New Orleans Saints in der Sezierstunde

Die New Orleans Saints kommen aus einer hervorragenden Saison – gestoppt nur vom „Minnesota Miracle“.

Sportlich waren die Saints ein Top-3 Team der vergangenen Saison. Die wichtigsten Storys waren das Revival von Defense und Running Game, die beide QB Drew Brees entlasteten. Brees, der wurfgewaltigste Quarterback der letzten 10 Jahre (662 Pässe/Saison), kam letzte Saison mit nur 536 Pässen in der Regular Season aus. Diese Pässe waren jedoch extrem effizient: 7.5 NY/A, 52% Pass-Success Rate (NFL-Schnitt 44%). In 1st und 2nd Down war Brees sogar in sensationellen 58% erfolgreich.

Saints-Offseason

Trotz nach wie vor angespannter Salary-Cap Situation: New Orleans ist nicht mehr in der Cap-Hölle wie noch vor ein paar Jahren. Unter dieser Prämisse mussten zwar Leute wie DT Fairley (6 Mio) oder TE Fleener (4.8 Mio, aber 67% Success-Rate) aus Cap-Gründen gefeuert werden. Aber man bekam die Vertragsneustrukturierug mit Brees besser über die Bühne als man noch vor 1-2 Jahre gedacht hätte und verlor dahinter vielleicht noch SS Vaccaro und DE Okafor als wichtigere Ergänzungsspieler.

Der Move der Offseason war der Draft-Trade für DE Marcus Davenport, den New Orleans an #14 draftete. Für das Recht an Davenport verkauften die Saints zwei 1st-Rounder an die Packers. Den Move kann man vor allem unter dem Gesichtspunkt „all-in für die letzten Jahren von Drew Brees“ verstehen.

Dass man ausgerechnet Davenport holte, ist auch insofern kurios, weil der Mann als eher ungeschliffener Diamant galt, dem man eher 1-2 Einlernjahre attestierte, ehe er zu großer Form aufläuft. Doch unverkennbar ist der Versuch der Saints, mehr Druck aus der Front Seven zu erzeugen um die Secondary zu entlasten. New Orleans geht eindeutig davon aus, dass man dank der eigenen punktgewaltigen Offense in der Defense recht stark hopp-oder-topp spielen kann: Druck schicken, Quarterback zu Fehlern zwingen.

Die Spielfeldmitte ist mit DT Sheldon Rankins und Konsorten mittlerweile ganz ordentlich besetzt, DE Cameron Jordan hat sich zu einem der komplettesten Verteidiger entwickelt – selbst wenn eine Wiederholung seiner 2017er-Saison kaum möglich erscheint.

Und im Defensive Backfield holte man CB Patrick Robinson als Nickelback zurück. Die Flanken werden von den Jungspunden CB Lattimore und CB Crawley bewacht, die beide ein superbes 2017 hinter sich haben. Das sind natürlich einerseits schon einige One-Year Wonder. Aber andererseits muss die Defense gar nicht Shutdown-Defense spielen. Sie muss bloß verhindern, dass die Saints-Offense in jeder Partie 30 Punkte aufs Tablett legen muss.

Wichtigster Move in der Secondary war der Einkauf von S Kurt Coleman, den man allerdings besser per Trade aus Carolina geholt hätte anstatt für ihn 16 Mio und 6.2 Mio guaranteed über 3 Jahre hinzulegen. Aber auch hier sieht man: Die Saints können sich wieder den einen oder anderen größeren Move leisten ohne sich komplett die Zukunft zu verbauen.

Verbesserungspotenziale in der Offense

So großartig Brees und seine Offense geölt sind: Es gibt noch Potenzial im Play-Calling. Zuerst die offensichtlichen Bolzen:

Im 1st Down & 10 wirft Brees in nur 45% der Fälle. Die Zahlen verlangen 55%. Auch die Effizienz der Saints schreit nach mehr Passspiel: 59% Pass-SR vs. 49% Run-SR im 1st & 10 für die Saints.

Im 3rd & short haben die Saints 52% Pass-Quote. Die Zahlen fordern über 70% Run-Rate. Nicht nur das: New Orleans konvertierte in seinen Lauf-Versuchen in 64% der Läufe zum 1st Down, jedoch nur zu 50% im Fall eines Passes.

Im 3rd & lang werfen die Saints zu fast 100%, obwohl die Zahlen eindrücklich zumindest eine 15-20%ige Run-Quote fordern.

Die weiteren Mängel sind eher kleine Ineffizienzen:

Aus 12-Personnel (2 TE) hat New Orleans eine perfekt balancierte Play-Calling Ratio: 50/50. Dabei ist New Orleans mit 55% Pass-SR wesentlich erfolgreicher als im Laufen: 46% Run-SR aus 12-Personnel.

Zudem ist bei den Saints relativ einfach anhand der Aufstellung des Quarterbacks ablesbar, ob Lauf oder Pass ansteht: Ist Brees in Shotgun, kommt zu 90% ein Pass (NFL-Schnitt: 77%). Begrapscht Brees den Arsch des Centers, wird es zu 73% Lauf (NFL-Schnitt 67%).


Dass die Saints-Offense trotz dieser Versehen derart grandios geschmiert auftritt, spricht für die individuelle Qualität des Quarterbacks und einzelner Skill-Player wie WR Thomas oder RB Kamara sowie das sehr vielseitige Play-Design von Headcoach Payton, das auch eher mittelmäßige Leute wie WR Ted Ginn (66% Success-Rate), RB Ingram (48% Success-Rate) oder den hünenhaften Blocking-WR Coleman (50% Success-Rate!) wie Stars aussehen lässt.

