Optimierungspotenzial für die Minnesota Vikings

Die Minnesota Vikings waren eine der positivsten Erscheinungen von 2017/18: Nach 13-3 Siegen in der Regular Season und einem wundersamen Viertelfinalsieg über New Orleans endete die Saison erst im NFC-Championship Game bei den Philadelphia Eagles.

Doch so gut 13-3 und Halbfinale sind: Es ist nicht der Titel, und die Konkurrenz schläft nicht. So viel Lob Minnesotas letztjähriger OffCoord Pat Shurmur bekam und so laut das Wehklagen ob seines Abgangs zu den Giants ausfiel: So sehr sehe ich Verbesserungspotenzial im Play-Calling der Vikings, die im anstehenden Herbst von OffCoord John DeFilippo betreut werden.

Ich möchte an der Stelle auf die Playcalling-Serie vom Frühsommer verweisen, in denen ich einige klassische Playcalling-Schwächen der NFL aufzeigte. Lass uns mal schauen, wie sich die Vikings so geschlagen haben – immer in der 1ten Halbzeit, bevor das Playcalling durch den Spielstand entscheidend beeinflusst wird.

Ich schrieb: Die NFL ist…

…zu lauflastig im 1st & 10. In dieser Situation wirft die NFL in nur 47% der Fälle, deutlich zu selten. Die Vikings jedoch warfen sogar in nur 45% der Fälle (240 Situationen). Damit war Minnesota nur das 24t-passlastige Team. Schlimm, wenn man bedenkt, dass die Vikings mit Passspiel eine Erfolgsquote von 58% aufwiesen, im Laufspiel jedoch nur zu 39% erfolgreich waren.

…zu passlastig im 2nd & kurz. Minnesota hatte insgesamt 25 Situationen mit 2nd Down & 1 oder 2 Yards to go – nur New England hatte mehr. In dieser Situation callt die NFL richtigerweise überwiegend Laufspiel, nämlich in 68% der Fälle.

Ich forderte eben ca. 70% Laufspiel. Minnesota war in diesen Situationen extrem lauflastig: 88% der Fälle wurde gelaufen, die 5t-höchste Lauf-Rate der NFL. Das Play-Calling ist nach NFL-weitem Standard also zu lauflastig – aber gab Minnesota in diesem Moment recht: Denn die Vikings hatten 77% Erfolgsquote durch Laufspiel und nur 67% durch Passspiel.

…zu lauflastig im 2nd & 10, getrieben von der Angst vor einer zweiten Incompletion. Die NFL wirft in 58% der 2nd&10 Fälle – deutlich zu selten, aber wie ich schon schrieb: 2nd&10 resultiert häufig aus einer 1st-Down Incompletion, und dann kommt die psychologische Bremse im Hinterkopf.

Minnesota war aber noch ängstlicher dem Pass gegenüber eingestellt: Nur 50% Pass-Quote bei 2nd & 10. Das ist umso erstaunlicher, weil die Passversuche eine SR% von 56% hatten, der Lauf nur von 28%. Und das in immerhin 36 Situationen.

…viel zu passlastig im 3rd & kurz. Ich verlange hohe Lauf-Quoten von Coaches in 3rd Down & 1 oder 2 Yards to go. Minnesota jedoch war fest in traditionellen Mustern gefangen: 76% Pass-Quote bei 3rd & short – die höchste Pass-Quote der Liga.

Doch das Play-Calling der Vikings war optimierungsbedürftig, auch unter dem Gesichtspunkt der eigenen Effizienz: Von den 19 Passversuchen führten nur 58% zu einem neuen 1st Down, während alle 6 Läufe ein neues 1st Down markierten: 100% SR für das Laufspiel.

…zu passlastig in Situationen zwischen 3rd & 5 und 3rd & 10. Die Situation, in der die NFL typischerweise zwischen 90% und 93% werfen lässt, obwohl der Pass im Vergleich zum Laufspiel um ca. 20% geringere Erfolgsquoten aufweist – logisch, wenn sich die Defenses derart klar auf den Pass fokussieren können. Ich fordere höhere Lauf-Quoten.

Minnesota hörte nicht zu: 98% Pass-Rate. Also in 56 von 57 Situationen den Ball geworfen – nur 1 Team warf noch mehr. Dabei verwertete Minnesota nur 45% der Pässe zu einem neuen 1st Down. Der einzige Lauf resultierte (natürlich) in einem neuen 1st Down.

…zu schüchtern in 4th Downs & kurz. Minnesota war schüchtern: Nur ein 4th&short ausgespielt. Gelaufen. Verwertet zum 1st Down.


Bei allem Lob, das den Vikings in der letzten Saison auch berechtigterweise zukam: Das Play-Calling verdiente eher Tadel. Minnesota war unter Chefcoach Zimmer und OffCoord Shurmur eindeutig ein Team vom alten Schlag, Marke „RRPP“ (Run, Run, Pass, Punt): Zu viel Lauf im 1st Down, sehr viel Lauf im 2nd Down, viel zu viel Pass im 3rd Down, und dann fast immer den Ball weggetreten.

Die moderne NFL sollte anders ticken: PPRR sollte das Motto sein, zumindest solange man keine kurzen 2nd Downs oder langen 4th Downs auszuspielen hat. Aber das ist doch das Schöne daran: Selbst die besten haben noch deutlich Luft nach oben.

Coach Flip, your turn to flip the playcalling sheet.

5 Kommentare zu “Optimierungspotenzial für die Minnesota Vikings

  1. der Minneapolis Miracle war der Wahnsinn freue mich schon auf die neue season mit weiteren großartigen spielen.

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