Furchtlose NFL-Vorschau 2018/19 | Die Kellerkinder

Der Countdown für den NFL-Start 2018/19 läuft – Zeit für die alljährliche große, Furchtlose NFL-Vorschau auf Sideline Reporter. Es läuft wie immer: Alle 32 Mannschaft in der Vorschau, aufgeteilt auf vier Kategorien:

  • Bodensatz – Acht Mannschaften, die eher auf den Top-Draftpick schielen als auf die Playoffs
  • Niemandsland – Die Mittelklasseteams, zu gut für den kompletten Absturz, aber mit ausreichend Schwächen um ohne viele richtig fallende Dominosteine in das Playoff-Rennen
  • Kronprinzen – Die Teams, die ganz deutlich in Richtung Playoffs schielen, aber zu viele Fragezeichen haben um zu diesem Zeitpunkt als ernsthafter Titel-Contender durchzugehen.
  • Titelfavoriten – Die acht Mannschaften mit der besten Chance auf die Vince-Lombardi Trophy.

Die Grenzen zwischen den einzelnen Kategorien sind wie immer fließend, und es wird einige umstrittene Rankings geben. Zusätzlich erschwert wird die Preview vor der anstehenden Saison vom beträchtlichen Qualitätsunterschied zwischen AFC und NFC – denn während in der NFC ein regelrechtes Wettrüsten um die besten Spieler stattfindet, gehen in der AFC maximal fünf Mannschaften als komplett besetzte Truppen durch.

So schwierig wie vor der anstehenden Saison fand ich die Furchtlose Vorschau noch nie. Wo wir letzte Saison mit ziemlicher Sicherheit von einem Durchmarsch der Patriots ins Finale ausgehen konnten, stehen wir heuer vor einem Rätsel.

Gleich 18 Mannschaften gehen mit neuen Offensive Coordinators in die neue Saison und zahlreiche Quarterbacks kehren nach dem Horrorjahr 2017 in ihre Mannschaften zurück. Das bringt zusätzliche Unsicherheit – und zusätzliches Überraschungspotenzial.

Die furchtlose Vorschau konzentriert sich wie immer darauf, was die Mannschaften erreichen könnten. Nicht zwingend sich die acht Mannschaften im Bodensatz die acht schlechtesten der Liga, doch eine Kombination aus Umbruch und Pech mit dem Schedule kann Mannschaften nach oben oder unten spülen. Wie immer bekommen die Coaches Gewicht, und wie immer zählen Pass-Künstler mehr als brachiale Power-Runner. Die verwendeten Metriken kann man der Box nebenan entnehmen.

Disclaimer: Die Furchtlose Vorschau hat den Anspruch, über allgemeines Blabla mit der Recherchetiefe eines Schülerzeitungsredakteurs hinauszugehen. Trotzdem sind einzelne überholte Spielernamen bei einer Flut an Transaktionen über 32 Mannschaften unvermeidlich.

Arizona Cardinals

Wahrscheinlichkeit Top-5 Pick: 37%
Tipp: Platz 4 in der NFC West

Die Arizona Cardinals stehen nach einer 8-8 Saison mit elendig langer Verletzungsserie und den Rücktritten von Headcoach Bruce Arians und QB Carson Palmer vor einer ungewissen Saison. Arians wird durch den einstigen DefCoord der Carolina Panthers, Steve Wilks, als Cheftrainer ersetzt. Wilks bringt in DefCoord Holcomb und OffCoord MikeMcCoy auch zwei neue Coordinators mit.

Dieses Trio infernale übernimmt kein durch die Bank schlechtes Team. Der Pythagorean von zuletzt nur 6.1 Siegen deutet zwar an, dass die Cardinals über ihren Verhältnissen spielten. Aber auf der anderen Seite musste man mehr als die halbe Saison mit QBs wie Gabbert oder Stanton auflaufen und war nach Adjusted Game Lost (AGL) die am 5t-meisten verletzte Mannschaft mit der meist-verletzten Offense: So liefen auch Leistungsträger neben Palmer wie RB David Johnson und OG Mike Iupati nur in je einer einzigen Partie auf.

Die Chancen stehen gut, dass Arizona 2018 eine gesündere Mannschaft aufs Feld schickt, doch die Frage ist: Wie gesund?

Die Defense, 2018 im Power-Ranking an #6 klassiert, muss nicht nur eine Systemumstellung mit deutlich mehr Blitzing hinnehmen, sondern aufgrund einer angespannten Cap-Situation auch gleich fünf Starter ersetzen: Safety Tyrann Mathieu (spielte letztes Jahr 99.4% der Snaps), LB Dansby (87% der Snaps), CB Tramon Williams (63% der Snaps), DL Rucker (57% der Snaps) und FS Tyvon Branch (54% der Snaps).

Mit DE Chandler Jones (17 Sacks), LB/S Deone Buccannon und CB Patrick Peterson steht die Achse. Aber hinter Peterson ist das Defensive Backfield extrem dünn: CBs wie Benwikere und Jamar Taylor werden starten, und der zweite Safety neben dem Routinier Bethea ist der blutjunge Budda Baker. Außerdem wird DT Robert Nkemediche zum ersten Mal in eine prominentere Rolle gedrängt – der Rohdiamant spielte letztes Jahr nur 24% der Snaps.

