College Football 2018 – Week 5 Review

Nachklapp zu einem fünften Spieltag der College-Footballsaison, in der die Weichen in der Big Ten Conference gestellt wurden. Außerdem: Ein Independent mausert sich zum heimlichen Playoff-Kandidat.

Spitzenspiel

Penn State Nittany Lions 26, Ohio State Buckeyes 27. Penn State vs. Ohio State hat sich in den letzten vier Jahren zu einem kleinen Klassiker entwickelt – und auch 2018 enttäuschte nicht: Ein erneut großartiger Fight zwischen diesen beiden Mannschaften – mit einem glücklichen Sieger: Ohio State kehrte im letzten Viertel von einem 12-Punkte Rückstand zurück und gewann die auf Messers Schneide stehende Partie glücklich.

Damit bleibt Ohio State ungeschlagener Topfavorit in der Big Ten Conference. Für Penn State ist die Niederlage schmerzhaft, da man nun auch das direkte Duell mit den Buckeyes verloren und zwei Spiele aufzuholen hätte. Es war überdies eine nicht notwendige Niederlage.

Der Grundtenor des Spiels war der Ohio-State Partie gegen TCU vor einigen Wochen nicht unähnlich: Der Gegner war eigentlich lange Zeit besser, fand Wege und Mittel, die Buckeyes in Bedrängnis zu bringen, doch dann irgendwann setzte sich doch die individuelle Überlegenheit durch.

Aber es war verdammt knapp – und es war von Seiten der Buckeyes nicht wirklich „brillant“: Überlegene Athleten schön und recht, aber diese Athleten waren Ohio States einziger Plan. Es war kein sauberes Play-Design, es waren haufenweise Screen-Pässe und dann wird der Receiver schon was damit anstellen. Tat er natürlich meistens. Viele 20-40 Yards Raumgewinne im letzten Viertel gegen eine enteierte PSU-Defense.

Aber allein deshalb nahm Ohio State den Big-Win aus Happy Valley mit.

Schon die erste Halbzeit war typisch für den Zynismus der Buckeyes gewesen: Penn State bewegte den Ball und hätte eigentlich klar führen müssen, aber nach verschossenem Fieldgoal und einem Fumble der PSU-Offense führte man trotz 293-93 Vorteil nach Yards nur 13-7. Die Serie an verschenkten Möglichkeiten setzte sich fort: Nach Ende des dritten Viertel lag man sogar 14-13 zurück, ehe man im Schlussviertel noch eine 26-14 Führung verschenkte.

Penn State hatte am Ende des Tages fast 100 Yards mehr Offense, machte 8.9 Yards/Pass (Ohio State: 6.9) und 4.7 Yards/Rush (Ohio State: 3.2), hatte weniger Strafen (7 zu 10) und weniger Yards Raumstrafen (64 zu 105) bei gleich vielen Turnovers (je 1) – und hatte am Ende trotzdem das Nachsehen.

Beeindruckend war Penn-State QB Trace McSorley, der eine fulminante Partie hinlegte und sagenhafte 175 Yards durch Scrambling erzielte. McSorley geht nicht als typisches NFL-QB Prospect durch, weil eher schmächtig gebaut und keine stabile Wurfhaltung. Aber McSorley ist ein Wettkampf-Typ vom obersten Regal. Und ein großartiger College-Spieler – man kann angesichts seiner Bedeutung für die starke Penn-State Offense sogar Richtung Heisman-Trophy schielen.

Umso mehr Kritik hagelte es am Trainerstab der Nittany Lions, als sie im allerletzten Drive beim entscheidenden 4th&5 den Ball aus McSorleys Händen nahmen und einen Inside-Zone Run über RB Sanders callten, der keine Chance hatte:

Es war der unrühmliche Schlusspunkt einer ansonsten großartigen Partie – ein Call, der PSU-Headcoach James Franklin Wochen, wenn nicht gar Monate, lang nachhängen wird. Er symbolisiert aber auch, dass Penn State zwar sieben Jahre nach dem Auffliegen des Sandusky-Skandals wieder eine große Mannschaft stellt – der aber der allerletzte Schritt noch fehlt. Auf Spielerseite. Aber auch auf Trainerseite.

Positiv für Penn State: Man ist wieder dran. Ohio State dagegen ist unter Urban Meyer bereits in der Elite angekommen. 2018 würde ich die Mannschaft zwar trotzdem nach den gezeigten Leistungen unterhalb des Niveaus von Alabama und Georgia verorten – aber mit den beiden Siegen über TCU und Penn State hat man fast schon freie Bahn Richtung Playoffs.

