Furchtlose NFL-Vorschau 2018/19 | Die Kronprinzen

Gestern kam die Frage nach der Präzision der Furchtlosen Vorschau. Dazu kann ich auf einen zwei Jahre alten Artikel hinweisen, in dem ich die Ergebnisse meiner Prognosen analysiert hatte.

Oder nehmen wir ein jüngeres Beispiel: 2017. In meiner Furchtlosen Vorschau erzielten die Teams in der „Titelfavoriten-Kategorie“ insgesamt 10.8 Siege im Schnitt und beide Superbowl-Teilnehmer waren darin inkludiert. Sechs von acht Mannschaften der Spitzenkategorie erreichten die Playoffs. Die „Kronprinzen“ erzielten im Schnitt 7.4 Siege, das „Niemandsland“ hingegen 7.8 Siege. Der Bodensatz erzielte im Schnitt 6 Siege.

Wenn wir das mit dem Ringer-Power Ranking 2017 vergleichen, sehen wir: Durchschnittlich 9.5 Siege für die Top-8 bei Robert Mays, 9 Siege für die nächsten Acht, 8 Siege für das dritte Viertel und 5.5 Siege für die Schlusslichter – also bessere Durchgängigkeit der Prognose. Aber auch nur einen Superbowl-Teilnehmer unter den besten Acht und nur vier Playoff-Teams in den Top-8.

Unter den besten 16 Teams unserer Rankings hatten wir (Ringer und Sideline Reporter) jeweils acht Playoff-Teams korrekt. Bills und Jaguars hatten beide in der Bodensatz-Kategorie, Saints und Rams beide im Niemandsland. Oder anders: Die NFL ist, wie oft und schon vor langer Zeit bewiesen, verdammt schwer prognostizierbar. Aber das wussten wir bereits. Trotzdem können wir’s nicht lassen.


Damit der Sprung ins Jahr 2018. Heute Teil 3 der großen NFL-Vorschau 2018/19 mit den Mannschaften, die ein lauteres Wort in den Playoffs sprechen könnten: Die Kronprinzen der NFL. Einen Tick unterhalb der noch kompletter besetzten Topfavoriten einzuordnen, aber gut genug, dass sie bei Kaschieren dieser Schwachstelle auch ganz nach oben durchmarschieren könnten.

Baltimore Ravens

Playoff-Wahrscheinlichkeit nach FPI: 46%
Tipp: Platz 2 in der AFC North, Wildcard

Warum „Kronprinzenstatus“ für eine Mannschaft ohne Offense? Die Logik diesbezüglich ist einfach: Massive Defense und hervorragende Special-Teams bei den Baltimore Ravens brauchen nur akzeptable Unterstützung durch den Angriff um vorne mitzuspielen. Und es wäre nicht so, dass Baltimore zuletzt „schwach“ war.

Sieh es mal so: Baltimore 2017 war mit Pythagorean von 10.5 Siegen fast gleichauf mit den Pittsburgh Steelers, die einen Pythagorean von 10.6 Siegen einfuhren (und über 4 Siege besser als jener der Bills, die Baltimore rauskegelten). Doch während Pittsburgh 8-2 in engen Spielen war, verloren die Ravens vier ihrer sechs One-Score Games. Mit minimal mehr Glück im Dezember gegen Pittsburgh (1-Punkt Pleite) oder Cincinnati (4th & 12) hätten die Ravens trotz anämischer Offensivleistung die Post-Season schon 2017 erreicht.

In Baltimore sorgt seit vielen Jahren die Qualität der Defense dafür, dass bei aller offensiver Harmlosigkeit ein gewisses Grundniveau nicht unterschritten wird. Obwohl man nun auf DefCoord Dean Pees (erst Rücktritt, ging dann nach Tennessee) verzichten muss, ist es unwahrscheinlich, dass sich daran viel ändern wird – zu breit gefächert ist das Know-How in dieser besten Defense-Schmiede der NFL.

Die Front-Seven ist sowieso exzellent, aber der wahre Hidden-Champ ist CB Jimmy Smith: Ravens-Pass Defense hatte ohne ihn eine Success-Rate von nur 52%, mit ihm waren es 61%. Die INT-Rate ohne Smith im Line-Up sank von 4.5% auf 1.5%. Smith ist das erste Saisonviertel mit Dopingsperre draußen: Buffalo, @Cincinnati und Denver sind allerdings nicht die gefürchteten Pass-Offenses, die er verpasst (@Pittsburgh in Woche 4 ist dann eine andere Geschichte…).

Doch eine exzellente Defense und Kicker Justin Tucker allein reichen nicht aus um Baltimore ohne Hilfe von „vorne“ in die Playoffs zu bringen. Damit es mit dem Punkten wieder etwas einfacher wird, hat GM Ozzie Newsome in der Offseason mächtig investiert: Zwei neue Tight Ends im Draft in Hayden Hurst (1st Round) und Mark Andrews (2te Runde) für die in Baltimore heiligen 2-TE Formationen (Ravens spielen nur 41% 11-Personnel, dafür 45% Formationen mit 2 TE). Dazu der Einkauf von gleich drei neuen Starting-WRs: Crabtree aus Oakland, John Brown aus Arizona als Speedster und Slot-WR Willie Snead aus New Orleans.

Und natürlich der Move, der für das meiste Entzücken sorgt: QB Lamar Jackson, der Heisman-Trophy Gewinner von 2016. Jackson kam mit dem letzten Pick der 1ten Runde.

