Zahlendreher: Welchen Unterschied gibt es zwischen Trade und Entlassung bei Dead-Money?

Frage von Leser Jens zum Thema Salary-Cap und Dead-Money:

Was passiert im Fall eines Cuts wenn die Spieler entlassen werden bevor sie das voll garantierte Geld erhalten haben? Sie müssen ausgezahlt werden und das Team hat je nachdem wie lang der Spieler im Team weilte einen gehörigen Batzen Dead Money an der Backe.

Doch was passiert bei einem Trade? Der Teil des garantierten Geldes, welches der Signing Bonus war, landet im Dead Cap, aber was passiert mit dem restlichen Anteil den der Spieler als garantiert bekommen hätte? Muss das alte Team den Teil noch erfüllen und ihn auszahlen oder muss das neue Team den Part mit übernehmen?

Bei „guaranteed money“ ist immer zu unterscheiden, worum es sich handelt. Und dabei meine ich nicht bloß die Unterscheidung zwischen „injury guarantee“, das nur im Falle einer Verletzung zu garantiertem Geld wird, oder „fully guaranteed“, sondern vor allem um die Strukturierung des Gehalts.

NFL-Verträge sind im Gegensatz zum Beispiel zur MLB (Baseball) für gewöhnlich keine voll garantierten Verträge. Es gibt immer ein Fixgehalt (P5 Base Money) und das Handgeld („Signing Bonus“). Letzteres ist der „garantierte“ Teil des Gehalts und wird auf die Länge des Spielervertrags abgeschrieben (allerdings auf maximal fünf Jahre). Dazu gibt es weitere Klauseln wie Roster-Boni (z.B. für das Aufscheinen im Kader zu einem Stichtag) oder Option-Boni (z.B. für das Erreichen gewisser Leistungsziele).

Genauer habe ich das Thema schon früher abgearbeitet: Wie errechnet sich die Salary Cap? Kurzfassung: Nur der garantierte Gehaltsteil landet im Dead-Money.

Es gibt nun verschiedene Möglichkeiten für Spieler, sich Teile des Fixgehalts als „guarantee“ in den Vertrag schreiben zu lassen:

  • Eben besagte „Injury Guarantee“ (I)
  • Oder eine „Skill Guarantee“ (S)
  • Oder eine „Cap Guarantee“ (C)

Die S-I-C Gründe – die drei „football reasons“, mit denen die NFL ihre Spieler feuern kann: Sie schützen den Spieler vor vorzeitiger Entlassung bzw. davor, dass sich das Team bei vorzeitiger Entlassung das nicht-garantierte Gehalt einsparen kann. Spieler, die sich gegen alle drei Gründe versichern können, haben eine „fully guarantee“ und werden jenes garantierte Gehalt früher oder später kassieren. Die Frage ist: Von wem?

Spieler, die nur gegen einen Grund versichert sind, haben eine „partial guarantee“, die oft nicht das Papier wert ist, auf die sie gedruckt wurde. Als erweiterte Form gibt es die konditionierte „guarantee“: Der Spieler lässt sich in den Vertrag schreiben, dass sein Roster-Bonus z.B. am fünften Tag des neuen Liga-Jahres auch gegen Skill und Cap garantiert wird und hat somit die „fully guarantee“ (die dann wirklich was wert ist) in Form eines Roster-Bonus erreicht.

Kommen wir zu Dead-Money, der Cap-Zahl, die einer Mannschaft angerechnet wird, nachdem sie den Spieler bereits gefeuert oder getradet hat. Es ist die Zahl, die Team am meisten fürchten – und sie ist je höher, desto größer die garantierten Beträge in den Gehältern waren bzw. je früher der Spieler aus seinem Vertrag entlassen oder verkauft wird.

Als Grundsatz gilt dabei: Alles, was bereits „guaranteed“ war und als Cash ausgezahlt wurde, wird dem abgebenden Team angelastet. Doch während bei einer Entlassung auch die zukünftigen „guarantees“ gegen das abgebende Team geschrieben werden, werden bei einem Trade noch nicht ausgezahlte Roster-Boni von einem Team auf das nächste überschrieben.

Es entscheidet also der Zeitpunkt der Abgabe: Was bereits war, geht gegen das alte Team. Was sein wird, geht bei einem Trade gegen das neue Team. Auch wenn das abgebende Team den ursprünglichen Vertrag verhandelt hatte.

Ein simples Rechenbeispiel

Hier ein Beispiel eines Vertrags mit einem „fully guaranteed“ Fixgehalt in den ersten drei Jahren: Ein Vertrag über vier Jahre über insgesamt 25 Mio. Dollar, mit 8 Mio. Handgeld und insgesamt 17.5 Mio. fully-guaranteed Money.

