Shanahan vs. Sarkisian in der Sezierstunde

Heute ein Blick auf die Offenses der Atlanta Falcons in 2016 und 2017. Wie schlimm war es 2017 wirklich?

Vorab: Atlanta war nach der epischen Saison 2016/17 prädestiniert für Regression und wäre es auch gewesen, hätte es keinen Wechsel auf Offensive Coordiantor von Kyle Shanahan auf Steve Sarkisian gegeben. Und die Regression schlug natürlich ein:

  • Von 11-5 Siegen auf 10-6.
  • Von Superbowl auf Viertelfinale
  • Von 8.2 NY/A Passsiel auf 7.2 NY/A.
  • Von 540 Offense-Punkten auf 353.
  • Von 19 Punkten/Spiel in der 1ten Halbzeit auf 12
  • Von 3.06 Punkten pro Drive auf 2.17.
  • Von 40.5 yds/Drive auf 36.9
  • Von #1 Offense im Power-Ranking auf #6.

Worin unterschieden sich die Offenses von Shanahan und Sarkisian?

Hier die Play-Calling Rates (Lauf/Pass) sowie die Erfolgsquoten pro Down:

Offense Falcons 2016-2017.png

Im Play-Calling fällt auf, dass sowohl Shanahan als auch Sarkisian eher lauf-lastig im 1st Down unterwegs waren: Nur 47% bzw. 48% Pass-Quote. Man kann Argumente aufbringen, dass beide Coaches hätten häufiger werfen sollen. In 2nd und 3rd Down war Shanahan deutlich passlastiger unterwegs als sein Nachfolger.

Doch auffallend ist die Effizienz der Versuche: Shanahans Falcons waren 2016 absurd effizient in den ersten beiden Downs: 63% der Passversuche im 1st Down waren erfolgreich und 53% der 2nd Downs. Shanahan brauchte bei so vielen positiven Versuchen noch gar nicht einmal eine besonders großartige 3rd-Down Offense: Die Ketten waren schon vorher bewegt worden: 11.0 Yards/Pass im 1st Down, 8.5 Yards/Pass im 2nd Down.

Dagegen sieht die Sarkisian-Offense recht geerdet aus. 56% Erfolgsquote im Passspiel ist noch immer ein exzellenter Wert, aber kein überirdischer.

Auch im 2nd-Down Passing war Shanahans Offense um 4 Prozentpunkte erfolgreicher, brachte ebens0 1.7 Yards/Pass mehr an als Sarkisians Offense. Ebenso 3rd Down: Beide Offenses waren in diesem Down zu passlastig: 83% bzw. 79% sind zu hohe Pass-Quoten für eine 3rd-Down Situation. Sarkisians Falcons waren sogar wesentlich effizienter im Laufspiel: 66% zu 50% Erfolgsquote, 3.6 zu 1.6 Yards/Rush.

Also der wesentliche Unterschied zwischen beiden Offenses: Shanahan war wesentlich erfolgreicher im 1st-Down Passing und sagte deutlich mehr Passspiel in 2nd und 3rd Down an, bei jeweils um rund 4-5% besserer Success-Rate.

Doch woher diese Dominanz unter Shanahan?

Kurz: Es liegt am Deep-Passing. Sarkisians Offense erreichte 2017 im Passspiel folgende Werte:

  • 1st Down: 46% Pass-SR, 12.2 YPA
  • 2nd Down: 50% Pass-SR, 9.1 YPA
  • 3rd Down: 14% Pass-SR, 2.6 YPA

Solche Werte sind in etwa Liga-Durchschnitt. Die NFL bringt im 1st Down im Deep-Passing ca. 42% der Pässe erfolgreich an den Mann. Im 2nd Down sind es rund 40%, im 3rd Down 37%. Atlanta war vor allem im 3rd Down eher desaströs.