Dass Jackson schon in den ersten Wochen QB Joe Flacco beerben wird, ist nicht zu erwarten. Aber OffCoord Marty Mornhinweg hat in seiner Karriere bereits mit mobilen QBs wie McNabb oder Vick gearbeitet und weiß, wie man Scramble-QBs effizient einsetzt. Er wird zumindest „Package-Plays“ für die Abwechslung designen. Eine stellenweise pfiffige Idee um von der alltäglichen Flacco-Tristesse abzulenken. Als regulärer Backup-QB soll ein wiederhergestellter Robert Griffin III agieren.

Der große Vorteil für die Ravens 2018: #32 AGL für Offense Line und #28 AGL für die Tight Ends schreien nach positiver Regression. In OG Yanda kehrt der wichtigste Vorblocker zurück, OT Ronnie Stanley ist mit einem Jahr Erfahrung nun auch eine sicherere Tüte. Mornhinweg kann Laufspiel nun auch in kurzen Situationen nicht bloß „für die Run/Pass Ratio“ einsetzen, sondern gezielter. Er ging schon Mitte letztes Jahr weg von der ganz krassen passlastigen Offense, als er erkannt hatte, dass er in RB Alex Collins mit 4.6yds/Carry und 48% Success-Rate einen verkappten Star im Kader hatte.

So fliegen die Ravens unter dem Radar: Begeisterung lösen andere Mannschaften aus, aber hinter der unscheinbaren Fassade versteckt sich ein recht sicherer AFC-Playofftipp. Ein eher einfacher Schedule (12t-einfachster der NFL mit sehr machbarer 1ter Saisonhälfte), mehr Glück mit Verletzungen und bessere Balance in der Offense sind die Zutaten eines dark horses.

Carolina Panthers

Playoff-Wahrscheinlichkeit nach FPI: 46%
Tipp: Platz 3 in der NFC South

Die Carolina Panthers sind drei Jahre nach ihrem Superbowl-Run und ein Jahr nach ihrer 11-5 Saison ein einfach zu identifizierender Regressionskandidat. Gründe dafür, diesmal neun oder weniger Siege für 2018 zu erwarten, gibt es genügend.

Grund 1 – Die Panthers hatten einen Pythagorean von 9.2, haben ihr „wahres Leistungsvermögen“ also um fast zwei Siege übertroffen. Hauptgrund dafür war die 7-1 Bilanz in engen Spielen. War diese dem „Riverboat Ron“ und seiner aggressiven Herangehensweise geschuldet? Kaum. Riveras Close-Game Bilanzen schwanken wie die seiner Coaching-Kollegen von Jahr zu Jahr, teilweise stark. 2017 schlugen sie ins positive Extrem aus.

Grund 2 Die Division. Carolina tritt in der NFC South im besten Fall auf der Stelle. Atlanta und New Orleans haben offensiv bedeutend mehr Feuerpower und brauchen nur akzeptable Defense um Carolina gewaltig einzuheizen. Und von unten droht mit Tampa ein Team nachzuschießen, das durchaus Potenzial für eine Überraschung hat – wie gestern geschildert.

Grund 3 Die Offense. Carolina tauschte in der Offseason den OffCoord aus: Der ewige Norv Turner ersetzt Mike Shula. Turners Wahl ist so bizarr, dass es schwer fällt, sie richtig einzuordnen. Theoretisch passt Turners Grundsatz der Offense mit tiefen Bällen auf die Stärken von QB Cameron Newton, der kein präziser Kurzpassspieler ist, und Turner hat eine lange Historie an erfolgreichen Offenses.

Aber Turner wirkte bei seinem letzten Engagement in Minnesota verbraucht, ideenlos und nicht mehr auf der Höhe der Zeit. Er hat keine Erfahrung mit mobilen Quarterbacks vom Schlage Newtons und kennt RPO nur noch vom Hörensagen. Damit ist er kein automatisches Downgrade gegenüber Shula. Aber „inspirierend“ geht anders.

Dazu gesellt sich der Abgang von OG Norwell in Richtung Jacksonville – instabile Offense Line ist in Angriffssystemen mit langer Routenentwicklung ein No Go. Immerhin: Mit WR D.J. Moore draftete man in der 1ten Runde einen potenziellen Catcher für die Mitteldistanzen. Der flinke Moore gepaart mit dem bulligen WR Funchess und einem TE Olsen, der wieder fit ist – liest sich in Kombination mit der All-Around Waffe RB Christian McCaffrey wie einer der besseren Skill-Player Corps, mit denen Newton arbeiten konnte.

Grund 4 Die Defense. Auch hier: Coordinator-Wechsel. Steve Wilks wurde Headcoach in Arizona. Seinen Job übernimmt Eric Washington, bislang DL-Coach. Washingtons Bestellung lässt eine Abkehr der extremen Blitzfreude (2017: 45% Blitz-Quote) unter Wilks erwarten. Doch hat Carolina das Personal um eine eher suspekte Secondary durchzuschleifen?

Im Edge-Rush kriecht der 37-jährige DE Peppers auf dem Zahnfleisch, ist aber die mit Abstand beste Passrusher-Präsenz im Panthers-Kader. Auf Defensive Tackle ersetzt man Lotulelei (ging nach Buffalo) durch Dontari Poe, der jedoch mehr für Run-Defense als für exzellentes Pass Rushing steht. Auf Linebacker sieht der Plan noch immer eine tragende Rolle für den 35-jährigen Thomas Davis vor. Davis war bislang exzellent, aber in dem Alter kann es schnell bergab gehen.