Die anderen Top-Teams

#1 Alabama hatte null Probleme beim 56-14 über ULM.

#2 Georgia fegte 38-12 über Tennessee drüber. Wie schlecht war Tennessee? Man holte sich gleich 3 Strafen wegen unerlaubter Punt-Formation im ersten Spielviertel ein!

#3 Clemson sprang beim 27-23 gegen Syracuse gewaltig von der Schippe. Die Story vor dem Spiel war klar gewesen: Clemson-Headcoach Dabo Swinney hatte den Starting-QB Kelly Bryant demontiert und Freshman-QB Trevor Lawrence eingewechselt, woraufhin Bryant demoralisiert seinen sofortigen Abschied aus der Clemson-Mannschaft bekannt gab (was man Bryant nicht als „beleidigte Leberwurst-Tour“ übel nehmen sollte, schließlich bekommt er nur durch diesen sofortigen Abschied die Chance, noch ein letztes Jahr am College 2019 zu spielen; ein weiteres Spiel 2018 und er wäre nicht mehr „elibigle“ gewesen).

So spielte Lawrence. Doch Lawrence musste mit Gehirnerschütterung im Lauf der Partie runter. Bei 13-23 Rückstand ging es mit Third-Stringer QB Chase Brice für Clemson plötzlich darum, die Saison zu retten – und Brice lieferte: Zwei TD-Drives, natürlich unterstützt von einer immer dominanter werdenden Clemson-OL, hinter der RB Etienne locker seine Yards machte. Doch Brice hatte auch lichte Momente wie einen 4th&6 Pass beim letzten TD-Drive.

42 Sekunden vor Schluss der entscheidende Touchdown für Clemson, das aber in der aktuellen Verfassung nicht überzeugt. Syracuse war wacker und hätte die Partie ohne weiteres gewinnen können. Doch am Ende entschied auch hier wie bei Ohio State die überlegene Physis – ein Problem, das viele Mittelklassemannschaften vom Schlage Syracuse plagt: 3 Viertel können sie an guten Tagen immer mithalten, aber den meisten geht irgendwann die Puste aus.

Bei Clemson ist nun abzuwarten, wie es mit Lawrence‘ Gesundheit aussieht: Kann er nächste Woche spielen? Vertraut man im Fall der Fälle auf Brice? Oder kann man Bryant zu einem Comeback überreden, jetzt, wo eine Stammrolle in den nächsten Wochen durchaus denkbar wäre?

#5 LSU locker zum 45-16 über Ole Miss. LSU mit über 600 Yards Offense (was man nicht oft schreiben kann) und Ole Miss mit satten 17 Strafen für fast 170 Yards.

#6 Oklahoma zertrümmerte Baylor trotz einiger unnötiger Turnovers 66-33. Trotzdem fällt Oklahoma in den AP-Rankings um einen Platz auf #7 ab.

Neue #6 ist das nächste Team, das am Wochenende einen eindrucksvollen Sieg über eine gute Pac-12 Mannschaft feierte: Die bisherige #8 Notre Dame.

Jenes Notre Dame schlug #7 Stanford 38-17 in einer Partie, in der Stanford bis im Schlussviertel nur 24-17 zurück lag, ehe sich Notre Dames drückende spielerische Überlegenheit doch noch in klaren Vorsprung auf dem Point-Sheet verwandelte. Man muss sich nur mal die finalen Stats anschauen: 550 zu 229 Yards Offense, 29 zu 10 First Downs.

Notre Dame ist damit ein Dark-Horse auf die Playoffs. Mit dem QB Ian Book hat man plötzlich auch eine Passing-Offense – doch der wahre Gewinner ist die Rushing-Offense, die nun aus 10- oder 11-Personnel überwältigend ist: 6.2yds/Carry aus 3WR oder 4WR Formationen, fast 2.5yds/Carry besser als aus Heavy-Personnel. Die Defense ist sowieso seit Wochen in guter Form. Und Stanford derart an die Wand zu spielen, wird auch skeptische Pollster überzeugen.

#10 Auburn glanzlos beim 24-13 über Southern Miss.

#11 Washington fertigte #20 BYU mit 35-7 ab.

#12 West Virginia gewinnt 42-34 gegen #25 Texas Tech. Überzeugend dabei einmal mehr QB Will Grier, bei dem ich mir langsam ernsthafte NFL-Optionen vorstellen kann. Weniger lustig endete der Abend für Tech-QB Alan Bowman: Lungenquetschung, Ausfall auf unbestimmte Zeit.

#13 UCF souverän 45-14 über Pitt.

