Montagsvorschauer – Woche 5: Ode an Drew Brees

Abschluss von Woche 5 mit dem heutigen Monday Night Game New Orleans Saints (3-1) vs. Washington Redskins (2-1).

Die dominierende Geschichte vor dem Spiel ist der anstehende Pass-Rekord von Saints-QB Drew Brees, dem 201 Pass-Yards zum Allzeitrekord von Peyton Manning fehlen. Ebenso ist es wahrscheinlich, dass Brees heute seinen 500ten TD in der NFL wirft. Das sind erstaunliche Fakten für einen QB, dem man mit seinen 1,80m schon immer nachsagte, zu klein für die NFL zu sein.

Brees war ein rekordträchtiger Quarterback am College, aber er hatte sehr lange gegen die Zweifler anzukämpfen. Obwohl er als hervorragender Werfer galt, war er im NFL-Draft 2001 keine große Geschichte. Die Schlagzeilen gehörten dem aufregenden Michael Vick – Brees wurde erst zu Beginn der 2ten Runde gezogen.

Drei Jahre später galt Brees bereits als verbrannt: San Diego verpflichtete im Aufsehen erregenden Eli Manning/Philip Rivers Draft-Trade eben Rivers als seinen Ersatzmann. Doch Rivers sollte sich noch zwei Jahre auf die Bank setzen müssen – denn just mit der Einberufung von Rivers explodierte Brees als QB der Chargers und spielte zwei famose Saisons 2004 und 2005.

Aber Brees wurde nie was geschenkt. Just als er 2005 auslaufenden Vertrag hatte, verletzte er sich schwer an der Wurfschulter und musste sich in der anstehenden Free-Agency 2006 Fragen gefallen lassen, ob er denn jemals wieder gescheit Football spielen könne.

Nicht zuletzt verzichteten die Miami Dolphins (von Nick Saban gecoacht!!) nach einem Medizin-Check darauf, Brees zu verpflichten. Dem kleinen QB blieb am Ende nur eine Option: New Orleans.

Es mag heute bizarr erscheinen, das zu sagen: Aber die Saints waren in jenem Frühjahr 2006 so ziemlich die letzte Franchise, zu der du wechseln wolltest. Erstens waren sie sportlich eine Lachnummer. Zweitens – und viel wichtiger: Sie waren ein halbes Jahr von Hurricane Katrina entfernt, der die Stadt New Orleans verwüstet hatte und die Saints für Monate zu Obdachlosen gemacht hatte.

Brees unterschrieb bei den Saints und blickte seither nie mehr zurück. Er führte New Orleans in seiner ersten Saison in das NFC-Finale und in seiner vierten zum Superbowl-Sieg. Trotz teilweise absurd schlechter Defenses waren seine Offensiv-Reihen Jahr für Jahr in den Top-5 gerankt und Brees lieferte einige der besten Passing-Saisons der NFL-Geschichte ab.

Neben 2009 stand er auch in den Jahren 2011, 2013 und 2017 titelreifen Mannschaften vor, doch immer verhinderten Ausrutscher in den Playoffs den erneuten Durchbruch. 2011 war es Alex Smith, der das Spiel seines Lebens machte. 2017 war es das Minnesota Miracle. 2013 musste man auswärts gegen die Seattle Seahawks in der Form ihres Lebens antreten.

Brees ist heute 39 und eine lebende Legende. Obwohl ihm im hohen Sportleralter nun viele Sympathien zufliegen, werde ich das Gefühl nie los, dass er nie die Wertschätzung bekam, die ihm eigentlich zustehen sollte. Immer waren andere im helleren Rampenlicht: Erst Brady & Manning, dann Rodgers, jetzt Mahomes und die Riege der neuen „Quarterbacks der Zukunft“. Brees war einmal Superbowl-MVP, aber niemals NFL-MVP. Er ist ein sicherer Hall-of-Famer, aber er wird selten als #1 QB unserer Generation genannt.