Besagte junge Secondary wird von Druck der Front-Seven abhängen. CB Bradberry hat sich erste höhere Meriten als NFL-Starter erworben, aber seine Nebenleute könnten mit CB Donte Jackson und Rashaan Gaulden Rookies sein – und auf Safety verliert man die langjährige Präsenz des Kurt Coleman (ging nach New Orleans).

Doch trotz aller Zweifel: Ein schlechtes Team ist das nicht, dafür laufen zu viele Hochkaräter oder potenzielle Hochkaräter über das Feld (z.B. Newton als QB, auf Linebacker mit Kuechly oder Defensive Tackle mit Short). Dafür ist auch die Kadertiefe an vielen Stellen zu breit, als dass die Panthers ohne besonderes Pech auf 6-10 abzustürzen drohen.

Aber der Blick in dieser Saison wird eher bange Richtung „Wildcard-Cut“ gehen als in Richtung Superbowl. Erwischen die Panthers eines ihre „Close-Win Jahre“, ist die Wildcard drin. Aber im brutal engen NFC-Rennen sind mindestens sechs NFC-Teams auf dem Blatt besser aufgestellt – und eine Reihe

Chicago Bears

Playoff-Wahrscheinlichkeit nach FPI: 12%
Tipp: Platz 3 in der NFC North

Spoiler: Ich hatte die Chicago Bears bereits vor dem monströsen Khalil-Mack Trade in dieser Rubrik vorgesehen. Nehmen wir allerdings die Playoff-Wahrscheinlichkeiten des ESPN Football Power Index (FPI), so sind die Bears mit 12%iger Chance auf die Post-Season das Team mit den schlechtesten Karten in der Aufstellung der Kronprinzen. Und sie müssen in der NFC North antreten, der mutmaßlich schwersten Division der NFL.

Doch trotzdem gibt es viele positive Signale, die den Durchbruch der Bears-Mannschaft für die laufende Saison erwarten lassen. Zum einen war Chicago 2017 zwar nur ein 5-11 Team. Doch auf der anderen Seite deutete der Pythagorean von 6.2 Siegen an, dass Chicagos finale Siegbilanz unterhalb des wahren Leistungspotenzials blieb. Mitschuldig daran war die 2-5 Bilanz in One-Score Games.

Viel wichtiger: Der überfällige Wechsel im Trainerstab wurde nach Ablauf der letzten Saison durchgezogen. Der vom Wandel der Zeit überholte Headcoach John Fox wurde gefeuert und durch den progressiv denkenden Matt Nagy ersetzt. Nagy ist nicht ohne Risiko: Er war in Kansas City nur ein halbes Jahr eigenständiger Offensive Coordinator. Doch Nagy galt als eine Art Lieblingsschüler von Coaching-Guru Andy Reid – und Nagy holte sich mit Mark Helfrich (aus der Oregon-Spread/Option Schule) nicht nur einen prominenten OffCord ins Boot, sondern konnte auch mit DefCoord Vic Fangio verlängern.

Fangios Defense war eine der wenig beachteten Erfolgsgeschichten der letzten Saison: Mit 6.0 NY/A gegen den Pass war man überdurchschnittlich gut (auch wenn man nicht gegen Aaron Rodgers spielen musste) – dass Chicagos Verteidigung nicht mehr Hype abbekam, liegt vor allem an der niedrigen Interception-Quote: 1.5% INT-Rate, eine der niedrigsten der NFL. Doch Interceptions sind volatil, und die Karten stehen gut, dass Chicagos Defense in der anstehenden Saison mehr Turnovers erzwingen wird.

Chicagos Defense war als #14 bereits besser als der NFL-Durchschnitt, obwohl man nach Adjusted Games Lost die am drittmeisten verletzte Abwehr der Liga stellte. Die personelle Situation sollte sich 2018 entspannen, vor allem, weil man in LB Roquan Smith (1te Runde, Pick #8) einen der höchsteingeschätzten Rookies des NFL-Drafts zog. Smith wird mit Danny Trevathan das LB-Duo bilden und ein massives Upgrade gegenüber dem Vorgänger-Team stellen.

Und natürlich der Move der Moves kurz vor Saisonstart am Samstag: Der Einkauf von DE Khalil Mack, einem der besten Verteidiger der NFL und einem, der kaum Snaps verpasst.

Doch der wahre Grund für die Euphorie ist natürlich der Ort, an dem Chicago nicht bloß den Trainerwechsel vornahm, sondern GM Ryan Pace auch noch mehr personelle Moves als in der Defense machte: Die Offense.

Dort geht QB Mitchell Trubisky in sein zweites Jahr; seine Rookie-Saison kann man im optimistischsten aller Momente mit „durchwachsen“ beschreiben, doch richtig bewerten kann man seine Debütsaison angesichts des horrenden Play-Callings unter Fox sowie dem Ausfall sämtlicher namhafter Anspieloptionen nicht.

Chicago geht nun mit rundumerneuertem Receiving-Corps in die neue Saison: WR Allen Robinson wurde für dicke Kohle aus Jacksonville geholt, TE Trey Burton kommt aus Philadelphia (Burton war dort der TE3), WR Tyler Gabriel kommt aus Atlanta und Slot-WR Anthony Miller wurde im Draft gezogen. Gepaart mit dem erstmals spielfitten WR Kevin White (1st Rounder 2015, der bislang kaum gespielt hat und als WR4 eingeplant ist) und dem 2nd-Round Offense Line Daniels erfährt Trubisky rund um sich massive personelle Verstärkung, die fast sicher zu verbesserter Effizienz im Passspiel führt.

