Draft 2018 – Nach der 2ten Runde

Der Stand nach Runde 2.

Die New York Giants werden in US-Landen geprügelt für ihre auf Rushing-Offense bedachte Draftstrategie mit RB Saquon Barkley an #2 und OG Will Hernandez auf #34. Vor allem der Barkley-Pick wird hervorgezogen als überholter Move. Du ziehst an #2 keinen Runningback, auch nicht den besten, wenn du einen 37-jährigen QB auf dem absteigenden Ast hast, in einer QB-lastigen Draftklasse, im Jahr 2018 in der NFL.

Doch: Während GM Gettleman die alten Werte des Football ebenso verteidigt wie vertritt, stauben die modernen General Manager die Trophäen ab. Die Giants haben nun indes, Alter, Qualität/Trend und Gehaltssituation betrachtend, vermutlich die schlechteste QB-Situation in der gesamten NFC.

Die Stars von Runde 2

DE Harold Landry, der für alle überraschend in Runde 2 fiel, wurde an #41 von den Tennessee Titans gezogen. Tennessee, das letzte Saison vor allem mit seiner katastrophalen Offense von sich reden machte, geht damit in den ersten beiden Runden auf Defense. Man vertraut wohl, dass der neue OffCoord LaFleur aus dem vorzeigbaren Spielermaterial im Angriff wesentlich mehr machen kann als Vorgänger Mularkey.

Pittsburgh Steelers – QB Mason Rudolph in Runde 3 nach zuvor WR James Washington in Runde 2: Die Steelers verpflichten gleich beide prominente Offensivspieler der Oklahoma State Cowboys. Rudolph hatte im Vorfeld in einigen Kreisen als potenzieller 1st Rounder gegolten.

Orlando Brown jr. – Offensive Tackle, und von den Baltimore Ravens in Runde 3 gezogen. Browns gleichnamiger, 2011 verstorbener Vater hatte auch schon für die Ravens gespielt und galt als Kumpel von Ravens-GM Ozzie Newsome.

Runningbacks – Nachdem bereits drei Backs in Runde 1 gingen, folgten ihnen in Runde zwei und drei gleich fünf Stück:

  • #35 Nick Chubb nach Cleveland
  • #38 Ronald Jones nach Tampa
  • #43 Kerryon Johnson nach Detroit
  • #59 Derrius Guice nach Washington
  • #71 Royce Freeman nach Denver

Auffällig: Guice ging relativ spät, später als erwartet. Lektion: Komplett eindimensionale Backs haben nicht mehr den Wert früherer Tage. Ist ein Runningback als Ballträger nicht so dominant wie z.B. Guices ex-Teamkollege Fournette, wird er heute kaum mehr in Runde 1 gezogen.

Die Need-Picker

Colts – Nach QB Quenton Nelson an #6 in der 1ten Runde machte GM Chris Ballard weiter, holte in Runde 2 mit Pick #37 noch einen weiteren Vorblocker: OT/OG Braden Smith von Auburn. Smith ist ein ehemaliger Kugelstoßer und gilt al relativ reifer Prospect, der wie Nelson schnell eine Stammrolle übernehmen kann.

Die Colts haben damit nun auf dem Papier eine recht komplette Offensive Line beisammen: LT Castonzo gilt als einer der brauchbaren Tackles in der NFL, dazu C Ryan Kelly, der vor zwei Jahren als 1st Rounder kam, plus Nelson und Smith – und für die Tiefe die in der Free Agency eingekauften Guards Slausson und Mewhort.

Zu den beiden Offensive Linern holte sich Indy drei Verteidiger: An #36 LB Darius Leonard, an #52 DE Kemoky Turay und an #64 DE Tyquan Lewis. Leonard ist einer dieser neuartigen, kleinen wendigen Linebacker: Nur 234 Pfund, aber extrem schnell. Seine größte Schwäche ist das Tackling. Trotzdem wird er seinen Platz in der Colts-Defense finden, möglicherweise auch als LB/Safety-Hybrid.

Die größte Schwäche der Colts-Defense ist aber seit Jahren der nonexistente Pass Rush, seit Robert Mathis zurückgetreten ist. Turay ist etwas athletischer, zügiger, während Lewis über ein etwas kompletteres Arsenal an Waffen verfügt. Beide bringen Tiefe und Potenzial in eine Colts-Defense, die nun von einem neuen Trainerstab betreut wird.