Auch die Neuzugänge in der Offense haben es in sich: WR Cam Meredith kostete nicht viel, war aber Chicagos erfolgreichster WR der letzten Saison. TE Ben Watson mag mit Mitte 30 kein Über-Athlet mehr sein, aber er kennt die Brees-Offense von früher. Und Rookie TreQuan Smith aus der 3ten Runde kann sachte eingelernt werden.

Man wird Fleener vermutlich vermissen, aber sollte man das Play-Calling mehr in Richtung 11-Personnel schieben, fällt der Abgang kaum auf. 58% der Saints-Pässe von 2017 kamen aus 11-Personnel, und mit 52% Success-Rate war man dabei äußerst erfolgreich. Auch Laufspiel aus 11-Personnel war ein positiver Faktor der Saints: 52% Success-Rate, Top-5 Wert in der NFL.

Ausblick

Vieles klingt optimistisch, wenn wir über die Saints reden. Und es mag erfolgreich sein und in die Playoffs führen. Aber es spricht einiges dagegen, dass es für New Orleans einfach wird:

  1. Regression zur Mitte: Kann Kamara tatsächlich noch einmal ein Top-5 Jahr an Effizienz hinlegen? Was ist mit der Defense, die jahrelang am Bodensatz gurkte, nur um letztes Jahr plötzlich als #11 rauszugehen? Was passiert, wenn sie etwas eingeht und die 3.6% INT-Quote nicht mehr wiederholt werden können?
  2. Der Saints-Schedule ist der 2t-schwerste der NFL. Die NFC South hat in Atlanta einen kompletteren Divisionsrivalen, und selbst wenn man die Division unbeschadet übersteht, wartet ein brutales Playoff-Feld. Gerade als New Orleans Saints muss dein Ziel Heimvorteil in den Playoffs sein.
  3. Zahn der Zeit: Angesichts eines 41-jährigen Tom Brady wirkt Brees wie ein Jungspund, aber Brees ist auch schon Ein Alter, in dem wenige Quarterbacks jemals noch Top-Niveau erreicht haben. Ist Brees dagegen immun, oder muss er noch mehr auf Kurzpassspiel umstellen (Drews Yards-after-Catch Quote ist 59%, eine der höchsten in der NFL).

Gerade im brutalen NFC-Rennen muss jeder Contender das Maximum aus seinen Möglichkeiten herauskitzeln – und das beginnt beim Play-Calling. Die Saints haben die Potenziale klar und deutlich auf dem Servierteller. Sean Payton muss sie allerdings nutzen, will er in der NFC bestehen.

6 Kommentare zu “New Orleans Saints in der Sezierstunde

  1. Was die Ergebnisse des letzten Jahres noch beeindruckender macht ist, dass die Saints zum Zeitpunkt des Spieles sage und schreibe 31 Spieler (laut Pro Football Reference) auf der IR Liste hatten. Ich glaube irgendwo gelesen zu haben das kaum eine Mannschaft mehr hatte.
    Dies spricht dafür, dass der Kader eine gewisse Tiefe hat, bzw. die Talentfindung dank Jeff Ireland wieder funktioniert.
    Dieses Jahr scheint der Kader noch ausgewogener und besser zu sein und trotzdem glaube ich (aus den von dir oben genannten Gründen) auch nicht an eine Wiederholung der letztjährigen Wundersaison. Insbesondere der Schedule und das manchmal zu berechenbare Playcalling (z.B. Brees in der Shotgun 90% Pass) kann selbst dieser vor Talent strotzende Kader in dieser Mörderdivision nicht wett machen.
    Zu Davenport: Es zeichnet sich bereits jetzt in der Preseason ab, dass er Zeit brauchen wird. Hoffen wir das er sich sie gibt (Druck) und die Saints ihn in Ruhe entwickeln. Zum Glück scheint Okafor wieder fit zu sein und DE Trey Hendrickson (3 Runde letztes Jahr) entwickelt sich sehr stark.
    Ich tippe, dass sie (nach eventuell knapp zweistelligen Siegen) als Wild Card Team in die Playoffs einziehen werden. In den Playoffs bräuchten sie aber wie du oben richtig sagst unbedingt Heimrecht….

  2. New Orleans hatte seine Verletzungsprobleme vor allem in der Defense:

    DEF AGL: #31
    DL AGL: #28
    LB AGL: #24
    DB AGL: #28

    In der Offense war man nach AGL die #16. Auf QB, RB & WR jeweils unter den gesündesten Teams, nur auf TE #24.

    In Summe #24 der Verletztenliste nach verpassten Starts. Das schreit natürlich nach Regression zur Mitte. Aber können mehr gesunde Spieler das auffangen, was die Defense vielleicht an Effizienz verlieren wird?

  3. Da das Linebacker Corps nicht an Schnelligkeit gewonnen hat und Lattimore und Kamara schwerlich noch einmal so ein Monsterjahr haben werden glaube ich dass andere Spieler überraschen müssen. Die Tiefe könnte der Kader haben, allein ob wieder Juwellen dabei sind vermag ich nicht zu sagen.

  4. Was man auch nicht vergessen sollte: Die Saints OL hatte in 16 Spielen 16 verschiedene Starting Formations. Kann also auch in der Offense noch besser werden 😉

  5. Pingback: Das waren die Sezierstunden 2018 | Sideline Reporter - Eier, wir brauchen Eier!

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