Die Offense tritt auf der Stelle. So wenig schlimmer es mit Ausfällen in der Offensive Line werden kann, so haben alle wesentlichen Starter eine lange Historie an Verletzungen: LT Humphries, LG Iupati, C Shipley sowie die beiden Neueinkäufe auf der rechten Seite, RG Pugh und RT Andre Smith.

Der vielseitige RB Johnson ist als Rückkehrer ein Gewinn, aber wie lange hält das 35-jährige Franchise-Maskottchen Fitzgerald auf Wide Receiver noch durch – jetzt, wo alle etablierten Ballfängerkollegen der letzten Jahre weg sind und mit Kirksey ein Rookie auf Wide Receiver starten wird?

Auch formationstechnisch gibt es offene Punkte: OffCoord Mike McCoy ist im Gegensatz zum 4-WR Fetischisten Arians bekannt dafür, vor allem über 11-Personnel zu agieren – aber wer gibt in dieser Formation den Tight End?

Und schließlich Quarterback. Dort ist Palmer, der unter Arians eine Renaissance erlebte, weg. Die Zukunft gehört QB Josh Rosen, der an #10 im NFL Draft einberufen wurde – der aber nicht von Anfang an starten wird. Erst einmal soll der Wandervogel-QB Sam Bradford als Platzhalter fungieren und seine Knochen gegen die Monster-Defenses der ersten Wochen (Woche 2-8: 2x 49ers, Rams, Bears, Seahawks, Vikings, Broncos) hinhalten.

Bradford ist kein Schlechter und nach allem, was man über Rosen hört, dürfte auch der Quarterback der Zukunft keinen Stinker hinlegen. Die Kombination aus umgebauter Defense und fragwürdiger Tiefe in der Offense macht aus Arizona natürlich kein Spitzenteam. Es wäre im Normalfall jedoch eine Mannschaft, die man durchaus ins Mittelfeld der Liga schreiben könnte.

Der Grund, wieso Arizona aber im Bodensatz klassiert ist, liegt im Schedule begründet: Nach Warren Sharps Schätzung ist Arizonas Spielplan 2018 der schwierigste der NFL. Man kann argumentieren, dass wahlweise Redskins (Woche 1) oder Broncos (Woche 7) die einfachsten Gegner im Kalender sind. Daneben hagelt es Kracherspiele, mit NFC North und AFC West als out of division Gegner sowie einem Positionsspiel auswärts bei Atlanta.

Es gibt also einen Grund, weshalb Arizona in den Wettbüros aktuell bei 5.5 Siegen gelistet wird: Der Spielplan ist schlicht zu harzig als dass man große Wunderdinge von den Cardinals erwarten kann. Doch auch eine losing season könnte man als Erfolg verbuchen – genau dann nämlich, wenn Rosens Einstand glückt und er „Franchise-QB Potenzial“ andeutet.

Buffalo Bills

Wahrscheinlichkeit Top-5 Pick: 25%
Tipp: Platz 4 in der AFC East

Einen neuen Quarterback hat auch das nächste Team in der Aufstellung – ein Stammgast im Liga-Bodensatz: Die Buffalo Bills, eine der permanenten Verlierertruppen der NFL. Letzte Saison bildete eine kleine Ausnahme, als sich die Bills trotz interner Sabotage überraschend für die Playoffs qualifizierten. Doch so hoch man es einschätzen kann, dass HC Sean McDermott ein Rebuilding-Team auf 9-7 Bilanz coachen konnte, so viele klassische instabile Faktoren lassen Regression zur Mitte erwarten:

  • Buffalo war ein Team, das gemäß einem Pythagorean von 6.3 Siegen sein wahres Leistungsvermögen um fast 3 Siege übertraf. Dabei half eine 5-2 Bilanz in engen Spielen.
  • Die 1% INT-Quote kaschierte viele Schwächen in der Defense, u.a. die #32 nach Total Defensive Success-Rate
  • Die Offense bespielte den einfachsten Schedule der Liga und brachte trotzdem nur die #25 Effizienz zustande.

Schon vor einem Jahr war allerdings klar: 2018 würde die Offseason, in der die Bills die Weichen für die Zukunft stellen. Doch nach der ersten gemeinsamen Offseason von McDermott und GM Brandon Beane sind die Zweifel an der künftigen Ausrichtung der Mannschaft geblieben.

Theoretisch holte man sich mit QB Josh Allen (1. Runde, Pick #7) einen (höchst umstrittenen) Quarterback mit monströsem Wurfarm für die tiefen Routen in das Team, doch das restliche Personal und auch der neue OffCoord Brian Daboll stehen nicht in Verdacht, eine solche Offense spielen zu können.

Das beginnt schon in der unterirdisch besetzten Offensive Line, die nach Abgängen von LT Cordy Glenn (Trade nach Cincinnati), OG Incognito und C Wood (beide Rücktritt) mehrere Starter ersetzen muss. Für Wood wurde C Russell Bodine aus Cincinnati geholt, dessen Abgang man in Cincinnati als Addition durch Subtraktion feiert.