Doch auch die anderen beiden Werte stellen die Shanahan-Falcons komplett in den Senkel. Die Deep-Ball Stats der Falcons 2016 sind so episch, dass sie noch einmal platziert werden müssen:

  • 1st Down: 67% Pass-SR, 18.8 YPA
  • 2nd Down: 63% Pass-SR, 15.9 YPA
  • 3rd Down: 57% Pass-SR, 15.6 YPA

Kurz: Atlanta dominierte 2016 gegnerische Offenses vor allem mit seinem sensationellen tiefen Passspiel. Da konnte die Offense Sarkisians nicht wirklich mithalten, auch wenn sie in allen anderen Belangen ebenbürtig war. Doch wo Atlanta 2016 fast 16% seiner Pässe mit mehr als 20 Yards Raumgewinn abschloss, war Atlanta 2017 mit nur 11% eine ganze Ecke drunter.

Immerhin: Sarkisians Offense steigerte sich im Saisonverlauf. Nachdem die Offense in der ersten Saisonhälfte 2017 kaum tief gegangen war, schlossen die Falcons 2017 am Ende mit 26% Deep-Ball Quote im 1st Down ab. Shanahan hatte nur 24% seiner 1st-Down Pässe tief geschickt.

Wie sieht es mit den Formationen aus?

Die Auswertung zeigt: Atlanta war in 2016 und 2017 eine deutlich weniger auf 11-Personnel fokussierte Offense als der Rest der NFL (Durchschnittsteam hat 60% 11-Personnel). Dennoch gibt es einige zentrale Unterschiede zwischen den beiden Mannschaften:

Falcons Personnel 2016-2017.png

11-Personnel war natürlich die präferierte Option beider Offense-Geister. Doch auf den ersten Blick war Shanahan vor allem mit 74% Pass-Quote wurflastiger als Sarskisian, der nur 68% Pass-Quote aus der 11-Personnel Formation hatte. Dabei waren beide in etwa gleich erfolgreich in Lauf wie in Passspiel.

Doch auch hier liegt der Teufel im Deep-Passing: Sarkisians Falcons hatten aus 11-Personnel folgende Zahlen:

  • 1st Down: 41% Pass-SR, 12.0 YPA
  • 2nd Down: 44% Pass-SR, 9.2 YPA
  • 3rd Down: 9% Pass-SR, 1.6 YPA

Während Shanahan aus 11-Personnel häufig tief ging und damit in 1st und 3rd Down die NFL an die Wand nagelte:

  • 1st Down: 69% Pass-SR, 19.7 YPA
  • 2nd Down: 40% Pass-SR, 9.6 YPA
  • 3rd Down: 67% Pass-SR, 15.6 YPA

Darüber hinaus fällt auf, dass Shanahan deutlich mehr aus 21-Personnel spielen ließ. Shanahan hatte FB Patrick DiMarco zur Verfügung. Wir hatten auf DiMarcos Verlust hingewiesen. Shanahan ließ fast ein Viertel seiner Offense-Snaps aus 21-Personnel spielen, während Sarkisian nur noch 16%, also jeden sechsten Snap, aus dieser Formation spielen ließ.

Beide hatten rund 42% Pass-Quote aus 21-Personnel. Aber Shanahans Falcons waren bedeutend erfolgreicher aus dieser Formation: 60% Erfolgsquote im Passspiel gegenüber 49% unter Sarkisian. Im Sarkisian-Jahr fiel auf, dass vor allem WR Tyler Gabriel horrende Effizienz-Zahlen aus 21-Personnel hatte. Sein Abgang könnte in diesem Sinne wie „Addition durch Subtraktion“ anzusehen sein. Wenn der „Neue“, Rookie-WR Calvin Ridley, als zweiter Wide Receiver in der 2-WR Aufstellung sich besser behaupten kann als 2017 Gabriel, werden die Falcons hier einen Sprung machen.