Natürlich ist Trubisky noch eine Unbekannte – schließlich hat er gerade ein Jahr College und ein halbes Jahr NFL nachzuweisen. Doch selbst wenn Trubisky auf die brutalen 5.5 NY/A von letzter Saison nur ein halbes Yard drauflegen kann – mit Coaches, die ihren Namen verdienen, fast eine Garantie – braucht es nur etwas mehr Turnover-Glück in der Defense, dass Chicago als Außenseiter im Wildcard-Rennen einsteigen kann.

Und so haben wir die Bold-Prediction: Im Idealfall klickt das ganze Gebilde vom Start weg, Chicago greift in der NFC North nach dem Divisionssieg und zieht mit viel Getöse in die Playoffs ein. Im Normalfall klopfen die Bears an, werden aber noch nicht ins Konzert der Großen eingeladen.

Jacksonville Jaguars

Playoff-Wahrscheinlichkeit nach FPI: 50%
Tipp: Platz 3 in der AFC South

Die Jacksonville Jaguars waren eines der großen Überraschungsteams der Saison 2017: Gestartet mit massiven QB-Zweifeln, gelandet mit epischer Pass-Defense im AFC-Finale, ausgeschieden trotz 10-Punkte Führung im Schlussviertel nur wegen zu konservativem Play-Calling.

Jetzt kommt der harte Teil: Den Erfolg wiederholen. Für Jacksonville spricht die Kontinuität in der Defense, die mit hohen Draftpicks wie DT Taven Bryan (1te Runde) und FS Ronnie Harrison (3te Runde) verstärkt wurde und in CB Aaron Colvin nur einen nennenswerten Leistungsträger verlor.

Im ersten Anzug ist die „Sacksonville-Defense“ extrem gut besetzt, doch es gibt zwei Knackpunkte, die an der Wiederholung des 2017er-Kunststücks – u.a. mit 4.7 NY/A (#1 der Liga) gegen den Pass und 4.1% INT-Quote (#1 der Liga) zweifeln lassen:

  1. Zum einen war die Jaguars-Defense 2017 die #2 der Adjusted-Game Liste – wird man noch einmal so verletzungsfrei durch die Saison kommen?
  2. Zum anderen tendieren Defenses noch stärker als Offenses zu natürlicher Regression zur Mitte. Das Fenster ist selbst für die beste Defense nicht lange geöffnet, mit oder ohne Verletzungen.

Vor allem Turnovers verhalten sich für gewöhnlich volatil: Jacksonville hatte noch im Jahr 2016 eine INT-Quote von unter 1.5%, #32 der Liga. 2017 war man plötzlich die #1. Sich darauf zu verlassen, dass die Defense erneut 33 Turnovers fängt, wäre allzu optimistisch.

Das wirkliche Fragezeichen in Jacksonville jedoch ist die Offense: Dort verstärkte man zwar die Offense Line notwendigerweise mit OG Andrew Norwell, aber man scheute die QB-Kontroverse und verzichtete im Draft auf die Einberufung des QB-Juwels Lamar Jackson. Stattdessen geht man erneut mit QB Blake Bortles in die Saison – nachdem Bortles viele Male bewies, dass er sich nur in seinen lichtesten Momenten das Etikett „brauchbar“ aufkleben kann.

Das Misstrauen der Jags-Coaches gegen QB Bortles sorgte nicht zuletzt im AFC-Finale für das vorzeitige Ausscheiden: OffCoord Hackett verfiel in Starre und lief der Patriots-Defense ins offene Messer. Umso erstaunlicher, dass die Verantwortlichen in der Offseason nichts unternahmen um den Status quo auf Quarterback auf den Prüfstand zu stellen.

Viel schlimmer: Man verschlechterte den Status quo um Bortles herum. Norwell mag ein gelungener Einkauf sein, der auch dem Laufspiel um RB Leonard Fournette hilft, aber Fournette war entgegen der landläufigen Meinung ein irrevelanter Faktor im Jaguars-Aufschwung.

Und der Receiving-Corp ist nach den Abgängen der WRs Hurns/Robinson und TE Lewis sowie der season ending Verletzung von WR Marquise Lee unterirdisch: Leute wie Dede Westbrook oder Rookie DJ Chark haben ab sofort tragende Rollen. Unter Hackett führt da bestimmt zu noch mehr Laufspiel in die Mauer, und somit noch mehr langen 3rd Downs.

Trotzdem sollte man nicht den Fehler machen und die Jaguars im Kollaps begriffen sehen – immerhin war das ein Team mit Pythagorean von 11.8 Siegen. Das ist viel Qualität, die eigentlich für eine Verbesserung der Sieg-Bilanz 2017 (10-6 Siege) sprechen sollte. Der 4t-einfachste Schedule der NFL sollte ebenso helfen.

Doch ich bleibe skeptisch. Die erste Blaupausen zum Knacken der jaguars-Defense sind geliefert und die AFC South ist nicht mehr die Gurken-Division alter Tage. Jacksonville ist dafür gebaut, frühe Führungen zu verwalten und über die Zeit zu bringen, aber ohne Turnover-Rausch der Defense wird es mit frühen Führungen eng. Mit einem durchschnittlichen Quarterback à la Teddy Bridgewater wäre Jacksonville ein Superbowl-Kandidat. Mit Bortles wird es knapp mit den Playoffs.

Los Angeles Chargers

Playoff-Wahrscheinlichkeit nach FPI: 54%
Tipp: Platz 1 in der AFC West

Auf dem Papier haben die Los Angeles Chargers vielleicht die 2t- oder 3t-beste Mannschaft der AFC, mit starkem Quarterback und der vielleicht besten Secondary in der NFL. Doch unangefochtene Spitze der AFC sind die Chargers, wenn es darum geht, sich selbst ins Knie zu schießen. Das hat sich auch nach dem Trainerwechsel vom unglückseligen Mike McCoy auf Anthony Lynn nicht weltbewegend geändert.

