Team-Identitäten 2018: Laufspiel

In der Vergangenheit habe ich mich in erster Linie um die Qualitäten und Identitäten der einzelnen Mannschaften im Passspiel gekümmert. Heute dran: Das Laufspiel.

Die Kürzel haben dabei folgende Bedeutung:

  • Carries = Gesamtanzahl der Laufspielzüge (ohne QB-Kneels)
  • LE = Left End (off tackle)
  • LT = Left Tackle
  • LG = Left Guard
  • C = Center (gerade über die Mitte)
  • RG = Right Guard
  • RT = Right Tackle
  • RE = Right End (off tackle)

Im Generellen lässt sich sagen, dass die NFL das Laufspiel fast perfekt symmetrisch verteilt über die einzelnen Zonen: 29% der Snaps gehen straight über die Mitte, geradeaus über den Center. Linksseitig davon 37% der Carries, rechts davon 35%. Und: Es gehen über jene der Zone links und recht zwischen 11% und 14% der Carries.

Die erfolgreichsten Rushes sind dabei jene über die Flanken: Über linksaußen bringt die NFL eine 49%ige Success-Rate zustande, über rechtsaußen eine 43%ige. Am erfolglosesten ist die NFL über die traditionelle Lauf-Seite über den rechten Guard und rechten Tackle: Jeweils nur 34% Success-Rate für die NFL. Über die Mitte und halblinks ist es mit 38%-40% Success-Rate etwas besser.

Im Folgenden sehen wir die Verteilung der einzelnen Laufspielzüge pro Mannschaft an:

Offensive Rushing SR - Woche 6

Offensive Rushing SR – Woche 6

Ich hatte schon gestern vor dem Thursday Night Game darüber geschrieben, wie häufig die Cardinals geradeaus über die Mitte laufen lassen: Sagenhafte (oder besser: „grauenhafte“) 63% der Carries gehen über die Mitte. Dabei sind die Cardinals über diese Zone nur in 31% der Fälle erfolgreich – d.h. sie verschenken über 40% ihrer Rushing-Plays (31% von 63%)! Zumindest bis heute Nacht – aber da gibt es keine Spoiler.

Den Cardinals – „am nächsten“ ist angesichts des Abstands übertrieben – ähnlich kommen Chiefs (49% der Carries über die Mitte), Jaguars (46% über die Mitte) und Colts (43% über die Mitte). Die Chiefs zeigen mit 45% Success-Rate über die Mitte, dass man auf hier drüber erfolgreich laufen kann, während Colts und Jaguars recht viele Carries damit verbrennen.

Interessanterweise ist es bei den Jaguars übrigens gar nicht mal allein der „Faktor Fournette“, der so viele Carries über die Mitte provoziert: Fournette wird nur in 40% seiner Carries dort drüber geschickt – allerdings mit dann verheerender Success-Rate: 25%.

Generell laufen die meisten Mannschaften am liebsten geradeaus über die Mitte – diese „wir sind stärker als ihr“ Mentalität bzw. das „über den Gegner drüberlaufen“ scheint noch sehr stark in den Köpfen der Coaches vorhanden zu sein (oder es ist schlicht Einfallslosigkeit der Play-Designer). Doch es gibt Ausnahmen:

  • Saints: Nur 1 einziger Carry über den Center
  • Falcons mit nur 4% der Carries über die Mitte
  • Browns mit nur 6%

Während die Saints vor allem über die Guards laufen, sind die Falcons im Laufspiel richtig modern unterwegs und laufen in satten 46% der Rushing-Snaps über eine der beiden Flanken.

Ein solches flanken-lastiges Lauf-Team sind auch die 49ers, wo der ex-Falcons OffCoord Kyle Shanahan coacht: 34% der Carries gehen über eine der Flanken (NFL-Schnitt: 26%, 14% links, 12% rechts) und San Francisco ist an beiden Flanken mit Abstand am erfolgreichsten: 48% der Carries bringen einen Erfolg, während vor allem über halbrechts so gut wie nichts geht (ca. 33% Run-SR).

Ein besonders tragischer Fall sind mal wieder die Tennessee Titans, die mit OffCoord Matt LaFleur einen Shanahan/McVay Zögling eingestellt hatten – doch LaFleurs Offense ist bislang eine der ineffizientesten in der NFL. Das kann man z.B. daran ablesen, dass LaFleur satte 37% der Carries über die Spielfeldmitte schickt, obwohl diese mit 17% Run Success Rate kaum erfolgloser sein könnten.

Success-Rate ist jedoch nicht das einzige Kriterium, an dem man eine NFL-Run Offense messen möchte. Man möchte auch wissen, wie sich die Extreme (im Guten: Big-Play Runs, im Schlechten: Fumbles und Turnovers) verhalten. Schauen wir uns noch die Verteilung nach EPA pro Richtung (also Expected Points) an – hier werden alle Ergebnisse aus allen Carries gemessen:

Offensive Rushing EPA - Woche 6

Die wesentliche Erkenntnis: Laufspiel über die Mitte behindert Offenses mehr als es hilft. Über Center und die beiden Guards führt es jeweils zu negativer EPA, sorgt also im Schnitt für schlechtere Spielsituation als vor dem Ausspielen des Downs.

Dagegen ist Running Game über die Tackles ein relatives Nullsummenspiel, während die Teams massiv profitieren, wenn sie ihre Runningbacks über die Flanken schicken: 0.14 EPA über die linke Flanke, 0.07 EPA über die rechte. Als Vergleich: Der durchschnittliche Passspielzug der NFL bringt im Jahr 2018 insgesamt 0.06 EPA ein.

Laufspiel über die Flanken ist also sogar effizienter als der durchschnittliche Pass.

Nur die Seahawks, Redskins und Ravens sind brauchbare „up the middle“ Rushing-Teams (Saints, Falcons und Browns haben wie oben gesehen kaum Versuche).

Und die Defenses? Kann man in den nachfolgenden Grafiken studieren:

 

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4 Kommentare zu “Team-Identitäten 2018: Laufspiel

  1. Warum sind läufe nach links so viel besser?
    Weil LT im Schnitt immernoch besser sind als RT?
    oder liegt es darand as Tight Ends häufiger Rechts ausgestellt sind und man es daher mit mehr Verteidigern zu tun hat.

  2. @blub: Eine gute Frage, doch leider für mich nicht beantwortbar. Es mangelt mir an verfügbaren Daten, an welchen Stellen sich die einzelnen Positionen in Offense und Defense aufstellen.

    Die traditionelle Denke über Jahre war „Left Tackle ist Passrush-Seite, Right Tackle ist Running Offense“. Vielleicht sind Defenses auch immer noch vor allem darauf fixiert, die rechte Seite Offense Line im Lauf-Assignment zu stopfen.

  3. Pingback: Sonntagsvorschauer – Woche 7 | Sideline Reporter - Eier, wir brauchen Eier!

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