Das setzt sich fort auf der Runningback-Position, wo sich LeSean McCoy mit Vorwürfen häuslicher Gewalt konfrontiert sieht und der neue Backup Ivory eher Typ Brecher als Typ „versatiler Ballfänger“ ist. Und geht bis auf die Wide Receiver, wo ein 1,96m Hüne wie Kelvin Benjamin zwar „Jump Bälle“ zu fangen imstande ist, aber nur wenige Vollsprints in seiner Karriere hingelegt hat.

Doch vielleicht ist der Wunsch nach deep ball Offense auch nur graue Theorie und die Bills halten QB Allen noch unter Verschluss – und lassen den hochbezahlten Backup McCarron starten, während Allen zum Präzisionstraining im Trainingscamp geschickt wird.

Einen Schritt nach vorne sollte die Defense machen, 2017 in der Run-Verteidigung mit argen Schwächen: Beane/McDermott brachten für viel Kohle DT Lotulelei aus Carolina mit, drafteten den mit vielen Vorschusslorbeeren bedachten LB Tremaine Edmunds mit ihrem zweiten Erstrundendraftpick, drafteten auch DT Harrison Phillips in Runde 3 und holten Flanken-Defender Trent Murphy aus Washington.

Doch stabilere Defense-Front wird einhergehen mit vermeintlicher Turnover-Regression: Das Buffalo von 2017 war gebaut um viele Interceptions zu fangen und wenige zu werfen: 18 Interceptions für die Defense bei nur 10 (*) für die Offense sprechen eine deutliche Sprache – und die 10 (*) gehen zur Hälfte auf die Kappe von Backup-QB Petermans einzigem Halbzeiteinsatz. In den anderen 15.5 Spielen der Regular Season warf der nach Cleveland vertriebene Starter Tyrod Taylor gerade mal deren fünf.

Buffalo wird diese Ratio nicht halten können. Selbst wenn wir annehmen, dass die Offense intelligenteres Play-Design betreibt und McCarron oder gar Allen auf Quarterback überraschen: Es wäre ein weiter Weg zurück in die Playoffs. Wahrscheinlicher ist ein Top-10 Pick im nächsten April. Für die Bills, die zuallererst mit Blick 2019 operieren, vielleicht noch nichtmal das schlechteste Szenario.

Cleveland Browns

Wahrscheinlichkeit Top-5 Pick: 48%
Tipp: Platz 4 in der AFC North

Das Gute: Die Cleveland Browns, formerly known als „The Experiment“, waren zuletzt ein Fall von Operation geglückt, Patient tot. Jetzt kann es nach der zweiten 0-16 Saison der NFL-Geschichte nur aufwärts gehen. Das ist das Gute.

Das Schlechte: Der Weg nach oben ist weit und mit einem begrenzt satisfaktionsfähigen Trainerstab recht steinig. Auf den ersten Blick sind die Browns ein klassischer Sleeper, der bestimmt dazu aussieht, einen großen Schritt nach vorne zu machen:

  • Mit einem Pythagorean von 3.3 Siegen war man, hüstel, 3.3 Siege besser als es die 0-16 Bilanz erwarten ließe. Die 0-6 Bilanz in engen Spielen ist in der Klarheit ebenso nicht mehr zu erwarten.
  • Die Turnover-Ratio von -28 (minus achtundzwanzig) war annähernd historisch schlecht. Cleveland wird nicht nochmal 41 Bälle herschenken und nur deren 13 erobern.
  • Die Mannschaft ist die jüngste der NFL. Man hat die beiden letzten #1 Draftpicks im Kader und spielt mit insgesamt fünf 1st-Roundern, drei 2nd Roundern und drei 3rd Roundern aus den letzten drei Drafts.

So ärgerlich es scheinen mag, dass Owner Haslam im Winter vom ganz radikalen „Analytics-Weg“ unter Sashi Brown Abstand nahm (Brown wurde gefeuert), so hat der neue GM John Dorsey mit Verve den Kaderumbau durchgezogen.

Die wichtigste Änderung für 2018 gibt es auf Quarterback, wo man den gefloppten Kizer verkaufte und durch QB Tyrod Taylor (kommt aus Buffalo) und den #1 Draftpick QB Baker Mayfield ersetzt. Mayfield wird kaum vom ersten Tag an spielen – doch Taylor wird einen kompetenten Platzhalter geben. Taylors wichtigste Eigenschaft: Er verhindert Turnovers. Seine INT-Quote liegt bei unter 1.5% – das ist weniger als ein Drittel der 4.9% INT-Quote unter dem Vorjahresduo Kizer/Hogan.

Allein die Tatsache, dass man schon letztes Jahr trotz -28 Turnover-Differenz in vielen Spielen bis zum Ende um den Sieg spielte und man nun einen eher risikoaversen Quarterback auffährt, wird den Browns den einen oder anderen Sieg für das Ego bringen.

Doch auch im Corp der Skill-Player wurde aufgerüstet: Mit WR Jarvis Landry wurde eine Anspielstation für die kurzen, sicheren Pässe geholt, die als Notfalloption im Slot fungieren wird; der enttäuschende Coleman wurde dagegen nach Buffalo verkauft. Es sieht aktuell so aus, als würde WR Josh Gordon, ein genialer Receiver, aber permanentes Drogenproblem, die Saison im aktiven Roster beginnen können – mit Gordon, Landry, Higgins und TE Njoku in einer hypothetischen Startformation nahm man sogar Abstand davon, Dez Bryant zu verpflichten. Bryant hätte am ehesten dem jungen Njoku Targets weggenommen.