Packers – Cornerback, Cornerback, Linebacker für Green Bay. Nach CB Jaire Alexander in Runde 1 kam gestern Iowa-CB Josh Jackson in Runde 2 dazu. Alexander wie Jackson bringen beide ein Turnover-hungriges Element mit: Alexander machte 6 INT in nur 6 Einsätzen in 2017, Jackson hatte über die Saison 8 INT. Während einige Alexander auf #18 als „Reach“ bezeichnen, sehen andere Jackson auf #45 als exakt richtigen Spot, was seinen „Draft-Wert“ angeht. Dazu in der 3ten Runde LB Oren Burks, wie oben Leonard ein „halber Safety“ für eventuelle Defense-Spielereien in Green Bay.


Buccaneers – Man hatte schon in Runde 1 erwartet, dass Tampa sein Defensive Backfield angehen würde, aber man beließ es dort bei DT Vita Vea, der Gerald McCoys neuer Flankenschutz in Sachen Passrush über die Spielfeldmitte wird.

In Runde 2 holte man Verpasstes nach und draftete mit CB M.J. Stewart und CB Carlton Davis zweimal Manndeckung für die Secondary, die eine der brutalsten Divisionen der NFL bewachen muss – die NFC South, wo Falcons und Saints Feuerpower ohne Ende entgegenschicken. Tampa hatte schon vor wenigen Jahren CB Hargreaves ganz hoch gezogen – der hat bislang seinen Durchbruch nicht geschafft.

Aber manchmal muss ein Gebilde als Gesamtes erst „klick“ machen, bis die Defense ihren Durchbruch schafft: Vea, der McCoy den einen Blocker die eine Viertelsekunde länger vom Leib hält, damit McCoy durchkommt. Die Corner, die nur eine Viertelsekunde länger gegenhalten müssen, dass der Pass Rush durchkommt und Sack oder überhasteten Wurf erzwingt. Insofern eine hervorragende 2te Runde der Buccs.


Patriots – New England fokussierte sich nicht wie vielleicht erwartet auf das Einberufen eines künftigen Franchise-QBs, sondern auf den Schutz von QB Tom Brady. Nach den Abgängen von LT Solder und Backup-OT Fleming in der Free Agency haben die Patriots gleich mehrere Picks in die Offensive Line investiert:

  • OT/OG Isaiah Wynn an #23 in der 1ten Runde
  • OT Trent Brown via Trade aus San Francisco. Die Pats gaben dafür nur einen 3rd Rounder auf und bekommen einen 5th Rounder mitgeliefert. Vorteil: Der Hüne Brown hat bereits Erfahrung als NFL-Starter. Nachteil: In einem Jahr läuft sein Vertrag aus.

Der „Head-Scratcher“ im Patriots-Draft bleibt RB Sony Michel auf #31, vor allem wenn man die Leichtigkeit, mit der Belichick/McDaniels billige Backs einbauten, und das Fehlen adäquater Defensive Liner im Kader beachtet.

Eagles vs Cowboys

Gestern trat der künftige Hall of Famer, Cowboys-TE Jason Witten zurück. Grund genug für die Eagles für eine Troll-Aktion:

Der „Dallas“ ist Dallas Goedert, Tight End von South Dakota State.

Dallas Offense Line

Die Dallas Cowboys haben nach LB Vander Esch in Runde 1 den OT/OG Connor Williams in Runde 2 folgen lassen – just zu einem Zeitpunkt, als man sich fragte, ob die Dominanz der Cowboys-OL nun ihr Ende erreicht haben könnte. Williams war in vielen Mock-Drafts in der 1ten Runde vom Tablett gegangen und galt im Vorfeld des Drafts als vielleicht prominentester Offensive Tackle der Klasse. Nominell liest sich die Offense Line in Dallas damit nun wieder recht lustig:

Black Thugs

Die Houstion Texans drafteten zu Beginn der dritten Runde den Stanford-Safety Justin Reid. Der Pick wurde sportlich weithin gelobt. Justin ist der Bruder von Eric Reid, aktuell Free Agent ohne großartige Aussicht auf weitere Anstellung in der NFL. Denn: Eric war einer der bekanntesten Unterstützer von Colin Kaepernick in der Hymnen-Protestbewegung der NFL. Diese Protestler werden von den NFL gnadenlos ignoriert.

