USA: Verbot von Sportwetten ist aufgehoben

Schockwellen aus den USA: Der Supreme Court hat gestern das Verbot von Sportwetten in den USA aufgehoben und damit die Tür geöffnet, dass die Bundesstaaten in den USA künftig selbst über diesen Markt entscheiden können. Die Entscheidung hat sich seit Jahren angedeutet. Für die großen Sportligen in den USA – darunter natürlich die NFL – waren Sportwetten bislang stets als Werk des Teufels porträtiert worden.

Der gemeine Mitteleuropäer, der mit tipico oder Tipp-3 Bundesliga oder BetFred Cup aufgewachsen ist, kann sich gar nicht vorstellen, wie stigmatisiert das Thema „Sportwetten“ in den USA ist. „Gambling“ gilt als Teufelswerkzeug und wurde jahrzehntelang von den großen Ligen bekämpft – der „Integrität des Spiels“ zuliebe. Bis auf den Staat Nevada sowie einige Orte in Delaware waren Wetten auf Football- oder Baseballspiele und Pferderennen verboten bzw. nur äußert eingeschränkt möglich – ein Verbot, das einen milliardenschweren Schwarzmarkt nach sich zog.

So kämpften Staaten wie New Jersey seit Jahren für eine Legalisierung von Sportwetten. Worum es in dem Streit ging, hat Andrew Brandt bereits im Dezember zusammengefasst. Kurz gefasst: Der Bundesstaat New Jersey wollte staatliche Sportwetten anbieten, wurde jedoch von den großen Profiligen mit dem PASPA (Professional and Amateur Sports Protection Act) immer wieder geblockt. Bis der scheidende republikanische Gouverneur Chris Christie vor den Obersten Gerichtshof zog.

Eine Legalisierung hatte sich seit Monaten angekündigt – umstritten war einzig und allein die Form bzw. der Grad, denn die Ausmaße des Schwarzmarkts (wie gesagt: Milliarden, nicht Millionen) waren unübersehbar.

Die Entscheidung des Supreme Court hebt nun den PASPA auf. Die Entscheidung war nicht knapp, sondern 7:2 nach Stimmen. Folge: Staaten können nun über die Implementierung von Sportwetten-Systemen selbst entscheiden.

Es wird erwartet, dass etliche Staaten auf den Zug aufspringen – viele von ihnen haben schon erste Gesetzentwürfe in die Wege geleitet (ich zähle 18, und ca. 8 von ihnen können die Umsetzung noch in diesem Jahr durchboxen). Einige Experten schätzen, dass in New Jersey schon zum Start der NBA-Finals in rund einem Monat die ersten Wetten platziert werden können – und dass in Staaten wie West Virginia oder Pennsylvania zum Start der NFL-Saison auch die Wetter Hochkonjunktur bekommen.

Die Frage ist nun, wie die Sport-Ligen vorgehen. NFL, MLB, NHL oder NBA malen noch fleißig den Teufel an die Wand und verteidigen die Werte des Sports – aber, wie Brandt anmerkt: Wer Wasser predigt, aber Wein säuft, dem glaubt sowieso kein Mensch mehr. Und wenn die NHL seit letzter Saison mit den Vegas Golden Knights oder die NFL ab 2020 mit den Las Vegas Raiders aus eigenen Stücken Franchises ins Herz des Wettparadieses Nevada setzen, kann es mit dem Integritätsgedanken nicht mehr ganz so ernst sein. Und bei verwandten Themen wie Fantasy Football wurden die Ligen in den letzten Jahren schon weichgekocht.

Vielmehr glauben viele, dass die Offiziellen der großen Ligen ob der Niederlage insgeheim aufatmen. Freie Sportwetten eröffnen neue Geldquellen – Potenzial auf neue, gigantomanische Werbeverträge – und sie werden das Interesse an den jeweiligen Ligen nur noch weiter in die Höhe treiben.

Die Form des Zusammenspiels zwischen den Ligen und dem Wettmarkt wird zu beobachten sein. Aktuell gibt es verschiedene denkbare Wege: Eine „Integrity Tax“, eine Art Sondersteuer also, ist eine der Möglichkeiten, wie NFL und Kollegen zu frischem Geld kommen – aber die Fantasie geht soweit, dass irgendwann in Zukunft eine „b-win NFL“ den „bet365 Superbowl“ ausrichten könnte.

Was als sicher gilt: Die großen Sportverbände werden versuchen, eine Aufsplittung der Wettangebote quer durch die Lande zu verhindern. Sie werden in Richtung eines landesweiten Regelwerks zur Umsetzung von Wettangeboten hinarbeiten. Sie werden ganz Gambling-Kontrollinstanzen aufbauen. Und sie werden das Thema zu einem Kernelement der nächsten CBA-Verhandlungen machen (in der NFL also ca. 2021, wenn das aktuelle CBA ausläuft).

Ein schnelles Beispiel, wie das mit den Wetten in Bälde aussehen könnte? Das MetLife Stadium, das mitten in New Jersey liegt und in dem mit Jets und Giants zwei der wertvollsten Franchises der USA spielen, wurde durch ein PPP-Modell (public private partnership) finanziert. Gut möglich, dass der Staat das Angebot von Live-Wetten direkt im Stadion erlauben wird – etwa indem der User eine Wi-Fi App öffnet und auf den Vollstrecker des nächsten Touchdowns wettet.

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3 Kommentare zu “USA: Verbot von Sportwetten ist aufgehoben

  1. Hatte immer gedacht das die USA das Land des zockens also auch wettens immer war. Aber das ist typisch für dieses Land,Bigotterie wegen eines Nippel gates aber die größte pornoindustrie der Welt. Wieso man nicht in diesem riesigen freien Land überall wetten kann werde ich nie Verstehen.

  2. Dazu ein Ausschnitt aus dogfoods Allesaussersport:

    Interessant wird die Position des US-Sports selber sein, auf deren „Rücken“ mit Sportwetten Geld gemacht werden, ohne das Franchises, Ligen oder Spielergewerkschaften davon direkt profitieren – wer erinnert sich nicht dereinst an den Versuch von europäischen Fußball-Ligen, Spielpläne unter Urheberrecht fallen zu lassen, um über diesen Weg bei Sportwettanbietern abzukassieren. Der US-Sport tickt aber aufgrund seiner völlig anderen kommerziellen Struktur, anders als Europa. Mal sehen was für Stellschrauben der US-Sport sich ausguckt…

    Ein weiteres interessantes US-Sport-Problem, ist die Flut der Spiele – zB 162 Spiele für jedes Team in der MLB – und die zahlreichen Ereignisse im Laufe eines Spiels, auf die man wetten kann. Die Wett- und Manipulationsprobleme im Cricket-Sport, zeigen die Risiken z.B. für Baseball auf. Ähnlich wie im Cricket, fällt im Rahmen von 162 Saisonspielen und 2×9 Innings mit je 3 At-Bats, es kaum auf, wenn man bei einem At-Bat absichtlich mal einen Walk einstreut.

    aus: http://www.allesaussersport.de/archiv/2018/05/15/screensport-am-dienstag-422/

  3. NFL zieht erste Möglichkeiten in Betracht, den Urteilsspruch für sich zu nutzen:

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