New England Patriots vs. Kansas City Chiefs Preview

Es gibt keinen Zweifel, welche NFL-Partie am Sonntag für die Schlagzeilen sorgen wird: Das Sunday Night Game, 02h20, der AFC-Kracher New England Patriots (3-2) gegen Kansas City Chiefs (5-0). Bill Belichick gegen einen der wenigen Menschen, die für ihn als sowas wie „Kumpel“ durchgehen, Andy Reid. Altstar Tom Brady, regierender NFL-MVP, gegen den neuen Stern Patrick Mahomes, aktueller Favorit auf die Nachfolge. Das Duell um die Vorherrschaft in der AFC.

Patriots gegen Chiefs hat Vorgeschichte. Es ist nun ziemlich genau vier Jahre her, dass die Chiefs in einem mittlerweile berühmt bewordenen Monday-Night Game die Patriots so richtig verprügelten und mit 41-14 vom Platz schickten. Direkt im Anschluss daran herrschte US-weit eine Woche lang Hyperventilation ob des Untergangs der Patriots-Dynastie und des unmittelbar bevorstehenden Karriereendes von Tom Brady. Nur einer blieb in der allgemeinen Aufregung cool: Belichick mit seiner „on to Cincinnati“ Schmallippigkeit, die heute Kultstatus genießt.

Resultat seither: Patriots standen dreimal in vier Jahren in der Superbowl, mit zwei Titelgewinnen und einem weiteren Halbfinale im vierten Jahr. Auf dem Weg dorthin fegte man u.a. einmal in den Playoffs die Chiefs von der Straße – sicher hilfreich dabei, Andy Reid von der Notwendigkeit des nächsten Evolutionsschritts in seiner Offense zu überzeugen.

2017 läutete er das Ende der Alex-Smith Ära ein und draftete mit Pauken und Trompeten den neuen Franchise-QB Mahomes, der die NFL in dieser Saison im Sturm nimmt.

Wenn die Chiefs den Ball haben

Mahomes glühte drei Spiele lang so hell, dass man Angst um sein Verbrennen haben musste. Er zerlegte Chargers, Steelers und 49ers nach allen Regeln der Kunst. Dann kamen mit Denver und Jacksonville zwei heftige Defenses und Mahomes wurde zumindest teilweise eingebremst: Keine TD-Pässe, dafür zuletzt zwei INT gegen Jacksonville. Trotzdem konnten Mahomes und Reid Positives aus den beiden Partien ziehen:

  1. a) Man holte zwei Siege. Gegen Denver drehte Mahomes im Schlussviertel eine verloren geglaubte Partie mit 2 TD-Drives. Gegen Jacksonville lief man nie Gefahr, das Spiel zu verlieren, da Mahomes abseits der beiden INT (von denen nur eine sicher auf seine Kappe geht) 7.6 NY/A im Passspiel beisteuerte.
  2. b) Die Chiefs waren gegen Jacksonville sogar in 11-Personnel erfolgreich – jene Formation, die von der Jaguars-Defense bislang komplett dominiert wurde.

Denver und Jacksonville gehen als Top-5 Defenses durch. Doch beiden Verteidigungsreihen eilt noch nicht der Ruf des Bill Belichick nach, der zwar in New England seit mehreren Jahren keine Top-Defenses mehr aufs Feld geschickt hat, aber der noch immer als Mastermind darin gilt, dem Gegner schwierige Fragen zu stellen und ihn aus seiner Comfort-Zone zu holen. Als besonders effizient gilt Belichick dann, wenn „der Gegner“ ein Rookie-QB ist. (wobei es Ausnahmen wie 2017 Deshaun Watson gibt).

Das Erschreckende an der Chiefs-Offense: Sie hat kaum Schwächen. Sie gehört in fast allen Kategorien zu den führenden Teams in der NFL:

  • Passspiel auf Runningbacks (60% Success-Rate, #3), Tight Ends (54%, #13) oder Wide Receiver (59%, #7)
  • Passspiel aus 11-Personnel, 12-Personnel, 21-Personnel oder 4WR-Formationen
  • Passspiel in 1st Down (9.0 NY/A, 56% Success-Rate), 2nd Down (8.1 NY/A, 55% SR) und 3rd Down (8.6 NY/A, 58% SR)
  • Explosive Pass-Success Rate (über 20yds Raumgewinn: 14%, #3 der NFL
  • Laufspiel nach Success-Rate: 44%, #7 der NFL
  • Laufspiel nach Yards/Carry: 4.7, #10 der NFL
  • Laufspiel in den ersten drei Vierteln (ohne die Q4-Runs, in denen der Gegner sich darauf konzentrieren kann): 50% Success-Rate, #2 – und 5.3 Yards/Carry, #5

Und sie geht am Sonntag personell wohl in Bestbesetzung in die Partie. In New England soll der Fokus vor allem auf der Verteidigung der eingestreuten Run/Pass Options liegen, von denen die Chiefs ca. 10-15 pro Spiel einstreuen.

CB Gilmore wird fast sicher gegen den physischen WR Sammy Watkins auflaufen. Wer den extrem geschwindigen WR Tyreek Hill aufhalten soll, ist noch abzuwarten. Man kann davon ausgehen, dass New England häufig in „Big Nickel“ auflaufen wird, mit dem Safety-Trio Chung/McCourty/Harmon hinten drin, um die Big-Plays zu verhindern und Kansas City dazu zu zwingen, viele Plays kleinen und mittleren Ausmaßes zu machen.