#14 Michigan sprang noch einmal von der Schippe: 20-17 gegen Northwestern, nach 0-17 Rückstand. Jim Harbaugh gerät langsam unter Druck ob der fehlenden Dominanz bei Michigan. Klar war man am Ende gegen ein müdes Northwestern deutlich überlegen, was man u.a. daran ablesen kann, dass Northwestern nur 1.0 yds/Carry Offense hatte. Aber im Selbstverständnis der Wolverines darf man gegen die versnote Elite-Uni Northwestern nicht bis ins letzte Viertel um einen Sieg zittern müssen.

Aber immerhin für Harbaugh: Gewonnen. Mund abwischen, weitermachen. Die anderen Granden der Eastern Division in der Big Ten sind auch nicht unschlagbar.

#16 Miami/FL cruist zum 47-10 über UNC.

#17 Kentucky bleibt weiter auf der Erfolgsspur: 24-10 gegen South Carolina.

#18 Texas feiert einen knappen 19-14 Sieg bei Kansas State. Dabei hatte man schon 19-0 geführt. Nun verliert man erstmal OffCoord Tim Beck, der nach bakterieller Infektion operiert werden musste.

#19 Oregon bleibt offensiv eine Wucht: 42-24 bei #24 Cal.

Verabschiedet von jeglichen Ambitionen hat sich dagegen #23 Mississippi State: 6-13 Pleite gegen ex-Coach Dan Mullen von Florida. Joe Moorhead hat mit seinen Bulldogs ein Problem: Der Quarterback kann nicht werfen.

Was ich auch am Wochenende gesehen habe

FSU 28, Louisville 24. Ein verschenktes Spiel von Louisville, wo Bobby Petrino mit absurden Play-Calling Bolzen in der Crunch-Time arg in die Schusslinie gerät. Doch auch die FSU-Vorstellung war einmal mehr beängstigend: Kein Zug in der Offense, im Prinzip nur von den Fehlern des Gegners schmarotzt.

Colorado 38, UCLA 16. Chip Kelly hat einen weiten Weg vor sich: Die Offense ist nur Stückwerk und die Defense ist so menschenscheu, da waren noch nichtmal viele „missed tackles“ dabei. Schlicht und ergreifend war die Defense mit zunehmendem Spielverlauf noch nichtmal mehr an einem Gegner physisch dran. Es hätte selbst im Flag-Football nicht gereicht.

Purdue 42, Nebraska 28. Nebraska mit 0-4 noch immer sieglos – der schlechteste Saisonstart seit dem Zweiten Weltkrieg für die Cornhuskers. Debüt-HC Frost verlor nach dem Spiel zum ersten Mal die Nerven und stellte sein Team in den Senkel. Doch sieh es mal anders: Frost machte bei UCF innerhalb von zwei Jahren ein 0-12 Team zu 13-0. Selbiges gelingt ihm in Nebraska nur, wenn er weiterhin fröhlich verliert.

Bei Purdue dagegen ist Headcoach Jeff Brohm nach 18 Spielen bei 9-9 Bilanz angekommen. Das ist für diese kleine Uni ein äußerst positives Zwischenfazit.

Texas A&M 24, Arkansas 17. Nach dem Spiel sprach niemand über das Ergebnis, denn für den Aufreger des Tages sorgte der A&M-Headcoach Jimbo Fisher, der seinen Spieler Tyrel Dawson am Gesichtsgitter rüttelte und ordentlich zusammenstauchte. Was man Fisher hernach als antiquierte Trainingsmethoden auslegte.

Diesen Samstag…

Wichtigstes Spiel von Woche 6 ist die „Red River Rivalry“ zwischen #7 Oklahoma und #19 Texas am Samstag, 18h MESZ, aus der Cotton Bowl von Dallas. Oklahoma bislang ein Juggernaut, aber letzte Woche gegen Army wackelig. Texas unbeständig, aber mit Momenten der Brillanz – und gegen Oklahoma die letzten Jahre oft besser als erwartet.

Die einzigen weiteren Spiele zwischen zwei im AP-Poll gerankten Teams sind #22 Florida vs. #5 LSU (21h30, CBS) und #24 Virginia Tech vs. #6 Notre Dame (2h, ESPN-Player), ein weiterer Stolperstein für Notre Dame, das einen knackigen Spielplan zu bewältigen hat, aber bislang durchaus überzeugt hat.

Die zweite große Rivalität, #17 Miami Hurricanes vs. FSU Seminoles, hat heuer sportlich wenig Buzz, nachdem FSU bislang horrend aussieht (Sa 21h30).

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