Akademische Viertelstunde – Woche 3

Rückblick auf den dritten Spieltag. Zwei Topspiele stachen heraus:

#4 Ohio State 40, #15 TCU 28. Die Partie fühlte sich nicht so klar an wie das Endergebnis. TCU hatte über weite Strecken sogar die bessere Offensive (u.a. 511 Yards Offense) und führte auch zur Halbzeit. Aber Ohio State machte die Big Plays in Defense und Special Teams:

  • Strip-Sack für DE #97 Nick Bosa zum TD returniert
  • Interception aus einem Shovel-Pass für DT Dre’Mont Jones zum TD returniert
  • Geblockter Punt tief in TCU-Platzhälfte

Ohio State ließ überraschend viel TCU-Offense zu, aber letztlich bestätigte sich das, was ich in der Preview geschrieben hatte: Die TCU Offense Line ist zu schwach um gegen die monströsen Pass Rusher gegenzuhalten. So hatte QB Shawn Robinson nicht nur zu häufig gewaltigen Druck vor der Nase, sondern wusste sich die O-Line auch in kritischen Momenten nur mit Strafen zu helfen – so beim zurückgepfiffenen TD im allerersten Drive, als der Offense-Tackle ein sinnloses Holding beging.

Ohio State wirkte fast drei Viertel lang „ge-outcoached“, ehe der superiore Talent-Level von Ohio State und besagte Fehler von TCU überhandnahmen. Ohio States Game-Winner waren neben den Big-Plays die Offensiv-Skill Player: Die RBs Dobbins/Weber bilden ein Mega-Duo, aber der heimliche Star ist QB Dwayne Haskins, der wie ein angehender NFL-Quarterback aussieht und einige fantastische Würfe in schwierige Deckungen machte. Ohio State hat seit Ewigkeiten keinen höherklassigen NFL-QB mehr fabriziert; Haskins könnte einer werden.

Festzuhalten bleibt: Kann TCU eine solche Performance gegen Oklahoma wiederholen (und die Zahl der Bolzen halbieren), ist die Big-12 Meisterschaft für Gary Pattersons Jungs durchaus drin.

Ohio State? Muss hinterfragen, wie man über 500 Yards aufgeben konnte. Kann aber mit der Entwicklung von QB Haskins auch viel Positives aus dem Spiel ziehen. Man hat nun das Wissen um einen Top-QB und das Wissen, dass man unter schwierigen Umständen den Karren aus dem Dreck ziehen kann.

Doch das war’s auch schon. Nächste Woche kehrt Urban Meyer auf den Trainersessel zurück – nicht ohne diese Woche noch einmal ein Bizarro-Interview gegeben zu haben („es tut mir leid, dass ich den Eindruck erweckt habe, mich nicht um Frauenschläger zu kümmern“). Mit Meyer als leitendem Angestellten und einer Big Ten, in der mein Preseason-Mitfavorit Wisconsin sogar schon vom Mid-Major BYU auf die Fresse bekommt (Wisconsin verlor sensationell 21-24), ist Ohio State nun überwältigender Favorit auf einen der vier Playoff-Plätze. In zwei Wochen (29.09.) geht es nach Penn State zum nächsten Härtetest.


#7 Auburn 21, #12 LSU 22. Ein dramatisches Spiel mit Last-Minute Fieldgoal zum Sieg für LSU. Der Sieg kommt durchaus überraschend, zumal auswärts und nach 11-Punkte Rückstand. LSUs Offense war bei Gott nicht überragend, hatte um die Halbzeitpause herum vier Drives, in denen so gut wie nichts ging (37 Yards in 4 Drives), aber dann erwachten die Jungs von Ed Orgeron doch noch einmal und jagten Auburn erst einen Riesen-Schreck ein und schossen Auburn in der letzten Sekunde ab.

QB Joe Burrows kam in der Offseason von Ohio State, wo er keine Chance gegen oben genannten QB Haskins gehabt hätte (ich habe am Samstag verstanden, warum). Burrows ist kein überragender QB, er hatte auch am Samstag nur 15/34 Completions, doch er ist besser als alles, was LSU an Quarterbacks in den letzten Jahren hatte. Er machte wenige grobe Fehler. Und er lieferte am Samstag, wenn er am dringendsten gebraucht war: Letzter Drive, 4th&7: Burrows mit einer scharfen 9-yds Completion, die den siegbringenden Kick überhaupt erst ermöglichte.