Wenn die Patriots den Ball haben

Diese Strategie wird nur dann Erfolg haben, wenn die Patriots-Offense Punkte vorlegt. Das ist gegen die Chiefs auch möglich, denn wo die Mahomes-Offense das Licht repräsentiert, ist die Chiefs-Defense der zugehörige Schatten.

New England war in den ersten Wochen mangels Wide Receivern im Kader keine gute 11-Personnel Offense, aber mit 3 Receivern gegen die Chiefs anzutreten, wäre auch Verschwendung. Schließlich ist kaum ein Team schlechter darin, den Pass gegen 12-Personnel (50% Success-Rate, 9.0 NY/A) und 21-Personnel (nur 40% Defensive Success-Rate, 6.5 NY/A) zu verteidigen.

Gronkowski dürfte in dieser Partie einigen Terror veranstalten, zumal bei den Chiefs mit SS Eric Berry und dessen Backup Eric Murray gleich zwei wesentliche Tight-End Deckungsspieler fraglich sind; beide haben unter der Woche kaum trainiert.

Auch vorne Dampf machen wird für Kansas City nicht einfach: DE Justin Houston fällt wohl aus – damit verschiebt sich die ganze Last des Passrushes gen DE Dee Ford und DE Breeland Speaks.

Einen Faktor, den man bei der Chiefs-Defense unbedingt berücksichtigen muss: Sie ist tatsächlich so schlecht gegen das Laufspiel, dass man einer Offense dazu raten könnte, ohne Rücksicht auf Verluste über sie drüber zu laufen. Eine Kostprobe?

  • Kassierte Yards/Run: 5.5, #30 der Liga
  • Defensive Run Success-Rate: 44%, #32 (die #31 hat 52% DefSR%)
  • Kassierte EPA/Run: 0.28 EPA/Play, #32

Wie übel bist du dran, wenn du als Run-Defense 0.28 EPA/Play (Expected Points pro Spielzug) kassierst? Nun: Nur vier Pass-Offenses (sic!) sind effizienter – Rams, Chargers, Saints und eben Chiefs.

Schauen wir uns die Success-Rate an, ist der Unterschied zwischen den Chiefs und der zweitschwächsten Run-Defense so groß wie der Unterschied zwischen den 2t-schwächsten und der 19t-schwächten. Solche Werte sind unter aller Kanone.

Sollte man den Patriots heute tatsächlich raten, viel zu laufen? Angesichts einer Passing-Armada mit Gronkowski, WR Josh Gordon und WR Julian Edelman sowie den famosen Pass-Catchern White/Michel vielleicht nicht. Aber schon letzte Woche hatte ich das Gefühl, dass die Jaguars trotz ihres schnellen Rückstands zu früh vom Laufspiel abgegangen sind – sie hätten einfach Drive für Drive über Kansas City drüberlaufen können. Man möchte sich nicht ausmalen, was passiert, wenn New England nach vielleicht 1-2 Chiefs-Turnovers schnell in Führung geht und danach seelenruhig laufen kann.

Fazit und Auswirkungen

Wir sehen also eine Monster-Partie am Sonntag. Letzte Woche war für beide Teams ein Statement: New England, weil es allen Unkenrufen zum Trotz innerhalb von vier Tagen zwei souveräne Siege einfuhr und seine Offense in Gang bekam. Kansas City, weil es eine der besten Defenses gegen deren Stärken deutlich dominierte.

Die Chiefs können am Sonntag in Foxboro nicht bloß weitere Schockwellen verbreiten, sondern sich in der AFC auch eines Kontrahenten im Playoff-Seeding entledigen: Mit 6-0 wäre man gegen die 3-3 Patriots dann faktisch dank Tie-Breaker bereits vier Spiele voraus. Doch bei einem Patriots-Sieg wäre ein 4-2 New England nur noch ein Spiel hinter den 5-1 Chiefs. Gemessen daran, dass es sich um eine Regular-Season Partie handelt, hängen die Früchte also hoch.

Let’s get ready to rumble.

5 Kommentare zu “New England Patriots vs. Kansas City Chiefs Preview

  1. Ich gehe davon aus, dass die Chiefs Offense eingebremst wird und die Patriots die Schwächen der Chiefs Defense notfalls bis zum Erbrechen ausnutzen werden. Sieg Patriots.

  2. Könnte ein ähnlicher Klassiker werden wie „on to Cincnnati:
    Reporter: „Bill, does it feel like you’re playing for the top seed in the AFC…“
    Belichick: „It feels like we’re playing Kansas City.“
    Reporter: „Does it feel like…“
    Belichick: „It feels like we’re playing Kansas City.“

    Wahrscheinlich weiß er, dass die Chance in einem Championchip-Game mit #2 Heimreicht zu haben ganz gut ist, weil Playoff-Andy-Reid eben Playoff-Andy-Reid-Dinge machen wird 😉

  3. Pingback: Sonntagsvorschauer – Woche 6 | Sideline Reporter - Eier, wir brauchen Eier!

  4. Dont’a Hightower auf dem Feld und die 20 Yards der Patriots Endzone waren der Knackpunkt für die Chiefs zur 1. Hälfte. Statt TD nur FG.
    Kansas sollte also aus dem offenen Feld ihren Abschluss suchen.
    New England spult ihr bekanntes Programm runter, diesmal wieder mit Edelmann.
    Eigentlich egal wie es ausgeht, beide können eine Niederlage verkraften. Ihre Qualität bleibt erhalten.

  5. Was für eine 2. Halbzeit. Bisher nur 1 Punt 3 Min. vor Ende.
    Welche Kombination gewinnt oder verliert diesen Battle?
    Belichick mit Brady oder A.Reid mit Mahomes?
    Bin auf die Nachbetrachtung und Analyse von @korsakoff gespannt.

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