Date am Donnerstag – Week 5: Alte Rivalen an einem Tisch

Auftakt zu Woche 5 heute Nacht mit dem AFC-Duell New England Patriots (2-2) vs. Indianapolis Colts (1-3).

Es ist ein Duell, das bei mir viele Emotionen weckt, denn Patriots vs. Colts war die Rivalry der 2000er Jahre: Tom Brady gegen Peyton Manning, Bill Belichick gegen Tony Dungy, der Goal-Line Stand von Willie McGinest, die Interception-Orgie des Ty Law, das verschossene Vanderjagt-Fieldgoal, das Rekord-Offense scort 3 Punkte Spiel, das monströse AFC-Finale 2006/07 oder 4th & 2 lieferten Footballmomente, die man nicht vergisst.

In der laufenden Dekade war es sportlich zwischen diesen beiden Mannschaften eine Einbahnstraße: Die Combo Chuck Pagano/Andrew Luck war kein ernsthafter Gegner für Belichick und Brady und wurde gleich in Serie abgeschossen – ehe sich die Colts-Franchise mit dem Anstoßen des unsäglichen Deflation-Gates an New England rächte.

Doch diese Zeiten sind längst vergessen. Heute laufen die Colts zwar wieder mit Luck auf Quarterback auf, und als Owner in Indianapolis fungiert weiterhin der etwas durchgeknallte Jim Irsay, aber die beiden sind so ziemlich die einzigen verbliebenen Fixpunkte – während die Schlüsselfiguren in New England von 2001 noch immer die Schlüsselfiguren 2018 sind.

Als Verbindungspunkt zwischen beiden Teams fungiert der Kicker: Adam Vinatieri. Vinatiert kickte am Sonntag sein 667tes NFL-Fieldgoal und stellte damit einen Allzeitrekord auf, der vermutlich nie gebrochen wird. Vinatieri kickt seit 13 Jahren für die Colts – und doch wird er US-weit noch heute zuerst mit den New England Patriots in Verbindung gebracht, also mit jener Franchise, die er zwischen 2001 und 2004 zu drei Superbowl-Siegen schoss.

Heute Nacht

Sportlich sind beide Mannschaften suboptimal in die laufende Saison gestartet, auch wenn es für beide am Sonntag klare Anzeichen von Verbesserung gibt. Es sieht heute allerdings wie eine klare Kiste aus. Will heißen: Die Patriots gehen als haushohe Favoriten in die Partie.

Das liegt in erster Linie am Mis-Match der Colts-Defense gegen New England. Indys Verteidigung ist besser in die Saison getartet als man befürchten musste, hat in 4 Spielen 17 Sacks erzielt und Rookie-LB Darius Leonard ist bereits zur Tackle-Maschine mutiert.

Aber: Die Colts-Defense ist nur gegen 11-Personnel stark: 56% Defensive-Success Rate gegen den Pass, nur 6.5 NY/A gegen diese Aufstellung zugelassen. New England jedoch spielt kaum noch 11-Personnel (nur in 43% der Aufstellungen, nur San Francisco nutzt noch weniger 11), ist meistens mit zumindest zwei Tight Ends (12-Personnel) oder zwei Runningbacks (21-Personnel) an der Line of Scrimmage. Und ausgerechnet dagegen ist die Colts-Defense in dieser Saison bislang völlig überfordert: Nur 31% Defensive-Success Rate gegen den Pass, 10.0 NY/A zugelassen.

Wer meint, es handelt sich dabei um zu kleine Testmenge: Die Colts haben bereits 82 Snaps gegen 12 und 21 Personnel gespielt – immerhin 44 davon waren Passspielzüge. 31 davon waren erfolgreich, für 440 Yards.