LSU hat damit nach drei Spieltagen 3-0 Bilanz und zwei wertvolle Siege über Miami/FL und Auburn. Schön ist der Football noch immer nicht, aber die Offense ist durchaus besser als in Vergangenheit. LSU springt in den AP-Rankings hoch auf #6. Das „fühlt“ sich richtig an. LSU hat viel erreicht, aber qualitativ ist das doch deutlich unterhalb von Alabama, Clemson, Oklahoma, Ohio State und Georgia anzusiedeln.

Vorteil LSU: Man empfängt im Oktober nacheinander Georgia, Mississippi State und Alabama im Tigre-Stadium von Baton Rouge. Schedule ist hart, aber zumindest Heimvorteil.

Für Auburn ist die Pleite eine bittere Pille: Man hatte mit dem hart erkämpften Auftaktsieg gegen das hoch eingestufte Washington eigentlich schon eine massive Trumpfkarte in der Hand, die man nun verspielte. Eine 21-10 Führung zuhause zu verspielen ist ähnlich übel wie die beiden Stidham-INTs und die 9 Strafen für über 100 Yards, die man gegen LSU aufgab.

Die Top-Teams

#1 Alabama beeindruckte zum dritten Mal: 62-7 bei Ole Miss. Nach dem schnellen Big-Play TD von Ole Miss zum Beginn würgte Alabamas Defense den Rebels-QB Taamu komplett ab: Nur 7 Completions in 22 Versuchen für Taamu. Dagegen machte Alabama-QB Tagovailoa erneut eine makellose Partie: 11/15 für 191yds, 2 TD. Alabama zum ersten Mal ever mit mehr als 50 Punkten in den ersten drei Spielen der Saison.

#2 Clemson mit einem 38-7 Sieg über das kleine Georgia Southern. Zwischendurch gab es eine Schrecksekunde, als QB Kelly Bryant in Q2 runter musste und für den Rest des Spiels ausfiel. Backup Lawrence kam rein und servierte einen 57-yds TD Pass im ersten Spielzug. Bryant soll am Samstag wieder fit sein.

#3 Georgia schoss Middle Tennessee State klar 49-7 ab.

#5 Oklahoma mit einem 37-27 gegen „Angstgegner“ Iowa State. Die Cyclones hatten mehr Offense als erwartet, weil WR Hakeem Butler fast 200 Yards und 2 TD machte, aber weil QB Kyler Murray auch im dritten Spiel eine gewaltige Performance hinlegte (21/28 für 348 yds, 3 TD, 5 Carries für 77 yds), reichte das für Oklahoma am Ende ungefährdet.

In den USA kommt damit die Frage auf, ob Baker Mayfield vielleicht doch nicht so grandios war und wie viel an seinem Erfolg am Scheming von Lincoln Riley lag:

Spannend. Wenn ein lokaler Scout NFL-würdiges Skill-Set nicht von Scheming eines Coaches unterscheiden kann, erkärt das, warum so viele Scouts nur auf die Ergebnisse schauen. Nicht darauf, wie die Ergebnisse zustande kamen. Es illegitimiert auch die Arbeit des Scouts.

#6 Wisconsin verabschiedet sich erstmal aus den Reihen der Topfavoriten: 21-24 Niederlage gegen BYU. Wisconsin war schon in Woche 1&2 unrund unterwegs gewesen; die Niederlage fühlt sich wie „logische Konsequenz“ an.

Für die Big Ten ist die Wisconsin-Niederlage natürlich ein Desaster: Michigan fiel schon in Woche 1 mit der Pleite gegen Notre Dame vorerst durch den Rost; Michigan State folgte eine Woche später. Jetzt Wisconsin. Es bleiben Penn State und Ohio State als ungeschlagene heiße Eisen im Feuer – aber auch bei denen wird einer fallen: Am 29.09. spielen die beiden gegeneinander.

#8 Notre Dame gewinnt 22-17 gegen Vanderbilt.

#9 Stanford mit einem klaren 30-10 über das unterklassige UC Davis.

#10 Washington besteht seinen zweiten Härtetest beim 21-7 über das immer unangenehm zu bespielende Utah. Für Washingtons Play-Off Ambitionen aber bitter, dass der vermeintliche Kracher im Schedule, Auburn, gegen LSU verlor.

#11 Penn State mit einem 63-10 über Kent State. PSU mit dem zweiten Kantersieg en suite.

#16 Mississippi State gewinnt 56-10 gegen ULL. Mississippi State fliegt momentan noch deutlich unter dem Radar, aber die Advanced-Stats der Bulldogs sind hochwertig.