Das Team, das man am liebsten noch immer als „San Diego“ bezeichnen möchte, schloss letztes Jahr mit 9-7 Bilanz ab – einen Endstand, den man angesichts eines 0-4 Starts noch als Erfolg bezeichnen könnte – bis man beachtet, dass die Bolts einmal mehr massiv unter ihren Möglichkeiten geblieben waren:

  • Pythagorean von 10.5 Siegen deutet darauf hin, dass man mit 9 Siegen eineinhalb Spiele unter dem wahren Leistungsvermögen geblieben ist. Nur drei Teams
  • Mit der #6 Offense und #10 Defense schloss man in meinem Power-Ranking als #5 overall ab. Man hatte eine Turnover-Ratio von +12, die zweitbeste Pass-Offense (7.3 NY/A) und die fünftbeste Pass-Defense der der NFL (5.6 NY/A).

Und trotzdem verpassten die Chargers die Playoffs, weil sie mit katastrophalen Special Teams und planlosem Play-Calling ihre Möglichkeiten nicht nutzten. Das Coaching wird sich nicht grandios ändern – und nachdem Los Angeles keine Advanced-Stats Analysten im Front-Office nutzt, wird sich auch am Play-Calling nicht viel ändern. Deshalb kein Titelfavoriten-Status für eine ansonsten brillant besetzte Mannschaft.

Und natürlich: Auch kein Titelfavoriten-Status, weil es diesem Team auch nie vergönnt ist, mal etwas Verletzungsglück zu haben. In der Offseason fielen bereits der großartige TE Hunter Henry (beste SR% der Liga unter Tight Ends, noch vor Gronkowski) und der Top-Manndecker CB Jason Verrett für die komplette Saison aus; Verrett, ein Juwel wenn fit, hat damit in den letzten fünf Jahren aus 80 möglichen Einsätzen genau 25 bestritten.

In der AFC West ist dennoch kein Team über die Chargers zu stellen. Die Pass-Offense um den auch im fortgeschrittenen Alter noch erstklassigen QB Philip Rivers sollte auch ohne Henry funktionieren – in WR Keenan Allen, WR Mike Williams und WR Travis Benjamin plus RB Melvin Gordon hat man mehr als adäquates Personal für eine explosive 11-Personnel Offense. Die Offensive Line wurde zudem mit C Pouncey nominell leicht verstärkt und auf TE reaktivierte man Antonio Gates aus dem Ruhestand.

Die einzige Komponente, die diese Offense zurückhalten kann, ist das Play-Calling. In der letzten Saison brauchte man mehr als das halbe Jahr um zu realisieren, wie desaströs die 60% 1st-Down Run-Quote war. Man muss sich das einmal vorstellen: OffCoord Ken Whisenhunt callte 60% Laufspiel, obwohl jenes mit 25% Success-Rate und 2.8 Yards/Carry nicht anders als Desaster bezeichnet werden kann – das Passspiel gleichzeitig 45% Success-Rate bei 7.0 NY/A zustande brachte. Und die Chargers brauchten die halbe Saison und 5 Niederlagen in 8 Spielen um das zu verstehen.

Angesichts derartiger Managementfehler fällt es schwer, den Chargers besondere Wunderdinge zuzutrauen. Für die Regular Season sollte es diesmal zwar reichen, nachdem die Broncos zu wenig Offense und Chiefs wie Raiders zu wenig Defense aufbringen um dem kompletten Roster der Chargers Paroli zu bieten.

Doch wie weit kann es für ein Team in den Playoffs gehen, das zum einen über eine Historie ein vergebenen Chancen verfügt sowie sich einfachsten Verbesserungsmöglichkeiten im Play-Calling verschließt und damit etliche Prozentpunkte an Leistung gegenüber der Konkurrenz in New England liegen lässt?

Minnesota Vikings

Playoff-Wahrscheinlichkeit nach FPI: 60%
Tipp: Platz 2 in der NFC North, Wildcard

Aus einem anderen Grund nicht unter den Titelfavoriten ist ein anderes top-besetztes Team: Die Minnesota Vikings – personell locker eines der sechs besten Teams in der NFC, aber mit größeren Fragezeichen als das NFC-Quintett, das morgen folgt.

Die Vikings kommen aus einer famosen 13-3 Saison inklusive eines unvergesslichen Playoff-Highlights – einer Saison, die erst mit einem Debakel im NFC-Finale endete. Es war eine jener Spielzeiten, in denen alles klick machte: Die Defense, seit Jahren mit etlichen Top-Draftpicks zusammengestellt, spielte auf fantastischem Niveau und war sowohl mit 5.2 NY/A gegen den Pass als #2 und mit 63% Success-Rate gegen den Lauf als #5 eine Top-5 Unit in allen Belangen.

Jene Defense wird von Headcoach Mike Zimmer gecoacht – und die Dominanz kommt mit jahrelanger Ansage, nachdem man etliche hohe Draftpicks investiert hatte. 2018 pulverte man sogar noch einen weiteren 1st Rounder dazu: CB Mike Hughes, mit dem man sich den Luxus leisten kann, ihn als #4 hinter Rhodes, Waynes und Alexander einzulernen.