Die Chancen stehen extrem gut, dass 2018 nicht erneut RB Duke Johnson der Mann mit den meisten Receiving-Yards wird. Johnson wird dennoch eine tragende Rolle spielen – als Bälle fangender Runningback. Die Carries werden sich die Neuzugänge Chubb und Carlos Hyde aufteilen. Im Verbund bilden sie alle ein unbestreitbares Upgrade gegenüber der letzten Saison.

Die Defense wird personell komplettiert durch die Einkäufe von 1st-Round CB Denzel Ward, CB E.J. Gaines und DB Demarious Randall (LB Kendricks wurde wegen dubioser Finanzgeschäfte schon wieder gefeuert). Sie sollte damit auch besser sein als das #25 Ranking der letzten Saison hergibt.

Insbesondere im Pass Rush sollte es noch besser werden: Auf den respektablen 6.5% Adjusted-Sack Rate kann noch deutlich mehr werden, denn der andere #1 Pick im Kader, DE Myles Garrett, spielte nur 48% der Snaps – und die Deckung wird den Passrushern mehr Zeit verschaffen. Das wird nach „Skaleneffekt“ für die Defense.

So viele Anzeichen für einen Siebenmeilensatz. Dass es dennoch Kategorie Bodensatz wird, liegt an Clevelands permanenter Nähe zum Selbstzerstörungsknopf.

Besser: Am Coaching, dem gegenüber ich Misstrauen hege, das mit „enorm“ gütlich beschrieben ist. Dass Headcoach Hue Jackson trotz substanzloser Klugschwätzerei und 1-31 Bilanz in zwei Jahren seinen Posten behalten durfte, ist wie Mittelfinger für den zahlenden Fan. Jackson erwies sich nicht zuletzt mit seinem QB-Gänseblümchenspiel als eines dieser Arschlöcher, die dir das eine ins Gesicht sagen und dich hinten rum beim Boss verpfeifen. So hatte Jackson in QB Kizer das perfekte Bauernopfer um sich ein weiteres Jahr als Chef zu erkaufen.

Immerhin wurde mit Haley aus Pittsburgh ein neuer OffCoord ins Boot geholt, aber der ob seiner Defense-Aufstellungen umstrittene DefCoord Gregg Williams durfte seinen Posten wie Jackson behalten. Dass es mit diesem Trio sehr weit nach oben geht, ist unwahrscheinlich. Beispiele gefällig?

  • Jackson verbrannte mit planlosem QB-wechsel-dich Spielchen gleich zwei Mid-Round Picks in zwei Jahren: Hogan (3rd Rounder 2016) & Kizer (2nd Rounder 2017).
  • Nur 60% Läufe in kurzen 2nd & 3rd Downs, obwohl es kein klareres Misstrauensvotum gegen seine eigenen QBs hätte geben können. Und obwohl das Browns-Laufspiel 81% Success-Rate hatte (der Pass nur 52%).
  • Jackson ließ aus 11-Personnel zu 70% werfen, obwohl das Laufspiel mit 50% Success-Rate um Welten erfolgreicher war als das indisponierte Passspiel (34% Success-Rate)
  • Keine Mannschaft spielte mehr Base-Defense als Cleveland: 66% der Snaps in 4-3 Base-Defense, davon 245 Snaps gegen 11-Personnel. Die Angel-Defense ist ebenso legendär wie auf den Rängen verpönt: Ein 20 Meter tief stehender Free Safety als interessierter Beobachter der meisten 15-20 Yards Completions in der NFL.
  • Fehlendes in-Game Adjustment: Cleveland erzielte nach der Halbzeitpause im Schnitt nur 7.2 Punkte/Spiel. Ab November scorte Cleveland sagenhafte 10 Punkte im Schlussviertel. In allen acht Spielen ab Saisonmitte zusammengerechnet.

Der Vertrauensvorschuss ist verspielt. Clevelands Kader mag zum Durchbruch bereit sein – die Coaches sind es nicht. Ein 4-12 bereitet das Feld für den Angriff 2019. Mit neuem Chefcoach.

Indianapolis Colts

Wahrscheinlichkeit Top-5 Pick: 28%
Tipp: Platz 4 in der AFC South

Die Cleveland Browns mögen die sieglose Mannschaft von 2017 gewesen sein, aber nach den meisten Leistungsparametern waren die Indianapolis Colts die schlechteste Mannschaft der Saison: 4-12 Bilanz mit einem Pythagorean von 3.3 Siegen. Hauchdünne Heimsiege gegen Browns und Hoyer-49ers sowie ein Sweep gegen die Watson-losen Texans verhinderten eine glatte Null.

Womit man sich rausreden konnte: QB Andrew Luck war das ganze Jahr spielunfähig und wurde durch den unerfahrenen Jacoby Brissett, in New England nur ein third stringer, ersetzt. Doch selbst das konnte den traurigen Headcoach Chuck Pagano nicht retten.

