Chips Rückkehr

Chip Kelly war einst der heißeste Scheiß in der Szene des American Football. Fünfeinhalb Jahre nach seinem Wechsel vom College Football in die NFL kehrt er in den College Football zurück.

Wer sich noch nicht lange mit Football beschäftigt, dem wird entgangen sein, für welche Revolution Kellys ultraschnelle Offenses bei den Oregon Ducks gesorgt haben. Es wurden ganze Literarien darüber geschrieben, wie Kelly die Hochgeschwindigkeits-Offense mit diesen Zillionen über das Feld flitzenden Irrwischen zu bauen imstande war – wie intensiv seine Coaching-Sessions waren, wie viel Wert er auf exzellente medizinische Versorgung seiner Spieler legte.

Ich schrieb des Öfteren über Kelly, unter anderem hier: Der Innovator. Oder über Chip Kellys Offense, bis heute die schönste Offense, die ich kenne.

Kelly wechselte 2013 zu den Philadelphia Eagles in die NFL. Mit gewaltigen Vorschusslorbeeren angetreten, führte er die Eagles sofort mit fantastischer Offense in die Playoffs – doch dann ging es, angefangen bei fehlender Weiterentwicklung seiner Offense hin zu katastrophalen personellen Entscheidungen nur noch bergab. Nach drei Jahren wurde er in Philly gefeuert – und hängte ein erfolgloses Jahr bei den qualitativ nicht auf NFL-Niveau befindlichen 49ers dran, ehe er eine Auszeit nahm.

Kellys Zeit in der NFL hat Chris B. Brown von Smart Football vor einigen Jahren ganz gut zusammengefasst – man merke sich: Brown war immer ein Fan von Chips gewesen. Seine finale Bilanz klingt eher kritisch:

Das Problem mit Chips NFL-Offense: Sie war letztlich zu eindimensional, zu durchschaubar. Dennoch wäre es vermessen zu behaupten, dass Kelly kein Erbe in der NFL hinterlassen hat: Hurry-Up wird heute deutlich öfter gespielt, die Shotgun-Formation ist mittlerweile die gängigste Aufstellung für Quarterback, Runningbacks und Tight Ends sind ein immer wichtigerer Bestandteil im Passspiel und im medizinischen Bereich haben viele NFL-Mannschaften einen Sprung nach vorne gemacht – auch dank Chips neuer Methoden.

Und nicht zuletzt gewannen die Eagles vor einem halben Jahr mit etlichen Spielzügen aus Chips Play-Book die Superbowl – bloß: Kellys Nachfolger Doug Pederson hatte Kellys Plays nicht als Basis der kompletten Offense, sondern als wertvolle Ergänzung betrachtet und somit mehr zu bieten gehabt als inside-Zone und outside-Zone. Siehe hierzu diesen aufschlussreichen Twitter-Threat mit Smartfootball und Konsorten.

Wie gering eigentlich der Unterschied zwischen Kellys Oregon-Offenses und seinen Eagles-Offenses war, zeigt die Verteilung der Raumgewinne, die Chips Offenses in Oregon (grün) und in der NFL (blau) verzeichneten:

Chips Oregon-Offenses hatten sogar mehr negative Plays als seine NFL-Offenses – aber dafür hatten sie ca. 2% mehr explosive Plays – ein kleiner, aber wesentlicher Unterschied. Jene explosiven Plays machten letztendlich den Unterschied – doch dabei sollte man auch beachten, dass es im College Football deutlich mehr

Ich hatte zwar auch immer den Eindruck, dass Kellys Offenses in der NFL nach einigen Monaten durchschaut wurden – und deshalb bin ich durchaus überrascht von der Verteilung der beiden Kurven.

Doch ich war auch immer der Meinung, dass solche Coaches wie Chip die NFL massiv nach vorne bringen würden (siehe hier aus Dezember 2015, kurz vor Kellys Entlassung: Die Zukunft des American Football). Und ich hatte auch immer den Eindruck, dass Chips NFL-Zeit am Ende vor allem aufgrund seiner streitbaren Persönlichkeit ins Leere lief: Er hätte ganz einfach auf seine desaströsen GM-Tätigkeiten verzichten sollen – und hätte sich ein feines Leben machen können.

Tat er nicht – und scheiterte so letztlich an sich selbst.

Jetzt ist er zurück am College – diesmal nicht bei den Neureichen der University of Oregon, sondern in Los Angeles, bei den UCLA Bruins. Die haben noch mehr Geld als Nike-Oregon und haben noch mehr Recruiting-Potenzial (wichtig für Kelly, der ein unwilliger Recruiter ist). Und sie haben mit dem alles überstrahlenden Stadtrivalen USC neben sich eine relativ ruhige Medienlandschaft.

Kelly wird vielleicht 2-3 Jahre brauchen um seinen sensationellen Erfolg in Oregon zu replizieren. Doch für das Eine wird er ganz bestimmt sorgen: Einen Hingucker.

Ein Kommentar zu “Chips Rückkehr

  1. Pingback: College Football 2018 – Opening Weekend Preview | Sideline Reporter - Eier, wir brauchen Eier!

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