Dazu kommt DT Sheldon Richardson als famoser Run-Defender aus Seattle. Doch GM Rick Spielman weiß genau, warum er weiterhin investiert: Schließlich hatte Minnesotas Defense 2017 fantastisches Verletzungsglück: #1 Defense nach AGL. #4 in der Defense Line. #2 auf Linebacker und Secondary. Das wird sich kaum wiederholen lassen, und als sich in den Playoffs SS Harrison Smith verletzte, war sofort ein Leistungseinbruch zu beobachten.

Doch auch wenn man den einen oder anderen Starter irgendwann im Spital wiederfinden wird: Kollabieren wird die Defense nicht. Dafür hat Zimmer zu lange die Kultur etabliert. Dafür ist das System zu homogen. Dafür hatte man sogar noch Verbesserungspotenzial (Sack-Rate von 4.4% war eher mau und man erzwang „nur“ 19 Turnovers – Mittelfeld der Liga).

Die Qualität der Defense war also lange bekannt. Der sensationelle Teil 2017 wurde aber von der Offense beigesteuert, die mit dem third stringer auf Quarterback und ohne adäquates Laufspiel (der etatmäßige RB Dalvin Cook war auf IR) auf Top-10 Niveau spielte. Doch nach Ablauf der Saison ließ man alle Quarterbacks im Kader sowie OffCoord Pat Shurmur ziehen.

Die Neuen haben klingende Namen, bergen aber auch Risiken: OffCoord John DeFilippo und QB Kirk Cousins.

DeFilippo, Codename „Flip“, zuletzt QB-Coach in Philadelphia. Weil er mit Wentz und Foles dort eines der jungen QB-Juwele der Liga zum Superstar und dessen Backup zum Superbowl-MVP coachte, war DeFilippo heiß begehrte Ware am Trainermarkt. Dabei spielte sich seine Vita vor der Eagles-Anstellung als QB-Coach in Oakland und erfolgloser OffCoord in Cleveland eher in dunklen NFL-Regionen ab.

Hoffnung für die Vikings: Es gibt deutliches Verbesserungspotenzial im Play-Calling – und DeFilippo liefert dank seiner Philly-Vergangenheit den Beweis, dass – und vor allem: wie – man es besser machen kann.

OffCoord neu, Quarterback neu: Kirk Cousins kommt für einen dicken Vertag (fast 30 Mio/Jahr auf drei Jahre guaranteed) aus Washington. Cousins hat sich in den letzten sechs Jahren vom Backup hoch zu einem der effizienteren NFL-QBs gespielt: Über die letzten drei Jahren im Schnitt 7.0 NY/A und nur 2.1 INT-Quote. 2017 war mit 6.5 NY/A ein eher durchwachsenes Jahr für Cousins. Doch dieser Wert liest sich schon beachtlicher, wenn man weiß, dass er gegen den 2t-schwersten Pass-Schedule und hinter der meist-verletzten Offensive Line spielen musste.

Doch genau dieses Stichwort, „Offense Line“, ist der Grund, weshalb Minnesota trotz Absätze langer Lobhudelei nicht unter den Titelkandidaten aufscheint, sondern eine Stufe darunter. GM Spielmans einziges Versäumnis war es, die brutalen Schwächen der Offense Line nie konsequent genug ausgemerzt zu haben.

Zweifellos: Die Vikings hatten stets absurdes Verletzungspech auf dieser Position, aber das Problem für 2018 ist: Dieses Pech setzt sich bereits fort. OG Easton ist bereits out for season und C Eflein droht die erste Saisonhälfte auf der PUP (physically unable to perform-Liste) zu versauern.

Dem QB 2017, Case Keenum, war es bewundernswert gut gelungen, trotz hoher QB-Pressure Rate adäquaten Football zu spielen, doch Keenum war ein besserer Scrambler als es der doch deutlich immobilere Cousins ist. Das fulminante WR-Trio Thielen / Diggs / Treadwell gepaart mit TE Rudolph und RB Dalvin Cook geben Cousins zwar Waffen zum Arbeiten – aber wie weit kann sich eine Offense entwickeln, wenn die Pocket nach eineinhalb Sekunden bereits krepiert? Einen schalen Eindruck hat der gemeine Vikings-Fan aus der 2016er-Saison, als Minnesotas Offense unter der Line kollabierte.

Offense Line als die Sollbruchstelle. Gelingt es DeFilippo, die Schwachstelle mit Scheming und Play-Calling zu umgehen oder kann Cousins wider Erwarten Keenums Performance replizieren, sind die Vikings ein NFC-Favorit. Die Wetten stehen jedoch besser für Regression in Offense und Defense. Was dennoch für 10 Siege und Playoffs reichen sollte. Aber vermutlich nicht wieder für Divisionssieg und #2 Seed.

San Francisco 49ers

Playoff-Wahrscheinlichkeit nach FPI: 46%
Tipp: Platz 2 in der NFC West

Jahr 2 für Headcoach Kyle Shanahan in San Francisco – und schon könnten die Erwartungen kaum höher sein. Letztes Jahr waren die 49ers nur 6-10. Der Hype wird in erster Linie vom letzten Saisondrittel angekurbelt, als der aus New England geholte QB Jimmy Garroppolo den Laden übernahm und seine fünf Spiele als Starter allesamt gewann.

Garroppolo ist nun nach einer fast 140 Mio. teuren Vertragsverlängerung „der Mann“ an der Bucht. Um ihn herum rüsteten GM John Lynch und Shanahan das Offense-Personal massiv auf: Gleich zwei neue Offensive Liner (OT McGlinchey als 1st Rounder, C Westburg als neuer Center) und in Dante Pettis ein 2nd-Round Wide Receiver. Lynch hätte im teuren RB McKinnon sogar noch den von Shanahan gewünschten fangstarken Back geholt – doch McKinnon fällt nun mit season ending injury den kompletten Herbst aus.