Schon in den letzten Jahren endete Patriots vs. Colts häufig im Blowout, weil Indianapolis keine wirkungsvolle Verteidigung gegen New Englands schwereres Personal fand – die 200-Yards Spiele zu Zeiten von Jonas Gray sind noch in bester Erinnerung (Gray nicht mehr, der hatte in der NFL nur gegen die Colts Erfolg). Die Wetten stehen exzellent, dass McDaniels/Brady auch heute wieder Mis-Matches finden um die Colts-Verteidigung zu übertölpeln.


Wollen die Colts mithalten, geht das wohl nur über die Offense. Doch auch hier hat Indy einen wunden Punkt: QB Andrew Luck, der noch zu limitiert für ein komplettes Passspiel sein soll. In den ersten 3 Wochen ging Andrew Luck fast nie tief (keine 8% der Pässe gehen tiefer als 20 Yards) – und allein mit Kurzpassgewichse ist New Englands Verteidigung nicht zu knacken.

Doch Luck muss hie und da einen langen Pass riskieren – Arm-Strength hin oder her – um effizient zu sein. Am Sonntag gegen Houston gab es erste Anzeichen dafür, dass Indy Luck langsam von der Leine lässt. Wahrscheinlich kommen also alle Unkenrufe von wegen „Luck ist mit kaputter Schulter am Ende“ zu früh.

Doch umgekehrt muss man sich dann doch fragen: Warum hat Frank Reich das Passspiel so krass auf „Dink&Dunk“ umgestellt? Luck war in seiner NFL-Karriere bislang ein QB, der weit überdurchschnittlich viele tiefe Pässe versuchte – und auch Reich hatte in Philadelphia viel mehr als reines Kurzpassgewichse zu bieten. Von der Hail-Mary vor zwei Wochen, als man extra dafür Backup Brissett eingewechselte (oder einwechseln musste?) ganz zu schweigen.

Überdramatisieren mit Blick auf Luck wäre zwar overreaction – doch die Situation bleibt zu beobachten. Auch, weil WR T.Y. Hilton heute ausfällt. Ohne tiefe Bedrohung kann New England den zweiten tiefen Safety nach vorne in die Box stellen und damit sowohl souveräner den Lauf verteidigen als auch besser die Runningback-Targets zustellen. Müssen die Colts klein/klein spielen, ist es unwahrscheinlich, dass sie einen Shootout mitgehen können.

Die Offense ist also mutmaßlich zu zahnlos. Die Defense ist an den Stärken der Patriots-Offense vorbeikonzipiert. Und dann haben die Colts noch eine ellenlange Verletztenliste. Es riecht alles nach einem Sieg mit 10 oder mehr Punkten für die Patriots. Womit New England vor den „Wochen der Wahrheit“ (3 der nächsten 4 Spiele gehen gegen Chiefs, Bears und Packers) auf solider Basis von 3-2 Siegen stünde. Und Indy mit 1-4 wohl bereits aus allen Träumen gerissen wäre.

7 Kommentare zu “Date am Donnerstag – Week 5: Alte Rivalen an einem Tisch

  1. Live vor Ort.
    Hatte mir auch das Dolphins spiel schon vor Ort angeguckt.
    Ist schon ein cooles Feeling.
    Am Sonntag sind die natürlich auch komplett eskaliert…

  2. colle sache, ich war letztes Jahr beim London game der browns,aber ein NFL Spiel in den USA zu erleben wäre natürlich noch ein ganz anderes feeling.

  3. Kann ich nur empfehlen.
    Super feeling. Auch wenn es in Foxborough natürlich eher ruhiger ist.
    Stimmung ist schon sehr speziell.
    Dazu ein super entspanntes Publikum.
    Und als deutscher wird man sehr fasziniert angeguckt.
    Ist wohl selbst für US Verhältnisse leicht schräg, extra nur für 1-x Spiele in die USA zu fliegen, aber man kann das ja sehr schön mit Urlaub verbinden 🙂

  4. Tom Brady wirft den 500.-Touchdown-Pass seiner Karriere….auf WR Josh Gordon zu seinem ersten TD für die Patriots

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