Buffalo Bills in der Sezierstunde

Verkürzte Sezierstunde über die Buffalo Bills 2018.

Gestartet mit der Intention, so viele Spiele wie möglich zu verlieren um hohe Draftpicks für den Kader-Umbau im heurigen Frühjahr zu bekommen, landeten die Bills bei 9-7 Siegen überraschend in den Playoffs. Dass dennoch nur wenige den Trainerstab um Headcoach-Rookie Sean McDermott lobten, liegt an der lauwarmen Spielweise sowie dem QB-Management McDermotts, der mit seiner Enteierung des soliden QB Taylor sowie der Einwechslung von QB Peterman gegen die Chargers den Klogriff des Jahres gemacht hatte (Peterman mit 5 INT zur Pause wieder ausgewechselt).

Doch 2017 war nie der Maßstab für McDermott und Co. Ab 2018 zählt. Jeder wusste, dass sich Buffalo in der Offseason 2018 den „QB der Zukunft“ greifen würde. Und sie taten das auch! Buffalo arbeitete sich mit zwei Trades hoch in die Top-10 und zog an #7 Wyomings Josh Allen. Eine Entscheidung, mit der die mittelfristige Zukunft der Bills steht und fällt…

…und eine Entscheidung mit mäßiger Erfolgschance. Denn nicht bloß hätte man den weithin als reifer angesehenen Josh Rosen nehmen können – nope, man zog ausgerechnet Allen, für dessen Typus Quarterback – monströser Wurfarm, Präzision einer Schrotflinte – es nur wenige erfolgreiche Beispiele in der NFL-Geschichte gibt.

Über Allen wurde bereits viel geschrieben. Der Tweet, der mir am teuflischsten vorkommt, ist aber dieser:

Warren Sharp schneidet bei Allen das Thema „Taten sagen mehr als Worte“ oder anders: Egal, was Allens College-Coaches behaupten, sie ließen in Wyoming eine extrem lauflastige Offense spielen – obwohl sie einen Quarterback mit Allens Ruf hatten, obwohl die Lauf-Offense katastrophal schlecht war und obwohl Wyomings Gegner im Schnitt eine schlechtere Pass- als Lauf-Defense hatten.

Wyomings OffCoord Brent Vigen kannte Allen von der Pieke auf: Er rekrutierte ihn vor vier Jahren und setzte letztes Jahr alle Hebel in Bewegung um Allens frühzeitigen Gang in die NFL zu verhindern. Vigen entschuldigte Allens schwaches 2017-Jahr damit, dass Wyomings Offense häufig in langen 2nd und 3rd Down Situationen werfen musste. An der Stelle kann man zwei mögliche Folgerungen schließen:

  • Vigen ist zu unflexibel um ein starr im Hinterzimmer ausgedachtes System (mit fixen, unverschiebbaren Run/Pass Quoten) zu ändern obwohl er einen Top-QB im Kader hat.
  • Oder Vigen wusste, dass Allen nicht das QB-Kaliber ist zu dem er von Scouts geschrieben wurde.

Fakt ist: Wyoming spielte mit Allen auf QB lauflastig trotz schrecklicher Lauf-Effizienz. Viel verdammender kann ein Statement für einen 1st-Round QB Pick nicht sein. Und an diesen Quarterback band der Bills-Staff sein Schicksal.

Ob Allen schon 2018 Einsätze in der NFL bekommen wird, bleibt abzuwarten. Es ist eigentlich eh egal: Viel reißen wird Buffalo nicht, ob mit ihm oder dem Backup A.J. McCarron an der Front. Dafür ist auch das Personal um den Quarterback herum zu wackelig besetzt.

LT Cordy Glenn wurde im Zuge der Uptrades in die Top-10 nach Cincinnati verkauft, LG Incognito erklärte seinen Rücktritt. Auf Runningback hängt das Damoklesschwert einer Sperre von RB LeSean McCoy über der Mannschaft und auf Wide Receiver gibt es nur wenige Leute von Format: Der 1,96m Hünen Kelvin Benjamin ist nicht explosiv genug für die tiefen Bälle, Zay Jones ein Butterfinger – H-Back Charles Clay genügt noch am ehesten höchsten Ansprüchen.

Defense

Die Defense ist punktuell gut besetzt, aber lebte schon 2017 in erster Linie von Turnovers. Mit DT Lotulelei holte sich McDermott einen alten Bekannten aus Carolina um die Mitte zu bolstern – doch es tut sich hier die Frage auf, wie lange der DT-Oldie Kyle Williams als Nebenmann noch durchhält.

Als Play-Maker draftete man mit dem zweiten 1st-Rounder den 19-jährigen LB Tremaine Edmunds, den viele als spektakulärsten Defense-Prospect des Jahrgangs sahen. Edmunds ist als athletisches Upgrade eingeplant, aber kann er in so jungen Jahren wirklich schon die Verantwortung für die komplette Defense-Orchestrierung übernehmen? Und was ist mit Leuten wie DE Shaq Lawson, die als ehemalige 1st Rounder noch nichts gezeigt haben? Oder mit CB Tredevious White, dem größten Lichtblick von 2017: War 2017 schon der große Moment oder ist er tatsächlich der fantastische Zone-Corner, den McDermott immer wollte?

Es gibt also etliche viele Fragen, da etliche der wesentlichen Starter sehr jung sind. Immerhin holte man sich mit DE Murphy (aus Washington) und CB Vontae Davis (ex-Colts) zwei Routiniers als Vertiefung des Kaders. Doch personell klingt die Bills-Defense im besten Fall „gleichwertig“, wenn wir sie mit jener der Bills 2017 vergleichen. Sie als „besser aufgestellt“ zu bezeichnen, wäre eine gewagte Behauptung.

Ausblick

In Kombination mit der sicherlich fragwürdigeren Offense sowie der natürlichen Regression zur Mitte (Power Ranking #26 trotz 9-7 Bilanz) wird das ein zähes Jahr für Buffalo 2018.

Doch wir hatten das schon festgestellt: Die Bills sind natürlich nicht als kurzfristiges Projekt zu sehen, sondern eher mit Blick 2020. Doch selbst wenn wir der Mannschaft noch ein oder zwei Jahre zum Reifen zubilligen, bleibt noch immer der bange Blick auf die QB-Position: Allen muss sich schon komplett entgegen allen bisherigen Beispielen entwickeln, will er einer der besseren NFL-Quarterbacks werden. Es gibt ausreichend Grund, skeptisch zu sein. Zu viele dieser reinen „look&feel“-Prospects ohne präzisen Wurfarm und nachgewiesene Qualitäten im Decision-Making haben sich in der NFL höllisch verbrannt.

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3 Kommentare zu “Buffalo Bills in der Sezierstunde

  1. Mit den Allen Pick haben wir uns die nähere Zukunft versaut, ich könnte heute noch austicken wenn ich daran denke das wir Allen über Rosen genommen haben, es ist das erste mal seid 30 Jahren das ich keine Lust auf die Bills habe vor einer Saison.

  2. Cordy Glenns Abgang wird verkraftet werden, da Dion Dawkins ihn bereits letzte Saison gut vertrat. Mit den restlichen Fragezeichen hast du natürlich absolut recht. Sehe die Bills dennoch besser abschneiden als 2-14, wie die Sports Illustrated Projection es voraussagt.

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