Theoretisch sieht die Offense nach zwei Offseasons unter neuem Regime personell annähernd so aus wie es sich ein Shanahan vorstellt: Viele verschiedene WR-Typen, bewegliche Offensive Line, präziser Kurzpass-QB. Einzig der fangstarke Runningback geht nach McKinnons Aus noch ab.

Doch Vorsicht: Garroppolo hat bei allen Lobeshymnen noch keine halbe Saison als NFL-Starter gespielt und ist somit Regressionskandidat. Und er hat (auch mangels Wurftechnik?) unübersehbare Schwächen im tiefen Passspiel. Es wäre vermessen, von ihm per sofort Top-5 Leistungen zu erwarten.

Selbst wenn Garroppolo aber aufgeigt, ist keineswegs gesichert, dass die Defense ausreichend Gegenwehr leisten kann um die 49ers in die Playoffs zu tragen. DefCoord Salah ist mit seinem Umbau auf 4-3 noch nicht vollständig durch. So gibt es zum Beispiel drei Defensive Tackles (Armstead, Thomas, Buckner), aber nur zwei spielen regelmäßig (Armstead ist nur Rotationsspieler) – und keinen exzellenten Edge-Rusher.

So hat man auf Linebacker in Reuben Foster zwar ein Juwel im 2ten Jahr, aber auch eines, das permanent in Konflikt mit dem US-Gesetz steht und jederzeit gesperrt werden könnte. Fosters Backups sind ex-Superbowl MVP Malcolm Smith und Rookie Fred Warner.

Und schließlich die Secondary, 2017 die Sollbruchstelle. Mit CB Richard Sherman holte man den markantesten Manndecker vom Divisionsrivalen Seattle, doch Sherman ist mit 30 Jahren und Rückkehr von Achillessehnenriss keine Garantie. Der einstige CB-1st Rounder Jimmy Ward musste über die Jahre zum Safety umgeschult werden, womit ein nicht zu übersehendes Loch auf Cornerback bleibt – selbst wenn Sherman einschlägt. Was aber immer bleibt: Die Hoffnung auf besseres Verletzungsglück. 2017 war man die meist-verletzte Defense der NFL.

Potenzial durch die Bank ist fraglos da. Es besteht die Hoffnung, dass man in beiden wesentlichen Phasen des Spiels einen Sprung nach vorne macht – doch noch bestehen Zweifel an Garroppolo, die auszuräumen sind. Shanahan hat diese Mannschaft auf dem richtigen Weg. Aber um als ernsthafter Titelanwärter wahrgenommen zu werden, fehlt noch ein Jahr. Mindestens.

Tennessee Titans

Playoff-Wahrscheinlichkeit nach FPI: 43%
Tipp: Platz 2 in der AFC South, Wildcard

Die „Kronprinzen-Rubrik“ wird beschlossen durch die Tennessee Titans, letztes Jahr mit 9-7 Bilanz und Wildcard-Sieg in Kansas City ein überraschender Viertelfinalist. Ein Viertelfinalist, der sich nach Sonnenuntergang auf den letzten Drücker doch noch den Big-Move traute bei Head Coach Mike Mularkey die Kettensäge rasseln ließ.

Schon oft hatte ich geschrieben, wie wichtig Mularkeys Entlassung war. Bei aller Freude über eine Playoff-Qualifikation: Mularkeys Titans profitierten in erster Linie von einer grausam schlechten AFC-Konkurrenz, während Tennessees „exotic smashmouth“ Offense an den Talenten seines stagnierenden QB-Juwels Marcus Mariota vorbei designt war.

Tennessee spielte unter Mularkey so viel Heavy-Personnel wie keine andere Mannschaft (13 und 22 Personnel: 18% der Snaps). Tennessee spielte nur 23% Play-Action, ungeachtet Mariotas krassem Split zwischen Play-Action und non-Playaction: 9.1 NY/A (#7 der Liga) mit Play-Action zu 5.2 NY/A (#27) ohne. Und Tennessee ließ seine Runningbacks 30x/Spiel in eine Mauer laufen.

Als neuen Headcoach installierte GM Jon Robinson den Texans-DefCoord Mike Vrabel. Doch Vrabel ist nicht die wesentlichste Personalie. Viel wichtiger war die Einstellung von OffCoord Matt LaFleur, der als neuer Play-Caller von den Rams kommt.

LaFleur ist „brother in mind“ mit den jungen Offense-Wilden wie Kyle Shanahan (unter dem er 2016 als QB-Coach agierte) und Sean McVay (dessen OffCoord er letztes Jahr war). Von diesen Gurus nahm er unterschiedliche Einflüsse auf:

  • Viel 11-Personnel wie unter McVay, viel 21-Personnel unter Shanahan
  • Wert des Play-Action Passes
  • Wert des Passspiels auf die Runningbacks

LaFleurs Bestellung ist nun insofern interessant, weil Mariota als großartiges Prospect gilt, das bislang in einem zu starren System gefangen war. Ausgerechnet 3-WR Sets waren allerdings Mariotas größte Schwäche. So wird das Jahr 2018 auch zum Test für Mariota: War tatsächlich Mularkey der Schuldige oder ist Mariota doch nicht das Supertalent, zu dem er bisher gehypt wurde?

