-Prospects 2018 sieht wie folgt aus: DE Bradley Chubb, LB Tremaine Edmunds, LB Roquan Smith, DB Mincah Fitzpatrick, CB Denzel Ward, S Derwin James. Keiner dieser Prospects ist perfekt, aber sie gelten als die komplettesten Verteidiger und sollten unabhängig vom Wert ihrer Positionen in den Top-20 vom Tablett gehen.

Im „Tier 2“ mit den Spielern, die bei ungünstigem Verlauf durchaus in Runde 2 fallen können, im Idealfall aber auch Mitte oder obere Hälfte erste Runde gehen könnten: DE Marcus Davenport, DE/LB Harold Landry, DE Arden Key, DT Vita Vea, DT Da’Ron Payne, DT Maurice Hurst, LB Leighton Van der Esch, CB Tarvarus McFadden, CB Josh Jackson, CB Jaire Alexander, S Ronnie Harrison.

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Ein Kommentar zu “Die besten Defense-Prospects im NFL-Draft 2018

  1. Pingback: Vor dem NFL-Draft 2018 | Sideline Reporter - Eier, wir brauchen Eier!

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