Der neue Mann am Ruder in Indianapolis ist nach kurioser Trainersuche inklusive einer Last-Minute Absage von New Englands Josh McDaniels nun der Eagles-OffCoord Frank Reich, ein pragmatischer Mann, dem man Verständnis für Play-Calling und die Nutzung von Wahrscheinlichkeiten nachsagt. Reichs Anstellung sorgt nicht für grenzenlose Euphorie, aber die Grundstimmung in Indy ist jetzt wieder betont positiv.

Für verbesserte Offensive und Defensive Lines sorgte GM Chris Ballard: Die ersten fünf Draftpicks und ein Free Agent wurden in diese Positionen investiert:

  • OG Quenton Nelson (1te Runde, #6) und OG Braden Smith (2te Runde, #37), OG Matt Slausson via Transfermarkt
  • LB Darius Leonard (2te Runde, #36), DE Kemoko Turay (2te Runde, #52) und DE Tyquan Lewis (2te Runde, #64)

Das Ziel ist eindeutig: Verbesserung der Adjusted Sack-Quoten in Offense (10.0%, #32) und Defense (4.5%, #31), Verbesserung der Run Success-Rates in Offense (33%, #31) und Defense (57%, #29). Viel schlimmer kann es um die Physis einer Mannschaft eigentlich nicht mehr stehen – doch mit den Neuzugängen sowie der Genesung des ehemaligen 1st-Round Centers Ryan Kelly wird der Sprung nach vorne ein großer sein.

Gute Vorzeichen für Rückkehrer Andrew Luck. Sogar ohne jeden Trainingstag am Spielfeldrand der Colts gestanden zu haben, lässt sich doch deutlich optimistischerer Grundtenor zu Lucks Status für 2018 vernehmen, wenn wir es mit dem Zögern und Zaudern von 2017 vergleichen. Dass Luck schon nächste Woche startet, ist noch nicht fix. Ein voreiliges Comeback scheut man in Indy wie der Teufel das Weihwasser. Lieber Abwarten und Tee trinken bzw. Schulter stärken.

Doch auch wenn Luck nicht per sofort die Klasse von 2015 oder 2016 erreicht: Er ist auf alle Fälle besser als die 5.0 NY/A von Vorgänger Brissett (#32 der NFL). Wie weit er noch einmal an alten Standard heranreicht, wird mit entscheiden, wie weit es nach oben für die Colts gehen kann.

Doch Luck hin oder her: Das wichtigste Upgrade ist der Wechsel auf Headcoach. Ich habe bereits in der Colts-Sezierstunde analysiert, wie horrend das Coaching in Indianapolis in den letzten Jahren war. Ein wahllos von der Couch aufgegabelter Football-Junkie kriegt besseres Play-Calling auf die Reihe als das, was die Kollegen Chudzinski/Pagano 2017 in Indianapolis veranstalteten (und damit gleich neun Halbzeit-Führungen verschmissen). Reich wird es besser machen.

Doch wie viel besser muss es werden, damit die Colts trotz eher einfachem Schedule ein Wort in der Playoff-Vergabe mitreden können? Reich, Luck, Line of Scrimmage – alles greifbar. Doch greifbar ist auch die rapide Verbesserung der AFC South. Wenn Luck ein paar Wochen braucht um in Schwung zu kommen, kann der Zug schon abgefahren sein.

Miami Dolphins

Wahrscheinlichkeit Top-5 Pick: 37%
Tipp: Platz 2 in der AFC East

Eine der grauesten Mannschaften in der NFL sind die Miami Dolphins: 2016 überraschend für die Playoffs qualifiziert, 2017 mit starker Regression zur Mitte abgestürzt in Richtung Bodensatz: 6-10 Bilanz mit einem Pythagorean eines 5-11 Teams. Doch auch wenn „Playoffs 2018/19“ in Miami mehr Wunschtraum als Hoffnung ist, so kann ich zumindest etwas Verbesserungspotenzial ankündigen.

Einer der Hoffnungsschimmer in Miami ist Headcoach Adam Gase, dessen Play-Calling zu den besten in der NFL gehört. Der Lackmus-Test für die ersten drei Spielviertel offenbart:

  • 1st &10 Pass-Rate: 51% Pass-Rate, #5 der Liga
  • 2nd & short Run-Rate: 93% Run-Rate, #3 der Liga
  • 3rd & short Run-Rate: 70% Run-Rate, #4 der Liga

Gase machte dank effizientem Play-Calling aus verheerender Personalsituation relativ viel: Dass man mit bocklosem QB Cutler sowie dem ewigen Backup Matt Moore auflaufen musste, dafür kann Gase eher wenig. 2018 kehrt mit Ryan Tannehill wieder der etatmäßige Starter zurück. Tannehills Karriere hat sich zwar ähnlich wie bei Dalton in Cincinnati im Liga-Mittelmaß verfangen, doch er ist ein Upgrade gegenüber den 2017er-QBs.

Und Tannehill hat bessere Unterstützung: Die Offense Line wurde auf Center (Kilgore für Pouncey) und Guard (Sitton für Bushrod) verstärkt, dazu kann man beim jungen Tackle-Pärchen Tunsil/James auf Entwicklungspotenzial zählen. Eine bessere Offense Line sorgt für besseren Schutz und besseres Laufspiel.