Theoretisch hat Tennessee mit dem Einkauf von RB Dion Lewis aus New England den letzten Baustein für eine spektakuläre Offense beisammen: Lewis ist ein exzellenter Ballfänger und als solcher in allen Downs und aus allen Formationen gleichermaßen effizient. Auch der nominelle Starting-RB Derrick Henry ist ein unterschätzter Mann: Seine Success-Rate 2017 war um 10% besser als jene des überwiegend eingesetzten, mittlerweile zurückgetretenen DeMarco Murray.

Mariotas Receiving-Corp mit den WRs Corey Davis, Taylor und Matthews sowie TE Walker ist auf dem Papier gut genug; Davis hatte einen schwachen Einstand als Rookie, doch seine Talente sollten unter LaFleur besser zum Tragen kommen. Die Chancen stehen gut, dass es einen Schritt nach vorne gibt: LaFleurs Offense wird schon qua Spielzugdesign besseres tiefes Passspiel bringen und sie wird schwieriger ausrechenbar sein als die „11-Personnel = 75% Pass, Heavy Personnel = 85% Lauf“ Offense der Titans.

Die Defense wird von DefCoord Dean Pees übernommen. Sie ist guter NFL-Durchschnitt. PassRush mit DT Casey sowie den Edge Rushern Orakpo, Derrick Morgan und Rookie Harold Landry (2te Runde) sollte passen. Die Front Seven wurde durch DT Bennie Logan und Rookie-LB Rashaan Evans (1te Runde) aufgebolstert. Aufrüstung auch in der Secondary mit dem Einkauf von Patriots-CB Malcolm Butler. Sie sollte mit einem Kern-Trio Butler, CB Adoree Jackson (hymnische Rookie-Reviews) und FS Kevin Byard knackig besetzt sein.

Zweifel an Tennessee sind natürlich angebracht: Wird man noch einmal als #3 der Adjusted Games-Lost Liste abschließen? Eher nicht wahrscheinlich. Auch bei Mariota sind alle Verbesserungen momentan mehr unserer Vorstellungskraft geschuldet als echten Beweisen. Doch alle Titans-Moves in der Offseason machen Sinn und gepaart mit dem 7t-einfachsten Schedule kann in Nashville durchaus erneut eine Wildcard herausspringen.

15 Kommentare zu “Furchtlose NFL-Vorschau 2018/19 | Die Kronprinzen

  1. Bold Prediction, dass du die Vikings, die ich oft landläufig in den Top-4 sehe, sogar aus den Top-8 geschmissen hast.
    Und dann auch noch vor den Packers 🙂
    Gefällt mir!

  2. Ich finds angenehm, dass die Vikings hier eben nicht top-8 sind… Mein persönliches Bauchgefühl geht auch in deine Richtung… schön dass die Statistik das eigentlich untermauert 🙂

    Man könnte übrigens noch erwähnen, dass die Packers eines von den 2 Nicht-Playoff-Teams war und denen hat Rodgers gefehlt…

  3. Finde das ganz spannend, das Baltimore mit rg3 eher einen Backup für Jackson holt, als für Flacco .

    Bei Carolina gefallen mir weder die safeties noch die oline- da ist ja schon wieder die die Hälfte verletzt… vor allem lt matt kahlil ist eine Katastrophe gegen speedrush. Bleibt zu hoffen, dass die Backups übernehmen

  4. An eine ganz schnelle Ablösung von Flacco glaube ich noch nicht. Jackson ist noch ein Rookie und hat in der Presaison auch wie ein Rookie gespielt. Das ist natürlich keine Katastrophe sondern war zu erwarten, aber da die Ravens wenn alles gut läuft um die Playoffs mitspielen sind die Hürden für ein Experiment bzw ein Ausbildungsprojekt auf QB sicherlich höher als bei anderen Franchises.
    Potential hat die Jackson/Mornhinweg-Kombi aber natürlich. Aber für dieses Jahr tippe ich dass die Ravens sich das erstmal in Ruhe auf dem Trainingsplatz angucken und evtl als Gimmick im Spiel ausprobieren um dann in der nächsten Offseason eine Entscheidung zu treffen.

  5. Flacco ist im Moment noch relativ lang unter Vertrag, das würde seinen Marktwert für einen Trade deutlich erhöhen, deshalb ist es nicht zwangsläufig eine schlechte Idee Jackson frühzeitig zu testen. Selbstverständlich sollte man sich sicher sein, dass er so bereit ist wie es einem Rookie möglich ist und ihn nicht hektisch verfeuern

  6. Zu der 49ers Secondary: wer da etwas unter dem Radar fliegt, ist CB Ahkello Witherspoon, ein 3rd Round Pick von 2017. Hatte wohl eine sehr solide Rookiesaison (in der er sich in Woche 8 zum Starter hochgearbeitet hat) und Richard Sherman hat ihn zu seinem Cornerback-Trainingcamp eingeladen, bei dem ansonsten nur Aqib Talib, Xavier Rhodes und Darius Slay anwesend waren. Schätze mal, das macht Sherman nicht mit jedem x-beliebigen Defensive Back. Etwas Grund zur Hoffnung für die tatsächlich löchrige Niner Secondary.

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  8. @cashman5: Ich sehe keinen besonderen Trade-Wert von Joe Flacco. Abgesehen von der SB-Saison hat er nie herausragende Leistungen gezeigt, die seinen (selbst ausgerufenen) Elite-Status wirklich rechtfertigen. Warum sollte irgendeine Franchise für einen mittelmäßigen bis leicht überdurchschnittlichen QB mit hoch dotiertem Vertrag der nächstes Jahr 34 wird auch nur irgendwelche Ressourcen auf den Tisch legen?

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