Ebenso auffallend: 13-Personnel, also die Formation mit 3 Tight Ends. Shanahan ließ immerhin 7% seiner Snaps aus dieser Formation spielen und hatte dabei eine erstaunliche Pass-Quote von 54%. Von Sarkisian könnte man fast behaupten, dass er diese Formation aus seinem Play-Book strich: Nur 2% der Snaps wurden aus dieser Aufstellung gespielt – und dabei warf er nur in 32% der Snaps. Shanahan fuhr 64% Erfolgsquote im Passspiel ein. Sarkisian nur 50%.

Red Zone Offense

Letzte große Auffälligkeit ist die Performance der beiden Offenses in der RedZone. Shanahans Falcons waren äußert effizient im Abschließen ihrer Drives, während Sarkisian zwar bis dorthin ganz ordentlich die Ketten bewegten, aber dann eher ineffizient blieben.

Shanahan:

  • 1st Down: 46% Pass-SR, 3.9 YPA
  • 2nd Down: 38% Pass-SR, 3.8 YPA
  • 3rd Down: 50% Pass-SR, 4.9 YPA

Sarkisian:

  • 1st Down in RZ: 28% Pass-SR, 2.1 YPA
  • 2nd Down in RZ: 32% Pass-SR, 2.5 YPA
  • 3rd Down in RZ: 38% Pass-SR, 4.3 YPA

Matt Ryan 2017 in keinem Down mit auch nur 40% Erfolgsquote in der RedZone – was lief schief? Es war vor allem die Verteilung der Pässe, besser: Die extreme Konzentration auf Pässe für Wide Receiver. Julio Jones wurde 25x angespielt, nur 9 der Pässe resultierten in Erfolgen. Nur 4 TD.

Shanahan hatte sein Passspiel in der Redzone bedeutend stärker auf seine Runningbacks konzentriert, während Sarkisian zu 64% auf seine Wide Receiver werfen ließ – die Atlanta hängen ließen: 29% Success-Rate. Vor allem Gabriel war mit nur 1/7 Successes ein Ausfall (erneut Gabriel…), auch Jones mit 9/25 eher enttäuschend. Shanahan hatte Jones nur 14x in der Redzone angespielt.

Das ist überhaupt so ein heimlicher Erfolgsfaktor der Falcons: Im offenen Feld Pass auf Jones, in der Redzone nutzte man Jones vor der Sarkisian-Zeit vor allem als Ablenkungsmanöver und ließ die Kollegen die Touchdowns abstauben. Vermutlich auch daher die eher niedrigen TD-Zahlen in Jones‘ Karriere.

Fazit: Sarkisian muss seine Redzone-Offense 2018 einen Tick weg von Jones designen. Dann wird es besser.

Morgen dann die Sezierstunde über die Atlanta Falcons.

6 Kommentare zu “Shanahan vs. Sarkisian in der Sezierstunde

  1. Ich denke man tut Sarkisian hier ein wenig unrecht, der ist kein schlechter Playcaller, er hat ja im worst case immernoch den NFL Durchschnitt erreicht.(wenn auch mit einer überdurchschnittlich talentierten offense)
    Kyle Shanahan ist vermutlich einfach der beste offensive Playcaller der NFL.

  2. @blub: Ich habe immer betont, dass ich die Kritik an Sarkisian für völlig überzogen halte und dass Regression immer eingesetzt hätte – auch mit Shanahan. 2016 war ein einmaliger Ausreißer, der sich fast sicher nicht wiederholen lässt.

    Post-Divisionals: https://sidelinereporter.wordpress.com/2018/01/17/finger-in-die-wunden-divisional-playoffs-2017-18-review/

    Sezierstunde 2017: https://sidelinereporter.wordpress.com/2017/04/13/atlanta-falcons-in-der-sezierstunde-6/

  3. Pingback: Atlanta Falcons in der Sezierstunde | Sideline Reporter - Eier, wir brauchen Eier!

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