Im Receiving-Corp verlor man mit WR Jarvis Landry die „Notfall-Option“ im Slot, doch wie wertvoll war Landry, der 91% seiner Bälle auf kurzen Distanzen fing? Die Chancen stehen nicht schlecht, dass Miami in 11-Personnel 2018 mit Parker, Stills/Amendola und Wilson (beide Letztgenannten sind Neuzugänge) auf WR sowie Rookie-TE Gesicki besser aufgestellt ist als zuletzt.

Wie viel besser es für Miami werden kann, hängt auch daran, wie gut die Defense den Abgang von Star-DT Ndamukong Suh verkraften kann. DTs Spence/Phillips sind sowohl als Run-Defender als auch als Pass-Rusher nicht annähernd gleichwertiger Ersatz und sie spielen nicht so viele Snaps wie Suh.

Die Hoffnung ruht auf verbesserten Edge-Rush dank DE Robert Quinn aus Los Angeles, auf bessere LB-Tiefe dank Rookie Baker und einen großen Schritt nach vorne von der Secondary, die mit FS Mincah Fitzpatrick wesentlich verstärkt wurde und wo die Jungspunde auf CB, Tankersley und Howard, bedeutendere Rollen einnehmen können als zuletzt.

Gase macht aus seinem Kader mehr als man meinen würde. Doch der Dämpfer folgt auf dem Fuß: Selbst mit deutlich einfacherem Schedule (#24 der Liga), selbst ohne London-Trip und mit verbesserter QB-Situation hat man einen weiteren Weg vor sich um als Außenseiter ins Playoff-Rennen einzugreifen. Favorit auf #2 in der AFC East ja, aber das heißt bei Konkurrenz wie Bills und Jets nicht viel.

New York Jets

Wahrscheinlichkeit Top-5 Pick: 43%
Tipp: Platz 3 in der AFC East

Wie Dolphins und Bills so die New York Jets: Regelmäßige Gäste unter den Gurkentruppen der NFL, und 2018 ist keine Ausnahme. Das Drumherum bei den Jets fühlt sich diesmal allerdings deutlich positiver an als gewohnt, was vor allem am bevorstehenden Debüt des im April gedrafteten künftigen Franchise-QB Sam Darnold liegt.

Darnold kommt von der University of Southern California und scheint sich im Trainingscamp gegen die Konkurrenten McCown (soll als Mentor fungieren) und Bridgewater (wurde nach New Orleans getradet) durchgesetzt zu haben und von Woche 1 an starten.

Ein nicht risikoloses Unterfangen: In der ersten Saisonhälfte lauern genug Defenses, die einen jungen QB richtig schwer in die Hufen kommen lassen können: Jacksonville, Denver, Minnesota, Chicago. Ich will nicht sagen „accident waiting to happen“. Aber das Feld ist eigentlich bereitet dafür, Darnold auf Jahre hinaus zu verunsichern wie es die Jets mit dem letzten USC-Quarterback (1st Rounder 2009 Mark Sanchez) gemacht haben.

Doch Darnold scheint mental stabil genug zu sein um einen derartigen Schedule auszuhalten. Große Auswahl haben die Jets sowieso nicht: Einen McCown spielen zu lassen, bringt bei einem 39-jährigen Durchschnitts-QBs nichts. Darnold braucht Spielpraxis – er muss NFL-fit sein, wenn in zwei Jahren in New England alles zusammenbricht. Dann öffnet sich das goldene Fenster für die Jets mit QB-Rookievertrag und Free Agency-Shopping Tour.

Viele Waffen kriegt Darnold nicht: Robbie Anderson und Jermaine Kearse sind die einzigen Wide Receiver von Format und TE Seferian-Jenkins ist bekannter für Drops und Kneipentouren als für spektakuläre Catches. Power-Running soll vom neuen RB Crowell kommen, der in Cleveland nur 32% Success-Rate hatte.

Vielleicht kann die Defense das eine oder andere Spiel knapp halten: Die Achse mit DT Leonard Williams, CBs Trumaine Johnson/Buster Skrine und dem Safety-Pärchen Adams/Maye steht. 2017 war sie im Mittelfeld der NFL klassiert. Mit einer umgekrempelten Offense droht zwar Überlastung. Doch mit Blick auf den einfachsten Schedule an gegnerischen Offenses sollte sie gute Zahlen einfahren.

Wunderdinge sind also nicht zu erwarten. Aber vielleicht ist das auch gut so: Ein wettbewerbsfähiges Team stellen – okay. Aber mit Blick 2020 und drüber hinaus braucht New York vor allem noch einmal eines: Eine Draftklasse mit voller Firepower. Am besten eignet sich dazu eine 4-12 Saison.

Oakland Raiders

Wahrscheinlichkeit Top-5 Pick nach FPI: 25%
Tipp: Platz 4 in der AFC West

4-12 wäre eine große Enttäuschung für die Oakland Raiders, die mutmaßlich vor ihrer letzten Saison in Oakland stehen. 2020 ziehen die Raiders in Las Vegas ein. 2019 sind sie noch heimatlos. Dass die Raiders nicht auch richtungslos umherirren, dafür sorgte Owner Mark Davis im Winter mit der fetten, sehr fetten, Rückholaktion von Head Coach Jon Gruden, der mit einem Gehaltsscheck von 100 Millionen Dollar über gleich 10 Jahre vom Kommentatorenpult geködert wurde.