Das große Boise-State Spiel endete dagegen im Desaster: #17 Boise State verlor bei #24 Oklahoma State mit 21-44. Boise hielt fast drei Viertel lang gut mit, aber gleich zwei geblockte Punts (einer davon zum TD returniert) waren am Ende doch zuviel um mit einer starken Cowboys-Mannschaft mitzuhalten. Oklahoma State bestätigte seinen Ruf als ein Team der „Klasse 1-B“: In lichten Momenten Elite, aber nicht durchgehend dominant genug.

#23 Arizona State, das Team von Herm Edwards, verlor 21-28 gegen San Diego State. Damit dürfte erstmal Ruhe um Edwards einkehren.

Andere große Namen

Texas meldete sich mit einem 37-14 Kantersieg über #22 USC auf der Bühne zurück.

FSU verliert 7-30 gegen Syracuse und meldet erstmal höhere Ansprüche ab. Es wird ein Rebuilding-Jahr in Tallahassee.

Nebraska verliert 19-24 gegen Troy. Jenes Troy von Headcoach Neal Brown hat sich in der Tat zu einem der besseren Mid-Majors entwickelt.

Goodie

North Texas bezwang am Samstag Arkansas aus der SEC, u.a. dank dieses fulminanten Punt-Return TD-Fakes von Keegan Brewer.

Ich muss zugeben, der Spielzug sieht im ersten Moment nicht außergewöhnlich spektakulär aus, aber nach der Lektüre, wie viele Menschen involviert waren und mit wieviel Liebe zum Detail er vorbereitet werden musste um zu funktionieren, kann man nur sagen: Chapeau.

Diese Woche

Kaum absolute Topspiele am anstehenden Wochenende (Rankings unten sind bereits jene von Woche 4):

  • #1 Alabama im SEC-Topspiel gegen #22 Texas A&M (Sa 21h30 auf cbssports.com)
  • #2 Georgia gastiert beim passgewaltigen Mizzou von QB Drew Lock.
  • #3 Clemson auswärts bei Georgia Tech.
  • Pac-12 Topspiel mit #20 Oregon vs. #7 Stanford (Sa 2h).
  • #17 TCU spielt gegen Texas.
  • #19 Michigan empfängt das noch sieglose Nebraska von Scott Frost.
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8 Kommentare zu “Akademische Viertelstunde – Woche 3

  1. Nach dem überraschend tollen Auftritt von TCU gegen Ohio State bis weit in die 2. Hälfte hinein, ist es ein „muss“, dieses Team nochmals zu schauen.
    Mein Programm steht mal für Samstag/Sonntag Nacht
    Heimspiel von Missouri vs. Georgia
    Heimspiel von Georgia Tech vs. Clemson
    Heimspiel von Texas vs. Texas Christian U

  2. Mir erschließt sich nicht ganz die Bedeutung von „I’d be shitting bricks right now.“. Man mir das jemand erklären?

  3. Sollte dieser cbssports-Stream eigentlich funktionieren? Ich bekam da letzten SA die abenteuerlichsten Fehlermeldungen(versuchte Browser: Safari, Firefox, Chrome). Oder kann das sein, dass der in AT geo-geblocked ist?

  4. Ich mag irgendwie Syracuse und dass die jetzt 3-0 gestartet sind ist schon außergewöhnlich (in den letzten 4 Jahren nicht mehr als 4 siege/Saison eingefahren) und jetzt das erste mal gegen FSU gewonnen, zu Hause im größten Dome des College Footballs. Coach Dino Babers ist in seinem 3. Jahr und es scheint jetzt zu klicken, das ist irgendwie schön zu sehen! …und andererseits war es schon bemerkenswert wie die FSU O-Line da durch die Gegend geschoben wurde von den Orangemen… eigentlich unglaublich, bin gespannt wie es da weitergehen wird :)!

  5. Naja, Syracuses Siege waren gegen G5-Team Western Michigan (letztes Jahr 6-6), FCS-Team Wagner und jetzt Florida State, das selbst gegen Samford (FCS) nur mit Ach und Krach gewann und gegen Konkurrenz aus der selben Liga bisher Punching Ball war. Wirklich bewiesen haben die Orangemen noch nichts, aber ich denke, ein Bowl Game ist drin, weil der Schedule das hergibt. Dafür müssten sie nur UConn, UNC und Louisville schlagen und das ist machbar, wobei im restlichen Programm mit Pitt und Wake Forest auch schlagbare Gegner dabei sind, da kann sich die Babers-Truppe auch Niederlagen gegen NC State und BC leisten (Clemson und Notre Dame sowieso, auch wenn die Clemson letztes Jahr geschlagen haben).

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