Worauf man heute sonst so achten sollte

Brees spielt heute Nacht gegen eine bislang völlig übersehene, starke Pass-Defense: Washington kassierte in drei Spielen ganze 4.8 NY/A, #2-Wert der Liga. Ein Teil davon ist dem Schedule zu verdanken: Die Cardinals mit Sam Bradford waren unterirdisch, danach das Colts-Quick Pass Game und Green Bay mit einem Aaron Rodgers auf einem Bein. Doch die Redskins-Defense überzeugte auch mit Physis und harter Deckung. Das vermeintliche Problem auf Safety ist noch nicht durchgeschlagen.

Für New Orleans ist Pass-Offense heute natürlich nicht der einzige Weg: RB Ingram kehrt von Dopingsperre zurück, was der Offense eine neue Struktur geben könnte. Ersatzmann Kamara lief in den letzten Wochen als Allzweckwaffe heiß, doch er ist kein typischer „All-Down Back“.

Die Fragen, die sich mir stellen:

  • Wird New Orleans überhaupt viel laufen gegen die massierte D-Line um DT Payne?
  • Oder wird man versuchen, der Physis der Redskins-Front Seven mit quickem Passspiel auszuweichen?
  • Wenn ja: Wie wird sich WR Michael Thomas gegen CB Josh Norman schlagen?

Die andere Seite ist auch spannend: Wie sieht die Redskins-Offense aus? Washington zieht bislang fast sein komplettes Passspiel aus 11-Personnel auf: 86% der Pass-Plays kommen aus dieser Formation, und Alex Smith ist darin durchaus effizient: 7.3 NY/A und 50% Success-Rate.

Just diese Formation ist für die Saints ein Problem: Die Defense kassiert im Passspiel gegen 11-Personnel 9.6 NY/A, und ließ eine 11-0 TD/INT Ratio zu. Nur 42% der Pass-Plays konnten gestoppt werden, wohingegen New Orleans in der Run-Defense durchaus zu überzeugen wusste.

Aber das ist generell ein Problem für New Orleans: Sie sind hervorragend gegen den Lauf und schrecklich gegen den Pass. Das ist meistens weniger ein gutes Zeichen für die Run-Defense als vielmehr ein schlechtes Zeichen für die Pass-Defense. Das beste Rezept für Jay Gruden und seine Redskins ist also wohl: Einfach fast immer werfen!

Viel werfen heißt viele Yards und wohl auch viele Punkte. Heißt auch: Die Saints müssen mit vielen Yards und vielen Punkten kontern. Für den eingangs erwähnten Passyards-Rekord ist hohes Volumen auf Würfen unabhängig von der Schwierigkeit der Aufgabe natürlich ein positives Vorzeichen für einen Brees-Rekord schon heute Nacht.

 

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3 Kommentare zu “Montagsvorschauer – Woche 5: Ode an Drew Brees

  1. Ich hoffe das die Rückkehr von Mark Ingram mit dem X-Faktor Taysom Hill reichen um die starke Redskins Defense zu biegen, bin aber aufgrund der schwachen Secondary der Saints etwas skeptisch.
    Hier noch ein interessantes aktuelles tiefer gehendes Sean Payton Portrait, auch mit Drew Brees Interview. https://www.youtube.com/watch?v=GXeeKZ6dF60&list=PLW5qT4HIAd1YhVloQAAycMqaxdLgHnfFl
    Spannend das Payton nie nach New Orleans sondern Green Bay wollte, dachte das Drew Brees nicht nach Nola kommen würde und eine klare Ansage bezüglich Kneel Diskussion, sowie Trump und zur Gun Controll. Er wirkt recht reflektiert und tiefsinnig, ganz anders als sein Playcalling wenn er hinten liegt…. (kleiner Scherz)

  2. 2 Min.36 vor Halbzeit war die erhoffte Celebration an Drew Brees Tatsache. Ein berührender Moment mit Familie Bress.
    Ah ja. Die Redskins waren auch noch auf dem Feld…als dankbarer Sparingpartner.

  3. Die unglaubliche Bress Show in der heutigen Nacht ist unaufhaltsam, wird sogar noch durch einen selbsterlaufenen TD gekrönt, dies soeben im 3.Viertel.
    Dies wird ein historischer Abend auch für die New Orleans Saints.

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