Gruden war schon einmal Chefcoach in Oakland gewesen – von 1998 bis 2001. Damals führte er als Jungspund eine Mannschaft voller Altstars zurück an die NFL-Spitze. 2002 gewann Gruden dann sogar die Superbowl, allerdings nicht mit den Raiders, sondern gegen die Raiders – im Finale als Chefcoach der Tampa Bay Buccaneers, die ihn für massive Kohle aus Oakland abgeworben hatten.

Owner Al Davis, diese mythische Figur, hatte beweisen wollen, dass er auch ohne Gruden kann. Er scheiterte kläglich – und nach jener verhängnisvollen Superbowl versanken die Raiders in den Niederungen der NFL und wurden zum Komödiantenstadel der Lächerlichkeit preisgegeben. Die rote Laterne haben die Raiders zwar mit Grudens Vorgänger Del Rio bereits abgegeben – sie sind im Mittelfeld der NFL angekommen.

Doch Mittelmaß ist für eine Franchise mit dem Motto des „committment to excellence“ nicht gut genug. Und so versucht Mark, Sohn des großen Al, nun, die alte Scharte auszuwetzen und mit Gruden zurück in die Zukunft zu gehen.

Wie zeitgemäß Gruden noch ist, steht in den Sternen. Vor 20 Jahren war Gruden der Innovator, der neue Ideen in die Liga brachte. Heute ist Gruden der Mann, der sich über (gar nicht mal mehr so neue) neue Ideen wie „Analytics“ lustig macht. Gruden als „progressiv“ zu bezeichnen, wäre vermutlich vermessen.

Dabei bräuchten gerade die Raiders einen nach vorne denkenden Head Coach, denn die Mannschaft ist nicht gut genug besetzt um in vordersten Gefilden mitzuspielen. 2016 war sie mit 12-4 Bilanz eine der Stars der Liga, doch hinter der Fassade der vielen Siege war vielen verschlossen geblieben, dass sie sich bloß mit unstabiler 8-1 Bilanz in engen Spielen oben halten konnte. 2017 folgte der vorhersehbare Einbruch.

Sollbruchstelle ist vor allem die katastrophale Defense, der nach dem selbst forcierten Abgang des einzigen Superstars, DE Khalil Mack (wurde gestern für zwei 1st-Rounder nasch Chicago getradet), jegliches Play-Making Element abgeht. Man kann es nicht anders sagen: Mack wurde in Oakland rausgemobbt, und Gruden allein weiß, warum.

Mack war seit seiner Einberufung 2014 einer der jungen Topstars der NFL: Dreifacher Pro-Bowler, NFL Defense MVP 2016 und zweitmeiste Sacks von 2015 bis 2017. Abseits des Feldes galt Mack nie als Störfaktor. Er spielte 90% der Raiders-Snaps, und mit ihm am Feld waren die Raiders fast 1.0 NY/A besser gegen den Pass als ohne ihn.

Mit Mack wäre die Saison für Oaklands Defense eine lange geworden. Ohne ihn riecht es nun wieder nach Bottom-Five. Der junge CB Gareon Conley scheint sich zwar zum erstklassigen Manndecker zu entwickeln, aber FS Karl Joseph ist noch hinter den Erwartungen. Man riskiert aktuell, dass Urgesteine wie ein 35-jähriger, mehr oder weniger einbeiniger Derrick Johnson als Starting-Linebacker diese Unit zusammenhalten müssen.

Investiert wurde vor allem in die Offense. Die Line, eine der Stärken vor dem Kollaps 2017, bekam in 1st Rounder Kolton Miller und 3rd Rounder Brandon Parker zwei neue Tackles, doch beide werden nicht starten, solange Penn/Giacomini im Kader stehen. Sie sind eher Zukunftslösungen.

Die Neueinkäufe, die 2018 starten könnten, sind der 34-jährige WR Jordy Nelson, die wandelnde Drogensperre WR Martavis Bryant (für einen 3rd-Rounder aus Pittsburgh losgeeist) sowie der in Tampa verbrauchte RB Doug Martin. Alles nicht wirklich Vertrauen erweckende Optionen.

Zumal QB Derek Carr x-mal bewiesen hat, dass er hervorragenden Schutz, starke Anspielstationen und Play-Design für quicke Pässe braucht um effizient zu sein. Aus Grudens Kommentatorenzeit sind ekstatische Lobeshymnen auf Carr in Erinnerung, doch nun kommt die Realität: Passspiel schon in den ersten Downs um dem gefürchteten Alex-Smith Gedächtnispass“ im 3rd & lang auszustellen.

Katastrophenpotenzial ist also da. Der 5t-einfachste Schedule der Liga sowie die geringe Wahrscheinlichkeit einer erneuten -14 Turnover Bilanz sorgen dafür, dass Oakland vielleicht nicht in Top-5 Draftpick Territorium fällt. Aber Playoffs können sich die Raiders für 2018/19 abschminken. Es wird 6-10.

Washington Redskins

Wahrscheinlichkeit Top-5 Pick: 27%
Tipp: Platz 4 in der NFC East

Schließlich die Washington Redskins, die nach 7-9 Saison mit unverändertem Trainerstab in die Saison gehen, aber dennoch vor einem massiven Umbruch stehen. Das liegt in erster Linie am Paradigmenwechsel auf der Quarterback-Position, wo man sich nach mehreren Jahren im „Fegefeuer“ vom ungeliebten Kirk Cousins trennte und ihn durch den 34-jährigen Sachverwalter Alex Smith ersetzte.