Salary Cap Beispielvertrag.PNG

Der Vertrag garantiert dem Spieler nicht bloß 17.5 Mio (grau markierter Bereich). Er garantiert dem Spieler auch mehr oder weniger drei Jahre Platz im Roster – und somit eigentlich zwei weitere Millionen in Form des Roster-Bonus (hellgrau), da das Team den Spieler vor Kassieren des Roster-Bonuses nicht entlassen kann – denn jede Entlassung bis zum dritten Jahr kostet das Team mehr an Dead-Money als es Cap-Space sparen würde. Der Agent könnte mit harten Nippeln von einem 25 Mio-Vertrag mit fast 20 Mio. guaranteed sprechen.

Nehmen wir nun an, dieser Spieler erweist sich nach zwei Jahren als Vollflop. Die Mannschaft hätte die Option, ihn zu cutten und 9 Mio. Dead-Money zu kassieren – 2 Mio. mehr als er im dritten Jahr an Cap-Space anschreiben würde (nämlich 7 Mio). Das täte weh – doch man will den Spieler nicht mehr im Kader.

Bei einem Trade bestünde nun die Möglichkeit, 3 der 5 Millionen des „fully guaranteed“ Fixgehalts in einen Signing-Bonus umzuwandeln und dann den Spieler an eine andere Mannschaft zu verkaufen. Diese würde dann die verbleibenden 2 Mio. an Fixgehalt schlucken, während die abgebende Mannschaft nach dem Trade „nur noch“ 7 Mio. an Dead-Money anschreiben würde – und somit pari ausgeht: 7 Mio. wäre die Cap-Zahl gewesen, 7 Mio. wird bei Trade als Dead-Money angeschrieben. 9 Mio. wären es bei Entlassung gewesen.

Team B kann den Spieler für ein Jahr und zwei Mio. austesten und dann ohne Dead-Money entlassen oder einen neuen Vertrag aushandeln.

Anmerkungen

Es hat sich bei Trades häufig etabliert, dass das abgebende Team den Vertrag mit dem Tauschobjekt (a.k.a. Spieler) kurz vor dem Abschluss des Trades noch anpasst und die Guarantees nach vorne schraubt. Der Grund liegt auf der Hand: Kein Abnehmer übernimmt gerne hohe Guarantees.

Und für das abgebende Team gilt: Immer noch besser nur 80% des Dead-Money abzuschreiben und einen konditionierten 7th Rounder (oder auch gar nichts) mitzunehmen als durch Entlassung 100% Dead-Money anzuschreiben. Das abnehmende Team erhält den Spieler dagegen günstiger als z.B. am Free-Agency Markt und damit auch risikoärmer, und muss nur wenig Draft-Kapital dafür abgeben.

In den letzten Jahren ist vermehrt der Trend zu beobachten, dass Teams von den ganz fetten Handgeldern (Signing-Boni) weggehen um „Cap-flexibel“ zu bleiben. Sprich: Sie bauen entlang der Zeitachse verschiedene „Guarantees“ in die Verträge um nicht von Anfang an den Albatross eines millionenschweren Signing-Bonus mitzuschleppen, der einen Spieler auf Jahre auf Gedeih und Verderb im Kader bindet.

Mit Roster-Bonus hier und garantiertem Fixgehalt (wegen guarantee gegen S-I-C reasons) da können sie dem Spieler noch immer hohe garantierte Gehälter anbieten – ohne die Gewissheit, immer das ganze Dead-Money zu kassieren. Denn bei einem Trade könnte der Abnehmer einen Teil des garantierten Geldes schlucken und so das ursprüngliche Team entlasten.

„Offset-Language“

Beim Thema garantierte Gehälter gibt es noch einen zentralen Punkt zu beachten: „Offset Language“ – die Gegenrechnung. Team A kann dem Spieler in den Vertrag schreiben, dass bei einem Teamwechsel garantiertes Gehalt „verrechnet“ werden kann. Beispiel: Spieler A kassiert 5 Mio. Guarantees bei Team A, wechselt nach Entlassung über Free Agency zu Team B und kassiert 3 Mio. guaranteed: Mit dem richtigen „No Offset“-Klausel kann der Spieler hier insgesamt 8 Mio. an guarantees einsacken.

Ohne „No-Offset“ Klausel sieht die Welt anders aus: Dann kann nämlich Team A die 3 Mio. von Team B verrechnen und schuldet dem Spieler nur noch 2 Mio.

4 Kommentare zu “Zahlendreher: Welchen Unterschied gibt es zwischen Trade und Entlassung bei Dead-Money?

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