Das alles ist nun nicht unwitzig, denn Justin geht nun nach Houston, zu den Texans. Deren Owner Bob McNair profilierte sich in konservativen weißen Kreisen in der letzten Saison mit seinem „can’t make inmates runnnig the prison“ Kommentar als Hero der Verteidigung weißer Privilegien. Ob McNair weiß, wen sein Front Office hier gedraftet hat?

Noch am Tablett

Bekanntester nicht gedrafteter Spieler bislang: DT Maurice Hurst von Michigan. Bei ihm wurde im Vorfeld ein Herzfehler bekannt, der dramatisch genug ausschaut, dass Hurst im schlimmsten Fall komplett durch den Rost fällt. Auch der deutschstämmige WR St. Brown und QB Lauletta wurden noch nicht gezogen.

3 Kommentare zu “Draft 2018 – Nach der 2ten Runde

  1. Ich bin mit dem zweiten Tag der Browns unzufrieden. Es gäbe noch so viele Baustellen…und dann ein RB in der 2. Runde?

  2. Auch nicht völlig überzeugt vom Browns Draft, aber der Roster ist nun endlich nach Jahren mal wieder NFL tauglich.

    An #1 ist Mayfield für mich nur drittbeste Wahl nach Rosen und Darnold.
    An #4 hätte man besseren Value bekommen können als Ward. Wenn man von Ward überzeugt war, hätte man downtraden können und ein paar Picks mitnehmen. Wenn auch mit dem Risiko, daß auf #12 kein Ward mehr gewesen wäre.
    Dann ein Guard in Rd2, ok. Lasse ich gelten, weil OL nie schadet.
    Aber RB auf #35? Ein PR wie Landry wäre die attraktivere Wahl gewesen, zumal mit Carlos Hyde und Duke Johnson bereits zwei sehr gute Ball Carrier/Ball Catcher im Team sind.
    Dann immerhin guter Value mit DE Chad Thomas in Rd 3 und WR Antonio Callaway in Rd 4.

    Als Recap:
    Browns haben ein klares Upgrade auf QB gegenüber 2017: QB: Mayfield/Tyrod >>> Kizer, und sie werden auch besser mit Hue Jackson auskommen.
    RB: Hyde/Johnson/Chubb sind auch ein Upgrade vs 2017.
    WR: Gordon/Callaway/Coleman/Landry sind ein gutes Quartett, auch wenn man bei Gordon abwarten muss.
    TE: Njoku sollte sich mit besserer QB-Situation und mehr Erfahrung entwickeln.
    OL: Joe Thomas weg, aber er war eh 2017 verletzt.

    DEF:
    DL: auf DT hat man sich zurückentwickelt mit dem Abgang von Shelton. DE sollte verbessert sein. Mehr Erfahrung und mehr Tiefe.
    LB: Keine wesentlichen Änderungen.
    CB: Ward wird sofort Starter. Gaines und Mitchell sind gute Ergänzungsspieler bis Starter, mal schauen ob man Taylor hält. Sollte aber auch eine Verbesserung sein, wenn Ward seine Versprechen hält.
    S: Duo Peppers/Randall hat Potenzial, wenn sie von DC Williams gut eingesetzt werden.

    Wenig originelles Fazit: Viel steht und fällt mit der Entwicklung von Mayfield. Ich hoffe das beste für ihn, aber wie schon geschrieben, Darnold oder Rosen hätten mir mehr Vertrauen eingeschenkt.

  3. Johannes, ich glaube, Rosen war keine Option in Cleveland. Ein QB-prospect, der sagt, er will mehr SBs gewinnen als Tom Brady, in einem Team was in den letzten zwei Saisons ein einziges Spiel gewonnen hat? Ich vermute, der wäre nach 5 Spielen extrem frustriert.
    Was Josh Gordon angeht, würde ich mir wünschen, dass die Browns ihn traden. Ich glaube, die Browns sind für ihn irgendwie nicht das perfekte Umfeld.
    „Dann ein Guard in Rd2, ok. Lasse ich gelten, …“ 😀 Sehr cool formuliert!

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