Smiths Stärke, das ist mittlerweile über die Landesgrenzen hinaus bekannt, ist die Minimierung der Fehlerquote. Er ist ein QB, der relativ hohe Sack-Zahlen kassiert und nur unter Protest tiefe Würfe raushaut, der aber dafür mit niedrigen Interception-Quoten (1.5% über die letzten Jahre) zumindest keine groben Böcke einbaut. Die dünn besetzte Redskins-Defense, letztes Jahr die #30 nach Starting-Fieldposition, wird sich freuen. Doch was der Wechsel für die Redskins-Offense bedeutet, bleibt erstmal abzuwarten.

Cousins hatte bei all seiner Unvollkommenheit in den letzten Jahren relativ viel aus seinen Möglichkeiten gemacht. In den Jahren vor 2017 steuerte er mehrmals über 7.0 NY/A im Passspiel bei und gehörte damit zu den Top-10 nach Effizienz. Dann kam 2017, ein schwieriges Jahr für Cousins, der ohne seine gewohnten Stamm-WRs Garcon/Jackson gegen den 4t-schwersten Pass-Schedule antreten musste… und seine Sache so schlecht nicht machte: 6.6 NY/A bei exakt durchschnittlicher INT-Rate von 2.4%.

Smith dagegen erlebte seine bestes Karriere-Jahr in Kansas City, allerdings unter völlig anderen Umständen als jene, die ihn nun in Washington erwarten: Die Chiefs spielten nur wenig 11-Personnel, während Redskins-Chefcoach Jay Gruden fast sein komplettes Passspiel aus 11-Personnel aufzieht.

Smith hatte bei den Chiefs auch einen hochklassigen Receiving-Corp um sich. In Washington genügt nur der verletzungsanfällige TE Jordan Reed höchsten Ansprüchen. Das WR-Trio Crowder, Doctson und Pryor fällt im besten Fall in die Kategorie „entwicklungsfähig“. Als wenig hilfreich wird sich der Ausfall von Rookie-RB Guice erweisen. Der 2nd Rounder ist bereits auf IR. Ersatzmann Adrian Peterson ist ein großer Name, aber fußlahm.

Spannend bleibt die Defense mit dem engagierten Investment in Alabama-Aktien in die Front: 1st-Round Picks in zwei aufeinanderfolgenden Jahren auf Defensive Tackle (2017: Jonathan Allen, 2018: Da’Ron Payne) sowie ein 2nd Rounder 2017 in LB Ryan Anderson, alle drei kommen von Saban.

Das zahlte sich bislang nur indirekt aus: Denn während die Pass-Defense mit der 4t-besten Sack-Rate und trotz schwerem Schedule immerhin im oberen Liga-Mittelfeld rangierte, war man gegen den Lauf mit nur 59% Success-Rate eher zahnlos. DT Payne sollte beim Schließen der Schotten helfen, aber dafür tut sich im Defensive Backfield eine Sollbruchstelle auf: CB Kendall Fuller wurde im Zuge des Alex-Smith Trades an die Chiefs abgegeben. So bleibt mit dem 31-jährigen CB Josh Norman nur noch ein echter Manndecker übrig – und Norman war 2017, wenn angespielt, ein Wackelkandidat.

Doch Wackelkandidaten in der Defense können sich die Redskins nicht leisten. Ihr größtes Erfolgsversprechen für 2018 ist gute Feldpositionsarbeit mit wenigen Fehlern in der Offense und stabiler Defense. Mit Smith auf QB ist das Potenzial nach oben und unten wie immer gedeckelt. Die Redskins werden dadurch nicht katastrophal einbrechen, aber auf der Kehrseite der Medaille ist ihre Aussicht auf einen Ausreißer nach oben halt auch eher mau.

8 Kommentare zu “Furchtlose NFL-Vorschau 2018/19 | Die Kellerkinder

  1. Permanente Verlierer Truppe? In den letzten 4 Jahren zweimal 9-7, einmal 8-8 und einmal 7-9. Dieses Saison stimmt es wahrscheinlich, aber ansonsten kann man eher von grauen Mittelmaß sprechen.

  2. Sehr schöne Zusammenfassung, auch wenn einige Namen noch bei den falschen Teams stehen (Seferian-Jenkins, Pryor, Bryant), aber das ist zu verschmerzen. Danke!

  3. sag mal, hab ich das richtig gelesen, die Raiders haben Mack getradet weil owner Davis nicht genug Cash hat den signing bonus zu zahlen?
    Jetzt ist mir das Problem an sich nicht unbekannt, aber wie macht man das als Owner einer NFL Franchise?

  4. Davis gehört zu den Ownern deren Reichtum vor allem in dem Besitz eines NFL-Teams besteht, große andere Geldquellen gibt es also noch. Dann kommt dazu, dass die Raiders noch die Relocation Fee für den Umzug nach Las Vegas zu stemmen haben, um die 350 Millionen Dollar, ganz abgesehen von anderen Kosten im Zuge des Umzugs.

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